{"id":220,"date":"2024-01-31T21:26:41","date_gmt":"2024-01-31T20:26:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=220"},"modified":"2024-02-10T13:42:35","modified_gmt":"2024-02-10T12:42:35","slug":"weihnachten-aus-der-box","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=220","title":{"rendered":"Weihnachten aus der Box"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Weihnachten aus der Box\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<p><i>\nDiese Geschichte entstand im Advent 2017 f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.buechertreff.de\/forum\/thread\/99292-adventskalender-2017\/?pageNo=1\">Adventskalender im B\u00fcchertreff<\/a>. Dort mitzuschreiben, ist f\u00fcr mich inzwischen fast schon Tradition. Dort kommt Jahr f\u00fcr Jahr, organisiert und gestaltet von den Mitgliedern des Forums, eine bunte Mischung aus Geschichten, Gedichten, Rezepten und Bildern zusammen.\n<\/i><\/p>\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Weihnachten-aus-der-Box.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Weihnachten aus der Box\" \/>\n<p>Das Wetter passte perfekt zu Max\u2019 Stimmung: grau und trist und ohne Aussicht, dass es im Lauf des Tages mal richtig hell werden w\u00fcrde. Alle anderen lie\u00dfen sich dagegen vom Regen die Laune nicht verderben, \u00fcberall herrschte Weihnachtsstimmung. Nur Max\u2019 Eltern hatten beschlossen, dass es kein Weihnachten mehr geben sollte, die Feier mit der Familie endete doch immer gleich, sagten sie. Warum sollten sie sich die M\u00fche machen und auch noch Geld ausgeben, blo\u00df um sich dann mit der Verwandtschaft rumzustreiten?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Max fand es gemein: Blo\u00df weil die Erwachsenen nicht in der Lage waren, sich wie welche zu benehmen, wurden die Kinder mit bestraft, die gar nichts gemacht hatten. Klar stritt Max auch schon mal mit seinen Cousins und Cousinen, wenn sich die ganze Familie an Weihnachten traf, aber das war nie schlimm und hielt auch nicht lange an, ein paar Minuten sp\u00e4ter war alles wieder vergessen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durchs Fenster seines Zimmers konnte Max beobachten, wie die Menschen die letzten Besorgungen vor dem Fest erledigten. Er wohnte nicht weit vom Stadtzentrum entfernt und sah Alte und Junge, M\u00e4nner und Frauen, mit leeren Taschen in die Stadt gehen und mit vollen zur\u00fcckkommen. Da wurden noch die letzten Geschenke besorgt, aber auch die Zutaten f\u00fcrs Festessen, die vorbestellte Gans vom Metzger und der Weihnachtsbaum vom Stand an der Ecke.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manch einer m\u00fchte sich nicht selbst, sondern \u00fcberlie\u00df anderen die Arbeit. Entsprechend viele Paketboten waren unterwegs, auch vor Max\u2019 Haus hielt gerade einer der typischen Transporter, und der Fahrer trug einen ziemlich gro\u00dfen Karton zur Haust\u00fcr. Vermutlich war das Paket f\u00fcr die Martens aus dem zweiten Stock bestimmt, die bestellten fast alles, was sie brauchten, im Internet, selbst Suppengem\u00fcse und Klopapier vom Supermarkt eine Stra\u00dfe weiter orderten sie online und lie\u00dfen es liefern.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch als der Gong \u00fcber der Wohnungst\u00fcr anschlug, nahm Max an, dass der Paketbote nur einen Nachbarn suchte, der zu Hause war und das Paket f\u00fcr die Martens annehmen konnte. Undeutlich h\u00f6rte er, wie seine Mutter die T\u00fcr \u00f6ffnete und mit dem Boten sprach, verstand aber kein Wort.