{"id":284,"date":"2024-02-02T17:18:52","date_gmt":"2024-02-02T16:18:52","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=284"},"modified":"2024-02-10T16:25:01","modified_gmt":"2024-02-10T15:25:01","slug":"ferne-weihnachten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=284","title":{"rendered":"Ferne Weihnachten"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Ferne Weihnachten\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<p><i>\nDiese Geschichte entstand 2022 als Beitrag f\u00fcr die Adventskalender der Foren B\u00fcchereule und B\u00fcchertreff. Zur Entstehung gibt es eine kleine Anekdote: Ich brauchte einen einen Grund, warum Emilio \u00fcber Weihnachten nicht nach Hause fahren kann. Nachdem ich zun\u00e4chst an eine Grippe oder ein Magen-Darm-Virus gedacht hatte, das seine Eltern und Geschwister heimgesucht hat, kam ich schlie\u00dflich auf die Idee, die Heimreise einem Bahnstreik zum Opfer fallen zu lassen. Treppenwitz der Geschichte: Zu der Zeit, als ich die Geschichte geschrieben habe, streikten die Lokf\u00fchrer der SNCF tats\u00e4chlich, was ich aber erst nach Fertigstellung der Geschichte gelesen habe.\n<\/i><\/p>\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/CoverFerne-Weihnachten.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Ferne Weihnachten\" \/>\n<p>Als sein Handy mit einem kurzen Ping-Ton eine eingehende Nachricht signalisierte, ahnte Emilio nichts B\u00f6ses. Er hatte viele Freunde, die ihm gelegentlich \u00fcber WhatsApp schrieben, erst recht in der letzten Zeit, wo sie sich nicht pers\u00f6nlich treffen konnten. Emilio hatte sich daf\u00fcr entschieden, die erste H\u00e4lfte seines zehnten Schuljahres im Ausland zu verbringen, und nach einigem \u00dcberlegen war die Wahl auf Frankreich gefallen. Er hatte sich bei einer Organisation beworben, die Gastfamilien f\u00fcr Austauschsch\u00fcler vermittelte und f\u00fcr ihn eine passende Familie in der Bretagne gefunden hatte. Seit Ende August lebte er bei den Aubertins, jetzt hatten gerade die Weihnachtsferien begonnen. Emilio war vor einer halben Stunde aus der Schule gekommen und hatte eben begonnen, seinen Rucksack zu packen f\u00fcr die Weihnachtstage, die er zu Hause verbringen wollte. Er w\u00fcrde am n\u00e4chsten Morgen, einen Tag vor Heiligabend, mit dem Zug nach Hause fahren und zum Jahreswechsel zur\u00fcckkehren. Viel brauchte er nicht einzupacken, denn er hatte nicht seinen gesamten Besitz mit nach Frankreich genommen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er nahm sein Handy vom Schreibtisch und sah, dass es keine WhatsApp war, sondern eine E-Mail. Von der Bahn? Was wollten die denn von ihm?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio las den kurzen Text, der fast unterging zwischen Links auf Serviceportale und Apps, und unterdr\u00fcckte einen Fluch. Streik!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass die Angestellten der franz\u00f6sischen Staatsbahn gerade um h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen k\u00e4mpften, hatte er mitbekommen, sich deswegen aber bisher keine gro\u00dfen Sorgen gemacht. Bis Paris w\u00fcrde er schon irgendwie kommen, und von dort aus w\u00fcrde er ohnehin den ICE nehmen, der vom Streik nicht betroffen war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war jedenfalls der Plan, doch jetzt schrieb ihm die Bahn, dass sie f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Tage alle Zugverbindungen von und nach Frankreich gecancelt hatte. Die Verantwortlichen bef\u00fcrchteten, dass der Streik auf franz\u00f6sischer Seite auch bei den ICE f\u00fcr gro\u00dfe Versp\u00e4tungen sorgen w\u00fcrde, die in der Folge auch in Deutschland Chaos verursachen w\u00fcrden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio lie\u00df das Handy aufs Bett fallen und sich selbst daneben. Und jetzt? So gern er