{"id":789,"date":"2024-03-09T15:25:09","date_gmt":"2024-03-09T14:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=789"},"modified":"2024-03-09T15:25:09","modified_gmt":"2024-03-09T14:25:09","slug":"der-letzte-gast-der-steinbachalm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=789","title":{"rendered":"Der letzte Gast der Steinbachalm"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n\t<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover des Buchs Der letzte Gast der Steinbachalm\" \/>\n<\/dialog>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreviewBook\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Der-letzte-Gast-der-Steinbachalm.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover des Buchs Der letzte Gast der Steinbachalm\" \/>\n<div class=\"bookPageGeneralInfoContainer\">\n    <div class=\"bookPageEditionsContainer\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ebook.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als E-Book\" \/>\n\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Buch.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als Taschenbuch\" \/>\n    <\/div>\n    <div class=\"bookPageInfoRowsContainer\">\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Erscheinungstermin.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Erscheinungsdatum\" \/>13. August 2018\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Seiten.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Seiten\" \/>112\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/ISBN.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"ISBN\" \/>978-3752867718 \n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Verlag.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Ver\u00f6ffentlicht bei\" \/>Books on Demand\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText marginTop\">\n\t<p>Urlaub auf dem Berg&shy;bauern&shy;hof in S\u00fcd&shy;tirol, und zum ersten Mal darf Paul ohne seine Eltern und seine kleine Schwes&shy;ter wandern gehen. Doch gleich bei der ersten Tour wird er von einem Un&shy;wetter \u00fcber&shy;rascht, und nur so gerade noch erreicht er die Stein&shy;bachalm. Aber warum behaup&shy;tet die Tochter des Bauern, dass er an der Alm unm\u00f6g&shy;lich andere Wanderer gesehen haben kann? Als er am n\u00e4chsten Tag mit Fran&shy;ziska noch einmal zur Alm wandert, traut er seinen Augen nicht &ndash; die H\u00fctte ist nur noch eine Ruine! Aber er hat doch Licht hinter dem Fenster gesehen, und Leute!<\/p>\n\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>E-Book \u20ac2,99<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/books.apple.com\/de\/book\/der-letzte-gast-der-steinbachalm\/id1425968550\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-iBooks.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum iBooks-Shop (Apple)\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/33785925\/rene_bote_der_letzte_gast_der_steinbachalm.html\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-letzte-gast-der-steinbachalm-rene-bote-9783752891355\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>Taschenbuch \u20ac5,90<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n    <div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/33763177\/rene_bote_der_letzte_gast_der_steinbachalm.html\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>    <div style=\"width: 30%\";>\n        <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-letzte-gast-der-steinbachalm-rene-bote-9783752867718\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText\"><p><b>Autorenplauderei: Verwendung eigener Fotos f\u00fcrs Cover<\/b><\/p><p>F\u00fcr das Cover h\u00e4tte ich die Fotos \u00fcber&shy;aus gern selbst gemacht, denn ich kenne eine halb ver&shy;fallene Alm&shy;h\u00fctte, die ideal daf\u00fcr w\u00e4re. Dem standen aller&shy;dings die italieni&shy;schen Gesetze ent&shy;gegen: Ich h\u00e4tte vor der Ver&shy;wendung die Zustim&shy;mung der Eigen&shy;t\u00fcmer ein&shy;holen m\u00fcssen, und ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelungen w\u00e4re, diese Eigen&shy;t\u00fcmer \u00fcber&shy;haupt aus&shy;findig zu machen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"justifyText\">\n<p style=\"margin-top: -5px;\">An der Gabelung setzte Pauls Vater den Blinker nach links und steuerte den Wagen von der Staatsstra\u00dfe nach links auf eine schmalere Stra\u00dfe. <i>St. Peter 4 Kilometer<\/i> verk\u00fcndete der Pfeil an der Abzweigung, rechts waren zwei weitere D\u00f6rfer ausgeschildert. \u201eGleich sind wir da!