17. Juli 2026
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978-3819706714
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Die Ballfreunde-Mädchen bekommen Verstärkung für die Schlussphase der Saison: Alex, eine Spielerin aus Dänemark, deren Vater vorübergehend in die Stadt versetzt wurde. Dass Alex nach einem Unfall als Baby bleibende Schäden am Arm zurückbehalten hat, fällt den anderen Mädchen nicht einmal direkt auf, und es schränkt sie beim Fußball höchstens bei den Einwürfen ein. Also alles kein Problem, sollte man meinen, und zu Hause in Dänemark hat Alex auch schon etliche Jahre im Verein gespielt, ohne dass es je Schwierigkeiten gegeben hätte. Doch es gibt Leute, die nicht mit Alex‘ Besonderheit umgehen können, und die machen es den Ballfreundinnen nicht leicht, dass Alex unbeschwert mit ihnen auflaufen kann.
Zwei Wochen vor den Osterferien zeichnet sich in der Kreisliga der B-Jugend-Fußballerinnen eine Entscheidung ab. Der FC hat sich an der Tabellenspitze ein kleines Polster herausgespielt, fünf Punkte auf die JSG aus der Nachbarstadt und sechs auf uns. Durch sind sie noch nicht, fünf Spiele stehen noch aus, nächste Woche spielen sie gegen die Kickers, die als Vierte nicht zu unterschätzen sind, und am letzten Spieltag müssen sie zu uns. Aber ich schätze, dass sie die Meisterschaft, die sie als Saisonziel ausgegeben haben, und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga schaffen werden. Sie haben ja ordentlich aufgerüstet im letzten Sommer und spielen eine konstant starke Saison. Nicht, dass wir aufstecken würden, und die JSG sicherlich auch nicht, aber wir sind nun mal auf Schützenhilfe angewiesen, selbst wenn wir den direkten Vergleich gewinnen.
Aber auch so können wir mit der Saison, wie sie bis jetzt läuft, hochzufrieden sein. Wir haben uns frühzeitig in der Spitzengruppe festgesetzt, und das mit einem der jüngsten Kader der Liga: drei Spielerinnen – darunter mit Louisa meine etatmäßige Nebenfrau in der Innenverteidigung – sind jüngerer D-Jugend-Jahrgang, und Verena, Stammspielerin auf der rechten Außenbahn, dürfte sogar noch in der E-Jugend spielen.
Im Moment bin ich vor allem froh, dass wir unsere Trainerin zurück haben. Vier Wochen lang musste Elena aussetzen, um an der Uni ein Seminar nachzuholen, das während des Wintersemesters ausgefallen ist. Mit ihrem Vertreter hatten wir unsere liebe Not, wir haben eine Weile gebraucht, um herauszufinden, warum er so schräg drauf war. Wer soll denn auch ahnen, dass er vor Jahren ausgerechnet von Elenas Vater als Trainer der 1. Mannschaft abgelöst wurde, und das wohl nicht so ganz freiwillig! Das ist so lange her, Elena war da gerade mal im Kindergarten, und wir Spielerinnen waren noch nicht einmal geboren. Herr Brandt wollte beweisen, dass er doch ein guter Trainer ist, besser als Elena und ihr Vater, und hat direkt alles umgekrempelt, was er vorgefunden hat. Ich will nicht sagen, dass seine Ideen alle schlecht waren, nur eben nicht von jetzt auf gleich umsetzbar. Wir können nicht mal eben ein völlig neues System spielen, das müssen wir im Training einüben, und mit zwei oder drei Einheiten ist es da nicht getan. Es hat mächtig Ärger gegeben, weil wir vom 3-4-3, das er uns vorgegeben hat, eigenmächtig wieder auf unser gewohntes 4-2-3-1 umgestellt haben, als wir gesehen haben, dass es nicht läuft. Aber nur so konnten wir verhindern, dass wir die Fehler durch nicht abgestimmte Laufwege und unklare Zuordnungen mit unnötigen Gegentoren und letzten Endes verlorenen Punkten bezahlen. Doch das wollte Herr Brandt nicht einsehen, obwohl der Unterschied mehr als deutlich war. Zum Glück konnten wir trotzdem alle Spiele gewinnen, aber eine reine Freude waren die letzten Wochen nicht.