die Aubertins mochte, so gut er sich mit seinem Gastbruder L\u00e9o verstand und auch mit dessen Schwester Lina \u2013 \u00fcber Weihnachten wollte er zu Hause sein. Er liebte einfach die ganze Stimmung der Weihnachtszeit, und bei den Aubertins war davon nichts zu sp\u00fcren. Sie feierten kein Weihnachten, warum, das wusste Emilio nicht. L\u00e9o hatte ihm gesagt, dass seine Eltern nichts daf\u00fcr \u00fcbrig hatten, ihm war klar gewesen, dass sein Gast sich wundern musste, wenn \u00fcberall die Vorbereitungen f\u00fcrs Fest in vollem Gange waren, nur bei seinen Gasteltern nicht. Aber warum seine Eltern Weihnachten nicht mochten, hatte er Emilio nicht verraten, und Emilio hatte nicht nachgefragt, weil er glaubte, dass es ihm nicht zustand. Er war ja auch gekommen, um Land und Leute kennenzulernen, und dass er sich etwas anpasste, durfte man von ihm erwarten, das wusste er. Aber Weihnachten war eben auch ein besonderer Fall, deshalb hatte er sich um ein Zugticket nach Hause gek\u00fcmmert, als sich herausgestellt hatte, dass die Aubertins nicht feierten. Immerhin nahmen seine Gastgeber ihm das nicht \u00fcbel, und er sp\u00fcrte, dass sie meinten, was sie sagten. Auch wenn sie selbst das Fest nicht mochten, verga\u00dfen sie nicht, dass es anderen etwas bedeutete.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio brauchte ein paar Minuten, um die Nachricht halbwegs zu verdauen. Was sollte er machen? Erst mal zu Hause anrufen, beschloss er, vielleicht hatten seine Eltern ja eine Idee. Und dann musste er auch seinen Gasteltern Bescheid sagen, die hatten ihn schlie\u00dflich nicht eingeplant f\u00fcr die Feiertage. Hoffentlich gab es keine Schwierigkeiten, wenn er doch blieb!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er \u00fcberlegte kurz und w\u00e4hlte dann die Nummer seines Vaters. Der musste schon Feierabend haben, wenn nichts Ungew\u00f6hnliches passiert war, seine Mutter arbeitete dagegen wahrscheinlich noch.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich meldete sein Vater sich rasch, und seine Stimme klang leicht besorgt. Es war nicht die Zeit, zu der Emilio normalerweise zu Hause anrief, meist meldete er sich nach dem Abendessen, sodass sich zu Hause die gesamte Familie vor der Webcam versammeln konnte. \u201eIch kann nicht fahren\u201c, berichtete Emilio. \u201eHier streiken sie, und die Bahn l\u00e4sst deshalb jetzt auch den ICE ausfallen.\u201c Er las seinem Vater die E-Mail vor. \u201eDie machen sich\u2019s leicht!\u201c, schloss er bitter. \u201eUnd ich stehe doof da.\u201c \u201eDas ist wirklich Mist\u201c, stimmte sein Vater ihm zu. \u201eAuch wenn\u2019s nat\u00fcrlich stimmt, wenn der ICE mit wer wei\u00df wie viel Versp\u00e4tung aus Frankreich kommt, dann m\u00fcssen sie hier auch wieder eine L\u00fccke finden. Das bringt ihnen mit etwas Pech eine Menge durcheinander.\u201c \u201eUnd jetzt?\u201c, fragte Emilio. \u201eAbholen k\u00f6nnt ihr mich nicht, oder?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Vater sch\u00fcttelte den Kopf. Das konnte Emilio nicht sehen, aber er wusste es. \u201eSchwierig\u201c, sagte sein Vater. \u201eDie Strecke hin und zur\u00fcck, da sind wir einen Tag und eine Nacht unterwegs. Da m\u00fcsste Mama mitkommen, damit wir uns abl\u00f6sen k\u00f6nnen, und das hei\u00dft, wir m\u00fcssten auch Cara und Eloi mitnehmen.\u201c Das waren Emilios Geschwister, Cara war zehn, Eloi sieben. Klar, die konnten nicht so lange allein zu Hause bleiben, zumal Emilio selbst sch\u00e4tzte, dass seine Eltern vor der R\u00fcckfahrt eine l\u00e4ngere Pause brauchen w\u00fcrden, selbst wenn sie sich gegenseitig abl\u00f6sten. Da h\u00e4tten sie direkt losfahren m\u00fcssen, um Heiligabend wieder zu Hause zu sein, und Emilio hatte schon bef\u00fcrchtet, dass das nicht funktionieren w\u00fcrde. Blieb noch das Flugzeug, aber daran verschwendete er keinen Gedanken. Mal ganz abgesehen von den Klimafolgen \u2013 er war noch nie geflogen, und seine Eltern w\u00fcrden sich nicht auf ein Experiment einlassen. Au\u00dferdem w\u00fcrde das auch verflixt teuer werden, so kurzfristig kosteten die Tickets bestimmt ein paar Hundert Euro.