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMax!\u201c, h\u00f6rte er seine Mutter dann pl\u00f6tzlich rufen. \u201eHier ist ein Paket f\u00fcr dich!\u201c Sie klang \u00fcberrascht, und auch Max wusste nicht, was er denken sollte. Wer sollte ihm denn ein Paket schicken, und dann noch so ein gro\u00dfes, wenn es das war, das er den Boten ins Haus hatte tragen sehen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eVon Onkel Paul\u201c, erkl\u00e4rte seine Mutter, und aus ihrer Stimme waren deutlich Erstaunen und auch etwas Ver\u00e4rgerung herauszuh\u00f6ren. Onkel Paul, der \u00e4lteste Bruder von Max\u2018 Mutter, war nicht der geringste Grund, dass Weihnachten fortan ausfallen sollte. Max fand, dass Onkel Paul total in Ordnung war, aber seine Mutter und die Schwester, die sie und Onkel Paul noch hatten, brauchten nie l\u00e4nger als zehn Minuten, um sich mit ihm in die Haare zu kriegen, wenn sie ihn trafen. Der Anlass war immer wieder der gleiche: Onkel Paul war Erfinder und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Artikeln, die er f\u00fcr diverse Magazine schrieb, das war in den Augen seiner Schwestern kein Lebenswandel, auf den man stolz sein konnte. Mehr als einmal hatten sie ihm schon vorgeworfen, dass er Max und seinen Cousins und Cousinen Flausen in den Kopf setzen w\u00fcrde, so dass sie am Ende noch die Schule schleifen lie\u00dfen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei hatte Onkel Paul sogar studiert und einen guten Abschluss, aber er brauchte einfach die Freiheit, seine Ideen umzusetzen, auch Ideen, die nicht in das Konzept einer Firma passten. Deshalb hatte er sich entschieden, sich keinen Job zu suchen, obwohl er mit seinen Zeugnissen und seinen F\u00e4higkeiten sicherlich leicht einen bekommen h\u00e4tte. Er f\u00fchlte sich wohl so, und weil er spannend und leicht verst\u00e4ndlich schreiben konnte, hatte er sein Auskommen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das zum ungez\u00e4hltesten Male seiner Mutter zu erkl\u00e4ren musste Max sich aber nicht geben, und er hatte auch keine Lust, das Paket unter ihren missbilligenden Blicken zu \u00f6ffnen. Also sagte er nur \u201eDanke!\u201c und hob das Paket auf, um es in sein Zimmer zu tragen. Seine Mutter merkte wohl, was ihm durch den Kopf ging, wollte aber offenbar auch vermeiden, seine ohnehin schon unterirdische Stimmung noch mehr zu verschlechtern, und sagte deshalb nichts.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Paket hatte ein ordentliches Gewicht, und Max war einigerma\u00dfen au\u00dfer Atem, als er es auf seinen Basteltisch wuchtete. Mann, was ein Trumm! Max hatte keine Vorstellung, was in dem Paket sein k\u00f6nnte, dem Gewicht nach h\u00e4tte er auf Schiffsballast oder einen keltischen Runenstein getippt. Aber auch wenn man bei Onkel Paul prinzipiell mit allem rechnen musste, seine Geschenke waren immer n\u00fctzlich, also w\u00fcrden es wohl nicht blo\u00df Steine sein. Zum letzten Geburtstag hatte Max zum Beispiel eine G\u00fcrtelschnalle bekommen, die wie ein Tigerkopf geformt gewesen war, mit Leuchtdioden als Augen; das sah nicht nur cool aus, es war auch ungemein hilfreich, wenn man wieder mal bei Dunkelheit den Hausschl\u00fcssel ins Schloss fummel musste, weil die Lampe vor dem Eingang nicht funktionierte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neugierig riss er das Packpapier ab und stie\u00df auf eine Holzkiste, so eine mit eisernen Beschl\u00e4gen, wie sie in jedem Piratenfilm irgendwann aus dem Sand eines karibischen Strandes gebuddelt wurde. Diese hatte einen flachen Deckel und an der Seite stilecht ein Vorh\u00e4ngeschloss.