{"id":268,"date":"2024-02-02T13:45:34","date_gmt":"2024-02-02T12:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=268"},"modified":"2024-02-02T13:45:34","modified_gmt":"2024-02-02T12:45:34","slug":"wie-man-frohe-weihnachten-verkauft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=268","title":{"rendered":"Wie man frohe Weihnachten verkauft"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Wie man Frohe Weihnachten verkauft\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Wie-man-Frohe-Weihnachten-verkauft.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Wie man Frohe Weihnachten verkauft\" \/>\n<p>Skeptisch betrachtete Holly die von Autoabgasen nachgedunkelte Fassade des Hauses vor ihr. Die Bude sah ziemlich sch\u00e4big aus, fand sie, so gar nicht wie der Sitz eines seri\u00f6sen Unternehmens. Eine vierspurige Hauptverkehrsstra\u00dfe, viel L\u00e4rm, neben der Haust\u00fcr stapelten sich S\u00e4cke mit Verpackungsm\u00fcll, der auf die Abfuhr wartete. Aber es war kein Irrtum, Holly warf noch mal einen Blick auf die Unterlagen, sie war richtig.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letzte Zweifel r\u00e4umte das kleine Schild aus, das zwischen anderen von innen an die Glasscheibe der Eingangst\u00fcr geklebt worden war: <i>Schmitz &#038; Kolke Make you(r) call GmbH<\/i>. Ein einfacher Computer-Ausdruck auf einem wei\u00dfen DIN-A4-Zettel in einer Klarsichth\u00fclle.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly gab sich einen Ruck und dr\u00fcckte die Klingel. Ihre Geduld wurde auf die Probe gestellt, es dauerte fast eine Minute, bis ein Knacken zu h\u00f6ren war in der Gegensprechanlage, die auch schon etliche Jahre auf dem Buckel haben musste. \u201eJa?\u201c Besonders freundlich klang das nicht, nicht mal nach einge\u00fcbter Freundlichkeit eines Empfangsmenschen, der daf\u00fcr bezahlt wurde, wenigstens halbwegs h\u00f6flich zu sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHolly Winkler\u201c, sagte Holly. \u201eIch soll ab heute hier arbeiten.\u201c \u201eOkay\u201c, kam es zur\u00fcck, und gleich darauf ert\u00f6nte der Summer. Holly dr\u00fcckte die T\u00fcr auf und betrat den Hausflur, der irgendwie d\u00fcster wirkte. Auf der rechten Seite an der Wand sah sie ein Firmenverzeichnis, eine Plexiglasscheibe mit den Namen der Firmen, die hier residierten. Das Callcenter, ein \u00dcbersetzungsb\u00fcro, eine Agentur, die sich nicht dar\u00fcber auslie\u00df, wen oder was sie vermittelte, irgendwelche Handelsgesellschaften, die Holly nichts sagten. Viel Wert auf einen repr\u00e4sentativen Empfang schienen sie alle nicht zu legen, die meisten Namen waren nur auf Papier gedruckt und aufgeklebt, genau wie an der T\u00fcr.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer schmalen Treppe stieg Holly hoch in den zweiten Stock, in dem <i>Schmitz &#038; Kolke<\/i> ihre B\u00fcros hatten. Vor der T\u00fcr, die nur angelehnt war, atmete sie noch einmal tief durch, dann trat sie ein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem schmucklosen Vorraum sa\u00df ein junger Mann in einem schlabbrigen T-Shirt an einem Schreibtisch. \u201eFrau Winkler?\u201c, vergewisserte er sich, ohne wirklich aufzusehen. Holly nickte. \u201eHaben Sie den Vertrag dabei?\u201c, fragte der Mann. Holly reichte ihm das Papier, er \u00fcberflog es und nickte. Mit einem unleserlichen Krakel unterschrieb er beide Exemplare, reichte eins an Holly zur\u00fcck und legte das andere auf einen Stapel Papiere auf seinem Schreibtisch.