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Vater atmete tief durch. \u201eIch werde nachher noch mal mit Mama sprechen\u201c, k\u00fcndigte er an. \u201eAber ich f\u00fcrchte, du musst \u00fcber Weihnachten in Frankreich bleiben. Vielleicht k\u00f6nnen wir das verschieben, dass du daf\u00fcr \u00fcber Silvester ein paar Tage kommst. Ich wei\u00df, das ist nicht das Gleiche, aber\u2026\u201c Er schien nicht zu wissen, was er Emilio Tr\u00f6stendes sagen konnte, und letztlich gab es wohl auch wirklich nichts. Weihnachten w\u00fcrde dieses Jahr f\u00fcr Emilio ausfallen, daran gab es nicht zu r\u00fctteln.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit den Aubertins gab es zum Gl\u00fcck keine Probleme wegen der unfreiwilligen Plan\u00e4nderung. Sie w\u00fcrden zu Hause sein, und sie hatten Emilios Bett auch nicht anderweitig verplant f\u00fcr die Zeit, die er eigentlich zu Hause hatte verbringen wollen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Tag blieb Emilio noch, um sich auf ein Weihnachten einzustellen, das keines war. Aber ein Vorteil war das nicht, im Gegenteil, er hatte viel zu viel Zeit, sich \u00fcber die Eisenbahner zu \u00e4rgern, die ihm mit ihrem Streik das Fest versauten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seiner Gastfamilie gegen\u00fcber versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen. Die Aubertins konnten nichts f\u00fcr den Streik, der ihm die Heimfahrt \u00fcber die Feiertage unm\u00f6glich machte, und er konnte nicht erwarten, dass sie seinetwegen jetzt doch feierten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hatten sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine Situation und taten das Beste, was sie tun konnten: Sie gingen nicht st\u00e4ndig darauf ein. Dass es ihnen leidtat, dass er nicht nach Hause fahren konnte, war nicht nur so dahergesagt, das wusste er, aber was h\u00e4tte es geholfen, es ihm immer wieder aufs Neue zu versichern? Emilio war ihnen dankbar, dass sie nicht versuchten, ihn mit hektisch aus dem Boden gestampften Unternehmungen abzulenken oder gar seinetwegen doch irgendwas Weihnachtliches zu machen. Das h\u00e4tte nicht funktioniert, denn wenn er wusste, dass sie sich nur f\u00fcr ihn bem\u00fchten, Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, dann w\u00fcrde er sich nur zu allem \u00dcberfluss auch noch schuldig f\u00fchlen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>An Heiligabend brach Emilio am fr\u00fchen Nachmittag, als \u00fcberall das Festessen auf den Herd gesetzt und der Weihnachtsbaum ein letztes Mal geradeger\u00fcckt wurde, zu einem Spaziergang auf. Die Aubertins wohnte nicht weit weg von der K\u00fcste, und au\u00dferhalb der Stadt hatte er seine Ruhe. Das Wetter war garstig, kalt, aber nicht kalt genug, um statt des leichten Nieselregens Schneeflocken fallen zu lassen, und ein scharfer Wind pfiff \u00fcber die Weiden. Doch Emilio war nicht aus Zucker, und irgendwie tat es gut, so die Elemente zu sp\u00fcren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er lief gut zwei Stunden, nicht sehr schnell, aber es kam doch eine nicht gerade kleine Strecke zusammen. Kaum jemand begegnete ihm unterwegs, hier mal jemand mit einem Hund, dort ein Bauer, der nat\u00fcrlich auch an Weihnachten nach dem Vieh sehen musste, mehr nicht.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als er sich wieder dem Haus der Aubertins n\u00e4herte, war es fast schon dunkel. Viele Fenster waren festlich erleuchtet, mit Lichterketten und elektrischen Kerzen in den verschiedensten Formen. Dass bei den Aubertins nur die normalen Deckenlampen brannten, und die Schreibtischlampe in L\u00e9os Zimmer, fiel dazwischen gar nicht auf, wenn man nicht genau hinschaute.