{"id":1865,"date":"2024-12-28T17:01:01","date_gmt":"2024-12-28T16:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1865"},"modified":"2024-12-28T17:01:01","modified_gmt":"2024-12-28T16:01:01","slug":"rakete-von","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1865","title":{"rendered":"Rakete von &#8230;?"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Rakete von ...?\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Cover-Rakete-von.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Rakete von ...?\" \/>\n<p>Der letzte Tag des Jahres n\u00e4herte sich dem Ende. Noch eine knappe halbe Stunde, dann w\u00fcrde das Feuerwerk losgehen. Besser gesagt: richtig losgehen, denn vereinzelte B\u00f6ller wurden den ganzen Abend schon gez\u00fcndet, und Funkes an der Ecke hatten schon um acht ein kleines Feuerwerk veranstaltet, damit ihre beiden Kinder es sehen konnten. Die waren erst vier und zwei und brauchten altersgem\u00e4\u00df noch viel Schlaf.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Anette und Felicitas war es das erste Mal, dass sie bis zum Feuerwerk durchgehend wach bleiben durften. In den letzten Jahren waren sie immer ins Bett geschickt worden, zur \u00fcblichen Schlafenszeit oder etwas danach, und kurz vor Mitternacht geweckt worden. Jetzt waren sie elf und nach Ansicht der Eltern alt genug, um einen langen Abend zu verkraften.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die beiden M\u00e4dchen waren Cousinen und zugleich beste Freundinnen. Silvester feierten sie traditionell mit der gesamten Verwandtschaft bei einer Gro\u00dftante, was nicht zuletzt daran lag, dass die am Tag davor Geburtstag hatte. Zur Tradition geh\u00f6rte ein Buffet, zu dem alle G\u00e4ste etwas beisteuerten, nach dem Essen verteilte sich die Gesellschaft: Die Erwachsenen fanden sich zu Gr\u00fcppchen zusammen, die sich unterhielten, die Kinder spielten im Nebenraum. Anette und Felicitas hatten unter anderem zusammen mit einer weiteren, etwas j\u00fcngeren Cousine ein Ratespiel ausprobiert, das die zu Weihnachten bekommen hatte. Nachdem Jenny ins Bett \u2013 beziehungsweise ein Lager aus Isomatte und Decken \u2013 geschickt worden war, hatten sie ein paar Folgen einer Serie geschaut.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt lohnte es nicht mehr, noch eine neue Folge anzufangen, und ihnen stand auch mehr der Sinn nach frischer Luft. Noch gab es wenigstens welche, nach dem Feuerwerk w\u00fcrde die ganze Stra\u00dfe verqualmt sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie gingen durchs Wohnzimmer, nicht weiter beachtet von den Erwachsenen, und traten durch die T\u00fcr auf den Balkon. Links war die Wand, die den Balkon von dem der Nachbarwohnung trennte, nach rechts erstreckte sich ein schmaler Schlauch drei Meter vor der Wohnzimmerfront.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unvermittelt blieb Anette, die voranging, stehen. Sie stand unter einer Laterne, die an einem Haken von der Decke hing, und fand spontan, dass es nett w\u00e4re, sie anzuz\u00fcnden. Sie machte einen Schritt zur\u00fcck, um an das kleine T\u00fcrchen zu kommen und das Teelicht herauszuholen. Ein Feuerzeug fand sie in einem Korb mit Krimskrams, der in der Ecke des Fensters auf der Fensterbank stand. Sie z\u00fcndete das Teelicht an, stellte es in die Laterne, schloss das T\u00fcrchen und legte das Feuerzeug wieder an seinen Platz. Sie trat ans Gel\u00e4nder und st\u00fctzte sich mit den H\u00e4nden auf. Felicitas stellte sich neben sie.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe vor dem Haus war bereits Betrieb. Direkt gegen\u00fcber standen zwei Frauen vor der T\u00fcr und rauchten, rechts und links davon wurde offenbar schon gefeiert und das Feuerwerk vorbereitet. Rechts waren es \u00fcberwiegend Jugendliche, links zwei Familien mit Kindern zwischen Grundschulalter und Mittelstufe.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anette und Felicitas kannten nur eines davon, einen Jungen, der in der Klasse \u00fcber ihnen war. N\u00e4her zu tun hatten sie nicht mit ihm, wussten aber, dass er ein ziemlicher Witzbold war. Er versuchte st\u00e4ndig, sich mit irgendwelchen vermeintlich lustigen Aktionen in den Vordergrund zu spielen, war dabei aber selten wirklich witzig und richtete oft genug Flurschaden an.