{"id":464,"date":"2024-02-16T17:12:13","date_gmt":"2024-02-16T16:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=464"},"modified":"2024-02-16T17:12:13","modified_gmt":"2024-02-16T16:12:13","slug":"der-neue-star","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=464","title":{"rendered":"Der neue Star"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover des Buchs Der neue Star\" \/>\n<\/dialog>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreviewBook\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Cover-Der-neue-Star.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover des Buchs Der neue Star\" \/>\n    <div class=\"bookPageGeneralInfoContainer\">\n        <div class=\"bookPageEditionsContainer\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ebook.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als E-Book\" \/>\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Buch.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als Taschenbuch\" \/>\n        <\/div>\n        <div class=\"bookPageInfoRowsContainer\">\n            <div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Erscheinungstermin.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Erscheinungsdatum\" \/>8. Juli 2014\n            <\/div>\n<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Seiten.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Seiten\" \/>60\n            <\/div>\n<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/ISBN.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"ISBN\" \/>978-3735758798\n            <\/div>\n<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Verlag.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Ver\u00f6ffentlicht bei\" \/>BoD\n            <\/div>\n        <\/div>\n    <\/div>\n        <div class=\"justifyText marginTop\">\nF\u00fcr die zw\u00f6lf&shy;j\u00e4hrige Hanna erf\u00fcllt sich ein Traum, als sie in einem gro\u00dfen Kino&shy;film die Haupt&shy;rolle spielen darf, und ihr Co-Star Tobias ent&shy;puppt sich als die denk&shy;bar beste Be&shy;setzung f\u00fcr die Rolle des Jungen, in den Hannas Figur sich ver&shy;liebt. Doch als der Film in die Kinos kommt und nicht nur Hannas Freunde glauben, dass die beiden Haupt&shy;dar&shy;steller auch hinter der Kamera ein Liebes&shy;paar ge&shy;worden sind, be&shy;ginnt f\u00fcr Hanna ein grenzen&shy;loses Gef\u00fchls&shy;chaos &#8230; \n        <\/div>\n        <div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n            <b>E-Book \u20ac1,99<\/b>\n        <\/div>\n        <div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n            <div style=\"width: 30%\";>\n            <a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/book\/der-neue-star\/id900074807?mt=11\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-iBooks.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum iBooks-Shop (Apple)\"\/>\n            <\/a>\n            <\/div>\n            <div style=\"width: 30%\";>\n            <a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/22610318\/rene_bote_der_neue_star.html?searchId=388096575\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n            <\/a>\n            <\/div>\n            <div style=\"width: 30%\";>\n            <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-neue-star-rene-bote-9783735767622\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n            <\/a>\n            <\/div>\n        <\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n            <b>Taschenbuch \u20ac3,99<\/b>\n        <\/div>\n        <div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n            <div style=\"width: 30%\";>\n            <a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/22594984\/rene_bote_der_neue_star.html?searchId=388096575\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n            <\/a>\n            <\/div>\n            <div style=\"width: 30%\";>\n            <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/der-neue-star-rene-bote-9783735758798\">\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n            <\/a>\n            <\/div>\n        <\/div>\n        <div class=\"justifyText marginTop\">\n        <b>Autorenplauderei<\/b><br \/>\nDie erste Idee zu dieser Ge&shy;\u00adschich\u00adte stammt schon aus dem Jahre 2008. Damals lag der Geda\u00adnke, die Ge\u00ad&shy;schich\u00adte tat\u00ad&shy;s\u00e4ch\u00ad&shy;lich in den Buch&shy;\u00adhandel zu bringen, noch in weiter Ferne. Dass die wenigs\u00adten Verlage unter einem Mangel an Autoren leiden, die ihre B\u00fccher bei ihnen unter&shy;\u00adbringen wollen, war mir klar, von den M\u00f6g\u00adlich\u00ad&shy;keiten des Self&shy;\u00adpubli\u00ad&shy;shings wusste ich hin&shy;\u00adgegen noch nichts. Als ich zum ersten Mal davon las, schien <i>Der neue Star<\/i> dann genau die richtige Grund&shy;\u00adlage, um mit einem \u00fcber&shy;\u00adschau&shy;\u00adbaren Projekt einen Ver\u00adsuch zu starten. Ich habe einiges an Lehr\u00ad&shy;geld gezahlt, nicht in dem Sinne, dass ich viel Geld f\u00fcr die Ver&shy;\u00ad\u00f6ffent&shy;\u00adlichung aus&shy;\u00adge\u00adgeben h\u00e4tte, das hinter\u00ad&shy;her nicht wieder herein&shy;\u00adkam, wohl aber, dass ich im Nach&shy;\u00adhinein et\u00adliche Dinge gefun\u00adden habe, die ich besser h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. Ich kannte die Quellen noch nicht, von denen ich heute kosten&shy;\u00adlos oder f\u00fcr wenige Euro Fotos f\u00fcr die Cover be\u00adziehe, und habe mich aus Kosten&shy;\u00adgr\u00fcnden f\u00fcr eine zu geringe Auf&shy;\u00adl\u00f6sung ent&shy;\u00adschie\u00adden, bei der Forma\u00ad&shy;tierung habe ich genauso dazu\u00ad&shy;gelernt wie bei der Be\u00ad&shy;seiti\u00adgung von Recht\u00ad&shy;schreib\u00ad&shy;fehlern und un\u00adsch\u00f6\u00adnen Formu\u00ad&shy;lierun\u00adgen. Diese Web&shy;\u00adsite gab es noch nicht, ich war anfangs gerade mal in einem B\u00fccher\u00ad&shy;forum ver&shy;\u00adtreten, also quasi un\u00ad&shy;sicht&shy;\u00adbar.<br \/>\nAber auch wenn der Anfang z\u00e4h war, ich bin froh, es gewagt zu haben. Es gibt so viele Dinge, die ich als Autor aus\u00ad&shy;pro&shy;\u00adbieren kann, und auch wenn nicht alles so klappt, wie ich es mir vorher vor&shy;\u00adge\u00adstellt habe, habe ich ein\u00adfach richtig viel Spa\u00df daran, Ge\u00ad&shy;schich\u00adten zu schreiben und zu pr\u00e4sen&shy;\u00adtieren. \n        <\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"justifyText\">\n<p class=\"bookPageFirstExcerptPara\"><i>Gegenwart, erste Septemberwoche:<\/i><\/p>\n<p>Tolles Wetter mal wieder! dachte Hanna, als sie auf den B\u00fcrgersteig trat. Dicke Wolken hingen \u00fcber der Stadt und sperrten jeden Sonnenstrahl aus, eine steife Brise trieb feinen Nieselregen durch die Stra\u00dfen. Hanna fr\u00f6stelte, obwohl es so kalt eigentlich nun auch wieder nicht war und sie extra ihren winddichten Anorak angezogen hatte. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie noch nicht richtig ausgeschlafen war, denn \u00fcberm\u00fcdet fror man ja leichter.<\/p>\n<p>Die beste Voraussetzung f\u00fcr den ersten Schultag nach den Sommer\u00adferien waren wenig mehr als f\u00fcnfeinhalb Stunden Schlaf bestimmt nicht, noch dazu, wenn alle Klassenkameraden schon seit einer Woche wieder die Schulbank dr\u00fcckten. Hanna war beurlaubt gewesen, und w\u00e4hrend sie gerade so schnell Richtung Bushaltestelle schlurf\u00adte, dass sie keine Gefahr lief, den Sch\u00fcler\u00adeinsatz\u00adwagen zu verpassen, dachte sie kurz daran, dass es vielleicht besser gewesen w\u00e4re, sich auch f\u00fcr diesen Montag noch vom Unterricht befreien zu lassen. Auf der anderen Seite h\u00e4tte sie dann aber auch den Stoff f\u00fcr einen weiteren Tag nachholen m\u00fcssen, und deshalb hatte sie sich entschieden, sich von ihren Eltern keine Entschuldigung schreiben zu lassen, obwohl sie bis zum Vortag noch in Berlin gewesen und erst um kurz nach Mitternacht wieder zu Hause angekommen war. Irgendwie w\u00fcrde sie es schon schaffen, nicht sang- und klanglos einzuschlafen, und eine innere Stimme sagte ihr, dass ihr heute keiner der Lehrer ihre M\u00fcdigkeit \u00fcbel nehmen w\u00fcrde. Die Lehrer kannten den Grund ihrer Abwesenheit in der Vorwoche, und Herr Kr\u00f6ger, bei dem Hanna schon seit der f\u00fcnften Klasse Deutsch hatte, hatte vor den Ferien schon was verlauten lassen, dass er die heutige Doppelstunde aus gegebenem Anlass einem Exkurs zum Thema \u201aMedium Film\u2018 widmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><i>Knapp zehn Monate fr\u00fcher, Montag der zweiten Adventswoche:<\/i><\/p>\n<p>Hanna sa\u00df im Schneidersitz auf ihrem Bett, ihren Laptop auf dem Scho\u00df, und surfte auf der Webseite ihrer Lieblingsjugendzeitschrift herum. Die gedruckte Ausgabe kaufte sie sich nur selten, denn jede Woche einen Euro und sechzig Cent daf\u00fcr auszugeben, war ihr einfach zu teuer, aber die Onlineversion schaute sie sich regelm\u00e4\u00dfig an. Reihenfolge und Schwerpunkte der Themen, die sie las, waren immer wieder unterschiedlich, ob sie sich mehr auf Musik, Kino, Buch\u00adbesprechun\u00adgen oder die Aufkl\u00e4rungsecke konzentrierte, hing ab von ihrer Stimmung, Fragen, die f\u00fcr sie selbst gerade aktuell waren, und dem, was auf dem Schulhof und im Freundeskreis momentan im Gespr\u00e4ch war.<\/p>\n<p>An diesem Tag sprang sie bereits auf der Startseite eine balkendicke Schlagzeile an: \u201aDar\u00adsteller gesucht\u2018. Hanna dachte spontan an die Fotoromane, die ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig Bestandteil der Zeitschrift waren, und klickte neugierig auf den Link. F\u00fcr sie selbst kam das zwar nicht in Frage, denn davon ab, dass sich die Geschichten immer um Jugendliche und junge Erwachsene drehten, sie also \u2013 gerade erst zw\u00f6lf geworden \u2013 noch mehrere Jahre zu jung daf\u00fcr war, konnte sie sich unter keinen Umst\u00e4nden vorstellen, in Unterw\u00e4sche f\u00fcr Fotos zu posieren, die sich jeder Junge in ihrer Klasse anschauen konnte, aber es interessierte sie, ob man bestimmte Voraus\u00adsetzungen mitbringen musste, wenn man sich als Darsteller bewerben wollte.