{"id":223,"date":"2024-01-31T21:34:36","date_gmt":"2024-01-31T20:34:36","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=223"},"modified":"2024-04-07T14:38:52","modified_gmt":"2024-04-07T13:38:52","slug":"freundschaft-aus-der-kueche-saft-weg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=223","title":{"rendered":"Freundschaft aus der K\u00fcche &#8211; Saft weg!"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Freundschaft aus der K\u00fcche \u2013 Saft weg!\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<p><i>\nFreundschaft aus der K\u00fcche &#8211; Saft weg! ist eine kleine Fortsetzung der Reihe <a href=\"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1012\">Freundschaft aus der K\u00fcche<\/a>. Sie spielt nach <a href=\"https:\/\/renebote.de\/?page_id=439\">Freundschaft aus der K\u00fcche &ndash; Grillfehde<\/a> (Band 3) und beschreibt gem\u00e4chlich einen Silvesterabend, der nicht ganz so l\u00e4uft wie geplant und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wundersch\u00f6n wird.\n<\/i><\/p>\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Freundschaft-aus-der-Kueche-Saft-weg.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Freundschaft aus der K\u00fcche \u2013 Saft weg!\" \/>\n<p>Pauline konnte nicht gerade jedes Wort verstehen, als ihre Mutter im Nebenzimmer telefonierte, aber den Tonfall bekam sie zwangsl\u00e4ufig mit. Die Zwischenw\u00e4nde der Dachgeschosswohnung bestanden blo\u00df aus Holzbalken und verputzten Gipskartonplatten, die den Schall nur wenig d\u00e4mmten. Urspr\u00fcnglich war bis auf das Bad alles ein Raum gewesen, Pauline und ihre Mutter hatten beim Einzug die Zwischenw\u00e4nde gezogen, damit beide jeweils einen abgetrennten Bereich f\u00fcr sich hatten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein erfreuliches Thema hatten Paulines Mutter und ihr Gespr\u00e4chspartner nicht, aber einen kommenden Weltuntergang schienen sie zum Gl\u00fcck auch nicht zu besprechen. Paulines Mutter klang nicht w\u00fctend, sondern eher entt\u00e4uscht, so, als m\u00fcsste irgendwas, auf das sie sich gefreut hatte, gestrichen oder verschoben werden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMarion hat gerade abgesagt\u201c, erfuhr Pauline etwas sp\u00e4ter auf Anfrage. \u201eStromausfall im ganzen Haus, also kein Licht, kein Herd, kein gar nichts. Sie sagt, der Verwalter telefoniert schon rum wegen einem Elektriker, der den Fehler sucht, aber das kann dauern.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marion war ihre Freundin schon aus Schultagen. Sie war auch diejenige, derentwegen es Pauline aus ihrer Geburtsstadt Hamburg ins Ruhrgebiet verschlagen hatte. Ein gutes halbes Jahr war das jetzt her, im Fr\u00fchjahr waren sie umgezogen. Marion hatte Paulines Mutter, die aus der Stadt stammte, auf ein Stellenangebot aufmerksam gemacht, und Paulines Mutter hatte den Job tats\u00e4chlich bekommen. Pauline hatte, pl\u00f6tzlich aus der vertrauten Umgebung gerissen, keinen leichten Start in der neuen Heimat gehabt. Sie war unfreiwillig gleich am ersten Schultag einer M\u00e4dchenclique in die Quere gekommen, die viel Einfluss in der Klasse hatte und Menschen ausschlie\u00dflich nach materiellen Werten beurteilte. Da konnte Pauline nicht mithalten, die angesagten und teuren Marken sa\u00dfen einfach nicht drin, auch wenn ihre Mutter etwas besser verdiente als bei ihrem alten Job in Hamburg.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inzwischen hatte Pauline sich aber eingelebt und Freunde gefunden. Da war Marlene, mit der sie sich oft traf, Friederike, mit der sie auch zusammen im Volleyballverein war, und vor allem war da Robin. Er war der Erste gewesen, der auf das Urteil des Trios um Anna gepfiffen und sich mit Pauline angefreundet hatte, und seit dem Sommer waren sie sogar zusammen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulines Mutter hatte sich seit dem Umzug wieder h\u00e4ufiger mit ihrer alten Schulfreundin getroffen. Kontakt gehalten hatten sie immer, meistens aber schriftlich oder fernm\u00fcndlich, weil Bahnfahrten eben auch Geld kosteten. Auch f\u00fcr den heutigen Silvesterabend waren sie verabredet gewesen, Marion und ihr Mann hatten Paulines Mutter eingeladen zu einem gem\u00fctlichen Abendessen und anschlie\u00dfendem Beisammensein bis zum Feuerwerk. Aber wenn der Strom ausgefallen war, war das nat\u00fcrlich schwierig, kalte K\u00fcche und Abendessen beim Schein einer Taschenlampe wollte Marion keinem Gast zumuten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDann k\u00f6nnen sie doch zu uns kommen!\u201c, schlug Pauline spontan vor. \u201eWas zu essen kriegen wir schon noch hin, und ob ihr jetzt hier oder da zusammen hockt&#8230;\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir?\u201c, wiederholte ihre Mutter l\u00e4chelnd. \u201eDu willst also helfen? Ich dachte, du w\u00e4rst nachher noch mit Robin verabredet. Aber sonst ist die Idee gut. Eigentlich komisch, dass Marion und ich da beide nicht dran gedacht haben.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>So verwunderlich fand Pauline das gar nicht, denn bisher hatten ihre Mutter und Marion sich immer bei Marion getroffen. Der Grund war sie selbst, denn wenn die beiden sich verabredeten, dann wurde es leicht mal Mitternacht oder noch sp\u00e4ter. So lange nicht schlafen zu k\u00f6nnen, wollte ihre Mutter ihr nicht zumuten, auch am Wochenende nicht. Marion und ihr Mann hatten zwar auch Kinder, ein Zwillingspaar, aber die waren schon 16 und am Wochenende sowieso meistens bei Freunden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>An diesem Tag gab es jedoch keinen Grund, R\u00fccksicht auf Pauline zu nehmen, denn sie w\u00fcrde eh aufbleiben bis zum Feuerwerk. Auch die Verabredung mit Robin musste den ge\u00e4nderten Pl\u00e4nen ihrer Mutter nicht zum Opfer fallen. \u201eEr kann ja auch zu uns kommen\u201c, sagte Pauline. \u201eUnd eigentlich auch hier schlafen, oder?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWenn er mit Schlafsack und Luftmatratze einverstanden ist, dann ja\u201c, antwortete ihre Mutter. Bis dahin hatte Robin noch nie bei Pauline \u00fcbernachtet, aber das war eher Zufall. Umgekehrt hatte es das schon gegeben, n\u00e4mlich an jenem Wochenende im Sommer, an dem Robins Eltern ihre Silberhochzeit gefeiert hatten. Da hatten Robin und Pauline zusammen f\u00fcr die G\u00e4ste gekocht, nachdem der beauftragte Partyservice einen R\u00fcckzieher gemacht hatte, und das h\u00e4tten sie kaum geschafft, wenn Pauline abends zur \u00fcblichen Zeit nach Hause gemusst h\u00e4tte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEr kriegt mein Bett\u201c, stellte Pauline klar, \u201eund ich schlafe im Wohnzimmer.\u201c \u201eOder so.\u201c Das war ihrer Mutter egal, solange die r\u00e4umliche Trennung gew\u00e4hrleistet war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pauline wartete nicht l\u00e4nger und rief ihren Freund an. Der hatte nichts dagegen, dass sie sich bei ihr treffen w\u00fcrden statt bei ihm. Sie hatten ohnehin nichts Besonderes geplant, wollten einfach zusammen abh\u00e4ngen, und das konnten sie hier wie da. Die Idee, nicht nur den Nachmittag zusammen zu verbringen, sondern den ganzen Abend bis zum Jahreswechsel, fand er richtig gut. \u201eDa h\u00e4tten wir auch fr\u00fcher dran denken k\u00f6nnen\u201c, meinte er. \u201eAber bei uns sind Feiertage immer irgendwie Familientage, wo man einfach zu Hause ist.\u201c \u201eIch hoffe, deine Eltern lassen dich dann \u00fcberhaupt gehen\u201c, antwortete Pauline. \u201eGlaube schon\u201c, versuchte Robin sie zu beruhigen. \u201eIch frage sie eben und ruf dich gleich wieder an.