31. Januar 2026
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978-3818797478
neobooks
Im Vergleich zu den anderen Klassen hat die 6b mit ihrer Klassenfahrt das große Los gezogen, da sind sich alle einig. Doch ein unvorhersehbares Ereignis wirft alles über den Haufen – das Ende der Reise, noch ehe sie richtig begonnen hat? Mit viel Fantasie und Abenteuergeist gelangen die Sechstklässler doch noch ans Ziel, und einige von ihnen zeigen dabei Seiten von sich, die bislang niemand kannte.
Ein romantisches Reiseabenteuer.
Herr Schwäbe, Frau Adler und Frau Dr. Werner versuchten, sich nichts anmerken zu lassen, aber ihren Sechstklässlern entging ihre Nervosität nicht. Die Jungen und Mädchen konnten die Uhr lesen und wussten selbst, dass es knapp werden würde.
Die 6b war auf dem Weg nach der Terschelling, die Klassenfahrt sechs Wochen vor den Sommerferien war ein Höhepunkt des Schuljahres. Erst recht, eben weil es auf die niederländische Nordsee-Insel ging statt in eine Jugendherberge in der Umgebung wie bei den Parallelklassen. Möglich gemacht hatten das Sophies Eltern mit ihren Kontakten. Sophies Mutter war schon als Kind mit ihren Eltern und Geschwistern jeden Sommer nach Terschelling gefahren, und diese Tradition hatte sie mit ihrer eigenen Familie fortgeführt. Sie hatte eine Reihe von Bekannten auf der Insel, und dazu gehörten auch die Inhaber einer Pension, die der Klasse einen sehr guten Preis gemacht hatten. Ohne diesen Sonderpreis hätten die Übernachtungskosten das Budget bei weitem gesprengt.
Im Vergleich zu den Parallelklassen hatte die 6b mit Abstand den weitesten Weg, zunächst mit dem Bus zum Hafen in Harlingen und dann weiter mit der Fähre. Um das auszugleichen, hatten die Lehrer sich bereiterklärt, schon am Sonntagvormittag mit den Kindern loszufahren, statt erst am Montagmorgen. Sie hatten Plätze auf der Nachmittags-Fähre gebucht und Pufferzeit eingeplant für den Fall, dass es irgendwo einen Stau gab.
Dass die Autobahn ohne Vorwarnung voll gesperrt sein würde, hatten sie jedoch nicht ahnen können. Mehrere Kilometer vor ihnen war ein Kühltransporter in Brand geraten, und an der Unfallstelle war kein Vorbeikommen. Personen waren zum Glück nicht zu Schaden gekommen, der Fahrer hatte es geschafft, den Laster auf dem Seitenstreifen zum Stillstand zu bringen und auszusteigen, ehe das Feuer auch aufs Führerhaus übergegriffen hatte.
Inzwischen war das Feuer gelöscht, die Feuerwehr war dabei, die Trümmer auseinanderzuziehen, um letzte Glutnester zu bekämpfen. Doch danach musste das Wrack erst einmal auskühlen, ehe man es abtransportieren konnte, und anschließend würde die Fahrbahndecke instandgesetzt werden müssen. Die Hitze des Feuers hatte den Asphalt beschädigt, die Reparatur würde mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Doch selbst wenn die Aufräumarbeiten zügig vonstattengingen, war nicht gesagt, dass bald wenigstens eine Spur wieder würde freigegeben werden können. Der Fahrer hatte sich nicht mehr aussuchen können, wo er den brennenden Laster stoppte, am Ende war es unmittelbar vor einer Brücke gewesen. Ein Reporter vor Ort berichtete, dass die Brücke auf mehreren Metern rußgeschwärzt war, und er hatte auch kleinere Betonbrocken ausgemacht, die auf die Fahrbahn gefallen waren. Nun mussten Experten die Brücke prüfen und feststellen, ob die Schäden eher kosmetischer Natur waren, oder ob die Statik gefährdet war. Solange das nicht geklärt war, würde die Autobahn gesperrt bleiben, die Polizei ging davon aus, dass es mindestens bis zum Abend dauern würde.
Inzwischen stand der Verkehr seit über einer Stunde. Eine Ausfahrt gab es auf dem Abschnitt der Autobahn zwischen dem Bus der 6b und der Unfallstelle nicht mehr. Es bestand also keine Aussicht, dass es in absehbarer Zeit wenigstens schrittweise weitergehen würde. Aufgelöst werden konnte der Stau nur, wenn die Polizei die Autos entgegen der Fahrtrichtung zur letzten Ausfahrt zurückfahren ließ, aber auch das würde sich hinziehen.
Die Fähre war damit nicht mehr zu erreichen. So lange, wie sie nun schon im Stau standen, hätte das selbst dann nicht mehr funktioniert, wenn die Autobahn nun mit einem Schlag leergefegt gewesen wäre. Zurück zur Abfahrt, ein Stück über Landstraßen, die sicherlich auch verstopft sein würden, wenn sie den ganzen Verkehr von der Autobahn zusätzlich aufnehmen mussten … Sophie schätzte, dass sich die Fahrtzeit bis zum Hafen mindestens verdoppeln würde, wenn sie denn überhaupt erst einmal weiterkamen.
Herr Schwäbe, der der Klassenlehrer der 6b war und die Fahrt organisiert hatte, versuchte schon, die Klasse umzubuchen. Es gab noch eine Express-Fähre später am Nachmittag, die allerdings keine Fahrzeuge beförderte, und eine normale Fähre am Abend. Am liebsten wäre ihm gewesen, mit den Kindern die Express-Fähre zu nehmen und den Bus nachkommen zu lassen, denn die Abendfähre würde erst um kurz vor zehn auf Terschelling ankommen. Auf der Insel gab es öffentliche Busse, wenn sie einmal dort waren, würden sie also auch zu ihrer Pension kommen. Aber alles hing daran, dass sie endlich von der blockierten Autobahn herunterkamen!