{"id":235,"date":"2024-02-01T14:45:16","date_gmt":"2024-02-01T13:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=235"},"modified":"2024-02-01T14:45:16","modified_gmt":"2024-02-01T13:45:16","slug":"ein-traum-von-weihnachten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=235","title":{"rendered":"Ein Traum von Weihnachten"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Ein Traum von Weihnachten\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Ein-Traum-von-Weihnachten.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Ein Traum von Weihnachten\" \/>\n<p>Die Bahn hatte sich wirklich M\u00fche gegeben, die Bahnhofshalle weihnachtlich zu schm\u00fccken. Ein k\u00fcnstlicher Christbaum, gr\u00fcne Girlanden, Tannengr\u00fcn nachempfunden, unter der Decke, alles da. Aber weihnachtliche Stimmung konnte schon deshalb nicht aufkommen, weil niemand Zeit hatte f\u00fcr Besinnlichkeit: Nicht die Pendler, die \u00fcber versp\u00e4tete Z\u00fcge fluchten und von Bahnsteig zu Bahnsteig oder zu den U-Bahnen hasteten, und nicht die Verk\u00e4ufer in den L\u00e4den und Imbissen, die zu Weihnachtsmusik in Endlosschleifen auf viel zu engem Raum viel zu viele Leute auf einmal bedienen mussten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nike wusste eigentlich gar nicht, warum sie sich das antat. Sie hatte einfach nichts Besseres zu tun, und ob sie jetzt hier abhing oder woanders, kam am Ende aufs Gleiche raus. Es war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, allerdings schon fr\u00fcher Abend. Denise, Nikes beste Freundin, war gleich nach Schulschluss abgedampft in den Weihnachtsurlaub, ihre Eltern hatten sie extra von der Schule abgeholt, um Zeit zu sparen. Auch von den daheim Gebliebenen hatte niemand Zeit, Weihnachtsstress, wohin Nike auch schaute. Fiel denn Weihnachten jedes Jahr vom Himmel, dass die Leute alle Besorgungen auf den letzten Dr\u00fccker machen mussten? Gut, Nike hatte es da leichter, sie beschenkte nur ihre Mutter und Denise; ihren Vater hatte sie nie kennengelernt, und zu ihren Gro\u00dfeltern hatte sie keinen Kontakt, weil ihre Mutter sich mit denen schon vor ihrer Geburt verkracht hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nike hockte auf einem l\u00e4nglichen Poller auf dem Bahnhofsvorplatz. M\u00e4\u00dfig interessiert beobachtete sie die Leute, die vom Bahnhof zum K\u00f6nigswall hetzten und weiter die Treppen zwischen Bibliothek und Fu\u00dfballmuseum hoch zur Kampstra\u00dfe und zur Einkaufsmeile am Westenhellweg. Sie langweilte sich, hatte aber auch keine Lust, nach Hause zu gehen. Da war es auch nicht besser, denn die Praxis f\u00fcr medizinische Massagen ihrer Mutter war direkt nebenan und nur halb von der Wohnung getrennt. Wenn das Wartezimmer voll war und dann auch noch eine bestimmte, immer gestresste Sprechstundenhilfe Dienst tat, zog Nike es vor, nicht zu Hause zu sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eAlles okay bei dir?\u201c Die Stimme \u00fcbert\u00f6nte kaum den allgemeinen L\u00e4rm auf dem Bahnhofsvorplatz, und im ersten Moment f\u00fchlte Nike sich auch nicht angesprochen. Dann schaute sie doch auf \u2013 vielleicht passierte in der N\u00e4he etwas, das ihre Langeweile unterbrach?