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oben auf dem Deckel lag ein Brief, auf dem Onkel Paul handschriftlich vermerkt hatte, dass Max ihn zuerst \u00f6ffnen sollte. Das war eigentlich auch die einzig logische Reihenfolge, denn der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Schloss lag im Umschlag, aber Onkel Paul wollte wohl sicher sein, dass Max erst den Brief las, ehe er die Kiste aufschloss.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht dass der Brief Max irgendwie schlauer gemacht h\u00e4tte, ganz im Gegenteil, er war noch mehr verwirrt, nachdem er ihn gelesen hatte. Die Kiste sollte die Garantie daf\u00fcr sein, dass Max doch sch\u00f6ne Weihnachten hatte, aber er sollte bis genau zehn Minuten vor sechs warten, ehe er sie auf den Boden seines Zimmers stellte und \u00f6ffnete. Was konnte das nur zu bedeuten haben?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die logische Folge von Onkel Pauls kryptischer Ank\u00fcndigung war, dass die Zeit nun \u00fcberhaupt nicht mehr vergehen zu wollen schien. Max gr\u00fcbelte, er strich um die Kiste herum, er suchte nach einem Hinweis, aber da war nichts. Es gab keine Ritze im Holz, durch die er h\u00e4tte sp\u00e4hen k\u00f6nnen, kein eingeschnitztes Symbol, nach dessen Bedeutung er h\u00e4tte forschen k\u00f6nnen, einfach nichts.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Endlich, endlich war es zehn vor sechs, und Max schob den Schl\u00fcssel ins Schloss, den er schon seit mindestens zehn Minuten in der Hand hatte. Es knackte leise, als er den Schl\u00fcssel drehte, Max nahm das Schloss ab und klappte den Deckel der Kiste hoch. Er war so gespannt, dass seine H\u00e4nde zitterten, das Schloss fiel ihm runter und landete mit einem dumpfen Laut auf dem Teppich.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl ihm klar war, dass das Unsinn war, erwartete irgendwas in ihm einen wertvollen Piratenschatz. Doch was unter dem Deckel zum Vorschein kam, sah weder nach goldenen Dublonen, noch nach silbernen Bechern aus, sondern eher so, als h\u00e4tte Onkel Paul seine halbe Erfinderwerkstatt achtlos in die Kiste gestopft. Irgendeine Erfindung also, aber Max hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was f\u00fcr eine.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Onkel Paul hatte vorgesorgt, den dicken, roten Knopf mit der Aufschrift <i>Hier dr\u00fccken!<\/i> konnte selbst ein Blinder kaum \u00fcbersehen. Max dachte nicht lange nach, er wusste, dass Onkel Paul ihm nichts schicken w\u00fcrde, das ihm gef\u00e4hrlich werden konnte, auch wenn der Knopf aussah wie die Selbstzerst\u00f6rungstaste eines Raumschiffs. Max dr\u00fcckte, ohne zu z\u00f6gern, und wartete gespannt, was passieren w\u00fcrde.