{"id":827,"date":"2024-03-10T20:14:57","date_gmt":"2024-03-10T19:14:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=827"},"modified":"2024-03-10T20:14:57","modified_gmt":"2024-03-10T19:14:57","slug":"die-falsche-helena","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=827","title":{"rendered":"Die falsche Helena"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n\t<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover des Buchs Die falsche Helena\" \/>\n<\/dialog>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreviewBook\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Die-falsche-Helena.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover des Buchs Die falsche Helena\" \/>\n<div class=\"bookPageGeneralInfoContainer\">\n    <div class=\"bookPageEditionsContainer\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ebook.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als E-Book\" \/>\n\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Buch.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als Taschenbuch\" \/>\n    <\/div>\n    <div class=\"bookPageInfoRowsContainer\">\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Erscheinungstermin.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Erscheinungsdatum\" \/>18. November 2019\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Seiten.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Seiten\" \/>180\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/ISBN.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"ISBN\" \/>978-3750412354 \n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Verlag.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Ver\u00f6ffentlicht bei\" \/>Books on Demand\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText marginTop\">\n\t<p>Mit seiner neuen Klassen&shy;kameradin ver&shy;steht Lennart sich auf Anhieb. Aber irgend&shy;was ist merk&shy;w\u00fcrdig an Helena: Warum spricht sie mit Ber&shy;liner Dialekt, wenn sie von der Nordsee stammt? Und warum reagiert sie auf be&shy;stimmte Themen aus&shy;nehmend gereizt?<\/p>\n<p>Als sie Lennart anver&shy;traut, wer sie wirk&shy;lich ist, beginnt f\u00fcr beide ein Aben&shy;teuer, das sie Kopf und Kragen kosten kann.<\/p>\n\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>E-Book \u20ac3,99<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/books.apple.com\/de\/book\/die-falsche-helena\/id1488239142\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-iBooks.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum iBooks-Shop (Apple)\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/38304232\/rene_bote_die_falsche_helena.html\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/die-falsche-helena-rene-bote-9783750444294\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>Taschenbuch \u20ac7,50<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n    <div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/38304424\/rene_bote_die_falsche_helena.html\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>    <div style=\"width: 30%\";>\n        <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/die-falsche-helena-rene-bote-9783750412354\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText\"><p><b>Autorenplauderei: Unter&shy;tauchen<\/b><\/p><p>Man stellt sich leicht ein gro\u00dfes Aben&shy;teuer vor, wenn man daran denkt, unterzu&shy;tauchen und an einem anderen Ort unter einem anderen Namen ein v\u00f6llig neues Leben anzu&shy;fangen. Aber die Wahr&shy;heit d\u00fcrfte weit&shy;aus weniger spannend und daf\u00fcr nerven&shy;auf&shy;reibend sein. Auf der einen Seite ver&shy;lieren die Betrof&shy;fenen ihr gesamtes bis&shy;heriges Leben, Freunde, teils sogar Teile ihrer Familie, die ver&shy;traute Umgebung, viel&shy;leicht Orte, an denen sie sich gerne aufge&shy;halten haben, und lieb gewon&shy;nene Gewohn&shy;heiten. Auf der anderen Seite wird die Angst ein st\u00e4n&shy;diger