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war der erste Arbeitsvertrag, den Holly je unterschrieben hatte. Sie war sechzehn und wollte sich etwas Geld dazuverdienen. Den Entschluss hatte sie kurzfristig gefasst, sie hatte zuf\u00e4llig die kleine Notiz gesehen, als sie das kostenlose Werbebl\u00e4ttchen aus dem Briefkasten geholt hatte, das w\u00f6chentlich in der Stadt verteilt wurde. Es war ihr gerade recht gekommen, denn in der Kasse herrschte Ebbe, nachdem sie die Weihnachtsgeschenke f\u00fcr ihre Eltern und die beiden j\u00fcngeren Geschwister gekauft hatte. Jede Woche drei oder vier Stunden, hatte sie sich ausgerechnet, w\u00fcrden ja schon reichen, um bis zum n\u00e4chsten Taschengeld \u00fcber die Runden zu kommen. Vielleicht w\u00fcrde sogar etwas mehr rausspringen, als sie f\u00fcr die Geschenke ausgegeben hatte. Besondere Qualifikationen waren auch nicht gefordert, nur flie\u00dfend Deutsch mussten die Bewerber sprechen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihre Eltern hatten auch nichts dagegen einzuwenden gehabt, und so hatte sie die angegebene Telefonnummer angerufen. Es war erstaunlich schnell und einfach gegangen, nach nicht einmal zehn Minuten hatte es gehei\u00dfen, dass sie gleich am n\u00e4chsten Tag anfangen k\u00f6nnte. Den Vertrag hatte sie per E-Mail zugeschickt bekommen, mit der Aufforderung, zwei Exemplare auszudrucken und zu unterschreiben.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun stand also ihr erster Arbeitstag an, am Donnerstag vor dem zweiten Advent. \u201eKundenberatung\u201c war ihr Job \u00fcberschrieben, ganz genau wusste sie selbst noch nicht, worum es dabei gehen sollte. <i>Schmitz &#038; Kolke<\/i> warben damit, f\u00fcr verschiedene Auftraggeber zu arbeiten und so den Callcenteragenten immer wieder neue, spannende Aufgaben zu bieten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mann hinter dem Schreibtisch gab irgendwas in seinen Computer ein, dann stand er auf und bedeutete Holly mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen. Freundlich war irgendwie anders, so wirklich willkommen f\u00fchlte Holly sich bis jetzt nicht. Sie hatte nicht vor, bei <i>Schmitz &#038; Kolke<\/i> alt zu werden, es war ein Nebenjob, den sie vielleicht nur ein paar Wochen oder Monate machen w\u00fcrde, aber trotzdem. Der Mann hatte sich ja noch nicht mal vorgestellt!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er f\u00fchrte sie in einen Raum, in dem mindestens zwanzig Agenten und Agentinnen sa\u00dfen. Die Mehrheit waren Frauen, junge und \u00e4ltere; die wenigen M\u00e4nner dagegen waren durchweg jung, sicherlich keiner \u00fcber Mitte zwanzig. Alle telefonierten, aber Holly verstand kein Wort, weil die Stimmen sich gegenseitig \u00fcberlagerten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie wurde nach rechts gef\u00fchrt, zu einem Tisch in der Ecke. Dort sa\u00df eine Frau, die Holly auf Mitte vierzig sch\u00e4tzte, sie war schmal und etwas blass im Gesicht. Sie hatte ein Headset auf und war gerade im Gespr\u00e4ch, von dem Holly aber nur ein paar Wortfetzen aufschnappen konnte. Den wichtigsten Teil schien sie verpasst zu haben, die Frau leitete die Verabschiedung ein. Es h\u00f6rte sich so an, als h\u00e4tte ihr Gespr\u00e4chspartner sich dagegen entschieden, ihrem Rat zu folgen, aber um das ernsthaft zu beurteilen, fehlte Holly das Hintergrundwissen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mann, der sie in Empfang genommen hatte, wartete, bis die Frau das Gespr\u00e4ch beendet hatte und aufschaute. \u201eSie ist neu\u201c, stellte er Holly dann \u00e4u\u00dferst knapp vor. \u201eK\u00fcmmere dich um sie!\u201c Die Frau nickte nur.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHol dir mal den Stuhl da r\u00fcber!