{"id":253,"date":"2024-02-01T16:03:02","date_gmt":"2024-02-01T15:03:02","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=253"},"modified":"2024-02-01T16:03:02","modified_gmt":"2024-02-01T15:03:02","slug":"traumgewitter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=253","title":{"rendered":"Traumgewitter"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Traumgewitter\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Traumgewitter.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Traumgewitter\" \/>\n<p>Besorgt schaute Fine zum Himmel. Schwarzgraue Wolken dr\u00e4ngten sich \u00fcber den H\u00e4usern, es sah fast so aus, als w\u00fcrden sie die D\u00e4cher streifen. Obwohl es Nachmittag war, war es so d\u00fcster, als w\u00e4re die D\u00e4mmerung fortgeschritten. Ein dumpfes Grollen untermalte die Szene, es w\u00fcrde nicht mehr lange dauern, bis das Unwetter losbrach.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fine war voll bepackt, ihr Rucksack vollgestopft mit Socken und Unterw\u00e4sche. Sie hatte sich komplett neu eindecken m\u00fcssen, alles, was sie an W\u00e4sche hatte, war ihr zu klein geworden. Schnell laufen w\u00fcrde sie mit diesem Gewicht nicht k\u00f6nnen \u2013 w\u00fcrde sie es trotzdem noch schaffen, ehe der Himmel die Schleusen \u00f6ffnete?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4re es besser gewesen, sich unterzustellen, bis das Gewitter abgezogen war, aber dann w\u00fcrde sie den Bus verpassen, und der fuhr sonntags nur einmal in der Stunde. Also sprintete sie los, so schnell es der Rucksack zulie\u00df.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten Tropfen fielen, als sie noch kaum f\u00fcnf Schritte vom Eingang des Kaufhauses entfernt war. Okay, das w\u00fcrde knapp werden, aber jetzt war sie einmal unterwegs\u2026<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie konnte die Haltestelle schon sehen, als irgendwer den Schalter umlegte. Ein greller Blitz riss die H\u00e4user aus der D\u00e4mmerung, und von einem Augenblick auf den anderen prasselten Regen und Hagel auf Fine ein. Fine versuchte, noch etwas schneller zu rennen, aber ihre nackten F\u00fc\u00dfe fanden auf den vermoosten Steinplatten kaum Halt. Fast w\u00e4re sie ausgeglitten, gerade noch konnte sie sich an einem d\u00fcnnen Baumstamm festhalten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie die Haltestelle erreichte, war sie klatschnass. Noch war sie erhitzt vom Laufen, aber mit jeder Sekunde machten sich die durchweichten Klamotten mehr bemerkbar. Sie stellte die gro\u00dfe Strandtasche mit den B\u00fcchern auf den Boden und schlang die Arme um sich, aber das half nicht viel. Wie lange w\u00fcrde es noch dauern, bis der Bus kam?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie machte einen Schritt nach vorne, um ihre Armbanduhr mit der Uhr am Kirchturm abzugleichen. Dabei trat sie jemandem in den Weg, den sie in der Dunkelheit nicht hatte kommen sehen, und derjenige rannte voll in sie hinein. Sie verlor das Gleichgewicht, aber zum Gl\u00fcck landete sie weich auf dem Teppich. \u201eOh\u201c, sagte der Junge, der sie \u00fcber den Haufen gerannt hatte. \u201eSorry, das wollte ich nicht. Hast du dir wehgetan?\u201c Fine sch\u00fcttelte den Kopf und griff dankbar nach der Hand, die er ihr hinhielt, um ihr aufzuhelfen. \u201eNichts passiert\u201c, versicherte sie.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eAber du bist ja komplett nass!\u201c, stellte Lukas fest und schaute auf die Wasserflasche, die er bei dem Zusammensto\u00df verloren hatte. \u201eWarte, ich rubbele dich trocken!\u201c Er zog ein Handtuch aus der Hosentasche, trat hinter Fine und begann, ihre dunklen Haare abzurubbeln. Fine hielt still, und sie sp\u00fcrte, dass er aufpasste, sie nicht versehentlich an den Haaren zu ziehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSo, schon besser, oder?\u201c, meinte er schlie\u00dflich, und Fine nickte. \u201eWillst du was trinken?\u201c, erkundigte sich. \u201eJa, ich glaube schon\u201c, antwortete Fine unsicher. \u201eAber\u2026\u201c Lukas legte ihr einen Finger quer \u00fcber die Lippen. \u201eKein Aber!