<\/p>\n<p>Als die Seite sich aufgebaut hatte, was wegen der vielen grafischen Elemente trotz der eigentlich recht schnellen Internetverbindung ein paar Sekunden dauerte, erkannte Hanna ihren Irrtum. Es ging nicht um frische Gesichter f\u00fcr die Foto\u00adromane, und die Zeitschrift hatte mit dem Aufruf als solchem \u00fcberhaupt nichts zu tun; vielmehr bediente sich die Filmgesellschaft MBZ-Films des weithin bekann\u00adten Mediums, um mit der Ein\u00adladung zum Casting f\u00fcr einen neuen Kinder\u00adfilm m\u00f6glichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen.<\/p>\n<p>MBZ beabsichtigte, das Buch \u201aDas Geheimnis der Spukvilla\u2018 zu verfilmen, und veranstaltete in verschiedenen St\u00e4dten in ganz Deutschland Casting\u00adtermine. Eine bekannte Jungschau\u00adspieler\u00adin, die jetzt etwas \u00fcber zwanzig und seit ihrem achten Lebensjahr regelm\u00e4\u00dfig in Kino und Fernsehen zu sehen war, war in diesem Zusammenhang interviewt worden und erkl\u00e4rte, dass es solche Gelegenheiten, einfach so ins Film\u00adgesch\u00e4ft hineinzuschnuppern, nicht sehr oft gab. Bei den meisten Projekten wurde eine Casting\u00adagentur beauftragt, die dann in der eigenen Kartei nach geeigneten Kandidaten suchte und unter Umst\u00e4nden ihrerseits andere Agenturen anschrieb und aufforderte, den Castingaufruf an Jungen und M\u00e4dchen zu verteilen, die bei ihnen unter Vertrag standen und den Anforderungen entsprachen.<\/p>\n<p>Hannas Herz begann schneller zu schlagen. Mit\u00adspielen in einem Kinofilm, ja, das w\u00fcrde sie wirklich gern einmal machen, und wenn sich tats\u00e4chlich jeder bewerben durfte, warum sollte sie es dann nicht versuchen? Schauspielen konnte sie, das hatte sie im Schultheater schon unter Beweis gestellt, und wenn es nicht reichte, dann schadete es doch auch nichts. Zumindest redete sie sich das ein, aber insgeheim tr\u00e4umte sie nat\u00fcrlich von der Hauptrolle.<\/p>\n<p>Gesucht wurden je ein Junge und ein M\u00e4dchen zwischen elf und dreizehn Jahren f\u00fcr die Haupt\u00adrollen und diverse Kinder und Jugendliche f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere und kleinere Nebenrollen im Alter von sechs bis sechzehn Jahren. Besondere Bedingun\u00adgen, die die Bewerber erf\u00fcllen mussten, waren nicht angegeben, zumindest keine, von denen Hanna bef\u00fcrchtete, sie nicht erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Flie\u00dfendes Deutsch, Spa\u00df am Schauspielern, Aus\u00addauer, Zeit in den Sommer\u00adferien und einen Elternteil oder sonst einen vertrauten Erwachse\u00adnen, der sie w\u00e4hrend der Dreharbeiten begleitete, mehr verlangte MBZ f\u00fcr den Anfang nicht. Das sollte sich doch wohl einrichten lassen!<\/p>\n<p>Doch der erste Blick auf die Liste mit den Casting\u00adterminen lie\u00df Hannas Mut schon wieder sinken. Berlin, Hamburg, Hannover, Erfurt, M\u00fcnchen, Stuttgart, Frankfurt \u2013 verflixt, gab es denn nichts in ihrer N\u00e4he? K\u00f6ln tauchte ganz unten noch auf, schon besser, aber immer noch zu weit weg, \u00fcber eine Stunde mit dem Auto. So viel Fahrerei w\u00fcrden ihre Eltern sich daf\u00fcr nicht antun, da brauchte Hanna gar nicht erst zu fragen, und mit dem Zug w\u00fcrden sie sie so weit auch nicht fahren lassen. Bl\u00f6d, dass es keinen Termin in der N\u00e4he gab, aber da konnte man dann wohl nichts machen.