\u201c, sagte sie, als der Mann weg war, und deutete auf die Reihe mit Telefonarbeitspl\u00e4tzen vor ihr. Dort waren am Ende der Reihe zwei Pl\u00e4tze frei, und Holly zog sich wie gehei\u00dfen einen der beiden St\u00fchle heran. \u201eOkay\u201c, sagte die Frau zufrieden. \u201eIch bin \u00fcbrigens Magda. Und wie hei\u00dft du?\u201c Holly nannte ebenfalls ihren Namen. \u201eHast du so was schon mal gemacht?\u201c, wollte Magda wissen. Holly sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIst mein erster Job\u201c, gab sie ehrlich zu. Halb und halb richtete sich darauf ein, dass Magda im Geiste die Augen verdrehen w\u00fcrde, weil man ihr eine v\u00f6llige Anf\u00e4ngerin geschickt hatte. Aber einmal musste man schlie\u00dflich anfangen, und der, mit dem sie am Vortag telefoniert hatte, meinte ja offenbar, dass sie den Job konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck wirkte Magda nicht genervt. \u201eMacht nichts\u201c, sagte sie und l\u00e4chelte. \u201eWas du hier brauchst, lernst du schnell. Hier, schau!\u201c Sie deutete auf den Bildschirm, auf dem eine Liste mit Namen und Telefonnummern angezeigt wurde. Das waren die Leute, die angerufen werden sollten. \u201eDie gehst du einfach der Reihe nach durch\u201c, erkl\u00e4rte Magda. Sie zeigte Holly die Schaltfl\u00e4che, die das Programm direkt mit der Telefonsoftware verband. \u201eWir haben eine Liste mit Fragen und Antworten, ich hab sie immer in einem zweiten Tab offen\u201c, fuhr sie fort. \u201eDu kannst aber auch zu Frank gehen und ihm sagen, er soll sie dir ausdrucken, dann brauchst du nicht hin und her zu klicken.\u201c \u201eIst das der, der\u2026?\u201c Etwas unsicher schaute Holly zur T\u00fcr, die zum Vorraum f\u00fchrte. Magda nickte. \u201eEr ist der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hier. Dass er nicht viel redet, hast du wahrscheinlich schon gemerkt. Nimm\u2019s dir nicht zu Herzen, das ist nichts Pers\u00f6nliches.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das machte ihn Holly nicht unbedingt sympathischer, nahm ihr aber wenigstens die Sorge, sie k\u00f6nnte schon beim Reinkommen etwas falsch gemacht haben. Sie nickte, zum Zeichen, dass sie verstanden hatte, und h\u00f6rte weiter zu. Magda zeigte ihr, wie sie die detaillierten Daten zu den Leuten in der Liste aufrufen konnte, und was sie aufnehmen musste, wenn sie einen Verkauf abschloss.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eNa ja, am besten h\u00f6rst du einfach erst mal zu\u201c, schloss Magda. \u201eHier.\u201c Sie reichte Holly ein Headset, das neben ihrem an den PC angeschlossen war. Offenbar war sie nicht zuf\u00e4llig daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt worden, Holly einzuarbeiten, und ihr Arbeitsplatz war daf\u00fcr eingerichtet.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie w\u00e4hlte den obersten Eintrag in der Liste aus und klickte auf den Button mit dem Telefonh\u00f6rer. Dreimal war das Rufzeichen zu h\u00f6ren, dann wurde am anderen Ende abgenommen, und eine Frauenstimme meldete sich. \u201eGuten Tag, Frau Wiedener\u201c, begr\u00fc\u00dfte Magda sie freundlich. \u201eHier spricht Magda Schneider vom Schutzverband Versicherung und Vorsorge. Wir befassen uns derzeit verst\u00e4rkt mit Haftpflichtversicherungen und pr\u00fcfen, ob Beitr\u00e4ge und Deckungssumme in einem gesunden Verh\u00e4ltnis stehen. Darf ich fragen, bei wem Sie haftpflichtversichert sind?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frau am anderen Ende der Leitung, anscheinend einigerma\u00dfen \u00fcberrumpelt, nannte den Namen des Versicherungsunternehmens und anschlie\u00dfend auch die H\u00f6he der Beitr\u00e4ge, die sie und ihr Mann bezahlten. \u201eDie Deckungssumme wissen Sie nicht?