\u201c k\u00fcndigte Pauls Vater an. \u201eWenn man dem Navi glauben darf, dann sind\u2019s noch zw\u00f6lf Minuten.\u201c<\/p>\n<p>Paul beugte sich auf dem R\u00fccksitz vor, um das Display des Navigationsger\u00e4ts sehen zu k\u00f6nnen. Die Karte zeigte ein langgestrecktes Tal, das die Form eines stark gedehnten S hatte, ehe es sich ganz am Ende in zwei T\u00e4ler teilte. Gr\u00fcntal und Schwarztal, zeigte das Navi an, und auch auf den Wegweisern hatten die Namen gestanden. St. Peter lag am Ende des Schwarztals, auf halber Strecke war noch eine kleine Siedlung eingezeichnet.<\/p>\n<p>Paul war schon oft in S\u00fcdtirol gewesen, denn seine Eltern liebten die Berge. Jedes Jahr ging es im Sommer f\u00fcr zwei Wochen \u00fcber den Brenner, und wenn es sich einrichten lie\u00df, noch einmal in den Weihnachtsferien zum Skilaufen. Das Schwarztal war allerdings Neuland f\u00fcr ihn, und er wusste nicht mehr \u00fcber das Ziel ihrer diesj\u00e4hrigen Urlaubsreise als das, was er im Internet gefunden hatte. Demnach hatte St. Peter nur etwas mehr als anderthalbtausend Einwohner, verf\u00fcgte aber \u00fcber drei gr\u00f6\u00dfere Hotels, ein halbes Dutzend kleinere Pensionen und diverse einzelne Fremdenzimmer. Viele Wanderm\u00f6glichkeiten, sowohl leichte Spazierwege als auch anspruchsvolle Strecken, und im Winter etliche Kilometer Langlaufloipe waren die Hauptmerkmale, die in den Beschreibungen des Orts herausgestrichen wurden. Au\u00dferdem sollte es einen Klettergarten geben, und ein Bauer bot nebenbei Ponyreiten an. Das war vielleicht etwas f\u00fcr Pauls kleine Schwester, aber im Moment schwankte Mathilda noch. Mathilda war sieben, und sie liebte Tiere, aber als im Winter der Zirkus in Pauls Heimatstadt gastiert hatte, hatte sie doch noch gro\u00dfen Respekt vor den Ponys gehabt.<\/p>\n<p>Das Tal wurde enger, und dichter Nadelwald l\u00f6ste die Wiesen ab. Jetzt konnte Paul sich auch denken, woher das Tal seinen Namen hatte, denn obwohl es noch eine Weile hin war, bis es anfangen w\u00fcrde zu d\u00e4mmern, wirkten die B\u00e4ume tiefdunkel.<\/p>\n<p>Mathilda wurde unruhig und begann, auf dem Sitz hin- und herzurutschen. Wahrscheinlich musste sie mal, teils vor Aufregung, aber auch, weil die letzte Rast fast zwei Stunden zur\u00fccklag. Das war noch in \u00d6sterreich gewesen, und noch mal hatten Pauls Eltern nicht anhalten wollen, weil es ohnehin schon sp\u00e4t genug war. Pauls Vater, der bei der Stadtverwaltung arbeitete, hatte den Freitag nicht extra freinehmen wollen und war nur etwas fr\u00fcher gegangen als gewohnt, und Pauls Mutter, die als Lektorin arbeitete, hatte noch einen Termin mit einem Kunden gehabt, so dass sie erst am Mittag hatten losfahren k\u00f6nnen. F\u00fcr Paul und Mathilda war es indessen schon die zweite Ferienwoche, sie hatten also zumindest schon mal packen k\u00f6nnen. Paul hatte \u00dcbung und wusste, was er mitnehmen musste, so dass er schnell fertig gewesen war, aber es war ein schweres St\u00fcck Arbeit gewesen, daf\u00fcr zu sorgen, dass auch Mathildas Koffer bis mittags m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig gepackt war. Pauls Mutter hatte ihn gebeten, sich darum zu k\u00fcmmern, damit die Abfahrt sich nicht unn\u00f6tig verz\u00f6gerte.