{"id":231,"date":"2024-02-01T14:30:58","date_gmt":"2024-02-01T13:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=231"},"modified":"2024-05-11T16:36:10","modified_gmt":"2024-05-11T15:36:10","slug":"diebesjagd-in-bus-und-bahn","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=231","title":{"rendered":"Diebesjagd in Bus und Bahn"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Diebesjagd in Bus und Bahn\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<p><i>\nDiese Geschichte ist ein Ratekrimi. Also gut aufgepasst, am Ende gibt es eine Frage, deren Antwort sich aus der Geschichte herauslesen l\u00e4sst.\n<\/i><\/p>\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Diebesjagd-in-Bus-und-Bahn.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Diebesjagd in Bus und Bahn\" \/>\n<p>Der Bahnhof von D\u00fcsseldorf-Derendorf war ziemlich klein: nur ein einziger Bahnsteig, der zwischen den mittleren der sechs Gleise lag, die vom Hauptbahnhof zum Flughafen und weiter nach Duisburg f\u00fchrten. Der einzige Zugang f\u00fchrte auf eine Br\u00fccke, die hier die Schienen \u00fcberspannte. Nur S-Bahnen hielten hier, selbst die Regionalz\u00fcge fuhren durch, und die IC, EC und ICE sowieso. Immerhin war ein Teil des Bahnsteigs \u00fcberdacht, es gab ein paar Sitzgelegenheiten, einen Fahrkartenautomaten, einen weiteren Automaten, an dem man Getr\u00e4nke und S\u00fc\u00dfigkeiten kaufen konnte, und einen Schaukasten mit dem Fahrplan. F\u00fcr den reibungslosen Ablauf des Betriebes sollte ein Kasten mit Streugut sorgen, damit im Winter niemand hinfiel, und ein Spiegel am Ende des Bahnsteigs, damit der Lokf\u00fchrer besser sah, ob die T\u00fcren alle zu waren und niemand im Gefahrenbereich, wenn der Zug abfuhr.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem der Berufsverkehr am Morgen abgeflaut war, war nicht mehr viel los auf dem Bahnsteig, vor allem, da gerade erst eine S-Bahn Richtung Hauptbahnhof abgefahren war. Nur zwei M\u00e4dchen schlenderten an diesem Montagmorgen den Bahnsteig entlang, beide mit T-Shirts, kurzen Hosen und leichten Sneakers bekleidet, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden und mit gro\u00dfen Wanderrucks\u00e4cken auf dem R\u00fccken. Anette und Felicitas waren gleich alt, n\u00e4mlich beide elf, beste Freundinnen und auch Cousinen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie hatten Sommerferien, und eigentlich h\u00e4tte jede von ihnen mit ihren Eltern in Urlaub fahren sollen, aber das hatte sich bei beiden aus verschiedenen Gr\u00fcnden zerschlagen. Anettes Mutter war mit dem Fahrrad gest\u00fcrzt, hatte sich den Fu\u00df gebrochen und konnte so schwerlich  verreisen. Felicitas\u2018 Eltern dagegen hatten in ihrem Architekturb\u00fcro einen Auftrag reinbekommen, der auf der einen Seite zu gut bezahlt wurde, um ihn einfach abzulehnen, auf der anderen Seite aber auch eine sehr knappe Deadline hatte. Beiden tat es leid f\u00fcr die Kinder, aber so kurzfristig war es auch nicht mehr m\u00f6glich gewesen, noch Pl\u00e4tze in einer Kinderfreizeit zu bekommen. Nicht, dass die Eltern es nicht versucht h\u00e4tten! Aber da musste man sich mindestens drei, vier Monate im Voraus anmelden, eher noch l\u00e4nger, und mehr als das Versprechen, an Anette und Felicitas zu denken, wenn kurz vor der Abreise noch jemand absprang, war nicht zu holen gewesen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anettes Mutter hatte dann die Idee gehabt, ihre Tante anzurufen, die also eine Gro\u00dftante der Kinder war. Tante Hetty lebte in Haltern, sie hatte ein kleines H\u00e4uschen, das sie allein bewohnte. Sie war nie verheiratet gewesen, hatte weder Kinder noch Enkel, hatte aber jahrelang immer wieder auf den Nachbarsjungen aufgepasst, als der noch klein gewesen war, und veranstaltete regelm\u00e4\u00dfig ehrenamtlich Vorlesestunden in der \u00f6rtlichen B\u00fccherei.