Beglei&shy;ter, die Angst, sich durch eine Unacht&shy;samkeit zu ver&shy;raten, die Angst, irgend&shy;was \u00fcber&shy;sehen, eine Spur nicht ver&shy;wischt zu haben, und nicht zuletzt auch die Angst, die wohl jeder hat, wenn er sich in einer neuen Umgebung zurecht&shy;finden muss. Diese Gef\u00fchle sind auch Helena nicht fremd, sodass sie in meiner Ge&shy;schichte keine entschlos&shy;sene Heldin ist, sondern eine Getrie&shy;bene, die ver&shy;sucht, ihre Frei&shy;heit zur\u00fcckzu&shy;gewinnen, die Frei&shy;heit, ihr Leben nach ihren Vorstel&shy;lungen zu gestal&shy;ten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"justifyText\">\n<p style=\"margin-top: -5px;\">Genau um 7:53 Uhr kam Lennart zum ersten Mal der Verdacht, dass dieser Montagmorgen nicht so werden w\u00fcrde, wie er es gewohnt war. Normalerweise war Dr. Wohlfahrt um diese Zeit n\u00e4mlich schon da, der Klassenlehrer der 8c war daf\u00fcr bekannt, eigentlich immer p\u00fcnktlich zu kommen. Er unterrichtete Englisch und Geschichte, und er verstand es, den Stoff spannend r\u00fcberzubringen. Daher verziehen die Sch\u00fcler ihm, dass er ihnen selten die eine oder andere Minute Unterricht ersparte, indem er nach dem Klingeln schnell noch einen Kaffee trank wie mancher Kollege.<\/p>\n<p>Den meisten von Lennarts Klassenkameraden schien noch gar nicht aufgefallen zu sein, dass Dr. Wohlfahrt sich versp\u00e4tete. Sie nahmen es, wie es kam, lasen, zockten auf dem Smartphone, quatschten oder kritzelten noch schnell Hausaufgaben hin, f\u00fcr die ihnen Tags zuvor der Nachmittag zu schade gewesen war. Drei Minuten waren ja auch keine so gro\u00dfe Versp\u00e4tung, es gab Lehrer, bei denen man sich eher wunderte, wenn sie so kurz nach dem Klingeln schon da waren. Vielleicht hatte Dr. Wohlfahrt im Stau gestanden, oder der Bus hatte sich versp\u00e4tet, Lennart wusste nicht, ob er mit dem Auto oder mit den \u00d6ffentlichen zur Schule kam. Oder er war auf dem Flur angesprochen worden, auch davor war kein Lehrer sicher, und manchmal brauchte es dann auch mehr als nur ein oder zwei S\u00e4tze, um die Angelegenheit zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Um drei Minuten vor acht, also sieben Minuten nach dem Klingeln, begannen sich dann auch die anderen allm\u00e4hlich zu wundern, und um 7:59 Uhr wurde Mareike, die seit Beginn der sechsten Klasse Klassensprecherin war, entsandt, um im Sekretariat Bescheid zu sagen, dass die 8c immer noch vergeblich auf den Lehrer wartete. Die Achtkl\u00e4ssler h\u00e4tten sich nicht gegen eine unerwartete Freistunde gewehrt, aber sie wollten nat\u00fcrlich vermeiden, dass ihnen hinterher jemand einen Strick daraus drehen konnte. Wenn die Klassensprecherin Dr. Wohlfahrts Fehlen meldete, hatte die Klasse ihre Pflicht getan, alles andere war dann Sache der Sekret\u00e4rin.<\/p>\n<p>Mareike und ihre beste Freundin und Stellvertreterin Celine, die sie begleiten wollte, kamen jedoch nicht weit, Mareike wollte gerade nach der T\u00fcrklinke greifen, als die ihr von au\u00dfen entzogen wurde. Die T\u00fcr \u00f6ffnete sich, und Dr. Wohlfahrt trat ein. Er war nicht allein gekommen, ein M\u00e4dchen war bei ihm, das Lennart noch nie gesehen hatte. Es musste dreizehn oder vierzehn sein, also im Alter der Achtkl\u00e4ssler, und wirkte etwas verunsichert.<\/p>\n<p>Die R\u00e4dchen in Lennarts Kopf drehten sich nur kurz und rasteten dann ein: eine Neue? Wenn Dr. Wohlfahrt das M\u00e4dchen beim Sekretariat abgeholt und dabei vielleicht noch ein paar Worte mit den Eltern gewechselt hatte, erkl\u00e4rte das nat\u00fcrlich die Versp\u00e4tung. Ob das M\u00e4dchen \u00fcberhaupt von den Eltern gebracht worden war, konnte Lennart zwar nicht wissen, aber er nahm es an. Seine Mutter h\u00e4tte sich jedenfalls unter keinen Umst\u00e4nden davon abhalten lassen, ihn am ersten Tag zu bringen und sich den neuen Klassenlehrer anzusehen, wenn er aus irgendwelchen Gr\u00fcnden die Schule