{"id":767,"date":"2024-03-08T17:08:17","date_gmt":"2024-03-08T16:08:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=767"},"modified":"2024-03-23T16:34:23","modified_gmt":"2024-03-23T15:34:23","slug":"der-fluch-von-garbeth","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=767","title":{"rendered":"Der Fluch von G\u00e1rbeth"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n\t<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover des Buchs Der Fluch von G\u00e1rbeth\" \/>\n<\/dialog>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreviewBook\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-der-Fluch-von-Garbeth.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover des Buchs Der Fluch von G\u00e1rbeth\" \/>\n<div class=\"bookPageGeneralInfoContainer\">\n    <div class=\"bookPageEditionsContainer\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ebook.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als E-Book\" \/>\n\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Buch.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als Taschenbuch\" \/>\n    <\/div>\n    <div class=\"bookPageInfoRowsContainer\">\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Erscheinungstermin.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Erscheinungsdatum\" \/>18. Dezember 2017\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Seiten.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Seiten\" \/>188\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/ISBN.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"ISBN\" \/>978-3746034874 \n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Verlag.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Ver\u00f6ffentlicht bei\" \/>Books on Demand\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText marginTop\">\n\t<p>Von der Schlacht bleibt Kvanaghs Dorf ver&shy;schont, doch als der Feind sich \u00fcber die Grenze rettet, st\u00fcrzt eine gewaltige Flut&shy;welle zu Tal und rei\u00dft alles mit sich, was ihr im Weg steht. Es gibt nur eine Er&shy;kl\u00e4rung: Die flie&shy;henden Solda&shy;ten haben den Stau&shy;damm am Pass von G\u00e1rbeth zer&shy;st\u00f6rt! Ein Teil der Ernte ist ver&shy;nichtet, und es bleibt wenig Zeit, das \u00fcbrige zu retten und die Sch\u00e4den zu besei&shy;tigen, ehe der Winter kommt. Doch so sehr sich die Menschen bem\u00fchen, immer wieder werfen pl\u00f6tz&shy;liche Unwetter sie zur\u00fcck und machen die Arbeit von Stunden und Tagen wieder zunichte. Immer mehr wird zur Gewiss&shy;heit: Hier wirkt eine Macht, die mit irdischen Ma\u00df&shy;st\u00e4ben nicht zu fassen ist.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>E-Book \u20ac2,49<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/books.apple.com\/de\/book\/der-fluch-von-g%C3%A1rbeth\/id1326884621\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-iBooks.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum iBooks-Shop (Apple)\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/31127570\/rene_bote_martin_felsesbach_der_fluch_von_garbeth.html\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-fluch-von-garbeth-rene-bote-9783746040912\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>Taschenbuch \u20ac7,90<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n    <div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/31045984\/rene_bote_martin_felsesbach_der_fluch_von_garbeth.html\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>    <div style=\"width: 30%\";>\n        <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-fluch-von-garbeth-rene-bote-9783746034874\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n<div