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Direkt vor ihr stand ein Junge, sie sch\u00e4tzte ihn auf 14 oder 15, also ein oder zwei Jahre \u00e4lter als sie selbst. Auf den ersten Blick war nichts Ungew\u00f6hnliches an ihm, er war durchschnittlich gro\u00df, hatte eine normale Figur und braune Haare, die kurz, aber nicht raspelkurz geschnitten waren. Bekleidet war er mit Jeans, Anorak und Turnschuhen. Das einzig Auff\u00e4llige an ihm war die Tatsache, dass er Nike gerade angesprochen hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Moment war Nike verwirrt. Machte sie so einen verlorenen und hilfsbed\u00fcrftigen Eindruck? Gut, sie hockte auf dem Bahnhofsvorplatz wie bestellt und nicht abgeholt, aber sie sah doch ordentlich aus. Ihre Klamotten waren sauber, die langen, blonden Haare ordentlich gek\u00e4mmt, sie war nicht betrunken, und sie hatte auch nicht dagesessen, als k\u00e4me sie aus eigener Kraft nicht mehr hoch. Wie also kam der Typ darauf, dass sie Hilfe brauchte?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tte ihm versichern k\u00f6nnen, dass alles in Ordnung war. Sie h\u00e4tte ihm auch sagen k\u00f6nnen, dass er sich um seine eigenen Angelegenheiten k\u00fcmmern sollte. Aber sie hatte Zeit und war dankbar f\u00fcr jedes Ereignis, das sie f\u00fcr einen Moment ablenkte. Wenn sich herausstellte, dass die Frage nur der Beginn einer bl\u00f6den Anmache war, dann konnte sie der Sache immer noch ein Ende machen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDu sitzt hier schon eine halbe Ewigkeit\u201c, erkl\u00e4rte der Junge, als sie ihn fragte, wie er darauf kam, dass bei ihr irgendwas nicht stimmen k\u00f6nnte. \u201eViel l\u00e4nger, als die Meisten auf irgendjemanden warten w\u00fcrden, der nicht p\u00fcnktlich zu einer Verabredung kommt, jedenfalls. Und ich hab auch nichts geh\u00f6rt, dass sich ein Zug zwei oder drei Stunden versp\u00e4tet.\u201c \u201eIch k\u00f6nnte ja auf jemanden warten, der umsteigen muss\u201c, gab Nike zur\u00fcck, obwohl sie die Erkl\u00e4rung des Jungen durchaus einleuchtend fand. \u201eAlso so, dass er woanders den Anschluss verpasst hat und deshalb hier mit einem sp\u00e4teren Zug ankommt.\u201c \u201eW\u00e4re nat\u00fcrlich m\u00f6glich\u201c, musste der Junge zugeben. \u201eAber so sieht es nicht aus. Du telefonierst nicht, schreibst keine WhatsApp, gehst auch nicht rein, um zu gucken, ob sich bei den Z\u00fcgen was \u00e4ndert, wie es jemand machen w\u00fcrde, der auf einen anderen wartet. Du hockst einfach nur hier und starrst L\u00f6cher in die Luft.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Scharf beobachtet! Aber das bedeutete auch&#8230; \u201eStalkst du mich?\u201c \u201eIch w\u00fcrd\u2019s nicht so nennen\u201c, verwahrte sich der Junge. \u201eAber ich beobachte dich schon eine ganze Weile.\u201c \u201eAuch nichts Besseres zu tun, wie?\u201c, folgerte Nike. \u201eIch find\u2019s einfach schade, dass die Leute so wenig Zeit haben\u201c, antwortete der Junge. \u201eSchau sie dir an, alle am Rennen, kein Blick nach rechts und links, und Gesichter wie sieben Monate Regenwetter.\u201c \u201eIst doch immer so vor Weihnachten.\u201c Nike zuckte mit den Schultern. \u201eIch bin froh, dass ich das nicht mitmachen muss.\u201c \u201eNa ja\u201c, auch der Junge zuckte mit den Schultern. \u201eich geh dann wohl mal besser. Bei dir ist ja alles o. k.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit wandte er sich ab, und Nike schaute ihm verwirrt hinterher. Komische Type, ging es ihr durch den Kopf. Sie konnte sein Auftreten absolut nicht einordnen, aber ein unsympathischer Zeitgenosse schien er nicht zu sein. Vielleicht w\u00e4re es doch ganz sch\u00f6n gewesen, wenn er noch ein bisschen geblieben w\u00e4re zum Quatschen \u2013 willkommen zur\u00fcck, Langeweile!