<\/p>\n<p>Entt\u00e4uscht wollte sie die Seite schlie\u00dfen, und fast h\u00e4tte sie dabei \u00fcbersehen, dass, nachdem sie den Text zu lesen begonnen hatte, noch Bilder geladen worden waren und der Kasten mit den Casting\u00adterminen sich nach unten verschoben hatte, bis der unterste Teil aus dem Anzeige\u00adbereich verschwunden war. Ein Eintrag wurde am Ende der Liste noch sichtbar, als Hanna nach unten scrollte: Dortmund! Erleichtert seufzte sie auf, denn das war sozusagen gleich um die Ecke, da w\u00fcrde sie ihre Eltern schon eher \u00fcberreden k\u00f6nnen, sie hinzufahren, und wenn nicht, dann w\u00fcrde sie vielleicht wenigstens mit Bus und Bahn dorthin fahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Weil sie aus Erfahrung wusste, dass sie ihre Eltern umso leichter \u00fcberzeugen w\u00fcrde, ihr die Fahrt zum Casting zu erlauben, je besser sie selbst informiert war, widerstand sie der Versuch\u00adung, sofort zu ihrer Mutter in die K\u00fcche zu st\u00fcrmen, und suchte stattdessen die Adresse auf dem digitalen Stadtplan heraus. Das Casting sollte in einem Hotel stattfinden, die genaue Anschrift war angegeben, und Hanna lie\u00df sich von der elektronischen Fahrplanauskunft gleich eine entsprechende Verbindung f\u00fcr Hin- und R\u00fcckfahrt ausgeben. Dass sie vom Dortmunder Hauptbahnhof aus nur ein paar Stationen mit der U-Bahn w\u00fcrde fahren m\u00fcssen, um zur ange\u00adgebenen Adresse zu gelangen, und insgesamt kaum mehr als eine halbe Stunde unterwegs sein w\u00fcrde, war ein Pluspunkt und w\u00fcrde ihren Eltern die Entscheidung, sie allein zum Casting fahren zu lassen, wenn sie nicht mitkommen konnten oder wollten, hoffentlich erleichtern.<\/p>\n<p>Den Laptop in der Hand, alle betroffenen Web\u00adseiten ge\u00f6ffnet, lief sie in die K\u00fcche, wo ihre Eltern sich zusammengesetzt hatten, um rasch eine Tasse Kaffee zu trinken. Aufgeregt stellte sie den Laptop auf den Tisch, zeigte ihren Eltern den Castingaufruf und fasste den Inhalt der Seite in wenigen S\u00e4tzen zusammen, weil sie nicht die Geduld hatte, zu warten, bis Mutter und Vater selbst alles gelesen hatten. \u201eDarf ich da hin?\u201c schloss sie. \u201eBitte!\u201c<\/p>\n<p>Die Begeisterung ihrer Eltern hielt sich arg in Grenzen. \u201eIch glaube nicht, dass sich der Aufwand lohnt.\u201c sagte Hannas Mutter skeptisch. \u201eDas l\u00e4uft doch alles \u00fcber Agenturen, und so ohne jede Erfahrung hast du da keine Chance. Mit ganz viel Gl\u00fcck darfst du als Statistin mal kurz im Hintergrund durchs Bild laufen.\u201c \u201eIm Schultheater hab ich doch auch schon die Hauptrolle gespielt.\u201c hielt Hanna dagegen. Schon in der vierten Klasse war sie bei der Auff\u00fchrung zum Ende des Schuljahres als Schneewittchen besetzt worden, und auch in der Theater-AG am Gymnasium geh\u00f6rte sie zu denen, die bevorzugt die gr\u00f6\u00dferen Rollen bekamen. \u201eAu\u00dferdem w\u00fcr\u00adden die doch bestimmt nicht \u00fcberall Castings veranstalten, wenn sie lieber welche von einer Schauspielagentur haben wollten.\u201c \u201eGut\u201c, meinte ihr Vater, nach wie vor genauso wenig \u00fcberzeugt wie seine Frau, \u201enehmen wir mal an, du kriegst eine Rolle \u2013 wie geht\u2019s dann weiter? So ein Kinofilm wird nicht mal eben in zwei oder drei Tagen abgedreht, wie soll das mit der Schule klappen?\u201c \u201eDeshalb drehen sie doch in den Sommerferien!