\u201c, hakte Magda nach, doch daf\u00fcr h\u00e4tte Frau Wiedener den Vertrag raussuchen m\u00fcssen. Sie sch\u00e4tzte aber, dass es drei oder vier Millionen Euro waren. \u201eBei Beitr\u00e4gen in der H\u00f6he sollten mindestens 10 bis 12 Millionen abgedeckt sein\u201c, behauptete Magda. Gleichzeitig zeigte sie als Hinweis f\u00fcr Holly auf den Fragenkatalog, der in einer Baumansicht angeordnet war. \u201eDas passt so nicht. Wenn Ihnen die Deckungssumme reicht, dann suche ich Ihnen einen anderen Tarif bei einem unserer Partner raus. Oder Sie bleiben mit den Beitr\u00e4gen in dem Bereich, dann finde ich eine h\u00f6here Deckung, das w\u00e4re auch eine Alternative.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly begriff, wie blau\u00e4ugig, sie an die Sache herangegangen war. Von wegen und Kundenberatung! Hier ging es einzig und allein darum, den Leuten Versicherungen zu verkaufen, und ob das immer die g\u00fcnstigsten waren, wagte sie zu bezweifeln. Es waren die des Auftraggebers, Punkt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frau Wiedener erkl\u00e4rte, dass sie so eine Entscheidung nur zusammen mit ihrem Mann treffen wollte, der allerdings nicht zu Hause war. Holly war sich nicht sicher, ob das nur eine Ausrede war, Magda lie\u00df sich nicht anmerken, was sie davon hielt. Sie verabschiedete sich freundlich, nachdem sie immerhin die Zusage bekommen hatte, dass sie am n\u00e4chsten Tag noch mal anrufen durfte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch lege sie auf Wiedervorlage\u201c, erkl\u00e4rte sie Holly, w\u00e4hrend sie den Eintrag im Computer vornahm. \u201eAber wahrscheinlich wird es nichts. Im Lauf der Zeit lernt man, das einzusch\u00e4tzen.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch ehe Holly eine Frage stellen konnte, w\u00e4hlte sie die n\u00e4chste Nummer aus der Liste. Diesmal dauerte das Gespr\u00e4ch nicht lange, die Angerufene, eine Frau Hegge, sagte, sie w\u00fcrde sich nichts aufquatschen lassen, und legte auf. Magda nahm es achselzuckend zur Kenntnis und setzte einen Haken im Programm, der besagte, dass die Nummer nicht mehr angerufen zu werden brauchte. \u201eOkay, n\u00e4chster\u201c, sagte sie. \u201eUnd danach bist du dran.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly wusste nicht, ob sie daf\u00fcr schon bereit war, aber Magda schob ihr zwei Minuten sp\u00e4ter einfach die Maus hin. Mit klopfendem Herzen schob Holly den Cursor \u00fcber den Anruf-Button hinter der n\u00e4chsten Nummer, eine Frau B\u00e4cker diesmal. Ihr fiel auf, dass \u00fcberhaupt deutlich \u00fcberproportional viele Frauen in der Liste standen \u2013 glaubten die Chefs, dass Frauen leichter zu \u00fcberreden waren, eine Versicherung abzuschlie\u00dfen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fast hoffte sie, Frau B\u00e4cker w\u00fcrde nicht abnehmen, aber nach dem zweiten Klingeln knackte es in der Leitung. \u201eMarie B\u00e4cker\u201c, meldete sich eine Stimme, die sehr jung klang. \u201eGuten Tag, Frau B\u00e4cker\u201c, gr\u00fc\u00dfte Holly. \u201eIch bin\u2026\u201c Sie wiederholte das Spr\u00fcchlein vom Schutzverband und kam sich bescheuert vor dabei. \u201eAch, Sie wollen bestimmt mit meiner Mama sprechen\u201c, kam die Antwort. \u201eMama!\u201c Holly zuckte unwillk\u00fcrlich zusammen, weil das M\u00e4dchen am anderen Ende pl\u00f6tzlich die Stimme hob. Entweder war die Mutter schwerh\u00f6rig oder am anderen Ende eines riesigen Gartens, sonst h\u00e4tte es diese Lautst\u00e4rke nicht gebraucht. \u201eSie kommt\u201c, erkl\u00e4rte Marie, dann polterte der H\u00f6rer auf eine harte Unterlage.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es dauerte ein paar Sekunden, und die Mutter war ziemlich au\u00dfer Atem, als sie den H\u00f6rer aufnahm. Offenbar war sie tats\u00e4chlich ein St\u00fcck vom Telefon entfernt gewesen. Holly wiederholte die vorgegebene Einleitung und wurde direkt unterbrochen. \u201eUnd daf\u00fcr renne ich ans Telefon?\u201c, schimpfte Frau B\u00e4cker. \u201eDanke, den Anruf h\u00e4tten Sie sich sparen k\u00f6nnen.\u201c \u201eOkay\u201c, sagte Holly spontan. \u201eAber schimpfen Sie nicht mit Marie, sie konnte nicht wissen\u2026\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu ihrer \u00dcberraschung wurde Frau B\u00e4cker gleich eine ganze Ecke ruhiger. \u201eBestimmt nicht\u201c, versicherte sie. \u201eTut mir leid, Sie machen ja auch nur ihren Job.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly bedankte sich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und legte auf. Irgendwie war sie entt\u00e4uscht, das war mal \u00fcberhaupt nicht so gelaufen wie geplant. Auf der anderen Seite fand sie, dass sie die Situation am Ende gut gel\u00f6st hatte, und Frau B\u00e4cker war ja auch gleich freundlicher geworden. Aber was w\u00fcrde Magda dazu sagen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201ePech\u201c, sagte sie schlicht. \u201eAber mach dir nichts draus. Es hei\u00dft immer, wenn du gut bist, dann kannst du mit den Provisionen richtig viel Geld verdienen, aber ich kenne keinen, der dabei reich geworden ist. Manche schaffen es, dass sie regelm\u00e4\u00dfig drei oder vier Abschl\u00fcsse in einer Stunde machen, andere nur einen oder zwei. So ist das Gesch\u00e4ft. Und du f\u00e4ngst ja gerade erst an, also Kopf hoch!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu ihrer eigenen \u00dcberraschung war Holly damit in die \u201efreie Wildbahn\u201c entlassen. Magda, die offenbar das volle Vertrauen genoss, wenn es darum ging, die Neuen einzuarbeiten, wies ihr einen Platz am Fenster zu. \u201eDa bist du nicht ganz so im Trubel\u201c, sagte sie. \u201eIrgendwann ist man so drin, dass man die anderen gar nicht mehr h\u00f6rt, aber f\u00fcr den Anfang kann\u2019s nicht schaden, wenn dir keiner direkt auf der Pelle hockt.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly bedankte sich, stellte den Stuhl zur\u00fcck und schl\u00e4ngelte sich an den anderen Arbeitspl\u00e4tzen vorbei zum Fenster. Der Computer war bereits eingeschaltet, verlangte aber einen Benutzernamen und ein Passwort. Hilfesuchend schaute sie zu Magda, aber die telefonierte schon wieder. Notgedrungen fragte sie den jungen Mann zwei Tische weiter, der entweder einen Schwerh\u00f6rigen am anderen Ende der Leitung oder nicht verstanden hatte, dass seine Stimme \u00fcber das Telefon auch bei normaler Lautst\u00e4rke ankam. Immerhin konnte er ihr helfen, die Anmeldedaten folgten einem festgelegten Schema. Besonders sicher war das dann nat\u00fcrlich nicht, weil sich so jeder ziemlich m\u00fchelos mit einem fremden Account einloggen konnte. \u00dcberrascht war Holly nicht, ihr war l\u00e4ngst klar, dass sie in einem alles andere als seri\u00f6sen Laden gelandet war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie loggte sich ein, startete den Browser und rief die Kundenliste auf, die als Lesezeichen hinterlegt war. Alma Schrader war der erste Eintrag in der Liste, ein Blick in die Details verriet Holly, dass die Dame schon auf die Achtzig zuging. Der Ortsname sagte ihr nichts, der hohen Postleitzahl nach musste der Ort aber irgendwo in S\u00fcddeutschland liegen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es klingelte und klingelte, in Gedanken z\u00e4hlte Holly mit. Mehr als f\u00fcnf-, sechsmal sollte sie es nicht klingeln lassen, hatte Magda ihr mit auf den Weg gegeben. Es lohnte sich nicht, meinte sie, wenn die Leute so lange brauchten, um ans Telefon zu gehen, dann waren sie meist nicht in der Stimmung, sich um ihre Versicherungen zu k\u00fcmmern.