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als er noch zwei H\u00e4user entfernt war, sah Emilio eine schmale Gestalt in der Gasse vor dem Haus seiner Gastfamilie stehen. Nanu, wer war das? Die Person wirkte so, als w\u00fcrde sie auf jemanden warten \u2013 war sie eingeladen, aber zu fr\u00fch dran und wollte die Gastgeber nicht st\u00f6ren?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein paar Augenblicke sp\u00e4ter erkannte er, wer es war. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass er die Person kennen k\u00f6nnte, denn er kannte nach vier Monaten bei den Aubertins zwar einige von den Nachbarn, aber nicht deren Freunde und Verwandte. Aber zu sehen, wer es war, machte die Sache erst richtig r\u00e4tselhaft \u2013 was machte Lina hier drau\u00dfen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lina entdeckte ihn und setzte sich in Bewegung, um ihm entgegenzugehen. Hatte sie auf ihn gewartet? Es schien fast so, aber Emilio hatte keine Idee, warum. Sie verstanden sich gut, sie war auch nur etwas \u00fcber ein Jahr j\u00fcnger als ihr Bruder und damit ein knappes Jahr j\u00fcnger als Emilio, aber Emilio unternahm doch deutlich mehr mit L\u00e9o.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch dachte schon, du kommst gar nicht mehr\u201c, sagte sie zur Begr\u00fc\u00dfung, aber sie l\u00e4chelte dabei. Sie sprach Franz\u00f6sisch, Emilio antwortete auf Deutsch. \u201eHab ich was verpasst?\u201c, fragte er. Lina sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch will auch noch ein bisschen raus\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eHast du Lust, noch mal mitzukommen?\u201c Emilio zuckte mit den Schultern. Er war nicht ganz sicher, was er davon halten sollte, allein mit ihr hatte er noch nie irgendwas unternommen, aber warum nicht? Sonst w\u00fcrde er doch nur in seinem Zimmer sitzen und rausstarren auf die Fenster der Nachbarn, die Weihnachten feierten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201ePrima!\u201c, freute Lina sich. \u201eMusst du vorher noch mal rein?\u201c Emilio sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWir k\u00f6nnen\u201c, sagte er.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hl doch mal ein bisschen!\u201c, forderte Lina ihn auf, als sie sich ein St\u00fcck von ihrem Elternhaus entfernt hatten. \u201eWie ist das, wenn ihr zu Hause Weihnachten feiert?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio zuckte zusammen, so sehr \u00fcberraschte ihn die Frage. \u201eDu musst nicht, wenn du nicht willst\u201c, sagte Lina, als er nicht direkt antwortete. \u201eIch meine, das ist f\u00fcr dich ja auch bl\u00f6d alles gerade.\u201c \u201eDa k\u00f6nnte ihr ja nichts f\u00fcr\u201c, beruhigte Emilio sie. \u201eWundert mich nur, dass du fragst. Interessiert dich das wirklich?\u201c Er w\u00fcrde ihr gern erz\u00e4hlen, was bei ihm zu Hause an den Weihnachtsfeiertagen los war, aber nur, wenn sie es wirklich h\u00f6ren wollte. Dass sie aus H\u00f6flichkeit zuh\u00f6rte und sich dabei zu Tode langweilte, wollte er auf keinen Fall.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Lina meinte es ernst, und so erz\u00e4hlte er von den Traditionen seiner Familie zu Weihnachten. \u201eDas stelle ich mir sch\u00f6n vor\u201c, sagte Lina, als er erz\u00e4hlte, wie sich am ersten Weihnachtstag immer die ganze Familie traf, mit Gro\u00dfeltern, Onkeln und Tanten, Cousins und Cousinen. \u201eAuch wenn es manchmal nicht so einfach ist.\u201c Emilio hatte ihr nicht verschwiegen, dass es gelegentlich auch zu kontroversen Diskussionen kam, wenn die Familie an Weihnachten zusammenkam. Aber das gab es in vielen Familien, und Lina kannte das auch von Geburtstagen und anderen Familienfeiern. Entscheidend war, wie man dann damit umging, und wirklich ausgeartet war es in Emilios Verwandtschaft noch nie.