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das dauerte tats\u00e4chlich nicht lange, und Robin hatte gute Nachrichten. Seine Eltern waren zwar \u00fcberrascht gewesen, hatten sich aber nicht gestr\u00e4ubt. Es war das erste Mal, dass er Silvester nicht zu Hause verbringen w\u00fcrde, aber sie verstanden auch, dass er gern mit Pauline feiern wollte. \u201eIch pack eben meinen Koffer, dann komme ich r\u00fcber\u201c, k\u00fcndigte er an. \u201eKoffer?\u201c Pauline lachte. \u201eDann vergiss aber auch die n\u00f6tigen Impfungen nicht, bei so einer langen und gef\u00e4hrlichen Reise!\u201c Beide lachten, und Pauline erkundigte sich, welchen Bus Robin nehmen wollte. Im Moment war es noch zu fr\u00fch, um Abendessen zu machen, also konnte sie Robin bis zur Haltestelle entgegengehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parallel hatte ihre Mutter schon mit Marion telefoniert. \u201eSie kommen\u201c, berichtete sie. \u201eEs sei denn, der Elektriker muss in die Wohnungen, aber das ist wohl nicht so wahrscheinlich.\u201c \u201eRobin kommt auch\u201c, antwortete Pauline und nannte die Zeit, zu der sie ihn abholen wollte. \u201eSchlau eingef\u00e4delt!\u201c, behauptete ihre Mutter. \u201eDann kann er gleich noch beim Kochen helfen, wie?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war nun wirklich nicht Paulines prim\u00e4re Intention gewesen. Allerdings ahnte sie, dass Robin sich schwerlich davon abhalten lassen w\u00fcrde, ihr in der K\u00fcche zur Hand zu gehen. Schlie\u00dflich hatte er dank ihr Kochen gelernt und auch Spa\u00df daran gefunden. Seine Mutter hatte zuvor vergeblich versucht, ihn daf\u00fcr zu begeistern, sicherlich bedingt durch die knapp bemessene Mittagspause seines Vaters, die keine Verz\u00f6gerung erlaubte. Wenn er zusammen mit Pauline kochte, dann hatten sie Zeit, und es spielte keine Rolle, ob das Essen f\u00fcnf oder zehn Minuten sp\u00e4ter auf den Tisch kam.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zusammen mit ihrer Mutter sichtete Pauline die Vorr\u00e4te und \u00fcberlegte, was man daraus machen konnte. Zum Einkaufen war es zu sp\u00e4t, an Silvester machten ja die meisten Gesch\u00e4fte schon am fr\u00fchen Nachmittag zu. Allenfalls im Tankstellenshop h\u00e4tten Pauline und ihre Mutter noch etwas bekommen, aber das wollten sie m\u00f6glichst vermeiden, weil dort alles viel mehr kostete.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eReicht dicke!\u201c, stellte Pauline nach ein paar Minuten fest. Mit einer Suppe und f\u00fcnf Sorten Fingerfood w\u00fcrden sie f\u00fcr das Abendessen ger\u00fcstet sein, und zum Knabbern f\u00fcr den Rest des Abends w\u00fcrden sie Pl\u00e4tzchen backen. Was sie daf\u00fcr brauchten, hatten sie im Haus.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste beklagten sie jedenfalls nicht, dass sie hungrig bleiben m\u00fcssten, im Gegenteil: Marion und ihr Mann lobten das Essen, das am Ende doch haupts\u00e4chlich Pauline und Robin gemacht hatten, ausdr\u00fccklich. Sie wussten nat\u00fcrlich, dass Paulines Mutter mittags nicht zu Hause war und Pauline deshalb selbst kochte, fanden aber trotzdem bemerkenswert, was sie und Robin alles machten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kennengelernt hatten sie Robin bis dahin noch nicht, wussten aber, dass es ihn gab. Wenn Marion sich mit Paulines Mutter unterhielt, waren nat\u00fcrlich gelegentlich auch die Kinder ein Thema, und nach dem Umzug hatte Marion sich mehrfach erkundigt, wie Pauline sich eingelebt hatte. Ihr war ja auch klar gewesen, dass so ein Umzug f\u00fcr ein knapp zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen nicht einfach war. Nachdem Pauline anfangs noch mehr Schwierigkeiten gehabt hatte als bef\u00fcrchtet, war ihre Erleichterung umso gr\u00f6\u00dfer gewesen, als Pauline dann doch Freunde gefunden hatte. Dass sich Pauline als Erstes mit einem Jungen angefreundet hatte, hatte sie \u00fcberrascht, und ein bisschen neugierig war sie nat\u00fcrlich schon, jetzt, wo sie ihn zum ersten Mal pers\u00f6nlich traf. Sie wusste aber auch, dass er keine Lust haben w\u00fcrde, sich einem peinlichen Verh\u00f6r zu unterziehen, und hielt sich entsprechend zur\u00fcck.