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Z\u00f6gernd schob sie den Cursor \u00fcber den Button zum Beenden des Anrufs. Das siebte Klingeln, sie wollte gerade klicken, als das Leitungsger\u00e4usch sich ver\u00e4nderte. \u201eJa?\u201c, fragte eine d\u00fcnne Stimme. Sie klang au\u00dfer Atem, und irgendwie sp\u00fcrte Holly, dass der Weg ans Telefon der alten Dame schwergefallen war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fast sch\u00e4mte sie sich daf\u00fcr, und sie musste sich zusammenrei\u00dfen, um die vorgegebene Begr\u00fc\u00dfung zu erz\u00e4hlen. \u201eOh, das tut mir leid\u201c, antwortete Frau Schrader. \u201eAber um die Versicherungen k\u00fcmmert sich meine Tochter. Wissen Sie, sie macht das alles am Computer, mit Internet, das geht so schnell bei ihr, da komme ich gar nicht mehr mit. Wenn Sie m\u00f6chten, gebe ich Ihnen die Nummer, aber ich wei\u00df nicht, ob Sie sie jetzt erreichen. Sie arbeitet, wissen Sie, und vor halb f\u00fcnf ist sie fast nie zu Hause. Manchmal holt sie auf dem R\u00fcckweg auch die Kinder vom Hort ab, vor allem, wenn das Wetter schlecht ist, dann wird\u2019s auch oft f\u00fcnf. Die beiden\u201c, damit waren offenbar ihre Enkel gemeint, \u201ewollen oft gar nicht mit, sie haben so viele Freunde im Hort, und wenn sie dann spielen\u2026\u201c \u201eDas kann ich verstehen\u201c, antwortete Holly spontan. \u201eIch war genauso. Ich war zwar nicht im Hort, aber wenn ich mit meiner Freundin gespielt hab, hab ich auch immer die Zeit vergessen.\u201c Verflixt, warum erz\u00e4hlte sie das einer Frau, die ihr v\u00f6llig fremd war? Das Gespr\u00e4ch war ihr komplett aus der Hand geglitten, aber sie wusste nicht, wie sie wieder zum Thema kommen sollte, und irgendwie wollte sie es auch gar nicht. \u201eWissen Sie, es ist ja gut, wenn Kinder jemanden zum Spielen haben\u201c, erz\u00e4hlte Frau Schrader weiter. \u201eDie Enkelin von meiner Nachbarin zum Beispiel, die sitzt immer nur zu Hause.\u201c \u201eNa ja, vielleicht liest sie lieber, oder bastelt\u201c, wandte Holly ein. \u201eJa, das glaube ich auch\u201c, pflichtete die alte Dame ihr bei. \u201eAber sie muss doch auch mal unter Leute kommen!\u201c \u201eJa, schon\u201c; gab Holly zu. \u201eGehen Ihre Enkel viel raus?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWas machst\u2019n da?\u201c, wurde sie im selben Moment von der Seite angeraunzt. Es war der Typ, der ihr schon aufgefallen war, weil er so br\u00fcllte. \u201eWenn sie nicht kauft, dann schie\u00df sie ab! In der Zeit h\u00e4ttest du schon zwei andere klarmachen k\u00f6nnen!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hastig hielt Holly das Mikrofon an ihrem Headset zu. Am liebsten h\u00e4tte sie zur\u00fcckgebr\u00fcllt, aber sie hatte keine Lust, dass alle sie angafften. \u201eLassen Sie das meine Sorge sein\u201c, gab sie stattdessen k\u00fchl zur\u00fcck. Ganz bewusst blieb sie beim Sie. \u201eSchnappen Sie sich ruhig die zwei oder drei\u201c, sie betonte die Worte sarkastisch, \u201eund machen Sie sie klar. Da m\u00fcssten Sie sich doch freuen, dass Sie dran verdienen, dass ich nicht so abgebr\u00fcht bin wie Sie.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Typ verzog das Gesicht. \u201eDu musst\u2019s wissen!\u201c, gab er trotzig zur\u00fcck. Dann wandte er sich wieder seinem Computer zu und startete den n\u00e4chsten Anruf. \u201eArmleuchter!\u201c, dachte Holly noch, dann k\u00fcmmerte sie sich wieder um ihre betagte Gespr\u00e4chspartnerin. \u201eEntschuldigen Sie\u201c, sagte sie, \u201eein Kollege brauchte schnell was.