style=\"width: 100%; min-height: 50px; display: flex; flex-direction: row; border: 2px solid darkgreen; border-radius: 8px; cursor: pointer;\" onclick=\"window.location.href='https:\/\/renebote.de\/?page_id=1038';\">\n    <div style=\"width: 50px; height: 100%;\">\n        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Serienlogo-Der-Mann-der-den-Hunger-befahl.webp\" style=\"width: 40px; height: 40px; margin: calc((100% - 40px) \/ 2) 5px calc((100% - 40px) \/ 2) 5px;\">\n    <\/div>\n\n    <div style=\"width: calc(100% - 50px;); height: 100%; display: flex; flex-direction: column; justify-content: center;\">\n        <div style=\"color: darkgreen;\">\n            <b>Zur Serienseite<\/b>\n        <\/div>\n\n        <div style=\"color: darkgreen; font-size: 0.7em;\">\n            Das Buch geh\u00f6rt zur Serie <i>Der Mann, der den Hunger befahl<\/i>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n<div class=\"justifyText\"><p><b>Autorenplauderei<\/b><\/p><p><i>Der Fluch von G\u00e1rbeth<\/i> ist die zweite gemeinsame Ver&shy;\u00f6ffent&shy;lichung von Martin Felses&shy;bach und mir. Martin zeichnet diesmal auch f\u00fcr das Foto ver&shy;antwort&shy;lich, das die Grund&shy;lage f\u00fcr das Cover bildet. Es war einfach ein sch\u00f6nes Motiv, das ihm da beim Wandern begegnet ist, wie gut sich dieses Motiv auch f\u00fcr unser Buch eignet, ist uns erst sp\u00e4ter aufge&shy;fallen, als wir uns die Fotos gemein&shy;sam ange&shy;schaut haben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"justifyText\">\n<p style=\"margin-top: -5px; text-align: center;\"><b>Vorwort<\/b><\/p>\n<p>Irgendwas stimmte nicht, und das schon seit Tagen. Auf der Suche nach der Quelle seiner Unruhe lie\u00df der Drache den Blick \u00fcber den Horizont streifen. Dass die Menschen unten im Tal einmal mehr gegenseitig ihre Lebensgrundlage zerst\u00f6rten, um Gebietsanspr\u00fcche durchzusetzen oder Steuerquellen zu gewinnen, wie sie es nannten, konnte es allein nicht sein. Das taten sie schlie\u00dflich st\u00e4ndig, Neid und Gedankenlosigkeit waren Worte, die der Drache f\u00fcr das fand, wof\u00fcr Unz\u00e4hlige unn\u00fctz alles, was ihnen lieb war, und oft auch das Leben verloren.<\/p>\n<p>Immerhin, ging es ihm durch den Kopf, gab es hoffnungsvolle Ausnahmen, auch im Dorf unter ihm lebten zwei noch junge Menschen, die fr\u00fch verstanden hatte, dass nur Zusammenhalt und gegenseitige Unterst\u00fctzung etwas bewegen konnten. Aus ihnen konnte wirklich etwas werden.<\/p>\n<p>Unvermittelt sp\u00fcrte er eine Welle von Energie, unzweifelhaft das Ergebnis starker Magie. Zu starker Magie, denn kein Lebewesen, das hier seine Heimat hatte, nichts, was er je hier gesehen hatte, konnte so starke Magie wirken. Der Drache \u00e4nderte seine Flugrichtung und schoss durch die Wolken dorthin, wo er den Ursprung der Energiequelle vermutete, doch alles, was er dort fand, waren die \u00dcberreste einer heftigen kriegerischen Auseinandersetzung, Leichen, zerst\u00f6rtes Ger\u00e4t und ein eingerissener Staudamm.<\/p>\n<p>Die Art des gewirkten Zaubers lie\u00df sich daraus nicht mehr ablesen, es gab nur die Energie, die dabei in die Umgebung abgestrahlt worden war und sich immer noch erhielt. Genau genommen musste der Zauber nicht einmal etwas mit der Schlacht unten zu tun gehabt haben, auch wenn der Verdacht sich nat\u00fcrlich aufdr\u00e4ngte. Der Drache forschte mehr als eine Stunde lang nach, auch in der Umgebung des Schlachtfelds hoch in den Bergen, fand aber nichts und niemandem, dem er eine Magie der gesp\u00fcrten St\u00e4rke zutrauen durfte. Entweder hatte sich derjenige in seinem Zauber aufgel\u00f6st, ein typischer Fehler f\u00fcr Menschen, die magisch begabt waren, ohne ihre Kraft ausreichend einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, oder aber der Zauber diente dem Transport desjenigen, der ihn gewirkt hatte, dann w\u00e4re alles nach Plan verlaufen, und der Wirkende konnte inzwischen \u00fcberall sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die erste M\u00f6glichkeit jede weitere Gefahr zumindest von Seiten dieser Person ausschloss, war die zweite eher beunruhigend. Um die Sache auf sich beruhen zu lassen, war es auf jeden Fall noch zu fr\u00fch, und der Drache wollte auch nicht abwarten, bis die Antwort auf den Zweck des unbekannten Zaubers \u00fcber die Welt hereinbrach. Weil er wusste, dass es am Ende ein gro\u00dfer Vorteil sein konnte, wenn ihn niemand auf der Rechnung hatte, beschloss er jedoch, vorerst nicht selbst in Erscheinung zu treten, sondern die beiden jungen Menschen, an die er eben noch gedacht hatte, als Beobachter zu ensenden. Jore und Meira verf\u00fcgten \u00fcber F\u00e4higkeiten, die anderen Menschen nicht hatten, ein \u00fcberaus gutes Urteilsverm\u00f6gen und eine Lebenserfahrung die weit \u00fcber die manch alten Mannes hinausging. Ihnen konnte er vertrauen, und sie w\u00fcrden verhindern, dass die Menschen am Ende ihn f\u00fcr ihr selbstverursachtes Ungl\u00fcck verantwortlich machten; damit hatten sie schon einmal unvorstellbares Ungl\u00fcck \u00fcber sich gebracht, und er hatte sich vrogenommen, so etwas auf keinen Fall noch einmal zuzulassen.<\/p>\n<p>Jore wurde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und hatte mit dem \u00d6ffnen der Augen schon den ersten Fu\u00df aus dem Bett. Das Fr\u00fchst\u00fcck war schon vorbereitet, daf\u00fcr hatte er am Abend schon gesorgt, um jetzt Zeit zu sparen. Er wollte sein Arbeitspensum in der Mine m\u00f6glichst fr\u00fch geschafft haben, um anschlie\u00dfend seiner Freundin Meira auf dem Hof helfen zu k\u00f6nnen. Normalerweise arbeiteten sie gemeinsam in der Mine, aber im Moment wurde auf dem Hof jede Hand gebraucht. Auch Jores Pensum in der Mine war verk\u00fcrzt, seit sein Vater die Strafe f\u00fcr seine Untaten verb\u00fc\u00dfte, f\u00fchrte seine \u00e4lteste Schwester zusammen mit ihrem Mann den elterlichen Hof, und Jore und Meira wechselten sich damit ab, auf den Hof der jeweils anderen Familie zu helfen. Sie waren harte Arbeit gew\u00f6hnt, aber wenn sie konnten, dann versuchten sie doch, sich Zeit freizumachen f\u00fcr sich selbst oder um sich mit den anderen Kindern des Dorfes zu treffen.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Mine kam Jore zwangsweise am Hof von Meira vorbei. Die L\u00e4den vor dem Fenster, hinter dem sie ihre Schlafstube hatte, waren noch geschlossen, aber durch die schmalen Ritzen konnte Jore einen Schatten erkennen, der sie bewegte. Meira war also auch schon wach.<\/p>\n<p>Normalerweise w\u00e4re Jore trotzdem weitergegangen, f\u00fcr mehr als einen fl\u00fcchtigen Gru\u00df w\u00e4re ohnehin keine Zeit gewesen, wenn er nicht die erhoffte gemeinsame Zeit ohne Pflichten am Abend gef\u00e4hrden wollte, aber irgendwas st\u00f6rte das Gesamtbild, ohne dass er auf Anhieb sagen konnte, was. Erst als er genauer nachschaute, wurde ihm klar, dass es die Fu\u00dfspuren neben Meiras Fenster waren, Abdr\u00fccke gro\u00dfer, krallenbewehrter F\u00fc\u00dfe, deren Abstand zueinander von einer gigantischen Gr\u00f6\u00dfe des Verursachers zeugten. Da brauchte Jore nicht lange zu \u00fcberlegen, wer diese Abdr\u00fccke hinterlassen hatte, es gab nur ein Wesen, das daf\u00fcr in Frage kam: Ser-Aloi.