{"id":214,"date":"2024-01-30T20:04:04","date_gmt":"2024-01-30T19:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=214"},"modified":"2024-01-30T20:04:04","modified_gmt":"2024-01-30T19:04:04","slug":"naechster-halt-schatten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=214","title":{"rendered":"N\u00e4chster Halt: Schatten"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte N\u00e4chster Halt: Schatten\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Naechster-Halt-Schatten.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte N\u00e4chster Halt: Schatten\" \/>\n<p>Der Sommer brach alle Rekorde, und die meisten hatten schon lange aufgeh\u00f6rt, sich dar\u00fcber zu freuen. Auch Louis sehnte das Ende der Hitzeperiode herbei, denn so oft konnte er gar  nicht ins Freibad, wie die Temperaturen unertr\u00e4glich wurden. Selbst nachts k\u00fchlte es sich nicht richtig ab, zumindest nicht genug, dass man Durchzug machen und die Hitze aus der Bude rausl\u00fcften konnte. Louis und seine Mutter hatten alle Tricks durch, die man so kannte, aber die Dachwohnung war und blieb unertr\u00e4glich warm. Feuchte T\u00fccher im Fenster, damit die Verdunstung W\u00e4rme rauszog, heruntergelassene Jalousien, damit die Sonne nicht ganz so reinknallte, das alles reichte nicht; die W\u00e4nde waren nicht besonders gut isoliert, und das Flachdach bekam keinen Schatten, weil das Haus das h\u00f6chste in der Umgebung war. Die Arme unter kaltes Wasser zu halten, half f\u00fcr einen kurzen Moment, aber schon beim Absch\u00fctteln fing man wieder an zu schwitzen, und man konnte auch nicht den ganzen Tag mit den H\u00e4nden unter dem Wasserhahn verbringen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Louis war hundem\u00fcde, er hatte jetzt schon seit mindestens einer Woche keine Nacht mehr richtig gut und lange geschlafen, aber einschlafen konnte er trotz aller Ersch\u00f6pfung nicht. Auf den Schlafanzug hatte er schon verzichtet, auf die Bettdecke sowieso, aber selbst in Boxershorts f\u00fchlte er sich wie im Kannibalenkochtopf. Nicht zum Aushalten!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man m\u00fcsste eine Wohnung im Keller haben, ging es ihm durch den Kopf. Okay, wenn es sch\u00fcttete wie aus Eimern, dann war es nicht so praktisch, weil man dort dann als Erster nasse F\u00fc\u00dfe bekam, aber jetzt bei der Hitze&#8230;<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einem Ruck setzte er sich auf. Das war doch die Idee! So rasch, wie er es bei der Hitze schaffte, stieg er aus dem Bett und schl\u00fcpfte in seine Klamotten. Lautlos schlich er zur T\u00fcr und lauschte. War seine Mutter noch wach? Ja und nein, vermutete er, zu h\u00f6ren war nichts, also war sie auf jeden Fall schon ins Bett gegangen, aber schlafen konnte sie wahrscheinlich genauso wenig wie er. Also musste er ganz leise sein, damit sie nichts merkte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lautlos, die Sneakers in der Hand, huschte er zur Wohnungst\u00fcr. Jetzt nur nicht aus Versehen mit dem Schl\u00fcssel klappern! Ganz vorsichtig schloss er auf und schl\u00fcpfte ins Treppenhaus. So, jetzt noch abschlie\u00dfen, dann war die schwierigste Etappe geschafft!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf das Treppenhauslicht verzichtete er, es fiel genug Helligkeit durch die Fenster rein. Immer noch barfu\u00df lief er die Treppe hinunter. Das waren zehn Stockwerke, aber den Aufzug konnte er nicht benutzen. Seine Mutter h\u00e4tte es geh\u00f6rt, es war gut zu unterscheiden, ob der Aufzug auf der obersten Etage war oder weiter unten, und die Nachbarwohnung hatte ein junger Mann, der beruflich unterwegs war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst unten wagte Louis die Sneaker anzuziehen. Wie sp\u00e4t war es eigentlich? Er holte das Handy raus, das er mehr aus Gewohnheit eingesteckt hatte, und schaute nach: zehn Minuten nach Mitternacht. So sp\u00e4t war er noch nie allein drau\u00dfen gewesen, nur an Silvester mit seiner Mutter.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weit hatte er es nicht, die U-Bahn-Station lag nur einen Steinwurf entfernt. F\u00fcr den Schulweg oder wenn er in die Stadt wollte, war das unheimlich praktisch, und jetzt war es seine Rettung, denn noch ein paar N\u00e4chte ohne richtigen Schlaf, und er w\u00fcrde durchdrehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein wenig mulmig war ihm schon, als er den Fu\u00df auf den Treppenabgang setzte. H\u00f6rte man nicht immer, dass nachts in U-Bahnh\u00f6fen Gestalten rumliefen, denen man besser nicht im Dunklen begegnen sollte? Und w\u00fcrde nicht irgendjemand, der ihn durch die \u00dcberwachungskameras sah, die Polizei schicken, damit sie ihn nach Hause brachte? Das w\u00fcrde einen sch\u00f6nen Terz geben!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Louis sp\u00fcrte auch die K\u00fchle, umso mehr, je tiefer er kam. Das gab den Ausschlag, es war ein Segen, der Hitze \u00fcber der Erde zu entfliehen. Er setzte seinen Weg fort bis auf den Bahnsteig und schaute sich um. Niemand wartete auf einen Zug, der ohnehin erst am Morgen wieder kommen w\u00fcrde. Auch sonst war kein Mensch zu sehen, Louis hatte die freie Wahl zwischen den B\u00e4nken und steuerte gleich die erste an. Waren doch eh alle gleich, und jetzt, wo ihn die Hitze nicht mehr qu\u00e4lte, sp\u00fcrte er umso mehr, wie viel Schlaf ihm fehlte. Er setzt sich, lehnte sich zur\u00fcck, und obwohl die Bank nicht besonders bequem und die Situation so ungewohnt war, war er im n\u00e4chsten Moment eingeschlafen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sommer brach alle Rekorde, und die meisten hatten schon lange aufgeh\u00f6rt, sich dar\u00fcber zu freuen. Auch Louis sehnte das Ende der Hitzeperiode herbei, denn so oft konnte er gar nicht ins Freibad, wie die Temperaturen unertr\u00e4glich wurden. 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