\u201c erinnerte Hanna ihn. Au\u00dferdem war sie eine gute Sch\u00fclerin, und wenn sie tats\u00e4chlich ein paar Tage in der Schule fehlte, dann w\u00fcrde sie das eben nacharbeiten, aber dieses Argument f\u00fchrte sie an dieser Stelle lieber nicht ins Feld.<\/p>\n<p>Ihre Eltern lie\u00dfen sich das durch den Kopf gehen und verst\u00e4ndigten sich mit Blicken. \u201eAlso gut!\u201c entschied Hannas Mutter schlie\u00dflich. \u201eDu darfst zum Casting gehen.\u201c Sie sah das Leuchten in Hannas haselnussbraunen Augen und machte mit beiden H\u00e4nden eine d\u00e4mpfende Geste. \u201eAber nur, wenn du mir versprichst, dass du dir keine Riesenhoffnungen machst und dann total am Boden zerst\u00f6rt bist, wenn es nichts wird. Ich denke n\u00e4mlich immer noch, dass die bei so einem gro\u00dfen Film Kinder vorziehen, die schon Erfahrung haben. Da stecken schlie\u00dflich auch enorme Kosten hinter, das Risiko, viel Geld zu verlieren, weil die Darsteller nicht gut genug sind, ist viel zu gro\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Hanna sah das anders und wollte sich nicht von der Schwarz\u00adseherei ihrer Eltern anstecken lassen. Sie umarmte ihre Mutter zum Dank daf\u00fcr, dass sie ihr erlaubte, beim Casting mitzumachen, und versprach ihrem Vater, auf keinen Fall irgend\u00adetwas zu unter\u00adschreiben, ohne vorher er\u00adneut um Erlaubnis zu fragen, falls sie wider Erwarten doch f\u00fcr eine kleine Rolle in Betracht kam.<\/p>\n<p>Mit dem Laptop in der Hand lief sie ins Wohn\u00adzimmer, wo ihre Eltern sich einen kleinen PC-Arbeitsplatz eingerichtet hatten, und wo auch der einzige Drucker stand, den es in diesem Haushalt gab. Rasch st\u00f6pselte sie das Datenkabel des Druckers vom PC der Eltern zu ihrem Laptop um, schaltete ihn ein und druckte das Anmelde\u00adformular aus, das jeder Bewerber zum Casting mitbringen sollte und das direkt von der Webseite mit dem Castingaufruf heruntergeladen werden konnte.<\/p>\n<p>Nachdem sie das Druckerkabel wieder zur\u00fcck\u00adgesteckt hatte, kehrte sie in ihr Zimmer zur\u00fcck und f\u00fcllte das Formular aus. Um eine saubere Handschrift bem\u00fcht, trug sie ihren Namen, ihr Geburts\u00addatum, und ein paar Angaben zu ihrem \u00c4u\u00dferen und zu ihren schauspielerischen Erfah\u00adrungen ein und lie\u00df das Ganze dann von ihren Eltern unterschreiben. Danach fuhr sie mit dem Bus zum Bahnhof, wo es einen Fotoautomaten gab, denn nach einem geeigneten Foto f\u00fcr die Bewerbung hatte sie vergeblich gesucht. Ein mit der Digitalkamera aufgenommenes Bild wollte sie nicht ausdrucken, weil der nicht gerade hoch\u00adwertige Drucker die Qualit\u00e4t nicht hergab, die sie f\u00fcr n\u00f6tig hielt, und die Passfotos, die vor dem letzten Urlaub f\u00fcr ihren neuen Personalausweis gemacht worden waren, kamen nicht in Frage; mit der verkniffenen Gangstermiene, die sie da zur Schau hatte stellen m\u00fcssen, damit ihr Gesicht computerlesbar war, konnte sie bei der Bewer\u00adbung um eine Filmrolle bestimmt nicht punkten. Wieder zu Hause, w\u00e4hlte sie aus dem Vierer\u00adstreifen, den sie f\u00fcr zwei Euro bekommen hatte, das am besten gelungene Foto aus und klebte es an der vorgesehenen Stelle aufs Formular. Das Formular verwahrte sie an\u00adschlie\u00dfend in ihrem Schreibtisch, damit es nicht wegkam, verschmutzt oder besch\u00e4digt wurde.<\/p>\n<p><i>Etwa ein Monat sp\u00e4ter, erster Samstag nach den Weihnachtsferien:<\/i><\/p>\n<p>Hanna wachte auf, lange bevor der Wecker klingelte, und wusste schon beim ersten Blinzeln, dass heute der gro\u00dfe Tag war: Das Casting! Mit einem Satz war sie aus dem Bett, schaltete den Wecker ab und lief ins Bad.<\/p>\n<p>So schnell und so sorgf\u00e4ltig zugleich hatte sie sich wohl noch nie fertig gemacht. Sie seifte sich unter der Dusche doppelt so gr\u00fcndlich ab wie sonst und b\u00fcrstete ihre langen, braunen Haare viel intensiver durch als \u00fcblich, war aber doppelt so schnell wieder aus dem Bad raus wie an einem Tag, an dem sie verschlafen hatte und sich beeilen musste, damit sie den Bus nicht verpasste.<\/p>\n<p>Ihre Kleidung hatte sie bereits am Vorabend bereitgelegt und jedes einzelne Teil von der Jacke bis zur Unterhose sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt. Auf gar keinen Fall wollte sie zu l\u00e4ssig, gar nachl\u00e4ssig, daher\u00adkommen, denn dann war sie wahrscheinlich schon durchgefallen, bevor sie das erste Wort gesprochen hatte, aber auch das Gegenteil schien ihr nicht unbedingt ratsam. Ganz davon ab\u00adgesehen, dass sie sich unter einer dicken Schicht Schminke nicht wohlgef\u00fchlt h\u00e4tte, hatte auch die wegen des Castingaufrufs befragte Schauspielerin dazu geraten, nat\u00fcrlich zu bleiben und sich auf keinen Fall \u00fcber die Ma\u00dfen aufzubrezeln. Am Ende hatte Hanna sich f\u00fcr Bluejeans und ein gelbes Sweatshirt entschieden, das einen leb\u00adhaften Kontrast sowohl zur Hose, als auch zu ihren dunklen Haaren bilden w\u00fcrde. Dazu kamen die guten Turnschuhe und \u2013 wegen der K\u00e4lte \u2013 die dunkelblaue Daunenjacke. Alles in allem eine Kombination, die Hanna so oder \u00e4hnlich auch in Schule und Freizeit trug, man konnte also in der Hinsicht wohl von Nat\u00fcrlichkeit sprechen.<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck h\u00e4tte Hanna glatt wegrationali\u00adsiert, obwohl sie mehr als genug Zeit hatte, ehe sie losziehen musste, doch ihre Mutter bestand darauf, dass sie etwas a\u00df und auch einen Ruck\u00adsack mit zwei Schnitten Brot, einem Apfel und einer Flasche Wasser mitnahm. \u201eDu wirst nicht die einzige sein, die sich da bewirbt.\u201c argumen\u00adtier\u00adte sie gnadenlos realistisch. \u201eVielleicht kommst du erst heute Nachmittag an die Reihe, und du schneidest bestimmt nicht besser ab, wenn dir beim Vorsprechen der Magen in die Kniekehlen h\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>Warum mussten M\u00fctter blo\u00df immer so f\u00fcrchter\u00adlich vern\u00fcnftig sein? Hanna f\u00fcgte sich, weil sie wusste, dass ihre Mutter nicht nachgeben w\u00fcrde, und sich auch eingestehen musste, dass an den Argumenten was dran war. Auch wenn sie sich \u2013 logisch, welches M\u00e4dchen an ihrer Stelle h\u00e4tte das nicht? \u2013 schon in der Hauptrolle sah und sich m\u00f6glichst wenig Konkurrenz w\u00fcnschte, sagte ihr der Verstand, dass bestimmt riesiger Andrang herrschen w\u00fcrde. Welches Kind, das vom Alter her in Frage kam, w\u00fcrde sich so eine Chance entgehen lassen?<\/p>\n        <\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Juli 2014 60 978-3735758798 BoD F\u00fcr die zw\u00f6lf&shy;j\u00e4hrige Hanna erf\u00fcllt sich ein Traum, als sie in einem gro\u00dfen Kino&shy;film die Haupt&shy;rolle spielen darf, und ihr Co-Star Tobias ent&shy;puppt sich als die denk&shy;bar beste Be&shy;setzung f\u00fcr die Rolle des Jungen, in den Hannas Figur sich ver&shy;liebt. 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