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Kiste knackte es, und etwas begann zu surren. Auch das klang futuristisch, so wie die automatischen T\u00fcren in einem Science-Fiction-Film, und weil Max seinen Onkel kannte, tippte er auf einen kleinen Elektromotor. Was dieser Motor bewegte, blieb nicht lange offen, denn schon nach zwei oder drei Sekunden stieg ein Teleskopmast aus der Kiste, an dessen Spitze ein faustgro\u00dfer Kasten befestigt war. Im ersten Moment dachte Max an eine Kamera, auch weil der Kasten sich in alle Richtungen drehte. Dann sah er den winzigen Lichtpunkt, der \u00fcber W\u00e4nde und Einrichtung huschte, und begriff: ein Laser-Messger\u00e4t! So etwas hatte er schon mal gesehen, wenn auf einer Baustelle die Eckpunkte f\u00fcr ein neues Haus markiert wurden, und Onkel Paul hatte ihm auch einmal erkl\u00e4rt, wie es funktionierte. Sollte also sein Zimmer vermessen werden? Aber wozu?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf jeden Fall machte das Ger\u00e4t seine Arbeit ziemlich gr\u00fcndlich, es nahm jede Ecke auf und tastete die W\u00e4nde in verschiedenen H\u00f6hen ab. Danach verschwand es wieder und machte unter Max\u2019 staunenden Blicken zwei Greifarmen Platz, die sich in je einer Ecke der Kiste auseinanderfalteten. Die Vermessung war also nur eine Vorstufe, damit die Greifarme anschlie\u00dfend ihr Ziel fanden. War das eine moderne Form der Piraterie? Den Leuten einen vermeintlichen Schatz hinstellen, der sie dann ausraubte?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber die Greifarme machten keine Anstalten, sich zu bedienen, und Max h\u00e4tte auch nicht gewusst, was sie h\u00e4tten einsacken sollen. Gold und Silber besa\u00df er nicht, was von seinem Taschengeld \u00fcbrig blieb, trug er einmal im Monat zur Bank, und sein Handy hatte er in der Hosentasche, wo es das Messger\u00e4t kaum hatte finden k\u00f6nnen. Oder sprach der Kasten auf die verbauten Metalle an? Dann wurde es vielleicht Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Griff in die Kiste brachte dann den Beweis, dass den Greifarmen Geben seeliger war als Nehmen. Gemeinsam entfalteten sie ein wei\u00dfes Tischtuch und breiteten es zielsicher auf dem Tisch aus, den Max sonst f\u00fcr Basteleien und Brettspiele benutzte. Gut, dass er den Tisch abger\u00e4umt hatte, um das Paket mit der Kiste leichter \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen! Wer wusste denn, ob die Greifarme so programmiert waren, dass sie das konnten, ohne etwas zu Bruch gehen zu lassen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Windeseile war anschlie\u00dfend der Tisch gedeckt, Teller, Gl\u00e4ser, Besteck, sogar etwas Tannengr\u00fcn zur Dekoration. Selbst einen Kerzenst\u00e4nder mit einer dicken roten Weihnachtskerze zog einer der beiden Greifarme aus der Kiste und platzierte ihn mittig auf dem Tisch. Eine kleine Flamme aus einer \u00d6ffnung in der Zange des Greifarms entz\u00fcndete die Kerze, noch ehe Max sich \u00fcberlegen konnte, wie er an Streichh\u00f6lzer oder ein Feuerzeug kommen sollte, ohne dass seine Mutter unbequeme Fragen stellte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufblasbare St\u00fchle, die von einem Kompressor in der Kiste mit Luft gef\u00fcllt wurden, vervollst\u00e4ndigten schlie\u00dflich die Tafel f\u00fcr sechs Personen. Aber f\u00fcr wen eigentlich? Allein am Tisch zu sitzen und sich selbst zuzuprosten, stellte Max sich ziemlich deprimierend vor, und ihm stand auch nicht der Sinn danach, seine Eltern zu fragen, ob sie zusammen hier statt in der Sitzecke in der K\u00fcche zu Abend essen sollten. Au\u00dferdem w\u00e4ren sie dann auch nur zu dritt gewesen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was seine Eltern sagen w\u00fcrden, wenn sie sahen, was Onkel Paul ihm geschickt hatte, war sowieso so eine Frage, begeistert sein w\u00fcrden sie auf jeden Fall nicht. Max bef\u00fcrchtete eher, dass sie schimpfen w\u00fcrden, dass Onkel Paul so durch die Hintert\u00fcr doch noch eine Weihnachtsfeier erzwingen wollte, und wahrscheinlich w\u00fcrden sie argw\u00f6hnen, dass er dann auch gleich auf der Matte stehen w\u00fcrde. Das glaubte Max aber nicht, der Brief sprach dagegen, und in dem Fall h\u00e4tte Onkel Paul ihm doch eher geschrieben, dass er die Kiste im Wohnzimmer aufstellen sollte, oder?