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf l\u00e4ngeren Besuch war sie nicht eingerichtet, aber wenn Anette und Felicitas bereit waren, unter dem Dach zu n\u00e4chtigen, dann w\u00fcrde es schon gehen. Tags\u00fcber w\u00fcrden sie genug M\u00f6glichkeiten haben, etwas drau\u00dfen zu unternehmen, sie konnten ins Strandbad am Halterner See gehen, mit den R\u00e4dern die Umgebung erkunden oder, wenn das Wetter nicht so gut war, das R\u00f6mermuseum besichtigen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb standen Anette und Felicitas jetzt mit Sack und Pack auf dem Bahnsteig. Die Fahrkarten hatten sie im Portemonnaie, au\u00dferdem einen Ausdruck der Fahrtroute. Einmal w\u00fcrden sie umsteigen m\u00fcssen und insgesamt rund anderthalb Stunden unterwegs sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie stellten die Fahrr\u00e4der neben einer der B\u00e4nke ab und ihre Rucks\u00e4cke daneben auf der Bank. Weil noch etwas Zeit war bis zur Abfahrt der S-Bahn, schlenderten sie gem\u00e4chlich umher und blieben schlie\u00dflich kurz vor dem Ende des Bahnsteigs stehen. Von hier aus konnten sie mit den Augen den Gleisen folgen fast bis zum n\u00e4chsten Bahnhof, der immer noch Zoo hie\u00df, obwohl der namensgebende Tierpark im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt worden war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, entfuhr es Anette pl\u00f6tzlich. \u201eWas macht die da?\u201c Sie fuhr herum. \u201eDie \u2013 die klaut!\u201c \u201eHey!\u201c, br\u00fcllte Felicitas im selben Moment. Sie hatte sich, alarmiert von ihrer Freundin, ebenfalls umgedreht. \u201eFinger weg!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Fahrr\u00e4dern stand eine junge Frau, die an Felicitas\u2018 Rucksack herumfingerte. Es konnte keinen Zweifel daran geben, dass sie etwas klauen wollte. Sie hatte schon den Rei\u00dfverschluss der Seitentasche ge\u00f6ffnet, in der unter anderem Felicitas\u2018 Handy steckte; Felicitas hatte das Ger\u00e4t in den Rucksack gepackt, weil sie Sorge gehabt hatte, in den engen Taschen ihrer Shorts w\u00fcrde es kaputtgehen, wenn sie das Bein beim Radfahren st\u00e4ndig anwinkelte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Rufe der M\u00e4dchen schreckten die Frau auf, aber sie schaffte es noch, das Handy aus dem Rucksack zu ziehen. Dann gab sie Fersengeld, und sie erreichte die Treppe gerade noch, bevor Anette und Felicitas ihr den Weg abschneiden konnten. Sie war ganz sch\u00f6n beh\u00e4nde, aber auch die M\u00e4dchen waren keine schlechten L\u00e4uferinnen. Felicitas gewann einen leichten Vorsprung vor ihrer Cousine, auch im Sportunterricht in der Schule war sie im 75-Meter-Lauf meist das eine oder andere Hundertstel schneller, und die Aussicht, ihr Handy auf Nimmerwiedersehen zu verlieren, wenn sie die Diebin aus den Augen verlor, setzte zus\u00e4tzliche Kr\u00e4fte frei.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da die Treppe mitten auf der Br\u00fccke \u00fcber die Gleise endete, hatte die Diebin keine Chance, von der Bildfl\u00e4che zu verschwinden, ehe Anette und Felicitas den B\u00fcrgersteig erreichten. Daf\u00fcr h\u00e4tte sie viel mehr Vorsprung gebraucht, und das wusste sie offenbar auch. Deshalb versuchte sie, mit dem Bus zu fl\u00fcchten, der gerade an der Haltestelle hielt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Felicitas sah, was die Diebin vorhatte, und wusste, dass es verdammt knapp werden w\u00fcrde. Die Fahrg\u00e4ste, die mit diesem Bus fahren wollten, waren bereits eingestiegen, gleich w\u00fcrde der Fahrer die T\u00fcren schlie\u00dfen und losfahren. Wenn es ihr nicht gelang, das zu verhindern, dann w\u00fcrde sie ihr Handy nie wiedersehen; selbst wenn es sp\u00e4ter gelingen sollte, die Frau anhand der Aufnahmen der \u00dcberwachungskamera ausfindig zu machen, w\u00fcrde sie genug Zeit gehabt haben, sich des Handys zu entledigen. Entweder warf sie es nach dem Aussteigen weg, wenn ihr die Sache zu hei\u00df wurde, oder sie sagte sich, dass die Polizei so schnell gar nicht rauskriegen konnte, wer sie war, und vertickte das Ger\u00e4t gegen Bares in einem Laden, der Handys und sonstige gebrauchte Elektronik ankaufte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck sah der Fahrer Felicitas und auch Anette auf sein Gef\u00e4hrt zurennen und \u00f6ffnete noch einmal die T\u00fcr, um sie einsteigen zu lassen. Dass die beiden M\u00e4dchen nicht blo\u00df Angst hatten, zu sp\u00e4t ins Freibad zu kommen, ahnte er vermutlich nicht einmal.