Autorenseite René Bote

Mini-Kreuzfahrt mit Animateur

[Title]
15. August 2026
16
978-3565503742

Dass Louis im Freibad immer noch Hausverbot hat, ist für Nadja die Chance: Schon lange hätte sie gern einmal etwas mit ihm unternommen, nun kann sie ihn einladen, mitzukommen zu ihrer kleinen Kanu-Tour auf der Ruhr. Ein versteckter Picknickplatz am Ufer, nur sie beide – die perfekte Gelegenheit, um herauszufinden, ob er genauso fühlt wie sie.

E-Book € 0,99

„Und, was machst du am Wochenende?“, erkundigte Emily sich bei Nadja. „Soll ja wieder ziemlich warm werden.“ „Ich denke, ich fahre eine kleine Runde mit dem Kanu“, antwortete Nadja. „Ein Stückchen die Ruhr rauf, und später gemütlich wieder runter.“ „Ist dir das nicht zu anstrengend?“, wollte Emily wissen. „Ich meine, bei der Hitze noch Sport?“ „Man muss es ja nicht übertreiben“, erklärte Nadja. „Die Strömung auf der Ruhr ist nicht so stark, und meistens kann man sich im Schatten halten. Außerdem kann ich mich jederzeit nassmachen.“

„Na, dann!“, sagte Emily. Die beiden Siebtklässlerinnen waren locker befreundet, aber so genau wusste sie nicht über das Lieblings-Hobby ihrer Klassenkameradin Bescheid. Dass Nadja seit mehreren Jahren im Ruderverein war, war in der Klasse allgemein bekannt; auch dass sie sowohl mit dem Kanu als auch mit dem Kajak durchaus erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. Das klang nach größter Anstrengung, nach Kampf um jedes Hundertstel, und irgendwie konnte Emily sich nicht vorstellen, dass Nadja auch entspannt paddeln konnte. Sie war selbst auch nicht unsportlich, aber bei 30 Grad war für sie Schluss.

„Du hast’s gut“, sagte eine Stimme hinter Nadja. „Auf dem Wasser kannst du dir immer wieder mal die Haare nassmachen und so. Ich muss aufpassen, dass ich nicht eingehe.“ Louis!

Nadja konnte ihn gut leiden, sehr gut sogar, wusste aber nicht, was er umgekehrt von ihr hielt. Dass er sie mehr oder weniger unsympathisch fand, schloss sie aus, dafür war er zu freundlich, wenn sie mal etwas zu reden hatten oder im Sportunterricht in eine Mannschaft kamen. Aber ob sie ihn wirklich interessierte, konnte sie nicht abschätzen, dafür gab es zu wenig Situationen, in denen er das hätte zeigen können.

„Was ist los?“, fragte sie. Sie wusste, dass er mit seinen Eltern und einem jüngeren Bruder im obersten Stock eines Wohnblocks wohnte, direkt unter dem Flachdach. Das war im Sommer gewiss kein Vergnügen. „Freibad sagt dir was, oder?“

Louis zuckte mit den Schultern. „Schon“, meinte er. „Aber mit Hausverbot kein guter Plan. Das geht erst wieder, wenn alle Bademeister in Rente sind, die sich an die Sache erinnern.“

„Ist das immer noch nicht geklärt?“, fragte Nadja entgeistert. Sie wusste, worum es ging, Louis war im vorigen Sommer unverschuldet in eine Schlägerei auf der Liegewiese verwickelt worden. Genauer gesagt hatte er sich schützend vor zwei Kinder gestellt, ein Geschwisterpaar im Grundschulalter, die den Zorn einer Gruppe Jugendlicher auf sich gezogen hatten. Es war um den Liegeplatz im Schatten gegangen, den die beiden Kinder sich schon am Morgen gesichert, die später angekommenen Jugendlichen aber als ihren „Stammplatz“ für sich beansprucht hatten. Besonders einer der Jugendlichen hatte eine extrem kurze Lunte gehabt und Louis‘ Hinweis, dass die Kinder eindeutig zuerst dagewesen waren, als Provokation aufgefasst. Louis hätte von sich aus nie eine Schlägerei angefangen, aber als der Junge losgeprügelt hatte, hatte er sich natürlich gewehrt.