gewechselt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen schaute nur kurz in die Runde und richtete dann den Blick auf einem Punkt am Boden, ein paar Schritte vor seinen F\u00fc\u00dfen. Lennart konnte sich gut vorstellen, dass es sich gerade h\u00f6llisch unwohl f\u00fchlte, ihm w\u00e4re in so einer Situation garantiert das Herz in die Hose gerutscht. Neu in eine Gruppe zu kommen, die sich schon l\u00e4nger kannte, und selbst niemanden zu kennen, war immer schwer. Man wusste nicht, wie die neuen Kameraden tickten und wer mit wem nicht konnte, die Fettn\u00e4pfchen, die auf jeden Neuen lauerten, waren zahlreich.<\/p>\n<p>Dass einer von den anderen das M\u00e4dchen kannte und gewusst hatte, dass es neu in die Klasse kommen w\u00fcrde, schloss Lennart aus. Er brauchte sich nur kurz umzuschauen, die anderen waren alle genauso \u00fcberrascht wie er. Au\u00dferdem h\u00e4tte es sich l\u00e4ngst rumgesprochen, wenn einer aus der Klasse auch nur ger\u00fcchteweise davon geh\u00f6rt h\u00e4tte, dass sie eine Neue bekommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Mareike und Celine hastig an ihre Pl\u00e4tze zur\u00fcckkehrten, schob Dr. Wohlfahrt das unbekannte M\u00e4dchen sanft Richtung Tafel. Um Ruhe brauchte er nicht erst zu bitten, denn die Achtkl\u00e4ssler, die den Auftritt des M\u00e4dchens bis dahin halblaut diskutiert hatten, verstummten sofort, als sie sahen, dass er etwas sagen wollte.<\/p>\n<p>\u201eDas ist Helena Meteler\u201c, stellte er das M\u00e4dchen vor. \u201eSie ist frisch hergezogen und ab heute eure neue Klassenkameradin. Magst du kurz selbst ein bisschen was von dir erz\u00e4hlen?\u201c<\/p>\n<p>Helena nickte, obwohl kaum zu \u00fcbersehen war, dass sie sich lieber gleich hingesetzt h\u00e4tte, am besten ganz hinten, wo sie aus dem Blickfeld der anderen raus war. \u201eJa, hallo\u201c, begann sie unsicher, \u201eich bin Helena. Ich bin 13, und bis letzte Woche hab ich in einem Dorf in der N\u00e4he von Bremen gewohnt.\u201c Offenbar ging sie davon aus, dass der Name ihres Heimatortes ohnehin niemandem etwas gesagt h\u00e4tte. \u201eWir sind umgezogen, weil meine Mutter hier einen neuen Job hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanke.\u201c Dr. Wohlfahrt nickte, zum Zeichen, dass das vorerst gen\u00fcgen sollte. Er besa\u00df gen\u00fcgend Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, um zu wissen, dass Helena sich etwas Besseres vorstellen konnte, als vor einer Klasse zu stehen, die sie nicht kannte, und von sich selbst zu erz\u00e4hlen. \u201eIch hab\u2019s noch nicht geschafft, die B\u00fccher f\u00fcr dich zu holen, du kriegst sie nachher.\u201c Die 8c hatte montags zweimal Unterricht bei ihm, Englisch in der ersten und Geschichte in der f\u00fcnften Stunde. \u201eAm besten setzt du dich erst mal, du hast die Wahl zwischen Lilian\u201c, er deutete auf den freien Platz in der zweiten Reihe links vom Mittelgang, \u201eoder Marvin.\u201c Diesmal zeigte er in die letzte Reihe, wo bei den Jungs noch eine Tischh\u00e4lfte frei war. \u201eNeben Lisa sitzt normalerweise Antonia, die ist aber anscheinend noch krank.\u201c<\/p>\n<p>Dankbar machte Helena sich auf den Weg, und wenig \u00fcberraschend entschied sie sich f\u00fcr den Platz neben Lilian. Lennart nutzte die Gelegenheit, um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Sie war ungef\u00e4hr so gro\u00df wie er, eher ein kleines bisschen gr\u00f6\u00dfer, und schlank. Ihr langes Haar war lockig und hatte ein etwas dunkleres Blond; Lennart wusste nicht, ob es f\u00fcr diese Farbe einen eigenen Namen gab, es war  noch zu hell, um es dunkelblond zu nennen, aber eben auch nicht strohblond wie Linus, der zwei Pl\u00e4tze rechts von ihm sa\u00df. Ihr Gesicht wirkte nett, geschminkt schien es nicht zu sein, soweit Lennart das ohne jede Ahnung von Lippenstift, Eyeliner und Wimperntusche beurteilen konnte. Mit schwarzen Jeans, rotem Sweatshirt und einer leichten Jacke war sie bequem und der