<\/p>\n<p>Jetzt ging es auf acht Uhr abends zu, und die fast siebenst\u00fcndige Fahrt n\u00e4herte sich endlich dem Ende. Paul freute sich darauf, sich endlich wieder bewegen zu k\u00f6nnen, denn die kurzen Pausen auf \u00fcberlaufenen Autobahnrastst\u00e4tten waren keine echte Erholung gewesen. Vielleicht konnte er ja nach dem Abendessen noch ein St\u00fcck joggen gehen; zu Hause drehte er jeden Abend seine Runde, bei Wind und Wetter, aber hier in St. Peter kannte er sich ja nicht aus und wusste nicht, ob es irgendwo eine geeignete Strecke gab. Au\u00dferdem war er sich auch nicht sicher, ob seine Mutter ihn \u00fcberhaupt noch mal rauslassen w\u00fcrde, denn er war zwar schon zw\u00f6lf, aber seine Mutter war oft \u00fcberbesorgt. Es war schon sp\u00e4t, die Stra\u00dfen waren vielleicht nicht ausreichend beleuchtet, sein K\u00f6rper hatte sich noch nicht akklimatisiert, er kannte sich nicht aus und konnte sich leicht verirren \u2013 Paul konnte sich schon vorstellen, welche Argumente seine Mutter gegen seinen Abendsport finden w\u00fcrde, aber er wollte es zumindest versuchen.<\/p>\n<p>Das erste Ortsschild tauchte auf, aber die H\u00e4user dahinter geh\u00f6rten erst zu der Siedlung vor St. Peter, die Paul auf dem Navi gesehen hatte. Also noch zwei Kilometer, sieben Minuten noch, behauptete das Navi. \u201eIst es noch weit?\u201c wollte Mathilda wissen, eine Hand zwischen die Beine gepresst. \u201eNein, wir sind bald da.\u201c beruhigte ihr Mutter sie. \u201eUnd dann gibt\u2019s bestimmt auch gleich Abendessen. Hast du Hunger?\u201c Mathilda nickte eifrig, und Paul konnte es ihr nachf\u00fchlen. Es war zwar nicht so, dass sie v\u00f6llig ohne Proviant losgefahren w\u00e4ren, aber er brauchte jetzt allm\u00e4hlich etwas Ernsthaftes zwischen die Z\u00e4hne, keine M\u00fcsliriegel und Mettw\u00fcrstchen. Irgendwas richtig Deftiges, und eine ordentliche Portion Nudeln oder Kartoffeln, das w\u00e4re jetzt genau das Richtige.<\/p>\n<p>Der Wald wich zu beiden Seiten von der Stra\u00dfe zur\u00fcck, und Wiesen erstreckten sich \u00fcber den Talboden und ein St\u00fcck weit die H\u00e4nge hinauf. Hier und da standen ein paar K\u00fche, jene robusten S\u00fcdtiroler Rassen, die auch oben auf den Almen ihr Auskommen fanden und sich nicht vor steilen H\u00e4ngen f\u00fcrchteten. Paul hatte in fr\u00fcheren Urlauben K\u00fche an Stellen herumkraxeln sehen, die er freiwillig nicht erklettert h\u00e4tte, obwohl er trittsicher und schwindelfrei war.<\/p>\n<p>Die Zahl unten links auf dem Display des Navis n\u00e4herte sich zielstrebig der Null, und eigentlich musste das Dorf jeden Moment in Sicht kommen. Die Stra\u00dfe machte einen leichten Schwenk nach rechts, und links davon trafen die Strahlen der Sonne auf Wasser. Das musste der See sein, an dem St. Peter lag! Auch auf der Karte auf dem Navi war es zu sehen: Links der Stra\u00dfe der See, l\u00e4nglich, vielleicht vierhundert Meter lang und an der breitesten Stelle vierzig oder f\u00fcnfzig Meter breit, und rechts, etwas h\u00f6her am Hang gelegen, das Dorf.<\/p>\n<p>Die ersten H\u00e4user, die Paul sah, waren im typischen Stil der Region erbaut und offenbar wirklich alt. Der Hof, der als Erstes in Sicht kam, mochte schon vier oder f\u00fcnf Jahrhunderte auf dem Buckel haben und h\u00e4tte gut als Filmkulisse dienen k\u00f6nnen. Aber ganz stehengeblieben war die Zeit auch in St. Peter nicht, Paul sah eine Stra\u00dfe mit Reihenh\u00e4usern j\u00fcngeren Datums, die sich immerhin recht unauff\u00e4llig ins Gesamtbild einf\u00fcgten, und weiter oben am Hang mehrere Baus\u00fcnden, f\u00fcr die ihm am ehesten der Begriff Kitsch einfiel. Ein gro\u00dfer Klotz, mit gebogener Front und wei\u00dfem Verputz mit blauen Streifen um Fenster und T\u00fcren schien ein Hotel zu sein, die anderen hielt Paul f\u00fcr Ferienh\u00e4user. Das hatte er auch schon in anderen Orten beobachtet, in denen er fr\u00fcher mit seinen Eltern Urlaub gemacht hatte, darunter geschmackliche Entgleisungen schlimmster G\u00fcteklasse. Da war ihm die urspr\u00fcngliche Bebauung lieber, und wohlgef\u00fchlt h\u00e4tte er sich in einem Hotel wie dem dort oben garantiert nicht.