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio achtete kaum darauf, wohin sie gingen, er war davon ausgegangen, dass Lina einfach nur durch den Ort und die Umgebung schlendern wollte. Doch nach und nach bekam er das Gef\u00fchl, dass Lina ein klares Ziel hatte, vielleicht, weil sie an keiner Kreuzung, keiner Abzweigung auch nur einen Augenblick \u00fcberlegte, in welche Richtung sie sich wenden sollte. Oder hatte sie eine feste Route, auf der sie regelm\u00e4\u00dfig spazieren ging? Auch wenn er schon vier Monate bei den Aubertins lebte, war er sich nicht sicher, ob er das auf jeden Fall h\u00e4tte mitbekommen m\u00fcssen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann bog Lina ab auf einen schmalen Pfad, der direkt zur K\u00fcste f\u00fchrte. Die bestand an dieser Stelle \u2013 eigentlich \u00fcberall in der Gegend \u2013 aus einem steilen Kliff mit einem Streifen Kiesstrand davor. Der Pfad schl\u00e4ngelte sich durch eine Scharte nach unten, im Licht der Taschenlampe, die Lina anknipste, erkannte Emilio hier und da Stufen, die in den Stein gehauen worden waren. \u201eIst das nicht gef\u00e4hrlich?\u201c, fragte er unsicher. \u201eBei Dunkelheit da runter?\u201c Das Kliff war kein Wolkenkratzer, zehn Meter hoch, sch\u00e4tzte Emilio, aber das reichte, um sich bei einem Absturz den Hals zu brechen. \u201eNicht, wenn man sich auskennt und aufpasst\u201c, beruhigte Lina ihn. \u201eVertrau mir!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was blieb Emilio auch anderes \u00fcbrig? Er h\u00e4tte sich h\u00f6chstens umdrehen und zur\u00fcckgehen k\u00f6nnen, aber das wollte er nat\u00fcrlich nicht. Au\u00dferdem waren sie jetzt schon fast zur H\u00e4lfte unten, und wenn der Weg so blieb wie im oberen Teil, dann brauchte man sich wohl wirklich keine Sorgen zu machen. Wie Lina gesagt hatte: gucken und aufpassen, wohin man den Fu\u00df setzte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter waren sie unten, und Lina wandte sich zielsicher nach links. Im Schatten des Kliffs war es noch dunkler als oben, aber Lina schien jeden Stein zu kennen. Emilio sah, dass sie manchem Felsen, der aus dem Kies herausragte, schon auswich, bevor der Schein der Taschenlampe ihn erreichte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn er zur Seite schaute, konnte er weit drau\u00dfen vereinzelte Lichter erkennen, Schiffe, die in sicherem Abstand die K\u00fcste entlangfuhren. Wie sich wohl die Seeleute f\u00fchlten, die jetzt an Weihnachten auf ihren Schiffen Dienst tun mussten? Sicher, sie waren es gewohnt, lange von ihren Familien weg zu sein, aber an Weihnachten war es bestimmt auch f\u00fcr sie nicht so leicht.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unvermittelt fiel der Lichtstrahl der Taschenlampe auf eine wei\u00df lackierte Wand. Im ersten Moment wusste Emilio nichts damit anzufangen, ein Haus hier unten, das konnte er sich nicht vorstellen. Dann wurde ihm klar: Es musste ein Boot sein. Lina lie\u00df den Lichtkegel etwas wandern, jetzt war auch die Reling zu sehen, und links von ihnen der Bug. Ein Fischerboot, vermutete Emilio, nicht sehr gro\u00df und vermutlich auch nicht das neueste Modell, soweit er das als Laie beurteilen konnte, aber es sah auch nicht so aus, als w\u00fcrde es im n\u00e4chsten Moment auseinanderfallen. Zehn oder zw\u00f6lf Meter mochte es lang sein, viel kleiner als die modernen schwimmenden Fischfabriken.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDa w\u00e4ren wir!\u201c, sagte Lina. \u201eHier st\u00f6rt uns niemand.\u201c Sie sprang an der Bordwand hoch und griff zwischen den Stangen der Reling durch. Als ihre F\u00fc\u00dfe wieder auf den Kies trafen, hatte sie das Ende einer Strickleiter in der Hand. Die Leiter rollte sich von allein aus, und Lina machte einen Schritt zur Seite. \u201eNach dir!