sp\u00e4tsommerlichen Witterung angepasst bekleidet. Auf dem R\u00fccken trug sie einen schwarzen Schulrucksack, auf den sie offenbar selbst mit silbernem Lackmaler einen Teddy gezeichnet hatte. Der Rucksack schien ziemlich leer zu sein, was sollte sie auch eingepackt haben au\u00dfer ihrem Pausenbrot, etwas zu trinken, Stift und Notizblock. Aber sie hatte offenbar schon damit gerechnet, dass sie auf dem Heimweg mehr zu tragen haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Nachdem Helena sich gesetzt hatte, bat Dr. Wohlfahrt die Jungen und M\u00e4dchen aus der 8c, sich selbst kurz vorzustellen. Weil die Klasse ja eigentlich Englisch hatte, sollten sie das auf Englisch tun, nach drei Jahren Unterricht durfte man erwarten, dass sie das konnten. Wenn einer ins Schleudern kam, weil er ein ausgefallenes Hobby hatte oder sonst etwas nicht auszudr\u00fccken wusste, dann half Dr. Wohlfahrt mit der entsprechenden Vokabel aus und verbuchte das als zus\u00e4tzlichen Lerneffekt.<\/p>\n<p>Als Lennart an der Reihe war, zu erz\u00e4hlen, wie er hie\u00df, wie alt er war und was er machte, wenn die Schule aus war, hatte er das Gef\u00fchl, nur noch zigmal Gesagtes wiederzuk\u00e4uen. Er war noch nicht ganz vierzehn, und von seinen Hobbys war keines irgendwie ungew\u00f6hnlich. Er spielte Fu\u00dfball, h\u00f6rte gern aktuelle Musik und las Kriminalgeschichten. Das war alles schon mindestens drei- oder viermal genannt worden, als er dran war, und merken w\u00fcrde sich Helena das sowieso nicht alles auf Anhieb. Selbst er wusste ja bei manchen Klassenkameraden nicht genau, was sie so in ihrer Freizeit machten, und er kannte sie immerhin alle seit \u00fcber drei Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>In der Pause hielt Helena sich zun\u00e4chst an Lilian, die sie ein bisschen herumf\u00fchrte und ihr die wichtigsten Anlaufstellen zeigte. Lennart, der das zeitweise aus der Ferne verfolgte, hatte aber nicht den Eindruck, dass sich da eine innige Freundschaft entwickeln w\u00fcrde. Lilian wusste nat\u00fcrlich, was Dr. Wohlfahrt von ihr erwartete, auch wenn er es nicht ausdr\u00fccklich gesagt hatte, aber viele gemeinsame Gespr\u00e4chsthemen schienen sie und Helena nicht zu haben. Deshalb war Lennart auch nicht \u00fcberrascht, dass Lilian sich, sobald sie sich der Pflicht entledigt hatte, wieder zu ihren Freundinnen gesellte. Helena schien erst etwas unschl\u00fcssig, was sie machen sollte, kam dann aber recht schnell mit Nina ins Gespr\u00e4ch, und obwohl Lennart zu weit weg war, um auch nur ein Wort davon zu verstehen, sah es f\u00fcr ihn so aus, als ob die beiden sich auf Anhieb verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Zur f\u00fcnften Stunde brachte Dr. Wohlfahrt wie versprochen die Schulb\u00fccher f\u00fcr Helena mit. Es war ein ganzer Stapel, offenbar hatte er sich mit den Kollegen abgesprochen, damit Helena nicht bei jedem Fachlehrer einzeln antreten musste, um das Buch f\u00fcr das jeweilige Fach in Empfang zu nehmen. Au\u00dferdem bekam sie eine kurze Liste mit ein paar B\u00fcchern, die sie selbst besorgen musste; darum sollte sie sich schnellstm\u00f6glich k\u00fcmmern, damit sie im Unterricht nicht bei Lilian mit reingucken musste. Helena nickte nur, sehr begeistert war sie offensichtlich nicht von dem ganzen Stress. Lennart wusste, dass die Lehrpl\u00e4ne nicht in allen Bundesl\u00e4ndern gleich waren, und er hoffte, dass Helena deswegen nicht zu viel Stoff w\u00fcrde nachholen m\u00fcssen. Wenn ihr vor lauter Lernen kaum noch Freizeit blieb, dann w\u00fcrde es garantiert nicht einfacher werden, sich einzuleben und neue Freunde zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Wo in der Stadt sie wohnte, hatte Helena nicht verraten, als sie sich zu Beginn der ersten Stunde vorgestellt hatte. Erst nach Schulschluss stellte sich heraus, dass sie zumindest ein St\u00fcck weit den gleichen Weg hatte wie Lennart. Lennart h\u00f6rte eine Stimme seinen Namen rufen, als er auf dem Weg zur Bushaltestelle \u00fcber den Schulhof ging, und als er sich umdrehte, sah er, wie Lilian mit ausgestrecktem Arm in seine Richtung deutete und etwas zu Helena sagte. Helena nickte und setzte sich in Trab, offenbar hatte sie Lilian gefragt, wo der Bus abfuhr, den sie nehmen musste, und Lilian hatte ihr geraten, sich an Lennart zu halten. Lennart hatte nichts dagegen einzuwenden, ergab sich doch so f\u00fcr ihn die Gelegenheit, mal ein paar Worte mit Helena zu wechseln.