<\/p>\n<p>Seine Eltern teilten seine Abneigung gegen solche Bettenburgen und hatten auch handfeste Gr\u00fcnde, sie zu meiden. Gerade mit Kindern, die nicht immer nur stillsitzen wollten, fiel man in einem Hotel schnell unangenehm auf, und von Mathilda mit ihren sieben Jahren konnte man nicht verlangen, dass sie sich nur auf Zehenspitzen bewegte und sich jedes laute Wort verkniff. Selbst wenn das Hotelpersonal damit umzugehen wusste, gen\u00fcgte doch ein Gast, der keine Kinder mochte, um den ganzen Urlaub zu verderben.<\/p>\n<p>Pauls Vater steuerte den Wagen am Dorfzentrum vorbei, das sich um die Kirche gruppierte und aus dem Friedhof, dem Rathaus und einem Geb\u00e4ude bestand, das Kindergarten, Grundschule und Mittelschule beherbergte. Schilder am Stra\u00dfenrand wiesen auf verschiedene Hotels, Pensionen und Restaurants hin, auch der Klettergarten war ausgeschildert.<\/p>\n<p>\u201eDa hinten ist es!\u201c sagte Pauls Vater und deutete auf ein Haus, das am taleinw\u00e4rtigen Dorfrand stand und in brauner Schrift auf der wei\u00dfen Wand als <i>Oberseehof<\/i> bezeichnet war. Noch zweihundert Meter, behauptete das Navi, und gleich darauf sagte die weibliche Computerstimme auch schon: \u201eSie haben Ihr Ziel erreicht.\u201c<\/p>\n<p>Der Oberseehof bestand aus dem Haupthaus, einer Scheune und einem offenen Unterstand, in dem ein Traktor mit Anh\u00e4ngern und ein Kleinbus geparkt waren. Haupthaus und Scheune waren im Erdgeschoss gemauert, oben dagegen aus Holz oder wenigstens mit Holz verkleidet, das konnte Paul von au\u00dfen nicht erkennen. Alles in allem wirkte der Hof altert\u00fcmlich, aber gepflegt.<\/p>\n<p>Weil kein spezieller Parkplatz f\u00fcr G\u00e4ste ausgewiesen war, brachte Pauls Vater den Wagen zun\u00e4chst vor dem Unterstand zum Stehen, wobei er darauf achtete, weder den Traktor, noch den Kleinbus zuzuparken. Auch wenn der Bauer nur einen kleinen Teil seines Lebensunterhalts mit dem Hof verdiente, musste die Arbeit doch gemacht werden, und als guter Gast wollte Pauls Vater dabei nicht im Wege sein.<\/p>\n<p>Aufatmend kletterte Paul aus dem Wagen und streckte sich erst mal. Tat das gut, die Beine wieder ausstrecken zu k\u00f6nnen! Er hatte sich zwar bewusst hinter seine Mutter gesetzt, wo er mehr Beinfreiheit gehabt hatte, als es auf der anderen Seite der Fall gewesen w\u00e4re, wo sein deutlich gr\u00f6\u00dfer gewachsener Vater den Fahrersitz weiter nach hinten gestellt hatte, aber etwas beengt war es trotz allem gewesen.<\/p>\n<p>Mathilda hopste auf der anderen Seite auf den Asphalt und presste gleich wieder beide H\u00e4nde zwischen die Beine. Pauls Mutter sah es, erkannte auch, dass ein Malheur drohte, wenn Mathilda nicht schnell zur Toilette konnte, und machte sich sofort auf den Weg zum Haupthaus, um ihre Ankunft zu melden und darum zu bitten, dass Mathilda vor allem anderen erst mal aufs Klo konnte.<\/p>\n<p>Doch sie war noch keine zwei Schritte weit gekommen, als die Eingangst\u00fcr ge\u00f6ffnet wurde und eine Frau auf der oberen der beiden Stufen vor der T\u00fcr erschien, die ungef\u00e4hr im gleichen Alter wie Pauls Eltern sein musste und auf Anhieb einen sympathischen Eindruck machte. Sie war mittelgro\u00df, kr\u00e4ftig und rotbackig. Das blonde Haar trug sie zum Pferdeschwanz gebunden, die Kleidung war mit Jeans, T-Shirt und festen Turnschuhen zweckm\u00e4\u00dfig. Man sah ihr an, dass sie zupacken konnte, was sie als B\u00e4uerin sicherlich auch musste, und hatte irgendwie sofort das Gef\u00fchl, bei ihr gut aufgehoben zu sein.<\/p>\n<p>Sie erkannte sofort, wo die Lunte brannte, und hielt die Begr\u00fc\u00dfung kurz. \u201eIch zeige Ihnen sofort die Zimmer.\u201c versprach sie, nachdem sie sich vorgestellt hatte. \u201eAber vorher zeige ich dir, wo die Toilette ist.