Auch Elena wird sicherlich nicht begeistert sein, wie es mit uns und Herrn Brandt gelaufen ist. Ich weiß gar nicht, ob sie es schon weiß, wir haben sie extra nicht angerufen oder angeschrieben, damit sie sich auf die Uni konzentrieren konnte. Aber vielleicht hat ihre Schwester ihr davon erzählt, Alina hat selbst gesehen, was passiert ist, und ihren Vater ausgeholt, um in Erfahrung zu bringen, was Herr Brandt eigentlich hat. Auch unser Jugendleiter könnte mit ihr gesprochen haben. Er hat so eine Art Stillhalte-Abkommen vermittelt, sodass Herr Brandt uns im gewohnten System spielen lässt. Sehr engagiert war Herr Brandt danach nicht mehr, eigentlich hat er nur noch ein bisschen Schusstraining mit uns gemacht und uns die meiste Zeit einfach nur spielen lassen. Na ja, vielleicht spricht Elena noch mal mit ihm, ansonsten sollte das Thema jetzt erledigt sein.
***
Ich freue mich darauf, endlich wieder richtig zu trainieren. Was Elena mit uns macht, ist oft anstrengend, aber es macht trotzdem Spaß, und wir merken, dass es uns weiterbringt.
Ich bin gut zwanzig Minuten zu früh dran, wie eigentlich fast immer. Diesmal bin ich die Erste, aber die anderen werden auch bald auftauchen. Der Platz ist noch belegt, auf der einen Hälfte macht die E-Jugend Torschuss-Übungen, auf der anderen ist die F-Jugend schon beim Abschluss-Spiel. Aber hinter dem Tor ist genug Platz, um sich ein bisschen den Ball zuzupassen oder in zwei kleinen Mannschaften auf Tore zu spielen, die wir mit unseren Rucksäcken markieren.
Auf der Tribüne sind einige Plätze besetzt, Eltern – hauptsächlich Mütter – der E- und F-Jugendlichen. Die meisten kenne ich vom Sehen und weiß, welches Kind jeweils dazugehört, Namen kenne ich nur wenige. Ich grüße im Vorbeigehen und gehe in die Kabine, um die Fußballschuhe anzuziehen und meinen Rucksack abzustellen.
Als ich gerade wieder rausgehen will, kommen Verena und Joana reingestürmt. Sie kommen meistens zusammen, weil sie nicht weit voneinander entfernt wohnen. Außerdem sind sie gute Freundinnen geworden, nachdem sie mit uns am Ende der vorletzten Saison das Finale der Stadtmeisterschaft gewonnen haben, zu dem wir fast nicht hätten antreten können, weil unser gesamter ältester Jahrgang krank war.
Die Fußballschuhe haben sie schon an, und den Moment, bis sie ihre Sporttaschen abgestellt haben, kann ich noch warten. Zu dritt machen wir uns schließlich auf den Weg an der Bande entlang nach hinten.
Wir sind gerade an den Eltern der F-Jugendlichen vorbei, als uns ein Mädchen anspricht, das ich, soweit ich mich entsinnen kann, noch nie gesehen habe. Sie ist ungefähr in meinem Alter, vielleicht etwas drunter, hat blondes Haar und neben der Nase ein paar Sommersprossen. Sie trägt Fußballschuhe, kurze Hose und ein Trikot, das ich nicht auf Anhieb einordnen kann. Ich muss einen Blick aufs Vereinswappen werfen: FC Kopenhagen. Ungewöhnlich, hier laufen sonst eher andere Klubs herum, die Erst- und Zweitligisten aus der Region, Bayern, Real Madrid, FC Barcelona, Inter Mailand, Galatasaray.
„Hi“, sagt sie, „are you from the girls’ team?“ Ich verstehe nur Bahnhof, muss erst mal erfassen, dass sie Englisch spricht. Ob wir zur Mädchenmannschaft gehören, will sie wissen. Ich bestätige es, etwas unsicher, weil ich mein Schulenglisch außer im Unterricht eigentlich nur passiv nutze, also lese oder höre, aber nicht spreche. Das Mädchen im Kopenhagen-Trikot scheint aber auch keine Muttersprachlerin zu sein, ihr Englisch hat einen unüberhörbaren Akzent.
Für einen Moment wissen wir beide nicht, was wir sagen sollen, das ist jetzt eher der Situation als der Sprachbarriere geschuldet. Dann stelle ich die Frage, die eigentlich am nächsten liegt, nämlich, ob sie mittrainieren will.
Genau deswegen ist sie hier. Sie heißt Alex, mit vollem Namen Marie Alexandra Sottrup Hansen, ist noch nicht ganz 15 und kommt aus einem Ort bei Odense in Dänemark. Sie ist erst seit einer Woche in Deutschland, ihr Vater wurde kurzfristig versetzt, weil in der hiesigen Niederlassung seiner Firma gleich mehrere Führungskräfte weggebrochen sind.