<\/p>\n<p> \u201eDanke\u201c, sagte Helena, als sie ihn erreicht hatte. \u201eLilian sagt, du f\u00e4hrst auch mit dem 37er?\u201c Lennart nickte. \u201eBis wohin musst du?\u201c, erkundigte er sich. \u201eBlumenstra\u00dfe\u201c, antwortete Helena. \u201eUnd du?\u201c \u201eAkazienweg. Das ist zwei weiter.\u201c \u201eDann wohnen wir gar nicht so weit auseinander\u201c, stellte Helena fest. \u201eOder musst du noch umsteigen?\u201c Lennart sch\u00fcttelte den Kopf, er musste von der Haltestelle aus nur um die Ecke biegen und ein paar Dutzend Meter die Stra\u00dfe runter, dann war er zu Hause. Er fragte Helena nach ihrer Adresse, das waren von ihm aus zu Fu\u00df gerade mal zehn Minuten und h\u00f6chstens vier oder f\u00fcnf mit dem Rad.<\/p>\n<p>\u201eSag mal, hast du eigentlich auch mal in Berlin gewohnt?\u201c, fragte Lennart, als sie die Haltestelle erreicht hatten. \u201eDu sprichst so ein ganz kleines bisschen wie meine Oma, die hat als Kind da gewohnt, und den Dialekt hat sie immer noch.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen ganz kurzen Moment hatte er das Gef\u00fchl, einen merkw\u00fcrdigen Ausdruck in Helenas Augen zu sehen, einen Ausdruck, den er nicht richtig einordnen konnte. Aber vielleicht hatte er sich auch get\u00e4uscht, denn als sie den Kopf sch\u00fcttelte, war der Ausdruck weg. \u201eNein, nie\u201c, antwortete sie. \u201eIch hab nie woanders gelebt als in Grasberg. Aber kann sein, dass ich mir ein bisschen was abgeguckt hab. Wenn ich irgendwas h\u00f6re, das mir gef\u00e4llt, dann \u00fcbernehme ich das manchmal. Ich sag zum Beispiel auch Pfannkuchen statt Berliner, das ist ja glaube ich auch Berlinerisch.\u201c \u201eAlso zweisprachig\u201c, stellte Lennart grinsend fest, und auch Helena lachte. \u201eUnd du?\u201c, wollte sie wissen. \u201eIch meine, wohnst du schon immer hier?\u201c \u201eIn der Stadt, ja\u201c, erz\u00e4hlte Lennart. \u201eAls ich noch klein war, da haben wir in der Innenstadt gewohnt, aber als mein Bruder geboren wurde, da war ich drei, da war es schon ziemlich eng in der Wohnung, die wir damals hatten, und als ich dann auch noch eine Schwester gekriegt hab, da ging\u2019s dann gar nicht mehr, und wir sind dahin gezogen, wo wir jetzt wohnen.\u201c \u201eWie alt ist deine Schwester jetzt?\u201c \u201eN\u00e4chste Woche wird sie acht\u201c, antwortete Lennart. \u201eWenn du dich also ganz schnell mit ihr anfreundest, dann kriegst du vielleicht noch eine Einladung zum Kindergeburtstag.\u201c \u201eMit Blindekuh und Topfschlagen?\u201c, scherzte Helena. \u201eDann komme ich auf jeden Fall.\u201c<\/p>\n<p>Lennart verkniff sich die Bemerkung, dass er nichts dagegen h\u00e4tte, das h\u00e4tte wohl doch etwas merkw\u00fcrdig geklungen, wo sie sich doch gerade erst ein paar Stunden kannten. Aber sie gefiel ihm, das konnte er jetzt schon sagen, und dass sie auf dem Schulweg den gleichen Bus nehmen musste wie er, versprach die Fahrten in Zukunft um einiges unterhaltsamer werden zu lassen als bisher.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. November 2019 180 978-3750412354 Books on Demand Mit seiner neuen Klassen&shy;kameradin ver&shy;steht Lennart sich auf Anhieb. Aber irgend&shy;was ist merk&shy;w\u00fcrdig an Helena: Warum spricht sie mit Ber&shy;liner Dialekt, wenn sie von der Nordsee stammt? Und warum reagiert sie auf be&shy;stimmte Themen aus&shy;nehmend gereizt? 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