\u201c Sie l\u00e4chelte in Mathildas Richtung und machte eine einladende Geste mit dem Kopf. Mathilda nickte und lief hinter ihr her ins Haus. Die T\u00fcr blieb offen, was eine mollige Katze zu einem Ausflug nach drau\u00dfen nutzte. Der Stubentiger machte ein paar Schritte auf Paul und seine Eltern zu, entschied dann aber offenbar, dass die drei sich nicht nennenswert von allen Touristen vor und nach ihnen unterschieden, und drehte ab, um im Wagenschuppen hinter dem Traktor zu verschwinden. Vielleicht gab es dort M\u00e4use zu jagen, oder einfach einen gem\u00fctlichen Platz, an dem man in Ruhe abwarten konnte, bis die neuen G\u00e4ste sich eingerichtet hatten und der Trubel im Haus aufh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Zwei oder drei Minuten mussten Paul und seine Eltern sich gedulden, dann kamen Mathilda und die B\u00e4uerin zur\u00fcck. Mathilda wirkte ganz so, als h\u00e4tte sie schon Freundschaft geschlossen mit der Frau, die darauf bestand, nicht als Frau Durlacher angesprochen zu werden, sondern schlicht als Christine. F\u00fcr Mathilda war das absolut normal, obwohl sie gelernt hatte, fremde Erwachsene grunds\u00e4tzlich erst einmal zu siezen, bis die ihr das Du anboten, und auch Paul schaltete nahtlos um; nur seine Eltern taten sich etwas schwer damit. Beide hatten beruflich h\u00e4ufig Kundenkontakt, und da lief grunds\u00e4tzlich alles per Sie, das hatte sich im Lauf der Jahren eingeschliffen und f\u00e4rbte auch aufs Privatleben ab.<\/p>\n<p>Christine f\u00fchrte die neuen G\u00e4ste ins Haus, das drinnen urgem\u00fctlich aussah. Wei\u00dfer Gipsbewurf an den W\u00e4nden, viel Holz, wuchtige M\u00f6bel, die von der Sonne, die durch die Fenster hereinfiel, in eines warmes Licht getaucht wurden, das wirkte urig, ohne kitschig zu sein.<\/p>\n<p>Weil sie richtigerweise annahm, dass die G\u00e4ste sich erst mal frischmachen wollten, brachte Christine Paul, Mathilda und ihre Eltern direkt nach oben in den ersten Stock und zeigte ihnen ihre Zimmer. Nur im Vorbeigehen deutete sie auf eine T\u00fcr zur Linken und erw\u00e4hnte, dass dort der Fr\u00fchst\u00fccksraum war.<\/p>\n<p>Die Zimmer waren hell und ger\u00e4umig. Insgesamt verf\u00fcgte der Hof \u00fcber drei G\u00e4stezimmer, alles Doppelzimmer, aber Christine erz\u00e4hlte, dass das dritte Zimmer in der Zeit, in der Paul und seine Familie da waren, nicht belegt sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Paul hatte ein Zimmer f\u00fcr sich, denn seine Eltern hatten ihm nicht zumuten wollen, das Zimmer mit Mathilda zu teilen, und stattdessen darum gebeten, ein zus\u00e4tzliches Bett in ihrem Zimmer aufzustellen. Paul war ihnen dankbar daf\u00fcr, denn allein dadurch, dass Mathilda viel fr\u00fcher ins Bett musste als er, w\u00e4re er zumindest abends stark eingeschr\u00e4nkt gewesen. Au\u00dferdem w\u00e4re seine Mutter bestimmt auch st\u00e4ndig reingekommen, um nach Mathilda zu sehen.<\/p>\n<p>Christine fragte, ob eine halbe Stunde gen\u00fcgen w\u00fcrde, um sich einzurichten und frisch zu machen. F\u00fcr Paul war das mehr als genug Zeit, zumal seine Eltern ihm mit Sicherheit nicht erlauben w\u00fcrden, sich vor dem Abendessen noch ein bisschen drau\u00dfen umzusehen. Er musste nicht unbedingt den Koffer komplett auspacken, und ansonsten klatschte er sich nur zwei, drei H\u00e4nde voll kaltes Wasser ins Gesicht.<\/p>\n<p>Eigentlich gab es am Oberseehof keine Halb- oder Vollpension, sondern nur Fr\u00fchst\u00fcck, aber wegen der recht sp\u00e4ten Ankunft hatten Pauls Eltern mit der B\u00e4uerin vereinbart, dass sie am ersten Abend f\u00fcr die G\u00e4ste mitkochen w\u00fcrde. In den n\u00e4chsten Tagen w\u00fcrden Paul, seine Eltern und Mathilda im Restaurant essen oder sich etwas zu essen an einem Imbiss holen.<\/p>\n<p>Beim Essen, das im Fr\u00fchst\u00fccksraum serviert wurde, lernte Paul dann auch den Rest der Bauersfamilie kennen: Arnold, Christines Mann, und ihre Tochter Franziska. Arnold schien ein paar Jahre \u00e4lter zu sein als seine Frau, war vielleicht schon an die f\u00fcnfzig, und hatte ein strenges Gesicht. Erst auf den zweiten Blick wurde Paul klar, dass es wohl die Kombination aus einer schmalen Nase und kurz geschnittenem, dunklem Haar war, die ihn so wirken lie\u00df. Arnold redete nicht viel, aber wenn, dann mit einer tiefen, ruhigen Stimme, und das wirkte kein bisschen griesgr\u00e4mig.