<\/p>\n<p>Er wusste nicht, ob er sich freuen sollte, dass der Herr des Berges ein Zeichen gab, oder ob es der Vorbote schlechter Nachrichten war. Ob Meira etwas wusste? Immerhin war es Meiras Fenster, vor dem die Abdr\u00fccke zu sehen waren, und es w\u00fcrde Ser-Aloi nicht schwer gefallen sein, sie zu wecken, ohne dass sonst jemand etwas merkte. Allerdings h\u00e4tte Meira in diesem Fall darauf geachtet, ihn, Jore, nicht zu verpassen, wenn sie nicht gleich zu ihm gekommen w\u00e4re, deshalb nahm Jore an, dass sie noch ahnungslos war.<\/p>\n<p>Der Gru\u00df des Nachtw\u00e4chters riss Jore aus seinen \u00dcberlegungen. \u201eMal wieder fr\u00fch unterwegs, wie?\u201c \u201eSagt der, der ins Bett geht, wenn andere aufstehen\u201c, scherzte Jore. \u201eHattest du eine ruhige Nacht?\u201c \u201eGeht\u201c, antwortete der W\u00e4chter. \u201eEinmal hat eine Katze Radau gemacht, irgendwo in den Wiesen hinter eurem Hof, aber zu sehen war nichts, und sonst war Ruhe.\u201c \u201eVielleicht Revierk\u00e4mpfe\u201c, behauptete Jore. \u201eKennt man ja.\u201c Die Katze hatte vermutlich einen guten Grund gehabt, sich aufzuregen, und er hatte den Verdacht, dass Ser-Aloi eigentlich oder auch ihm einen Besuch hatte abstatten wollen, sich aber wegen des Nachtw\u00e4chters anders entschieden hatte.<\/p>\n<p>Durch die Arbeit bedingt hatte Jore erst am Abend Gelegenheit, unter vier Augen mit Meira zu sprechen. In die Mine ging sie derzeit ja nicht, und auf dem Feld waren immer auch andere in H\u00f6rweite gewesen, und was auch immer Ser-Aloi dazu getrieben hatte, ins Dorf zu kommen, es w\u00e4re sicher nicht in seinem Sinne gewesen, wenn sein n\u00e4chtlicher Besuch publik wurde. Er erz\u00e4hlte Meira, was er gesehen hatte, und sie versicherte ihm, dass sie nichts von Ser-Alois Anwesenheit gemerkt hatte. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte sie Jore andernfalls gleich geweckt, das musste sie nicht eigens betonen, und dass sie auch die Spuren vor ihrem Fenster nicht bemerkt hatte, wunderte ihn nicht weiter. Man brauchte schon gute Augen, um sie zu sehen, m\u00f6glicherweise war er der einzige, dessen Augen so beschaffen waren, dass er sie sehen konnte.<\/p>\n<p>Sein scharfer Blick war es auch, der Ser-Alois Hinterlassenschaft entdeckte, eine ledrige, dunkelgr\u00fcne Drachenschuppe, aber selbst er musste eine Weile suchen, bis er sie zwischen den Leisten des rechten Fensterladens entdeckte. Der Laden bestand aus einem inneren und \u00e4u\u00dferen Rahmen, die gemeinsam die d\u00fcnnen Querleisten hielten, und genau zwischen diese Rahmen hatte Ser-Aloi oben die Schuppe geschoben.<\/p>\n<p>Rasch verbarg Meira den Fund unter ihrer Kleidung, denn es war klar, dass niemand sonst ihn sehen durfte. \u201eLass uns zum Fluss gehen!\u201c, schlug sie vor. \u201eDort sind wir ungest\u00f6rt.\u201c Das wussten sie aus Erfahrung, sie kannten die Ecken, die au\u00dfer ihnen niemanden interessierten, und Jores Geh\u00f6r war in den Jahren, in dem es sein wichtigster Sinn gewesen war, so geschult worden, dass es schlichtweg unm\u00f6glich war, sich ihm durch das Unterholz bis auf H\u00f6rweite zu n\u00e4hern, ohne dass er es h\u00f6rte.<\/p>\n<p>Doch auf den ersten Blick wirkte die Schuppe in keiner Weise ungew\u00f6hnlich, das Einzige, was Jore auffiel, war, dass Ser-Aloi sie nicht in Hektik ausgerissen oder in einem Kampf verloren hatte; daf\u00fcr war die Abrissstelle zu gleichm\u00e4\u00dfig. War die Schuppe ein Hinweis, zu ihm zu kommen? Irgendeine Pr\u00fcfung? Einfach ein Geschenk zwischendurch, damit sie ihn nicht verga\u00dfen? \u201eNimm du sie!\u201c, bat Jore seine Gef\u00e4hrtin. \u201eBei mir ist die Gefahr zu gro\u00df, dass jemand sie findet.