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Jungs auf der anderen Seite war der Flurschaden Programm. Auch mit denen hatten Anette und Felicitas keinen direkten Kontakt, und sie legten Wert darauf, dass es auch so blieb. Da waren zwei oder drei bei, die st\u00e4ndig auf Krawall aus waren und sicher gleich auch wieder \u00c4rger machen w\u00fcrden. B\u00f6ller, die in Deutschland aus gutem Grund verboten waren, geh\u00f6rten bei denen zum guten Ton, und sie warfen auf alles, was sich bewegte. Das hatte auch schon \u00c4rger mit der Polizei gegeben, und es hie\u00df, dass einer der Typen wegen K\u00f6rperverletzung vorbestraft war. Wahrscheinlich ging auch der M\u00fclleimer an der Bushaltestelle ein St\u00fcck die Stra\u00dfe runter auf ihre Kappe, der vor einem Jahr in Flammen aufgegangen war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Felicitas beugte sich zu ihrer Cousine hin\u00fcber. Sie wollte ihr zufl\u00fcstern, dass sie hoffte, die Typen w\u00fcrden dieses Jahr mal friedlich bleiben, als etwas haarscharf \u00fcber ihren Kopf hinwegzischte. H\u00e4tte sie sich nicht bewegt, dann w\u00e4re sie voll im Gesicht getroffen worden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch so war es schlimm genug, denn der L\u00e4rm, mit dem das Ding hinter ihnen hochging, zerriss den M\u00e4dchen fast die Trommelfelle. Funken stoben, Felicitas sp\u00fcrte etwas Hei\u00dfes am Arm, und es stank bestialisch.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es dauerte einen Moment, bis Anette und Felicitas begriffen, dass jemand eine Rakete auf den Balkon, auf sie gefeuert hatte. Hastig duckten sie sich hinter die Br\u00fcstung, Anette packte beherzt einen brennenden Rest und warf ihn auf die Stra\u00dfe. Darauf, ob unten gerade jemand herlief, konnte sie keine R\u00fccksicht nehmen, es war ohnehin Gl\u00fcck, dass die Rakete nichts in Brand gesetzt hatte. In erster Linie war das der Voraussicht ihrer Gro\u00dftante zu verdanken, die m\u00f6glichst alles wegger\u00e4umt hatte, was brennen konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBist du okay?\u201c, fragte Anette ihre Cousine. Ihr selbst klingelten noch die Ohren, und ihr Herz pochte wie wild vom Schreck, aber sie schien nichts abbekommen zu haben. Felicitas nickte. \u201eMein Pulli ist hin\u201c, sagte sie mit einem Blick auf ihren \u00c4rmel, in dem ein Brandloch von der Gr\u00f6\u00dfe einer Euro-M\u00fcnze prangte. \u201eAber mir ist nichts passiert. Dir?\u201c \u201eAuch nicht\u201c, antwortete Anette. \u201eAber verdammt, das h\u00e4tte auch richtig \u00fcbel ausgehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie sich bewegte, knirschte etwas unter ihrem Fu\u00df \u2013 Glas! Das Fenster hatte es zum Gl\u00fcck nicht erwischt, wohl aber die kleine Laterne. Die Scheibe in der T\u00fcr war gesprengt worden und lag in Scherben auf dem Boden. \u201eNa warte!\u201c, knurrte sie. \u201eDass der ein Bl\u00f6dmann ist, wissen wir, aber das war eins zu viel.\u201c Felicitas nickte und huschte geduckt zur Balkont\u00fcr. Mal schauen, was die Eltern sagten, wenn sie bezahlen durften, was ihr Sohn mit seinem \u201eScherz\u201c kaputtgemacht hatte!<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Woher wissen Anette und Felicitas, wer die Rakete gez\u00fcndet hat?<\/i><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"alternateEndHeader\" onclick=\"toggleElement('solution');\">Aufl&ouml;sung<\/p>\n<div id=\"solution\" style=\"display:none;\">\n<p>Anette hatte zuerst die \u00e4lteren Jugendlichen in Verdacht gehabt. Eine Rakete auf einen Balkon zu schie\u00dfen, das war ja fast schon ein Attentat, und es war schwerlich zu \u00fcbersehen gewesen, dass jemand auf dem Balkon stand. Die M\u00e4dchen hatten das helle Wohnzimmer hinter sich gehabt, sie mussten auch von der Stra\u00dfe aus deutlich zu sehen gewesen sein. Aber die Rakete musste von der anderen Seite gekommen sein, von links, denn die Laterne war auf der Seite getroffen worden, auf der die T\u00fcr war, die war f\u00fcr die Jugendlichen im toten Winkel gewesen. