8. August 2026
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978-3565502356
neobooks
Aus dem Nichts wird Miriam mit einem Feuerwerkskörper beworfen. Zum Glück bleibt sie unverletzt, trotzdem will sie den Täter nicht davonkommen lassen. Leider hat sie nichts gesehen, was ihr weiterhilft, ein Junge in ihrem Alter, aber davon gibt es viele. Ihre jüngere Schwester könnte mehr gesehen haben, aber aus Verena ist nichts herauszubekommen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Evi macht Miriam sich daran, ein kompliziertes Verwirrspiel aufzudecken.
Der Angriff traf Miriam völlig unerwartet. Beiläufig hatte sie die Jungen auf der anderen Straßenseite gesehen, die dort an der Citybus-Haltestelle standen und herumalberten. Sie hatte nicht einmal hingeschaut, ob sie einen von ihnen kannte.
Miriam stand zusammen mit ihrer besten Freundin Evi vor dem Bahnhof in Bruneck. Sie waren einkaufen gewesen, Miriam hatte ein Buch abgeholt, das sie in der Buchhandlung bestellt hatte, Evi sich drei neue T-Shirts zugelegt. Jetzt warteten sie auf Verena, Miriams zwei Jahre jüngere Schwester. Die war nach der Schule mit zu einer Freundin gegangen, sie hatten verabredet, gemeinsam nach Hause zu fahren. Nicht, dass Verena das nicht auch allein geschafft hätte, sie war ja auch schon zwölf und die Strecke ihr täglicher Schulweg. Aber wenn es sich ergab, freute sie sich, dass sie nicht allein fahren musste.
Miriam spürte einen leichten Schlag im Rücken. Gleich darauf zerriss ihr ein heftiger Knall fast die Trommelfelle, und eine Druckwelle presste ihr das T-Shirt gegen die Haut. Zuletzt machte sich ein Gefühl von Hitze breit.
Reflexartig machte sie einen Satz nach vorn, stieß gegen die Mauer des Bahnhofsgebäudes und duckte sich in den Durchgang, der von der Straße direkt zum ersten Bahnsteig führte.
„Bist du okay?“, hörte sie ihre Freundin fragen. Evi hockte neben ihr, trotzdem hörte es sich für Miriam an, als würde sie aus weiter Ferne sprechen. Ihre Ohren waren immer noch halb taub vom Knall.
„Glaub schon“, antwortete sie zögernd. Am Rücken hatten sie nur kurz etwas gespürt, auch die Hitze war schon wieder weg. Nur die Ohren taten noch weh, aber ernsthaft kaputt schien auch da nichts zu sein.
„Lass mal sehen!“, sagte Evi trotzdem. Verlässliche Freundin, die sie war, wollte sie sich selbst davon überzeugen, dass Miriam unverletzt war. Sie hockte sich hinter Miriam und tastete ihren Rücken ab. „Tut irgendwas weh?“, wollte sie wissen. Miriam schüttelte den Kopf.
„Nichts passiert“, diagnostizierte Evi schließlich. „Dein T-Shirt hat einen Fleck, aber ich glaube, das ist nur Ruß, nicht verbrannt.“
Auch der Schmerz in den Ohren ließ nach, es schien so, als hätte Miriam tatsächlich Glück gehabt. Doch das war nicht das Verdienst der Jungen, die sie offensichtlich mit einem Böller beworfen hatten, und deshalb wollte Miriam sie auch nicht ungestraft davonkommen lassen. Woher hatten die überhaupt mitten im Sommer den Böller, und warum warfen sie ihn ausgerechnet nach ihr?
Das würde sie sie fragen, wenn sie erst einmal wusste, wer sie überhaupt waren. Zu dumm, dass sie nicht weiter auf die Jungen geachtet hatte! Auch Evi nicht, und jetzt waren sie natürlich längst weg. Sie hätten ja auch blöd sein müssen, stehenzubleiben und zu warten, bis Miriam und Evi sie am Kragen hatten!
„Wenn wir Glück haben, hat Veri sie gesehen“, überlegte Evi. „Ich meine, ich hätte sie oben an der Straße gesehen, und die Typen sind Richtung Stadt abgehauen, wenn ich mich nicht verguckt hab. Dann müssten sie an ihr vorbeigekommen sein.“ „Fragt sich nur, ob sie sie erkannt hat“, wandte Miriam ein. „Die waren in unserem Alter, würde ich sagen, vielleicht sogar ein bisschen älter, glaube nicht, dass sie da so viele Kontakte hat.“
„Na ja, die, mit denen wir öfter zu tun haben, kennt sie“, gab Evi zu bedenken. „Aber wenn’s davon einer gewesen wäre, dann wäre uns das aufgefallen.“ „Eben“, bestätigte Miriam. „Außerdem würde von denen keiner so Zeug nach uns werfen.“ Sie atmete tief durch. „Aber fragen kostet ja nichts, vielleicht kann sie sie wenigstens beschreiben.“ Allerdings würden sie dann schnell sein müssen, denn wahrscheinlich hatte Verena den Böllerwurf nicht beobachtet. Wenn es so war, dann hatte sie auch keinen Grund gehabt, die Jungen genauer in Augenschein zu nehmen, als sie an ihr vorbeigekommen waren, und eine beiläufige Wahrnehmung würde bald wieder aus dem Gedächtnis verschwinden.