\u201c, sagte sie l\u00e4chelnd. \u201eEs ist sicher\u201c, f\u00fcgte sie hinzu, als er kurz z\u00f6gerte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer noch unsicher, griff Emilio nach der Leiter. Es war gar nicht so leicht, nach oben zu kommen, weil die Leiter so wackelte. Das obere Ende war zwar festgemacht, und Lina hatte kurz daran geruckt, um sich zu vergewissern,  dass sie hielt, aber davon ab gaben die Seile in alle Richtungen nach. Lina schien das nicht das Geringste auszumachen, sie enterte das Boot, als h\u00e4tte sie zeit ihres Lebens nie etwas anderes gemacht. Wahrscheinlich war sie tats\u00e4chlich ziemlich oft hier, ohne dass er bislang etwas von ihren Ausfl\u00fcgen mitbekommen h\u00e4tte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMein geheimer Platz\u201c, erkl\u00e4rte sie, als sie neben ihm an Deck des kleinen Kutters stand. \u201eHierher komme ich immer, wenn ich mal wirklich meine Ruhe haben will.\u201c \u201eDarfst du das?\u201c, fragte Emilio. \u201eIch meine, das Boot muss doch irgendjemandem geh\u00f6ren, oder?\u201c \u201eNa ja, so halb\u201c, antwortete Lina. \u201eDer Fischer, dem es geh\u00f6rte, ist vor drei Jahren gestorben. Er hatte sich aber schon Jahre vorher zur Ruhe gesetzt. Zum Schluss hat es sich auch nicht mehr gelohnt, mit dem kleinen Boot kannst du nicht bestehen gegen die gro\u00dfen Schiffe, die viel weiter rausfahren k\u00f6nnen. Deshalb hat sich auch niemand gefunden, der es kaufen wollte. Ich war fr\u00fcher oft am Hafen, ich w\u00e4re gerne mal mit rausgefahren, aber als ich endlich alt genug war, dass Maman und Papa es erlaubt h\u00e4tten, da hatte Monsieur Moreau schon aufgeh\u00f6rt. Ich bin dann immer wieder hergekommen, weil ich es so schade finde, dass das Boot hier liegt und niemand es mehr haben will. Madame Moreau findet es gut, sie meint, solange ich herkomme, hat die Mademoiselle Marie noch eine Aufgabe. Sie hat mir sogar den Schl\u00fcssel zur Kaj\u00fcte gegeben.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das klang traurig, aber es war auch irgendwie tr\u00f6stlich, dass Lina dem Boot noch einen Nutzen gab. Er hatte das Gef\u00fchl, sie w\u00fcrde das Boot nicht aufgeben, auch wenn es irgendwann anfing, zu verfallen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lina f\u00fchrte ihn zum Deckhaus und schloss die T\u00fcr auf. Der Schl\u00fcssel kratzte nicht im Schloss, offensichtlich g\u00f6nnte sie dem Schloss von Zeit zu Zeit einen Tropfen \u00d6l. \u201eVorsicht, Kopf!\u201c, warnte sie ihn, weil die T\u00fcr ziemlich niedrig war. \u201eHalt mal bitte!\u201c Sie dr\u00fcckte ihm die Taschenlampe in die Hand, und w\u00e4hrend er ihr leuchtete, entz\u00fcndete sie eine Petroleumlampe, die an einem Haken von der Decke hing. Es gab auch elektrisches Licht, aber das funktionierte wahrscheinlich nicht mehr. Emilio kannte sich nicht besonders gut aus mit Schiffstechnik, aber er vermutete, dass die Elektrizit\u00e4t an Bord von einem Generator kam, der vom Schiffsmotor angetrieben wurde, und wenn es Batterien gab, dann hatten sie schon lange ihre Ladung verloren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er traute Lina zu, dass sie es genauer wusste, wurde aber abgelenkt, ehe er fragen konnte. Das Licht der Petroleumlampe holte etwas aus der Dunkelheit, mit dem er im Leben nicht gerechnet h\u00e4tte: eine weihnachtlich geschm\u00fcckte Br\u00fccke. Das Frontfenster, das sich \u00fcber die ganze Breite des Deckhauses erstreckte, war mit Tannengr\u00fcn eingerahmt, \u00fcber der T\u00fcr hing eine Lichterkette, die einen eigenen Akku haben musste, und auf dem Instrumentenpult stand sogar eine kleine Krippe.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWow!\u201c, entfuhr es Emilio. \u201eDas geheime Weihnachts-Hauptquartier!\u201c Lina wurde rot. \u201eDu bist der Erste, der davon erf\u00e4hrt\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eWovon?\u201c, fragte Emilio, der sich nicht ganz sicher war, ob er den Zusammenhang richtig verstanden hatte, obwohl er sich wohl inzwischen in den Lebenslauf schreiben durfte, dass er flie\u00dfend Franz\u00f6sisch sprach. \u201eDavon, dass du hier ein kleines Versteck hast?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Linas Geheimnis war viel gr\u00f6\u00dfer: Sie feierte heimlich Weihnachten. Sie fand Weihnachten sch\u00f6n, und weil ihre Eltern alles von sich wiesen, was mit dem Fest zu tun hatte, feierte sie f\u00fcr sich an ihrem ganz privaten R\u00fcckzugsort. Davon wusste niemand etwas, nicht die Eltern, nicht der gro\u00dfe Bruder, nicht mal ihre beste Freundin, mit der sie sonst \u00fcber alles reden konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt \u00fcberlegte Emilio doch, ob er Lina fragen sollte, warum ihre Eltern so \u00fcberhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben wollten. Aber w\u00fcrde er ihr damit nicht zu nahe treten? Doch seine Schweigsamkeit reichte Lina, sie schien ganz genau zu wissen, was ihn bewegte. \u201eF\u00fcr dich ist es schwer zu verstehen, was Maman und Papa gegen Weihnachten haben, oder?\u201c, stellte sie sehr treffend fest. Emilio nickte. \u201eIch meine, es kann ja sein, dass jemand keine Lust darauf hat, aber\u2026\u201c Er verstummte, er wollte keine Mutma\u00dfungen \u00e4u\u00dfern, die Lina vielleicht verletzten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, sie haben Angst\u201c, versuchte Lina zu erkl\u00e4ren. \u201eWeil sie\u2026\u201c \u201eDu musst mir das nicht erz\u00e4hlen\u201c, warf Emilio ein. \u201eWenn du nicht willst, dann ist es v\u00f6llig okay, wenn du nichts sagst.\u201c \u201eDoch, du darfst es wissen\u201c, versicherte Lina. \u201eAber erz\u00e4hle ihnen nicht, dass ich es dir erz\u00e4hlt habe, ja?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio versprach es, und Lina begann zu erz\u00e4hlen. Fr\u00fcher, als L\u00e9o und sie noch nicht geboren gewesen waren, da war wohl alles anders gewesen, und ihre Eltern hatten Weihnachten gefeiert wie viele andere auch. Doch ein Autounfall hatte alles ver\u00e4ndert, auf der R\u00fcckfahrt von einer Weihnachtsfeier mit Freunden. Linas Vater, der am Steuer gesessen hatte, hatte keine Schuld getroffen, er war vollkommen n\u00fcchtern gewesen und vorsichtig gefahren. Ein Raser \u2013 die Polizei hatte sp\u00e4ter ausgerechnet, dass er fast doppelt so schnell gefahren war wie erlaubt \u2013 hatte sie geschnitten und den Wagen beim Einscheren touchiert. Linas Vater hatte keine Chance gehabt, den schleudernden Wagen auf der Stra\u00dfe zu halten, das Auto war in den Acker gerutscht und hatte sich \u00fcberschlagen. Obwohl Linas Eltern \u00fcberlebt und sich k\u00f6rperlich vollst\u00e4ndig erholt hatten, hatte der Raser, der selbst nur ein paar Kratzer abbekommen hatte, ein Menschenleben auf dem Gewissen: L\u00e9os und Linas Bruder, der gestorben war, ohne zuvor das Licht der Welt zu sehen. \u201eDas haben sie nie richtig \u00fcberwunden\u201c, schloss Lina. \u201eVielleicht kann man das auch gar nicht, zumindest nicht ganz. Und deshalb wollen sie kein Weihnachten mehr feiern, weil Weihnachten f\u00fcr sie immer mit diesem Unfall verbunden ist.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lina war stark, denn sie schaffte es trotz des traurigen Hintergrunds, echte Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. In einem Rucksack, den Emilio gar nicht richtig wahrgenommen hatte unterwegs, hatte sie eine gro\u00dfe T\u00fcte Weihnachtspl\u00e4tzchen mitgebracht, und eine Thermosflasche voll hei\u00dfem Tee. Tassen fanden sich an Bord, und aus einer Koje holte Lina eine d\u00fcnne Matratze und Decken. Emilio ging durch den Kopf, dass das kleine Schiff fast ein zweites Zuhause f\u00fcr sie war, sie hielt die Einrichtung offenbar in Schuss.