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenigstens hatte Onkel Paul aber offenbar daran gedacht, eine Erkl\u00e4rung beizulegen, so dass Max sich nicht \u00fcberlegen musste, wie er seinen Eltern beibringen sollte, was er selbst noch nicht richtig verstand. Der eine Greifarm machte sich ganz lang, bis zur T\u00fcr, er dr\u00fcckte die Klinke und machte den Weg frei f\u00fcr den zweiten Arm, der einen Brief vor die K\u00fcchent\u00fcr legte. Dort mussten seine Eltern ihn auf jeden Fall sehen, wenn sie das n\u00e4chste Mal in die K\u00fcche gingen, und das w\u00fcrde wohl bald wieder der Fall sein. Auch wenn kein Weihnachten gefeiert werden sollte, musste doch bald irgendwer Abendessen machen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um f\u00fcnf vor sechs, die Kiste war gerade mit allem fertig, klingelte es zum zweiten Mal an diesem Tag. \u201eWer kann das denn sein?\u201c, h\u00f6rte Max seine Mutter im Wohnzimmer fragen, und er konnte sich leicht vorstellen, wie sein Vater zur Antwort mit den Schultern zuckte. Kurz vor sechs an Heiligabend, da besuchte man niemanden, ohne eingeladen zu sein, und eingeladen hatten Max\u2019 Eltern ja ausdr\u00fccklich nicht. Aber tot stellen wollten sie sich auch nicht, Max konnte h\u00f6ren, wie sein Vater an die T\u00fcr ging. Sein \u201eJa?\u201c klang allerdings nicht allzu freundlich. \u201eWir haben nichts bestellt!\u201c, war er wenig sp\u00e4ter zu h\u00f6ren. Noch eine Lieferung, die Onkel Paul veranlasst hatte?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr \u00fcberrascht war Max auf jeden Fall irgendwie nicht, als sein Vater nach ihm rief. \u201eSchon wieder f\u00fcr dich!\u201c Max konnte sich ein leises Grinsen nicht verkneifen, kam da jetzt das Essen?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genauso war es, der junge Mann vor der Wohnungst\u00fcr trug eine dieser Warmhalteboxen aus Styropor, die man von Pizzerien kannte, und vor seinen F\u00fc\u00dfen stand eine gro\u00dfe Tragetasche. Sein Gesicht hatte einen leicht staunenden Ausdruck angenommen, dass der Sohn ohne das Wissen der Eltern so viel Essen orderte, kam ihm wahrscheinlich auch nicht alle Tage unter. Aber Name und Adresse stimmten mit dem Lieferzettel \u00fcberein, die Bestellung war bezahlt, also lieferte er, das war schlie\u00dflich sein Job.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Max quittierte den Empfang und schleppte Box und Tragetasche in sein Zimmer. Gut, stellte er fest, die Versorgung der G\u00e4ste war schon mal gesichert, ein Partyblech Pizza, verteilt auf vier Kartons, gemischte Nudeln in einer gro\u00dfen Aluschale, Pizzabr\u00f6tchen, Kr\u00e4uterbutter, Salat und sechs Flaschen Cola und Limonade waren mehr als genug f\u00fcr ein halbes Dutzend Esser. Jetzt musste das halbe Dutzend nur noch kommen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prompt klingelte es zum dritten Mal, und jetzt war Max\u2019 Vater deutlich genervt, als er an die T\u00fcr ging. Doch die Neuank\u00f6mmlinge \u00fcberrumpelten ihn glatt, und Max eilte in den Flur, ehe sein Vater seine Sprache wiederfand. Da vor der T\u00fcr standen sie, alle, die er sich herbeigew\u00fcnscht h\u00e4tte: sein bester Freund Flo, Dennis und Lukas aus seiner Klasse und Jens aus dem Handballverein. Halb hinter Jens, der ziemlich gro\u00df war, verdeckt sah Max auch noch einen blonden Pony: Marion, auch aus seiner Handballmannschaft und das netteste M\u00e4dchen, das er kannte. \u201eD\u00fcrfen wir reinkommen?