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit sa\u00df die Diebin in der Falle, denn gleich darauf fuhr der Bus los, sodass sie nicht noch schnell wieder aussteigen konnte. Mindestens bis zur n\u00e4chsten Haltestelle musste sie mitfahren, und die Zeit gen\u00fcgte Anette und Felicitas, um dem Fahrer zu erkl\u00e4ren, dass die Frau, die vor ihnen eingestiegen war, eine Diebin war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Moment hielt der Busfahrer das f\u00fcr einen Witz, oder f\u00fcr Einbildung, aber Anette trat sofort den Beweis an. Sie w\u00e4hlte Felicitas\u2018 Nummer, und gleich darauf war aus der Tasche der Frau Musik zu h\u00f6ren. Es war ein Song, den Felicitas nur einem ganz kleinen Kreis von Kontakten zugeordnet hatte, n\u00e4mlich ihren Eltern und Anette. Das konnte der Busfahrer zwar nicht wissen, aber Anette hatte ihm gesagt, welche Melodie er gleich h\u00f6ren w\u00fcrde, und die Musik brach in dem Moment ab, in dem Anette an ihrem Handy den Button dr\u00fcckte, der den Anruf abbrach. Das war zusammengenommen ein bisschen zu viel f\u00fcr einen Zufall, und es reichte dem Busfahrer zumindest, um die Frau festzuhalten, bis die Polizei kam, um die Sache zu kl\u00e4ren. Das war nicht weiter schwer, er fuhr einfach an den Stra\u00dfenrand, schaltete den Warnblinker an und den Motor aus. Das war f\u00fcr die paar unbeteiligten Fahrg\u00e4ste nicht sehr sch\u00f6n, aber die Polizei war schnell da, die Diebin wurde aus dem Bus gef\u00fchrt, und der Bus konnte weiterfahren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anfangs leugnete die Diebin, sie hatte auch im Bus schon die ganze Zeit gezetert. Doch Felicitas kannte Nummer und PIN des Handys, die Frau nicht, und die Fotos auf der Speicherkarte zeigten Felicitas, Anette, andere Freundinnen, die Familie&#8230; Die Polizisten hatten keinen Zweifel, dass das Handy Felicitas geh\u00f6rte, und nachdem sie die Diebin darauf hingewiesen hatten, dass wahrscheinlich auch die \u00dcberwachungskamera auf dem Bahnsteig den Diebstahl aufgezeichnet hatte, gestand die Frau.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEine Frage h\u00e4tte ich dann noch:\u201c, sagte einer der Polizisten schlie\u00dflich zu Anette. \u201eWie hast du eigentlich mitgekriegt, dass sie sich an euren Rucks\u00e4cken zu schaffen gemacht hat?\u201c \u201eDas w\u00fcrde ich allerdings auch gern wissen\u201c, fiel Felicitas ein. \u201eDu hast doch die ganze Zeit neben mir gestanden!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Wei\u00dft Du, wie Anette den Diebstahl bemerken konnte, obwohl sie mit Felicitas am Ende des Bahnsteigs gestanden und in die Richtung geguckt hat, aus der der Zug kommen musste?<\/i><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"alternateEndHeader\" onclick=\"toggleElement('solution');\">Aufl\u00f6sung<\/p>\n<p id=\"solution\" class=\"justifyText\" style=\"display:none;\">\u201eTja\u201c, Anette grinste, \u201esie hat ja genau geguckt, dass gerade keine von uns hinguckt. Aber neben uns war der Spiegel f\u00fcr die Lokf\u00fchrer, den hat sie wohl \u00fcbersehen. Da drin konnte ich sie sehen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n<style>\n\n.alternateEndHeader {\nwidth: 100%;\npadding: 5px;\nmargin-bottom: 5px;\nborder: 1px solid darkgrey;\nborder-radius: 5px;\ncursor: pointer;\n}\n\n<\/style>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte ist ein Ratekrimi. Also gut aufgepasst, am Ende gibt es eine Frage, deren Antwort sich aus der Geschichte herauslesen l\u00e4sst. Der Bahnhof von D\u00fcsseldorf-Derendorf war ziemlich klein: nur ein einziger Bahnsteig, der zwischen den mittleren der sechs Gleise lag, die vom Hauptbahnhof zum Flughafen und weiter nach Duisburg f\u00fchrten. 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