\u201c Er teilte sich die Schlafstube jetzt, nachdem der Vater nicht mehr im Haus wohnte, mit drei Schwestern, weil der Mann seiner \u00e4ltesten Schwester mit in die Stube gezogen war, die sich vorher Jores beiden \u00e4lteren Schwestern geteilt hatten, da gab es einfach kein Versteck, dass die M\u00e4dchen nicht zuf\u00e4llig finden konnten.<\/p>\n<p>Er wollte noch einmal kurz \u00fcber die Schuppe streichen, w\u00e4hrend er sie Meira zur\u00fcckgab, und es war dieser Moment, in beide die Schuppe mit beiden H\u00e4nden ber\u00fchrten, als auf der Innenseite eine Inschrift erschien. Mit Tinte geschrieben war sie nicht, eher \u00fcberaus pr\u00e4ziese eingebrannt, und offenbar mit einem Zauber belegt, der daf\u00fcr gesorgt hatte, dass sie erst sichtbar geworden war, als Jore und Meira allein gewesen waren.<\/p>\n<p><i>Das Dorf am Fu\u00df des Passes von Garb\u00e9th braucht dringend eure Hilfe. Es gab eine Schlacht, und irgendetwas, das sich nicht richtig greifen l\u00e4sst. Geht dorthin, helft, wo ihr k\u00f6nnt, und haltet die Augen auf. Ich will versuchen, euch so gut wie m\u00f6glich zu unterst\u00fctzen, aber es scheint mir besser, mich zu diesem Zeitpunkt nicht zu zeigen.<\/i><\/p>\n<p>Jore, der den Brief \u2013 denn nichts anderes war es \u2013 leise vorgelesen hatte, lie\u00df die Hand mit der Schuppe sinken. \u201eWir brechen sofort auf, oder?\u201c, sagte er, und Meira nickte schlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>I<\/b><\/p>\n<p>Die Berge von Feyn lagen dort, wo das Reich Albeit im Westen endete. Schon vor hunderten von Jahren war die h\u00f6chste Kette des Gebirges als Grenze festgelegt worden, doch nie hatte sie f\u00fcr mehr als ein paar Sommer und Winter Ruhe gefunden. Die fruchtbaren T\u00e4ler auf der Seite Albeits weckten immer wieder das Begehren der K\u00f6nige des benachbarten Reichs Onyl, denn die D\u00f6rfer dort hatten ihr Auskommen und standen f\u00fcr gute, verl\u00e4ssliche Steuereinnahmen. Die westliche Seite dagegen warf kaum etwas ab, die hohen Berge waren auch Wetterscheide, und die wenigen Menschen, die auf der Seite Onyls in den Bergen siedelten, konnten den kargen, trockenen B\u00f6den nur gerade eben abringen, was sie zum Leben brauchten.<\/p>\n<p>Es gab nur wenige Wege, die \u00fcber die Grenze f\u00fchrten, und der wichtigste war der Pass von G\u00e1rbeth, ein steiniger Pfad, der sich durch den tiefsten Einschnitt der Bergkette wand. Es war auch der einzige, der breit und fest genug war, um ihn mit vielen M\u00e4nnern und schweren Lasten zu gehen, deshalb hatte K\u00f6nig Celtern von Onyl keine Wahl, als seine Soldaten dort entlang zu schicken, wenn er den Angriff auf Albeit wagte. Nat\u00fcrlich wusste K\u00f6nig Archal von Albeit um die Gefahr, aber die Passh\u00f6he war schwer zu sichern. Die Gegebenheiten machten es unm\u00f6glich, dort eine Festung zu errichten und so viele Soldaten zu versorgen, wie n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren, um den \u00dcberweg zu verteidigen. Um sein Land nicht v\u00f6llig ungesch\u00fctzt zu lassen, hatte K\u00f6nig Archal im Tal eine Feste bauen lassen und eine Garnison aus bergerfahrenen Soldaten stationiert, die Angreifer aus dem Nachbarreich abfangen und zur\u00fcck \u00fcber die Grenze treiben sollte.