24. März 2026
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978-3819008870
neobooks
Beim Osterfeuer seines Fußballvereins nicht nur zu feiern, ist für Nils selbstverständlich. Auch als kurzfristig jemand gesucht wird, der das Brennholz aufschichtet, überlegt er nicht lange. Dass von den Kameraden niemand mithelfen will, könnte sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen – wäre da nicht Kevin. Er will vielleicht helfen, vielleicht auch nicht, auf jeden Fall kommt er denkbar ungelegen.
Eine romantische Ostergeschichte.
Neben den großen Feiern zu Weihnachten und zum Karneval und dem Jugendturnier am Ende der Saison war das Osterfeuer eines der größten Ereignisse im Vereinskalender des SC Fortuna. Alle Sparten des Vereins – Fußball, Leichtathletik, Tischtennis und Turnen – halfen mit, ein tolles Fest zu organisieren, und feierten gemeinsam. Ein dreiköpfiges, seit Jahren eingespieltes Organisationsteam hielt alles zusammen.
Nils war 15 und regelrecht in den Verein hineingeboren. Sein Vater hatte lange für die Bezirksliga-Fußballer des SC gestürmt, trainierte Jugendmannschaften und war seit drei Jahren Vorsitzender der Fußball-Abteilung; damit vertrat er die Fußballer auch im Vorstand des Gesamtvereins. Nils‘ Mutter war über ihn zum SC gekommen, unterstützte die Fußballer und spielte immer noch Tischtennis.
Nils’ Weg war also vorgezeichnet gewesen, obwohl seine Eltern ihn nie zu irgendetwas gedrängt hatten. Sie hatten ihn oft mitgenommen, als er noch zu klein gewesen war, um allein zu Hause zu bleiben, er kannte den Verein, solange er denken konnte. Wenn er einen anderen Sport für sich entdeckt oder lieber bei einem anderen Verein gespielt hätte, hätten seine Eltern ihn genauso unterstützt. Doch er hatte früh angefangen, dem Ball nachzujagen, und spielte in den Jugendmannschaften des SC, seit er alt genug gewesen war, um bei den Minikickern aufgenommen zu werden. Inzwischen war er in der B-Jugend, wo er anders als sein Vater aber in der Defensive zu Hause war. Seine Stammposition war die Sechs, er konnte aber auch jede Position in der Abwehr spielen.
Eben weil seine Eltern ihn von klein auf so oft mitgenommen hatten, hatte es sich auch immer wieder ergeben, dass er hier und da mitgeholfen hatte: Bälle aufpumpen, Eckfahnen aufstellen, seiner Mutter irgendwelche Dinge anreichen, wenn sie bei den Heimspielen in dem kleinen Kiosk und Imbiss neben der Tribüne gearbeitet hatte, einfach, was gerade angefallen und wofür er groß genug gewesen war.
Inzwischen war er alt genug, um mehr Verantwortung zu übernehmen. Schon bei der Weihnachtsfeier hatte er sich ganz normal als Helfer in die Liste eingetragen, und jetzt beim Osterfeuer ebenso. In den Tagen davor hatte er schon bei den Vorbereitungen geholfen, und am Morgen hatte er mit anderen Absperrungen aus Flatterband angebracht, damit die Besucher nicht die Bürgersteige zuparkten. Seit das Fest am frühen Nachmittag begonnen hatte, hatte er unter anderem am Imbiss und am Getränkestand Dienst getan. Dazwischen hatte er aber auch Pausen gehabt, Zeit genug, selbst zu feiern. Dem Organisationsteam, zu dem auch sein Vater gehörte, war wichtig, dass die Arbeit auf viele Schultern verteilt wurde und niemand ständig im Einsatz war. Einzig der alte Friedhelm war immer am Wertkarten-Stand zu finden; er war schon deutlich über 80, nicht mehr so mobil, und fühlte sich wohl dabei, das Geschehen zu beobachten und mit den Leuten zu plaudern, die sich neben ihm am Stand abwechselten oder kamen, um Wertkarten zu kaufen.