\u201c Das war nicht mal gelogen, ging es ihr durch den Kopf, der Typ hatte tats\u00e4chlich etwas gebraucht und bekommen, n\u00e4mlich eine deutliche Ansage. \u201eJetzt bin ich wieder bei Ihnen.\u201c \u201eHaben Sie sehr viel zu tun?\u201c, wollte Frau Schrader wissen. \u201eIch will Sie nicht zu lange aufhalten.\u201c \u201eTun Sie nicht\u201c, versicherte Holly. Ihr Chef sah das sicherlich anders, aber das ging ihr sonst wo vorbei. Lange bleiben w\u00fcrde sie in diesem Laden nicht, das stand fest, f\u00fcr den Job war sie anscheinend zu zart besaitet; als Makel empfand sie das nicht. \u201eWir hatten gerade von Ihren Enkeln gesprochen\u201c, nahm sie den Gespr\u00e4chsfaden wieder auf.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eJa, Sascha und Sarah\u201c, ging Frau Schrader direkt darauf ein. Holly erfuhr, dass die beiden mit ihren Eltern in der N\u00e4he von Koblenz lebten und noch zur Grundschule gingen. Man h\u00f6rte, dass die alte Dame die Kinder liebte, auch wenn sie sie viel zu selten sah. Es waren \u00fcber 300 Kilometer zu fahren, doch Frau Schrader fuhr seit f\u00fcnf Jahren kein Auto mehr, weil die Augen nicht mehr so gut waren. Auch mit dem Zug traute sie sich die Reise nicht zu, und leider hatte ihre Tochter nicht oft Zeit, mit ihrer Familie zu Besuch zu kommen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Hollys Bildschirm blinkte ein Signal auf, der Computer war der Meinung, sie h\u00e4tte sich zu lange mit einem potenziellen Kunden befasst. Sie sollte entweder innerhalb der n\u00e4chsten zwei Minuten zum Abschluss kommen oder das Gespr\u00e4ch abbrechen, wurde ihr nahegelegt. Holly klickte die Meldung weg, kopierte sich aber sicherheitshalber Frau Schraders Telefonnummer, f\u00fcr den Fall, dass das System ungefragt die Verbindung unterbrach und den Eintrag aus der Liste tilgte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei h\u00f6rte sie weiter zu, und sie wusste selbst nicht recht, warum sie sich darauf einlie\u00df. War es Mitleid? So f\u00fchlte es sich nicht an, obwohl sie nat\u00fcrlich begriffen hatte, dass Frau Schrader einsam war und vielleicht lange niemanden mehr zum Reden gehabt hatte. Die betagte Dame hatte einfach eine warmherzige Art, die es leicht machte, ihr gern zuzuh\u00f6ren, und Holly erz\u00e4hlten im Gegenzug auch von sich. Sie wusste, dass das so ziemlich das Letzte war, was man als Callcenteragentin tun sollte, aber diese Rolle hatte sie l\u00e4ngst abgelegt. Sollte der Typ neben ihr den Kopf sch\u00fctteln, und dass sie nun keine Provisionen einstrich \u2013 geschenkt! Wahrscheinlich h\u00e4tte sie es ohnehin nicht geschafft, irgendjemandem eine Versicherung aufzuschwatzen, und wenn doch, dann h\u00e4tte sie sich in Grund und Boden gesch\u00e4mt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie schlie\u00dflich auflegte, weil Frau Schrader dringend etwas trinken musste, zeigte ihre Software eine Gespr\u00e4chsdauer von etwas mehr als zwei Stunden an. Egal, sie trauerte weder der Zeit nach, noch dem Geld, was ihr vielleicht entgangen war. Zwar hatte sie sich um den Job beworben, um ihr Taschengeld aufzubessern, aber das war \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit der alten Dame in den Hintergrund ger\u00fcckt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das entging wohl auch dem Nachbarn mit der zu lauten Stimme nicht, und er schien zu den Menschen zu geh\u00f6ren, die es anderen nicht g\u00f6nnten, gl\u00fccklich zu sein. \u201eDu sollst zum Chef\u201c, verk\u00fcndete er, kaum dass Holly sich verabschiedet hatte. \u201eEr ist ziemlich sauer. So frech wie du war hier noch keine.