<\/p>\n<p>Wie oft K\u00f6nig Celtern versuchte, sein Reich um die fruchtbaren T\u00e4ler zu erweitern, konnte man erahnen, wenn man die Jugend der D\u00f6rfer fragte, welche kriegerischen Ereignisse sie in ihrem Leben schon gesehen hatten. Kvanagh, Sohn des Dorfvorstehers im letzten Dorf vor dem Anstieg, erlebte seinen siebzehnten Sommer, und er konnte sich an drei gro\u00dfe Schlachten erinnern, die in der N\u00e4he getobt hatten. Einmal hatte es einen \u00dcberfall in den ersten Fr\u00fchlingstagen gegeben, und die Soldaten K\u00f6nig Archals hatten die Eindringlinge erst zur Mitte des Sommers wieder vertreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jeder dieser \u00dcberf\u00e4lle hatte schwerwiegende Folgen f\u00fcr die D\u00f6rfer am Passweg. \u00dcberall wurden waffenf\u00e4hige M\u00e4nner zur Unterst\u00fctzung der Garnison verpflichtet, Frauen, Kinder und Alte mussten die Feldarbeit allein bew\u00e4ltigen. Die Soldaten forderten Lebensmittel und Pferde, die Schmiede hatten Waffen zu fertigen, Gerber und Sattler R\u00fcstungsteile, die Heiler behandelten die Verwundeten. Das Dorf, in dem Kvanagh lebte, war immer am schlimmsten betroffen, denn es lag ganz am Ende des Tals unterhalb des Passes von G\u00e1rbeth, noch n\u00e4her am Anfang des Gebirgssteiges als die Feste der Garnison. Es war immer wieder diese Stelle, an der die Soldaten die Eindringlinge aus Onyl stellten, die Stelle, an der die Angreifer noch zusammengedr\u00e4ngt den Steig herabkamen, die M\u00e4nner K\u00f6nig Archals aber gen\u00fcgend Bewegungsfreiheit besa\u00dfen, um sie in die Zange zu nehmen. Jede Schlacht hinterlie\u00df dem Dorf verw\u00fcstete Felder, von denen allenfalls noch wenig Ernte zu erwarten war, und tote Soldaten, die schnellstm\u00f6glich bestattet werden mussten. Es kam immer wieder vor, dass spielende Kinder oder Frauen auf der Suche nach Pilzen, Kr\u00e4utern und Beeren auf halb verweste Leichen oder Skelette stie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch in Kvanaghs siebzehntem Sommer schickte K\u00f6nig Celtern seine Soldaten wieder \u00fcber die Passh\u00f6he. Es war eine kleinere Gruppe als noch ein Jahr zuvor, als er das Tal zuletzt \u00fcberfallen hatte, aber sie war gut ger\u00fcstet und kam mit einer neuen Taktik. Es schien so, als h\u00e4tte K\u00f6nig Celtern schlie\u00dflich eingesehen, dass es nicht gelingen konnte, die Garnison, die unten im Tal die Grenze sicherte, mit gro\u00dfer Macht zu \u00fcberrennen, weil sich zu wenige seiner Soldaten gleichzeitig auf dem Steig bewegen konnten.  Stattdessen hatte er die kl\u00fcgsten K\u00f6pfe seines Reiches beauftragt, etwas zu erfinden, das es seiner Armee erm\u00f6glichte, bis ins Tal vorzudringen, ohne auf dem Weg schon entscheidende Verluste zu erleiden.<\/p>\n<p>Nun drangen die Soldaten im Schutz einer tragbaren Deckung vor, eines Verhaus aus Holz, der mit Metallplatten beschlagen war. Er bestand aus einzelnen Elementen, die leicht, aber trotzdem fest waren und einfach miteinander verhakt werden konnten. Die ersten Reihen hielten die Platten vor sich, die anderen \u00fcber sich, es war nahezu unm\u00f6glich, auch nur einen einzigen Angreifer mit dem Pfeil zu treffen, und die Metallbeschl\u00e4ge sch\u00fctzten das Holz vor Brandpfeilen. Mit zwei Stacheln in den Boden gerammt und mit einem dritten verkeilt, waren sie in wenigen Augenblicken so fest verankert, dass K\u00f6nig Archals M\u00e4nner den Sturmangriff, der eine Bresche schlagen und den Kampf Mann gegen Mann er\u00f6ffnen sollte, erfolglos abbrechen mussten. Nur zwei der M\u00e4nner, die es versucht hatten, behielten ihr Leben und kehrten zur\u00fcck, die anderen blieben tot zu F\u00fc\u00dfen der Eindringlinge liegen.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Archals Mannen mussten zur\u00fcckweichen, und Kvanagh bef\u00fcrchtet das Schlimmste f\u00fcr sein Dorf. Er wusste nicht, wovor er mehr Angst haben sollte \u2013 davor, nicht l\u00e4nger als Knabe verschont zu werden, wenn die M\u00e4nner zu den Waffen gerufen wurden, oder vor Brandschatzung und Vergewaltigungen, wenn K\u00f6nig Celterns Soldaten durchzogen?