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber der unbekannte Junge besch\u00e4ftigte sie weiter, auch wenn er nicht mehr da war. Immer wieder \u00fcberlegte sie, was er wirklich von ihr gewollt hatte, ob sie tats\u00e4chlich irgendwie hilfsbed\u00fcrftig ausgesehen oder ob er schlicht Gesellschaft gesucht hatte. Wenn er mitbekommen hatte, wie lange sie schon auf dem Poller sa\u00df, und auch wusste, dass sie offenbar auf niemanden wartete, dann musste er viel Zeit damit verbracht haben, sie zu beobachten. Sie wunderte sich selbst, dass ihr der Gedanke nicht unangenehm war, und ein bisschen \u00e4rgerte sie sich sogar, dass sie ihm offenbar das Gef\u00fchl gegeben hatte, zu st\u00f6ren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst im Schlaf lie\u00df er sie nicht los, denn als sie in ihrem Traum auf einem wundersch\u00f6nen Pferd an einen einsamen Strand mit goldenem Sand ritt, in den Ausl\u00e4ufern der Wellen abstieg und in ein kristallklares Meer eintauchte, da sa\u00df er ein kleines St\u00fcck entfernt unter einer Palme und beobachtete sie. Als sie auftauchte, l\u00e4chelte er ihr zu, und sie winkte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Traum war toll, so sch\u00f6n hatte Nike schon lange nicht mehr getr\u00e4umt, und er hielt die ganze Nacht an. Aber er verwirrte sie auch, und nach dem Aufwachen fragte sie sich, warum der Junge vom Bahnhof sie die ganze Zeit begleitet hatte. Sie hatte gelesen, wie das mit den Tr\u00e4umen funktionierte: Das Unterbewusstsein verarbeitete damit Erfahrungen, Erinnerungen und Gef\u00fchle, auch manche, an die der Tr\u00e4umende sich gar nicht bewusst entsinnen konnte. Aber welche Gef\u00fchle hatte es noch mal hochgeholt, dass der Junge in ihrem Traum aufgetaucht war? Es war doch nur eine fl\u00fcchtige Begegnung gewesen, wie jeder sie ungez\u00e4hlte Male erlebte! Eine Begegnung, die sie bestimmt in ein paar Tagen v\u00f6llig vergessen haben w\u00fcrde!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch so einfach war die Sachlage nicht. Ein bisschen war Nike selbst schuld, sie h\u00e4tte schlie\u00dflich nicht am ersten Ferientag wieder am Bahnhof abh\u00e4ngen m\u00fcssen. Aber irgendwie hatte sie es magisch dorthin gezogen \u2013 hatte sie insgeheim gehofft, den Jungen wiederzutreffen? Wenn ja, dann wurde ihr Wunsch prompt erf\u00fcllt, denn sie sa\u00df erst seit ein paar Minuten auf dem gleichen Poller wie am Vortag, als er wieder vor ihr stand. Sie freute sich dar\u00fcber, also musste sie wohl tats\u00e4chlich darauf gehofft haben, warum auch immer.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHi\u201c, begr\u00fc\u00dfte er sie. Die Frage, ob alles okay war, sparte er sich. Jetzt wusste er ja, dass sie einfach nur abhing. \u201eHi\u201c, antwortete Nike. \u201eWird das jetzt zu einer regelm\u00e4\u00dfigen Einrichtung?\u201c \u201eAn mir soll\u2019s nicht scheitern\u201c, antwortete der Junge. \u201e\u00dcbrigens, ich bin Bene. Eigentlich Benedikt, aber da kommt man zu sehr aus der Puste.\u201c \u201eNike\u201c, stellte auch Nike sich vor. \u201eNa ja, im Moment ist bei mir mal so rein gar nichts los,  meine beste Freundin ist in Urlaub&#8230; Aber was machst du eigentlich jeden Tag hier?\u201c \u201eWenn ich dir das erz\u00e4hle, glaubst du mir eh nicht\u201c, behauptete Bene. \u201eErz\u00e4hl\u2019s mir trotzdem!\u201c, bat Nike. Das h\u00f6rte sich so geheimnisvoll an, und wenn er sie auf den Arm nahm, dann bekam sie vielleicht wenigstens eine unterhaltsame Geschichte zu h\u00f6ren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bene zuckte mit den Schultern. \u201eAlso gut\u201c, entschied er. \u201eSei ganz ehrlich: Du hast heute Nacht von einem Pferd getr\u00e4umt, vom Strand und vom Meer, stimmt\u2019s?