<\/p>\n<p>Franziska war ungef\u00e4hr so alt wie Paul, schlank und nett anzusehen. Sie hatte das dunkle Haar ihres Vaters geerbt und trug es schulterlang. Im Moment hatte sie es zu einem praktischen Pferdeschwanz gebunden, aber Paul konnte sich gut vorstellen, dass sie es auch gern offen trug und damit mindestens genauso h\u00fcbsch aussah. Ihre Haut war leicht gebr\u00e4unt, und die Augen von einem dunklen Braun; wenn sie es darauf angelegt h\u00e4tte, w\u00e4re sie sicherlich auch als S\u00fcditalienerin durchgegangen.<\/p>\n<p>Am Anfang hielt sie sich zur\u00fcck, antwortete zwar, wenn sie etwas gefragt wurde, a\u00df ansonsten aber schweigend und schien sich auch nicht besonders f\u00fcr die Tischgespr\u00e4che zu interessieren. Paul, der sich gern ein bisschen mit ihr unterhalten h\u00e4tte, vor allem, weil die Themen, \u00fcber die die Erwachsenen redeten, ihn auch allenfalls m\u00e4\u00dfig interessierten, fand das schade, und \u00fcberlegte, warum sie so schweigsam war. Er erwartete ja gar nicht, dass sie ihm gleich freudig um den Hals fiel, aber ein bisschen mehr Redseligkeit w\u00e4re schon sch\u00f6n gewesen. Hatte sie keinen Bock auf fremde Leute im Haus? Bedeutete das vielleicht Arbeit f\u00fcr sie, Verzicht auf Freiheiten, hatte sie wom\u00f6glich ihr Zimmer r\u00e4umen m\u00fcssen, um die Aufnahme zahlender G\u00e4ste zu erm\u00f6glichen? Oder war sie einfach nur m\u00fcde?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Nach dem Essen fragte Paul seine Eltern, ob er noch nach drau\u00dfen durfte, sich ein bisschen im Dorf umsehen oder eine Runde joggen. \u201eNaja, ich wei\u00df nicht.\u201c antwortete seine Mutter zweifelnd. \u201eDu kennst dich doch \u00fcberhaupt nicht aus hier. Was, wenn du dich verl\u00e4ufst?\u201c \u201eKann er nicht.\u201c meinte Christine ruhig. \u201eDas Dorf ist ja nicht gro\u00df, und im schlimmsten Fall kann er von \u00fcberall den Kirchturm sehen. Von da aus findet er dann auf jeden Fall zur\u00fcck.\u201c \u201eUnd es gibt auch keine gef\u00e4hrlichen Wege, auf denen er abst\u00fcrzen oder sich den Fu\u00df brechen k\u00f6nnte?\u201c \u201eNein.\u201c versicherte die B\u00e4uerin. \u201eSie k\u00f6nnen ganz beruhigt sein, ihm kann hier nichts passieren. Au\u00dferdem k\u00f6nnte Franzi ihn ja vielleicht begleiten, dann h\u00e4tte er eine ortskundige F\u00fchrung.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch mach aber ziemlich Tempo!\u201c gab Paul spontan zu bedenken, nur um es im n\u00e4chsten Moment schon zu bereuen, als Franziska ver\u00e4rgert das Gesicht verzog. Da war er ja mal sch\u00f6n ins Fettn\u00e4pfchen gesprungen! Ja, er joggte schon lange und lief tats\u00e4chlich ziemlich schnell, die meisten seiner Freunde und Klassenkameraden verzichteten dankend darauf, ihm hinterherzuhecheln, aber so deutlich h\u00e4tte er Franziska das trotzdem nicht unter die Nase reiben m\u00fcssen. Au\u00dferdem kannte er sie ja gar nicht, konnte also nicht wissen, ob sie nicht vielleicht genauso sportlich war wie er, oder sogar noch besser.<\/p>\n<p>Die Chance, sie vielleicht im Rahmen eines gemeinsamen Dauerlaufs etwas n\u00e4her kennenzulernen, hatte er sich jedenfalls versaut. \u201eSorry.\u201c murmelte er in ihre Richtung. \u201eWar nicht so gemeint. Es ist nur&#8230;\u201c Er wollte ihr erkl\u00e4ren, warum ihm der Satz rausgerutscht war, brach aber ab, als er sah, wie Franziska ihn aus ihren dunklen Augen anfunkelte. Mist, das konnte ja heiter werden! \u201eSchon gut!\u201c gab Franziska zur\u00fcck, aber der Tonfall klang kein bisschen vers\u00f6hnlich; er h\u00e4tte besser zu einer Bemerkung wie \u201eHalt einfach die Fresse!\u201c gepasst.<\/p>\n<p>Pauls Eltern war das Ganze peinlich, und ein mahnender Blick seiner Mutter traf Paul. Als ob er sich nicht selbst am meisten dar\u00fcber ge\u00e4rgert h\u00e4tte, dass ihm das rausgerutscht war!<\/p>\n<p>\u201eLass ihn einfach noch eine Runde laufen!\u201c versuchte sein Vater zu vermitteln und legte seiner Frau eine Hand auf den Arm. \u201eDie Fahrerei strengt an, es wird ihm gut tun, sich zu bewegen, und ich glaube, hier im Dorf kann ihm wirklich nichts passieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNaja.\u201c gab Pauls Mutter nach. \u201eAber du bleibst auf den Stra\u00dfen.\u201c sch\u00e4rfte sie Paul ein. \u201eUnd nur bis halb zehn!\u201c Das war noch etwas mehr als eine Dreiviertelstunde und mehr als genug, um eine Runde der \u00fcblichen L\u00e4nge zu schaffen. \u201eGibt es eine Strecke, wo man gut joggen kann?\u201c erkundigte Paul sich. Er sah bewusst Franziska an, vielleicht bes\u00e4nftigte es sie ja, wenn sie sah, dass er sie um ihren Rat bat. \u201eDu kannst die Stra\u00dfe runter, am anderen Ende vom Dorf links hoch und dann oben am Hang lang zur\u00fcck.\u201c antwortete Franziska k\u00fchl. Immerhin antwortete sie \u00fcberhaupt, vielleicht gab es irgendwann ja doch noch eine Chance.<\/p>\n<p>Im Moment gab es aber wohl nichts mehr zu sagen, und Paul wollte seine Zeit auch nicht vergeuden. Er ging nach oben in sein Zimmer, vertauschte rasch die Stra\u00dfentreter mit Turnschuhen und machte sich dann auf den Weg. Die Kleidung zu wechseln er\u00fcbrigte sich, denn mit Shorts und T-Shirt war er f\u00fcr einen Dauerlauf gut ger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Das Wetter war ideal, trocken und warm, aber nicht zu hei\u00df, und die Stra\u00dfe war ordentlich asphaltiert, ohne Schlagl\u00f6cher und Flickstellen, an denen nur notd\u00fcrftig ausgebesserter Stra\u00dfenbelag Stolperfallen bildete. In flottem Tempo trabte Paul am linken Rand der Fahrbahn entlang, zu seiner Linken das Dorf, rechts erst der See und sp\u00e4ter dann saftige Wiesen. Er achtete darauf, dass alles gleichm\u00e4\u00dfig lief, die Schritte und auch der Atem, atmete tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus, wie er es gelernt hatte, um Seitenstiche zu vermeiden.<\/p>\n<p>Zumeist war er allein auf der Stra\u00dfe, nur selten \u00fcberholte ihn ein Auto, in dem wohl G\u00e4ste des weiter hinten im Tal gelegenen Gasthofs sa\u00dfen. Paul hatte sich ja informiert, was sich in und um St. Peter \u00fcberhaupt machen lie\u00df, und wusste deshalb, dass es ungef\u00e4hr einen Kilometer hinter dem Dorf einen gro\u00dfen Gasthof mit Restaurant, etlichen Zimmern und viereinhalb Sternen gab. Dort endete auch die Stra\u00dfe, und kurz darauf auch das Tal. Weiter rauf kam man dann nur noch zu Fu\u00df oder teilweise mit dem Mountainbike. Fu\u00dfg\u00e4nger begegneten ihm nicht, nur wenn er nach links in die Stra\u00dfen schaute, die zwischen die H\u00e4user f\u00fchrten, sah er den einen oder anderen Passanten.<\/p>\n<p>Als er die letzten H\u00e4user erreicht hatte und Franziskas Wegbeschreibung folgend links abbog in eine Stra\u00dfe, die in einem leichten Bogen den Hang hinauff\u00fchrte, schloss sich ihm ein Hund an, eine bunt gescheckte Promenadenmischung. Der Hund war nicht gerade klein, aber Paul hatte keine Angst, denn er mochte Hunde, Tiere ganz allgemein, und hatte in fr\u00fcheren Urlauben in S\u00fcdtirol schon manchen neugierigen Hofhund kennengelernt. Irgendwann w\u00fcrde der Hund schon wieder zur\u00fcck nach Hause laufen.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrte jetzt bergauf, das Laufen wurde anstrengender, aber daran war Paul gew\u00f6hnt, denn auch seine \u00fcbliche Laufstrecke zu Hause hatte Steigungen. Er passte seinen Laufstil an und machte k\u00fcrzere Schritte, hielt aber immer noch ein flottes Tempo. Die Strecke gefiel ihm, zumindest um diese Zeit war sie ruhig, der Schwierigkeitsgrad war genau richtig, und der Untergrund lie\u00df keine W\u00fcnsche offen. Franziska schien wirklich eine gute Wahl getroffen zu haben und hatte ihn auf jeden Fall nicht aus Rache auf eine besonders h\u00e4ssliche, holprige und steile Strecke geschickt.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe machte einen weiten Bogen nach links, also schon wieder ansatzweise in Richtung auf den Oberseehof, vor allem aber auf das gro\u00dfe Hotel zu, das Paul schon vorhin auf der Fahrt gesehen hatte. Paul hatte im Vorbeilaufen unten an der Einm\u00fcndung auch ein entsprechendes Schild gesehen.<\/p>\n<p>Der Hund schien f\u00fcr den Bau, der in der Landschaft wie ein Fremdk\u00f6rper wirkte, nicht viel \u00fcbrig zu haben, denn als die Hotelzufahrt in Sicht kam, blieb er stehen, sch\u00fcttelte sich und rannte dann eine Seitenstra\u00dfe hinunter. Paul schmunzelte, als er es sah, und sah dem Hund nach, bis er hinter einer Ecke verschwand.<\/p>\n<p>Er sch\u00e4tzte, dass er jetzt gut zwei Drittel der Strecke geschafft hatte, und er lag gut in der Zeit. Noch zehn Minuten, dann w\u00fcrde er wieder am Oberseehof sein, sch\u00e4tzte er, das war mehr als fr\u00fch genug. Selbst wenn er zwischendurch nach dem Weg suchen musste oder an einem stark absch\u00fcssigen Abschnitt langsam w\u00fcrde gehen m\u00fcssen, w\u00fcrde er nicht zu sp\u00e4t kommen. Dann noch duschen, und f\u00fcr den Rest des Abends w\u00fcrde er es sich mit einem guten Buch gem\u00fctlich machen.<\/p>\n<p>Alles in allem fand Paul, dass er nicht meckern konnte. Der Hof war sch\u00f6n, auch sch\u00f6n gelegen, und was er bis jetzt von St. Peter gesehen hatte, sah ganz brauchbar aus. Die B\u00e4uerin war nett, das Essen gut und sein Zimmer bequem. Nur sein Ungeschick mit Franziska \u00e4rgerte ihn, aber noch hatte er die Hoffnung nicht aufgegeben, es wieder gutmachen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ausgeschlafen und gut gelaunt fand er sich am n\u00e4chsten Morgen um halb neun zum Fr\u00fchst\u00fcck ein. Arnold war bereits weg, er arbeitete in der n\u00e4chsten Stadt und musste fr\u00fch aus dem Haus. Daf\u00fcr setzten sich Christine und Franziska dazu, obwohl zumindest Christine schon zusammen mit ihrem Mann gefr\u00fchst\u00fcckt und wohl auch Franziska schon etwas gegessen hatte.<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck war \u00fcppig, es gab Brot und Br\u00f6tchen, Butter, Wurst, K\u00e4se und Marmelade zum Belegen und Bestreichen, M\u00fcsli, Obst, Milch, Kakao und Kaffee. Au\u00dferdem hatte Christine noch hei\u00dfes Wasser auf dem Herd, falls jemand lieber Tee trinken wollte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er sein Br\u00f6tchen a\u00df, versuchte Paul, immer wieder m\u00f6glichst unauff\u00e4llig einen Blick auf Franziska zu werfen. War sie ihm immer noch b\u00f6se? Oder legte sie die gleichg\u00fcltige Miene ab, wenn sie sich unbeobachtet f\u00fchlte? Er konnte es nicht genau erkennen, daf\u00fcr kannte er sie einfach viel zu wenig, aber wenigstens schnitt sie ihn nicht bewusst. Allerdings musste das auch nicht so viel zu bedeuten haben, denn wahrscheinlich h\u00e4tte sie bei allem Verst\u00e4ndnis angesichts von Pauls dummer Bemerkung Schelte von ihrer Mutter bekommen, wenn sie auf offenen Konfrontationskurs zu den G\u00e4sten gegangen w\u00e4re. Ein Gespr\u00e4ch zwischen den Kindern wollte auf jeden Fall nicht in Gang kommen, aber Paul versuchte es auch nicht ernsthaft, aus Sorge, erneut ins Fettn\u00e4pfchen zu treten oder Franziska mit Vers\u00f6hnungsversuchen, f\u00fcr die sie noch nicht bereit war, zus\u00e4tzlich zu ver\u00e4rgern.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. August 2018 112 978-3752867718 Books on Demand Urlaub auf dem Berg&shy;bauern&shy;hof in S\u00fcd&shy;tirol, und zum ersten Mal darf Paul ohne seine Eltern und seine kleine Schwes&shy;ter wandern gehen. Doch gleich bei der ersten Tour wird er von einem Un&shy;wetter \u00fcber&shy;rascht, und nur so gerade noch erreicht er die Stein&shy;bachalm. 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