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war wohl das merkw\u00fcrdigste Weihnachten, das er je erlebt hatte, an diesem Ort, mit Lina neben sich, ein bisschen aus der Welt gefallen irgendwie. Und so sehr er sich \u00fcber den Streik ge\u00e4rgert hatte, der ihn zwang, \u00fcber Weihnachten in Frankreich zu bleiben, so sehr gefiel es ihm, zusammen mit Lina auf der Matratze zu liegen, gut zugedeckt gegen die K\u00e4lte, Pl\u00e4tzchen zu essen, Tee zu trinken und auf YouTube nach Weihnachtsliedern zu st\u00f6bern. Er suchte und fand einige deutsche Lieder, die er Lina vorspielen konnte, Lina suchte franz\u00f6sische heraus, und manche gab es ja auch in mehreren Sprachen. So sangen sie \u201eStille Nacht, heilige Nacht\u201c, und \u201eDouce nuit, sainte nuit\u201c, \u201eNun freut euch, ihr Christen\u201c, \u201eCome all you Faithfull\u201c und \u201ePeuple fid\u00e8le\u201c, und Lina probierte genauso, die deutschen Texte zu singen, wie Emilio sich an den franz\u00f6sischen versuchte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio hatte gerade eine sch\u00f6ne Version von \u201eHark! The Herold Angels Sing\u201c gefunden, als sein Handy klingelte. Die Verbindung war nicht allzu toll, er war zu weit drau\u00dfen und noch dazu umgeben von Stahl, aber als er aufstand und an die T\u00fcr ging, funktionierte es einigerma\u00dfen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am anderen Ende war seine ganze Familie, sie wollte ihm trotz allem frohe Weihnachten w\u00fcnschen und nachfragen, wie es ihm ging, so ganz ohne alles Weihnachtliche. \u201eWo steckst du?\u201c, erkundigte sich sein Vater. \u201eNicht bei den Aubertins zu Hause, oder?\u201c \u201eNein\u201c, antwortete Emilio. In zwei S\u00e4tzen beschrieb er die \u00dcberraschung, die Lina ihm bereitet hatte, und schwenkte das Handy, sodass die Kamera die geschm\u00fcckte Br\u00fccke einfangen konnte. Er wusste, dass das okay war, und Lina konnte sicher sein, dass seine Eltern ihren nichts erz\u00e4hlen w\u00fcrden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDann ist es ja doch nicht so schlecht, dass du nicht kommen konntest\u201c, stellte sein Vater fest. \u201eNicht, dass wir dich nicht gerne hier haben w\u00fcrden, aber wie es aussieht, habt ihr beiden ja doch sch\u00f6ne Weihnachten, und f\u00fcr Lina bist du ein Geschenk, wenn sie zum ersten Mal jemanden hat, der mit ihr Weihnachten feiert.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Emilio wurde rot, aber irgendwie hatte sein Vater ja recht. Ja, seine Weihnachten waren v\u00f6llig anders, als er es von zu Hause kannte, anders, als er sie sich je h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen, aber sie waren trotzdem wirklich sch\u00f6n. Er war Lina dankbar daf\u00fcr, dass sie ihr Geheimnis mit ihm teilte, und es war nicht zu \u00fcbersehen, wie gl\u00fccklich sie war, Weihnachten mit ihm zusammen feiern zu k\u00f6nnen. Diese Freude w\u00fcrde Folgen haben, davon war er \u00fcberzeugt, denn die Stimmung, die sie hier in sich aufsog, w\u00fcrde ausstrahlen, wenn sie sp\u00e4ter am Abend nach Hause gingen. Linas Eltern w\u00fcrden sp\u00fcren, dass sich etwas ver\u00e4ndert hatte, und Emilio hatte pl\u00f6tzlich das sichere Gef\u00fchl, dass der Funke der Weihnachtsfreude \u00fcberspringen w\u00fcrde.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte entstand 2022 als Beitrag f\u00fcr die Adventskalender der Foren B\u00fcchereule und B\u00fcchertreff. Zur Entstehung gibt es eine kleine Anekdote: Ich brauchte einen einen Grund, warum Emilio \u00fcber Weihnachten nicht nach Hause fahren kann. 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