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nike h\u00e4tte es nicht leugnen k\u00f6nnen. Die Frage kam zu unerwartet, und sie war zu verbl\u00fcfft, dass er erraten hatte, was sie getr\u00e4umt hatte. Ihr Gesicht verriet sie, ehe sie sich \u00fcberlegen konnte, ob sie flunkern oder die Antwort verweigern sollte. \u201eWoher wei\u00dft du&#8230;?\u201c Sie hatte von Traumdeutern geh\u00f6rt, Leuten, die aus Tr\u00e4umen R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Leben eines Menschen ziehen konnten oder zumindest behaupteten, dass sie es konnten, aber die konnten nur das deuten, was der Tr\u00e4umende ihnen erz\u00e4hlte. Aber Nike hatte ihm nicht erz\u00e4hlt, wovon sie in der letzten Nacht getr\u00e4umt h\u00e4tte, es nicht einmal angedeutet! Trotzdem wusste er es, viel zu genau, als dass er es einfach erraten haben konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch hab es dir eingegeben\u201c, erkl\u00e4rte Bene schlicht. \u201eNicht bis ins Detail, das w\u00e4re auf jeden Fall zu aufwendig, und vielleicht kann ich es auch gar nicht, aber zumindest die Richtung.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nike glotzte ihn an. Hatte sie eben gedacht, noch besser k\u00f6nnte es nicht mehr kommen? Tja, da hatte sie sich wohl gr\u00fcndlich geirrt!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es dauerte eine gef\u00fchlte Ewigkeit, bis sie ihre Stimme wiederfand, und das auch nur so halb. \u201eWie&#8230;?\u201c Bene zuckte mit den Schultern. \u201eIch schaue den Leuten in die Augen und stelle mir dabei vor, wie sie etwas Bestimmtes tr\u00e4umen, und das tr\u00e4umen sie dann tats\u00e4chlich. Ich wei\u00df weder, warum ich das kann, noch wie es genau funktioniert. Es ist einfach da.\u201c \u201eKrass!\u201c, meinte Nike. Es h\u00f6rte sich v\u00f6llig unglaublich an, aber zu ihrer eigenen \u00dcberraschung hatte sie keinen Moment lang das Gef\u00fchl, dass er log und sie mit irgendwelchen Taschenspielertricks betrog. \u201eMachst du das oft?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eKaum noch\u201c, gab Bene zu. \u201eIm Kindergarten hab ich es h\u00e4ufiger gemacht, und in der Grundschule auch noch, aber irgendwie will ich nicht allen, die ich kenne, immer wieder in den Tr\u00e4umen rumfummeln. Eigentlich ist das ja was ganz Privates, und vielleicht schadet es auch, wenn  man es zu oft macht. Ich wei\u00df nicht, ob du wei\u00dft, dass Tr\u00e4ume die Art des Unterbewusstseins sind, Erlebnisse zu verarbeiten?\u201c Nike nickte, zum Zeichen, dass ihr das zumindest in groben Z\u00fcgen bekannt war. \u201eVielleicht passiert irgendwas, wenn das Unterbewusstsein zu lange nichts mehr frei verarbeiten kann, weil ich zu oft eingreife.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das leuchtete Nike ein, aber einen Versuch wollte sie trotzdem noch wagen. \u201eGib mir einen Traum ein und schreib auf, was es ist\u201c, bat sie. \u201eIch merke mir ganz genau, was ich heute Nacht tr\u00e4ume, und morgen Mittag treffen wir uns wieder hier und vergleichen.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bene war einverstanden, und Nike gab ihm Gelegenheit, ihr ausf\u00fchrlich in die Augen zu schauen. Seine waren tiefblau, das fiel ihr jetzt erst auf, und sein Blick hatte nichts Stechendes; ein stechender Blick war in B\u00fcchern, die sie gelesen hatte, das Merkmal von B\u00f6sewichten gewesen, die in der Lage waren, andere Menschen zu manipulieren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie f\u00fchlte sich nicht manipuliert, obwohl sie wusste, dass Bene genau das tat. Es kam ihr selbst merkw\u00fcrdig vor, dass sie sich nicht wehrte, und obwohl sie ihn kaum \u2013 eigentlich \u00fcberhaupt nicht \u2013 kannte, hatte sie das Gef\u00fchl, dass sie ihm vertrauen konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diesmal schickte er sie in ihrem \u2013 wirklich ihrem? \u2013 Traum in eine Bergh\u00fctte. Drau\u00dfen d\u00e4mmerte es, gerade noch war die dicke Schneeschicht drau\u00dfen auf den Fensterbrettern zu erkennen. Im Kamin flackerte ein Feuer, es war kuschelig warm, leise Weihnachtsmusik war zu h\u00f6ren. Ihre Mutter war da und Denise, sie a\u00dfen zusammen und sangen Lieder, im Hintergrund schimmerten bunte Kugeln am Weihnachtsbaum.