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holly zuckte mit den Schultern und k\u00fcmmerte sich nicht weiter um ihn. Stattdessen schl\u00e4ngelte sie sich zu Magda durch, von ihr wollte sie sich auf jeden Fall verabschieden. Magda schien Bescheid zu wissen, denn in ihrem Blick lag Mitleid, als sie aufschaute. \u201eDanke f\u00fcrs Einarbeiten\u201c, sagte Holly. \u201eWar aber leider umsonst. Der Job ist nichts f\u00fcr mich, und ich sch\u00e4tze, ich brauche nicht mal zu k\u00fcndigen.\u201c \u201eFrank ist ultrasauer\u201c, best\u00e4tigte Magda. \u201eAm besten schaltest du auf Durchzug. Und nimm\u2019s dir nicht zu Herzen, dass es hier nicht geklappt hat, den Job kann wirklich nicht jeder.\u201c \u201eMachst du ihn gerne?\u201c, wollte Holly wissen. \u201eNa ja, geht so\u201c, antwortete Magda vorsichtig. \u201eManchmal hat man schon nette Leute am Telefon. Aber wenn ich w\u00e4hlen k\u00f6nnte\u2026 Eigentlich hab ich Drogistin gelernt, aber da ist im Moment nichts zu kriegen. Nicht, wenn du allein bist und zwei Kinder hast. Egal, das soll dich nicht belasten. Du hast die ganze Zeit mit einer alten Frau telefoniert, oder? Einer, die sonst keinen zum Reden hat?\u201c Holly nickte und wurde leicht rot. \u201eFinde ich toll\u201c, lobte Magda. \u201eBeim manchen denke ich mir auch, ich m\u00fcsste etwas mehr Zeit f\u00fcr sie haben. Du machst es einfach, das ist toll. Versprich mir, dass du so bleibst!\u201c \u201eIch versuch\u2019s.\u201c Holly l\u00e4chelte verlegen. \u201eAber ich hab gar nicht dr\u00fcber nachgedacht.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war gut, dass sie noch mit Magda gesprochen hatte, denn es gab ihr irgendwie das Gef\u00fchl, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer nicht allein gegen\u00fcberzustehen, obwohl er sogar die Zwischent\u00fcr zumachte. Mit unbewegter Miene h\u00f6rte sie sich seine Tirade an, allerdings nicht f\u00fcr lange. \u201eMachen wir\u2019s kurz!\u201c, unterbrach sie ihn nach drei S\u00e4tzen, die wenig Substanz und viele Kraftausdr\u00fccke enthielten. \u201eDer Job ist nichts f\u00fcr mich, das hab ich gleich gemerkt. Muss ich noch was unterschreiben? Sonst gehe ich jetzt.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frank schnaubte, klaubte einen Zettel vom Schreibtisch und schleuderte ihn ihr entgegen: die fristlose K\u00fcndigung, die er nat\u00fcrlich l\u00e4ngst geschrieben hatte. Holly stopfte sie in die Tasche, ohne darauf zu achten, dass sie nicht verknitterte. \u201eDann verschwinde!\u201c, knurrte Frank. \u201eIch werde dir den Lohn f\u00fcr die zwei Stunden \u00fcberweisen. Ist billiger als die Zeit, die draufgeht, wenn ich begr\u00fcnden muss, warum ich\u2019s nicht tue.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit war Holly entlassen, in des Wortes doppelter Bedeutung. Frank lie\u00df sich auf seinen Stuhl fallen und w\u00fcrdigte sie keines Blickes mehr. Deshalb entging ihm auch, dass Holly sein B\u00fcro nicht etwa geknickt, sondern erhobenen Hauptes verlie\u00df. Okay, ihr erster Job war eine Niete gewesen, das konnte passieren. Trotzdem nahm sie etwas mit: die Erfahrung, die sicherlich irgendwann noch mal n\u00fctzlich sein w\u00fcrde \u2013 und die Adresse von Frau Schrader, die sich bestimmt \u00fcber einen langen, ehrlich gern geschriebenen Brief zu Weihnachten freuen w\u00fcrde.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skeptisch betrachtete Holly die von Autoabgasen nachgedunkelte Fassade des Hauses vor ihr. Die Bude sah ziemlich sch\u00e4big aus, fand sie, so gar nicht wie der Sitz eines seri\u00f6sen Unternehmens. Eine vierspurige Hauptverkehrsstra\u00dfe, viel L\u00e4rm, neben der Haust\u00fcr stapelten sich S\u00e4cke mit Verpackungsm\u00fcll, der auf die Abfuhr wartete. 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