<\/p>\n<p>Doch der Kommandant der Eindringlinge schien ein kluger Taktiker zu sein. Er wusste, dass die letzte Schlacht noch nicht geschlagen war, dass er die Disziplin seiner Soldaten wahren musste, und dass er seine Truppe verwundbar machte, wenn er gestattete, die Deckung zu \u00f6ffnen, um \u00fcber das Dorf herzufallen. Die Soldaten der Garnison waren zur\u00fcckgewichen, aber sie waren noch in der N\u00e4he. Die Kampfkraft, die sie durch den Verlust der Sturmspitze eingeb\u00fc\u00dft hatten, war nicht gravierend, auch wenn es gute Leute gewesen waren, und Verst\u00e4rkung w\u00fcrde vielleicht einige Zeit brauchen, aber der Kommandant der Garnison konnte jederzeit nach ihr schicken und w\u00fcrde sie bekommen. Bis dahin mussten der Pass\u00fcbergang und das Vorland gesichert sein, um weitere Truppen aus Onyl nachf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>II<\/b><\/p>\n<p>Die Menschen in Kvanaghs Dorf wussten, dass das Schicksal nur kurz an ihnen vor\u00fcbergegangen war. Aus taktischen Erw\u00e4gungen waren sie zun\u00e4chst verschont worden, aber sollten die Soldaten aus Onyl tats\u00e4chlich die Oberhand behalten, dann w\u00fcrden sie sich schadlos halten. Nachr\u00fcckende Soldaten, die wussten, dass sie an dieser Stelle mit keinem Widerstand zu rechnen hatten, w\u00fcrden rauben, was immer sie fanden, und ihre niedrigsten Gel\u00fcste an allen ausleben, derer sie habhaft wurden. Vielleicht w\u00fcrden sie die Umgebung \u00fcber Wochen belagern, denn K\u00f6nig Archal w\u00fcrde nicht zulassen wollen, dass K\u00f6nig Celterns Soldaten auch nur einen Fu\u00df breit weiter ins Land vorr\u00fcckten, und ihnen weitere Truppen entgegenwerfen, die sie aufhalten sollten.<\/p>\n<p>Kvanaghs Vater und die anderen wichtigen M\u00e4nner des Dorfes berieten, was zu tun war. Dabei gab es eigentlich nichts, was sie h\u00e4tten tun k\u00f6nnen: Sie konnten das Dorf nicht einfach im Stich lassen, nicht nur, weil es auf den Feldern zu viel zu tun gab und die Menschen auf die Ernte angewiesen waren, sondern auch, weil der einzig denkbare Unterschlupf, eine H\u00f6hle weit oben in einem engen Seitental, nicht f\u00fcr alle Platz bot. Man h\u00e4tte h\u00f6chstens Alte, Frauen und Kinder dorthin schicken k\u00f6nnen, aber das h\u00e4tte die Gefahr f\u00fcr sie kaum verringert. Sobald die Vorr\u00e4te, die sie mitf\u00fchren konnten, aufgebraucht gewesen w\u00e4ren, w\u00e4ren sie darauf angewiesen gewesen, dass ihnen Nachschub gebracht wurde, eine Versorgungsroute, die  nur zu leicht gekappt oder dazu verwendet werden konnte, das Versteck aufzusp\u00fcren. Kamen die M\u00e4nner nicht mehr mit den Nahrungsmitteln durch, dann war den Menschen im Versteck der Hungertod sicher, und einmal entdeckt, w\u00e4ren sie einem \u00dcberfall schutzlos ausgeliefert gewesen. Nein, es blieb wohl nur, auszuharren, alles von Wert zu verstecken und auf die Soldaten K\u00f6nig Archals zu hoffen. Die waren auch nicht zimperlich, wenn sie Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umten, M\u00e4nner in die Armee zwangen oder Lebensmittel, Kleidung und die Dienste des \u00f6rtlichen Heilers verlangten, aber sie wussten, was ihnen bl\u00fchte, wenn sie eine verl\u00e4ssliche Steuerquelle des K\u00f6nigs zum Versiegen brachten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Dezember 2017 188 978-3746034874 Books on Demand Von der Schlacht bleibt Kvanaghs Dorf ver&shy;schont, doch als der Feind sich \u00fcber die Grenze rettet, st\u00fcrzt eine gewaltige Flut&shy;welle zu Tal und rei\u00dft alles mit sich, was ihr im Weg steht. 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