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mitten in diese Gem\u00fctlichkeit hinein klopfte es, und als Nike \u00f6ffnete, stand Bene vor ihr. Sie stutzte, dann fiel sie ihm um den Hals und zog ihn in die H\u00fctte. Sie dr\u00fcckte ihn auf die Couch, setzte sich neben ihn und stellte ihn ihrer Mutter und Denise vor. Der bedeutungsvolle Blick der besten Freundin entging ihr nicht, aber sie war viel zu guter Stimmung, um sich mit einer Widerrede aufzuhalten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tte ewig so in der H\u00fctte sitzen und Weihnachten feiern m\u00f6gen, doch irgendwann war die Nacht um. Nike wachte auf aus ihrem sch\u00f6nen Traum, blieb mit geschlossenen Augen liegen, um sich alles ganz fest einzupr\u00e4gen, und \u00e4rgerte sich dann, dass sie sich erst f\u00fcr mittags mit Bene verabredet hatte. In der Hoffnung, dass er genauso gespannt war wie sie, ging sie trotzdem direkt nach dem Fr\u00fchst\u00fcck zum Bahnhof und setzte sich auf ihren angestammten Platz.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie musste sich gedulden, aber zum Gl\u00fcck nicht so lange, wie sie bef\u00fcrchtet hatte. Bene kam um kurz vor elf und entdeckte sie auf den ersten Blick. \u201eHi!\u201c, begr\u00fc\u00dfte er sie. \u201eUnd, was hast du Sch\u00f6nes getr\u00e4umt?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck sprach er leise genug, dass niemand mith\u00f6ren konnte, denn sonst h\u00e4tten wohl einige Leute ziemlich bl\u00f6d aus der W\u00e4sche geguckt. \u201eIch wei\u00df nicht, wie du das hinkriegst\u201c, antwortete Nike, \u201eaber es war super.\u201c Sie erz\u00e4hlte, und Bene \u00f6ffnete parallel eine Datei mit Notizen, die er am Vortag auf seinem Handy angelegt hatte. Nike las die Stichpunkte und stutzte. \u201eDein Auftauchen hast du vergessen\u201c, stellte sie fest.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu ihrer \u00dcberraschung sch\u00fcttelte Bene den Kopf. \u201eDas war nicht von mir\u201c, versicherte er. \u201eDas muss dein Unterbewusstsein von sich aus eingebaut haben.\u201c Nike wurde rot, denn sie wusste, was das bedeutete. Aber sie w\u00fcrde sich nicht wehren, und eins war sicher: Dieses Weihnachten w\u00fcrde in jeder Hinsicht ein Traum werden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bahn hatte sich wirklich M\u00fche gegeben, die Bahnhofshalle weihnachtlich zu schm\u00fccken. Ein k\u00fcnstlicher Christbaum, gr\u00fcne Girlanden, Tannengr\u00fcn nachempfunden, unter der Decke, alles da. Aber weihnachtliche Stimmung konnte schon deshalb nicht aufkommen, weil niemand Zeit hatte f\u00fcr Besinnlichkeit: Nicht die Pendler, die \u00fcber versp\u00e4tete Z\u00fcge fluchten und von Bahnsteig zu Bahnsteig oder zu den U-Bahnen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-235","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=235"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":236,"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions\/236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renebote.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}