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Essen vertrieben Pauline, Robin und die drei Erwachsenen sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen. Pauline suchte aus ihren Spielen zwei heraus, von denen sie annahm, dass alle daran Spa\u00df haben w\u00fcrden. Ein Quiz-Spiel legte sie wieder zur\u00fcck ins Regal, weil dabei die Chancen zu ungleich verteilt gewesen w\u00e4ren; auf einigen Wissensgebieten waren Erwachsene nun mal Siebtkl\u00e4sslern gegen\u00fcber im Vorteil.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit den Spielen verging die Zeit wie im Flug, und Pauline erschrak fast, als sich ihr Handy mit einem kurzen Signalton meldete. Gut, dass sie daran gedacht hatte, die Erinnerung einzustellen! Sonst h\u00e4tten sie glatt durchgespielt, bis der L\u00e4rm des Feuerwerks sie aufgeschreckt h\u00e4tte. So war gerade noch genug Zeit f\u00fcr Paulines Mutter, um den Sekt zu \u00f6ffnen, den Marion und ihr Mann zum Ansto\u00dfen mitgebracht hatten, und Gl\u00e4ser zu f\u00fcllen. F\u00fcr Pauline und Robin, die noch keinen Alkohol trinken durften und auch kein Verlangen danach sp\u00fcrten, gab es stattdessen Orangensaft. Auch Marions Mann nahm nur einen Schluck, weil es in seiner Verantwortung lag, sich und seine Frau nach dem Feuerwerk unfallfrei nach Hause zu bringen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Taktgeber f\u00fcr den Countdown diente Paulines Handy. Pauline hatte am Nachmittag extra noch mal geschaut, dass die Uhr exakt ging. Sie z\u00e4hlten alle mit, und bei null stie\u00dfen sie an auf das neue Jahr. Pauline umarmte Robin und gab ihm einen Kuss, ehe sie ihm alles Gute f\u00fcr das neue Jahr w\u00fcnschte. Ein wenig merkw\u00fcrdig f\u00fchlte sie sich dabei, weil es das erste Mal in Gegenwart ihrer Mutter war. Die fand das aber offenbar v\u00f6llig in Ordnung, sie wartete geduldig, bis Pauline und Robin einander loslie\u00dfen, und umarmte Pauline dann.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach ging es nach drau\u00dfen. Einige Nachbarn hatten das Ansto\u00dfen wohl entweder vorverlegt oder gestrichen, denn obwohl Pauline und Robin allenfalls eine Minute nach Mitternacht auf die Stra\u00dfe traten, war das Feuerwerk schon in vollem Gange.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Robin hatte sich etwas Kleinzeug zum Knallen mitgebracht, Zisselm\u00e4nner und ein paar B\u00f6ller, die vielleicht wehtaten, wenn sie zu fr\u00fch hochgingen, einem aber nicht gleich die Finger abrissen. Pauline hatte  gar keine B\u00f6ller, immerhin aber ein paar Wunderkerzen, die sie auf den Kasten mit den M\u00fclltonnen stellte. Robin hatte Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, denn er wusste ja auch, dass Paulines Mutter kein Wahnsinnsgehalt bekam. Das Geld reichte f\u00fcr Miete und Lebensunterhalt, und das bisschen, das \u00fcbrig blieb, legte Paulines Mutter lieber zur Seite f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Ausgaben. Gerade in diesem Jahr waren die R\u00fccklagen nicht mehr sehr gro\u00df, der Umzug hatte doch einiges an Geld verschlungen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das machten die Nachbarn wett, denn von denen hatten einige offenbar betr\u00e4chtliche Betr\u00e4ge in Raketen und B\u00f6ller investiert. Es war ordentlich laut, die Hausw\u00e4nde warfen jeden Knall zigfach zur\u00fcck, und die Stra\u00dfe verschwand immer mehr in Rauchschwaden. Aber es war ein sch\u00f6ner Anblick, wie \u00fcberall die Raketen in den Himmel stiegen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch hab eine Idee!