Autorenseite René Bote

Freundin auf Widerruf

Eine Liebe auf Zeit

Cover des Buchs Freundin auf Widerruf
11. November 2014
16
978-3734729430
Books on Demand

René ist der Einzige. Der einzige, der keine Freundin hat. Der, der immer aufgezogen wird, weil er der einzige ist, der keine Freundin hat. Der, den bis jetzt auch kein Mädchen besonders interessiert hat.

Dann trifft er Leona, das Mädchen, das als unnahbar gilt. Das Mädchen, das kein einziger Junge erobern konnte. Das Mädchen, das ihm anbietet, seine Freundin zu sein.

Doch es ist eine Liebe auf Zeit…

E-Book €0,49

Heute war mal wieder so ein Tag, an dem René alles und jeden hätte anfauchen können, und wenn es soweit war, dann half nur noch eins: in die Barca-Kluft springen, in die Fußballschuhe steigen und ab zum Bolzplatz, bis die Wut verraucht war. Die Zeit für ein kurzes Mittagessen, bestehend aus einer Schnitte Brot, einem Schokoriegel und einem Glas Cola, nahm er sich noch, zog sich dabei aber schon um und packte eine Flasche Wasser in seinen Rucksack. Er schwang sich den Rucksack auf den Rücken, holte das Fahrrad aus der Garage, klemmte den Ball auf den Gepäckträger und radelte los.

***

Auf dem Kunstrasenplatz am Ortsrand rannten ein paar jüngere Kinder herum, überwiegend Jungen und alle zwischen sieben und zehn Jahre alt, die komplette E- und F-Jugend des hier beheimateten Vereins, deren Training bald beginnen musste. Ein paar Eltern standen am Spielfeldrand, die Trainer stellten Hütchen auf und verteilten Bälle.

Die meisten kannte René zumindest dem Namen nach, viele, besonders die älteren E-Jugend-Spieler, auch näher, denn er spielte selbst auch hier im Verein, allerdings schon in der D-Jugend, die an anderen Tagen trainierte. Er hob kurz die Hand, um zwei Jungs zu grüßen, die zufällig gerade in seine Richtung sahen, hielt aber nicht an, denn im Augenblick hatte er kein Bedürfnis, sich von irgendjemandem zutexten zu lassen. Er ließ den Kunstrasenplatz rechts liegen und radelte weiter bis zur Wiese, die sich daran anschloss und zum Teil als Bolzplatz hergerichtet war.

Hier herrschte tote Hose, der von hohen Stahlgitterzäunen umgebene Bolzplatz war verwaist, auf dem Spielplatz direkt daneben saßen nur zwei Mädchen aus seiner Parallelklasse, die er bloß flüchtig kannte, auf den Schaukeln, ließen die Beine baumeln und unterhielten sich. Mehr war hier selten los, die Kinder aus dem Ort bevorzugten nicht so abgelegene und besser ausgestattete Spielplätze, vor allem den der mitten im Zentrum gelegenen Grundschule, und der Bolzplatz war wegen seines schlechten Zustands wenig beliebt. Die Tore hatten keine Netze, der Boden war uneben und so zertreten, dass sich kaum noch ein Grashalm hervortraute, und nach längerem Regen standen wegen der fehlenden Drainage jedes Mal riesige Pfützen auf dem Feld. Der Vorteil daran war, dass René hier seine Ruhe haben würde, und der Ball würde immer wieder vom Zaun zurückspringen, egal ob er ins Tor ging oder nicht, so dass René ohne Unterlass draufhalten und sich die Wut aus den Beinen schießen konnte.

***

Rund fünfzehn Meter entfernt hörte Leona, wie auf dem Bolzplatz alle paar Sekunden ein Ball gegen den Zaun knallte. Sehen konnte sie aus ihrer sitzenden Position nicht, wer da zugange war, weil selten oder nie von Menschenhand gebändigte Büsche, Gräser und Rankpflanzen einen dichten, fast mannshohen Verhau entlang des Zaunes bildeten, und sie hatte, ins Gespräch mit ihrer Freundin Annelie vertieft, auch niemanden kommen sehen, aber ab und an sah sie für einen Moment den Ball, und dass derjenige, der da das Spielgerät misshandelte, ordentlich Frust schob, hörte sie an der Regelmäßigkeit und der Wucht der Einschläge. So klapperte der Zaun nicht, wenn einer den Ball schön in den Winkel zu schlenzen versuchte, so rappelte es nur, wenn der Vollspann benutzt wurde. Leona spielte selbst kein Fußball, begleitete aber gelegentlich, wenn sie nichts Besseres zu tun hatte, eine Freundin, die kein schöneres Hobby kannte, als sportlichen Jungs beim Rennen zuzusehen

***

Eine halbe Stunde später war Leona allein auf dem Spielplatz, denn Annelie musste zum Konfirmandenunterricht. Unschlüssig blieb sie auf der Schaukel sitzen, denn sie hatte irgendwie keine Lust, jetzt schon nach Hause zu gehen, und ihr fiel niemand ein, mit dem sie sich kurzfristig hätte treffen können. Es wurde wohl Zeit, dass sie sich ein neues Hobby für dienstags nachmittags suchte, denn so wie heute ging es ihr fast jede Woche. Die meisten ihrer Freundinnen mussten entweder wie Annelie zum Konfi, oder sie hatten Geigenstunde, Sport oder sonst etwas, wo sie nicht fehlen durften oder wollten.

Wenig interessiert und mehr, um überhaupt was zu tun, stand sie auf, um nachzusehen, wer da mit wachsender Begeisterung den Bolzplatzzaun misshandelte. Dabei zuzusehen, war wahrscheinlich immer noch spannender, als Löcher in die Luft zu starren.