\u201c, gebot er. \u201eWarte, ich hol dir was!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon war er weg, aber nach zwei Minuten war er zur\u00fcck, in der Hand einen Becher mit dampfendem Kakao, der mit Sicherheit aus dem Automaten in der Pausenhalle stammte. Auch f\u00fcr sich hatte er einen mitgebracht.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war richtig gem\u00fctlich, mit ihm zusammenzusitzen, und irgendwie verflog die Zeit viel zu schnell. Hoffentlich musste er nicht so schnell nach Hause! Aber es reichte leider nur gerade, dass er noch den Kakao mit ihr trinken konnte. \u201eIch muss dann mal!\u201c, sagte er bedauernd, nachdem er den Becher in die Sp\u00fclmaschine gestellt hatte. \u201eAber vorher\u2026\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fine wusste, was kommen w\u00fcrde, und schaute kurz zu ihrer Oma. Aber die war mit Waldi schon um die Ecke im Park verschwunden und w\u00fcrde nichts mitbekommen. Lukas\u2018 Gesicht n\u00e4herte sich ihrem, und dann\u2026<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verwirrt starrte Fine in die Dunkelheit. Wo war Lukas? Hatte er es sich doch noch \u00fcberlegt? Schade, es war gerade so sch\u00f6n gewesen!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann begriff sie, dass sie getr\u00e4umt hatte, und sie zuckte zusammen. Sie hatte von Lukas getr\u00e4umt? Von Lukas aus der Achten, mit dem sie ab und an zu tun hatte, weil sie beide f\u00fcr die Sch\u00fclerzeitung schrieben? Das durfte nie jemand erfahren, sonst war sie blamiert bis in alle Ewigkeit!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein lautes Rumpeln riss sie aus ihren Gedanken \u2013 das Gewitter hatte sie nicht nur getr\u00e4umt. Auch dass sie gefroren hatte, hatte sie sich nicht eingebildet, sie hatte am Abend das Fenster aufgelassen, damit zumindest ein Hauch von frischerer Luft gegen die Hitze des Tages ank\u00e4mpfen konnte, und durch das Gewitter hatte es sich merklich abgek\u00fchlt. Ihre nackten Beine hatten sogar ein paar Tropfen Regen abbekommen, die beim Auftreffen auf die Fensterbank auseinandergespritzt sein mussten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie stand auf, um das Fenster auf Kipp zu stellen, schaute kurz den Blitzen zu, die \u00fcber den Himmel zuckten, und legte sich dann wieder hin. Angst hatte sie nicht vor Gewittern, sie zog die Bettdecke halb \u00fcber sich und wollte wieder einschlafen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch irgendwas hielt sie wach, der verr\u00fcckte Traum wollte sie einfach nicht loslassen. Irgendwie hatte es sich im Traum wirklich gut angef\u00fchlt mit Lukas, und fast bedauerte sie ein bisschen, dass sie einen Augenblick zu fr\u00fch aufgewacht war, um zu erfahren, wie es sich angef\u00fchlt h\u00e4tte, wenn er\u2026<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es stimmte, dass Tr\u00e4ume sich aus dem Unterbewusstsein speisten, bedeutete das dann, dass sie in Lukas\u2026? Kaum vorstellbar eigentlich, sie kannte ihn doch kaum! Sie sahen sich nur bei den Redaktionssitzungen, und ab und an begegneten sie sich nat\u00fcrlich auch auf dem Schulhof, aber das war\u2019s dann auch. Fine hatte das Gef\u00fchl, dass sie eigentlich gar nichts \u00fcber ihn wusste, aber irgendwas in ihr, das sie nicht kontrollieren konnte, hatte offenbar etwas an ihm wahrgenommen, was ihr gefiel. Sollte sie dem Fingerzeig folgen? Es klang verr\u00fcckt, aber es hatte sich so gut angef\u00fchlt in ihrem Traum, das w\u00fcrde sie schon gern auch in echt erleben. Okay, dann war das der Plan, sie w\u00fcrde herausfinden, ob Lukas im echten Leben auch so nett war, wie im Traum, und wenn er sich dann auch mochte\u2026 Man konnte nie wissen, oder?<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besorgt schaute Fine zum Himmel. Schwarzgraue Wolken dr\u00e4ngten sich \u00fcber den H\u00e4usern, es sah fast so aus, als w\u00fcrden sie die D\u00e4cher streifen. Obwohl es Nachmittag war, war es so d\u00fcster, als w\u00e4re die D\u00e4mmerung fortgeschritten. 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