\u201c, sagte Robin pl\u00f6tzlich. \u201eHast du Lust auf richtiges Panorama?\u201c \u201eImmer!\u201c, antwortete Pauline. \u201eAber wo&#8230;?\u201c \u201eLass dich \u00fcberraschen!\u201c Robin drehte sich zu Paulines Mutter um. \u201eD\u00fcrfen wir ein St\u00fcck gehen?\u201c, fragte er. \u201eMacht ruhig\u201c, entschied die. \u201eAber geht nicht zu weit, und bleibt nicht zu lange weg.\u201c \u201eWir bleiben in der N\u00e4he\u201c, versicherte Robin. \u201eUnd wenn das Feuerwerk aufh\u00f6rt, kommen wir wieder.\u201c Es war klar, dass er damit die Viertel- oder halbe Stunde meinte, in der der Hauptteil des Feuerwerks in die Luft geschossen wurde, nicht zwei oder drei Uhr fr\u00fch, wenn auch die Letzten ihr Pulver verschossen hatten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pauline wusste, dass es keinen Zweck hatte, aus ihm herausholen zu wollen, wohin er mit ihr gehen wollte. Sie w\u00fcrde es erfahren, und das auch ziemlich bald, denn weit konnte es nicht sein. Robin w\u00fcrde kaum ewig mit ihr durch die Stra\u00dfen laufen, damit sie am Ende mit viel Gl\u00fcck noch eine Handvoll Raketen aufsteigen sehen konnten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren sie keine zwei Minuten unterwegs zu der Stra\u00dfenkreuzung, die Robin sich ausgeguckt hatte. Pauline kam regelm\u00e4\u00dfig hier vorbei, aber bislang war ihr noch nie aufgefallen, wie weit man von hier aus gucken konnte, wenn man sich den richtigen Punkt suchte. Eine der Stra\u00dfen f\u00fchrte ein ganzes St\u00fcck bergab, und wenn man sich so stellte, dass man mit dem Blick dem Stra\u00dfenverlauf folgen konnte und nicht die H\u00e4user im Bild hatte, dann hatte man tats\u00e4chlich einen weiten Ausblick bis in die angrenzenden Stadtteile hinein. \u201eSch\u00f6n\u201c, befand Pauline. \u201eWie bist du da drauf gekommen?\u201c \u201eIch hab\u2019s irgendwann mal zuf\u00e4llig gesehen\u201c, erkl\u00e4rte Robin. \u201eUnd eben, als wir rausgegangen sind, ist es mir wieder eingefallen.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eng nebeneinander, jeder einen Arm um die H\u00fcften des anderen gelegt, blieben sie stehen und beobachteten die unz\u00e4hligen Raketen, die vor ihnen in den Himmel stiegen. Kurz dachte Pauline, dass es hunderte, vielleicht tausende Menschen sein mussten, die in den Stra\u00dfen unter ihnen den Jahreswechsel begingen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil auch an der Kreuzung geknallt wurde, h\u00e4tte Pauline fast ihr Handy \u00fcberh\u00f6rt, das eine eingehende Nachricht meldete. Sie holte es heraus \u2013 eine Nachricht von Nina, die in Hamburg ihre beste Freundin gewesen war und den Kontakt nicht abrei\u00dfen lie\u00df. Sie schickte Neujahrsgr\u00fc\u00dfe und schrieb, dass Pauline auch Robin gr\u00fc\u00dfen sollte. Nina hatte ihn in den Herbstferien kennengelernt, als sie Pauline besucht hatte. \u201eGr\u00fc\u00df sie zur\u00fcck\u201c, bat Robin. \u201eIch find\u2019s \u00fcbrigens klasse, dass ihr immer noch Freunde seid, obwohl du so weit weggezogen bist. Aber ich muss gestehen, ich bin froh, dass du hergezogen bist.\u201c Pauline lachte und legte den Kopf an seine Schulter. \u201eIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen w\u00fcrde, aber ich bin auch froh, dass ich jetzt hier bin.\u201c Und da drin steckte ganz viel: \u201eHier bei dir.\u201c<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freundschaft aus der K\u00fcche &#8211; Saft weg! ist eine kleine Fortsetzung der Reihe Freundschaft aus der K\u00fcche. Sie spielt nach Freundschaft aus der K\u00fcche &ndash; Grillfehde (Band 3) und beschreibt gem\u00e4chlich einen Silvesterabend, der nicht ganz so l\u00e4uft wie geplant und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wundersch\u00f6n wird. 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