\u201c, fragte sie keck. \u201eVon mir aus\u201c, brummte Max\u2019 Vater, der entweder Onkel Pauls Brief gelesen oder einfach aufgeh\u00f6rt hatte, sich zu wundern.  \u201eElektriker ist nicht zuf\u00e4llig einer von euch, oder? Dann k\u00f6nnte er f\u00fcr den Rest des Abends die Klingel abstellen.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir sind komplett\u201c, beruhigte Flo ihn. \u201eUnd wir werden Sie auch nicht st\u00f6ren.\u201c Er grinste Max an. \u201eWar ein geiler Plan von deinem Onkel, wird bestimmt ne geile Weihnachtsparty.\u201c \u201eUnd eure Eltern haben euch einfach so gehen lassen?\u201c, wunderte sich Max. \u201eEgal, kommt rein!\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das lie\u00dfen seine Freunde sich nicht zweimal sagen, sie folgten Max in sein Zimmer und verteilten sich rund um den gedeckten Tisch. \u201eWusstet ihr das schon l\u00e4nger?\u201c, wollte Max wissen. \u201eUngef\u00e4hr seit heute Mittag\u201c, antwortete Flo trocken. \u201eMama und Papa haben auch nicht schlecht doof geguckt, aber bei uns wird eh erst morgen gefeiert, und weil dein Onkel direkt mit ihnen gesprochen hat, haben sie sich breitschlagen lassen.\u201c \u201eMeine wollten mich erst nicht lassen\u201c, berichtete Dennis. \u201eDa hab ich gedroht, die Weihnachtslieder noch schiefer zu singen als der Hund, wenn sie mich nicht gehen lassen.\u201c Alle lachten, denn es war bekannt, dass Dennis\u2019 Hund bei jeder Form von Musik zu jaulen begann. \u201eIch glaube, meine sind ganz froh, dass ich hier feiere\u201c, meinte Marion. \u201eDann k\u00f6nnen sie sich\u2019s mit einem Glas Wein gem\u00fctlich machen. Sie sind zwar keine Weihnachtsmuffel, aber nach den ganzen Weihnachtsfeiern in der Schule\u201c, ihre Eltern waren beide Lehrer, \u201ek\u00f6nnen sie sp\u00e4testens am zweiten Advent kein Jingle Bells mehr h\u00f6ren.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Max staunte; da hatte er gedacht, er w\u00e4re der Einzige in der ganzen Stadt, der kein Weihnachten feierte, und jetzt sa\u00dfen all seine Freunde hier und freuten sich, dass sie mit ihm feiern konnten! Und feiern w\u00fcrden sie, schlie\u00dflich hatte Onkel Paul f\u00fcr alles gesorgt und ganz gro\u00df auffahren lassen! W\u00e4hrend Lukas die Pizza schnitt und Marion Pizzabr\u00f6tchen herumreichte, schrieb er schnell eine Handynachricht an seinen Onkel: Frohe Weihnachten, und vielen Dank! Und ein ganz dicker Smiley dahinter f\u00fcr die sch\u00f6nsten Weihnachten, die er je erlebt hatte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte entstand im Advent 2017 f\u00fcr den Adventskalender im B\u00fcchertreff. Dort mitzuschreiben, ist f\u00fcr mich inzwischen fast schon Tradition. Dort kommt Jahr f\u00fcr Jahr, organisiert und gestaltet von den Mitgliedern des Forums, eine bunte Mischung aus Geschichten, Gedichten, Rezepten und Bildern zusammen. 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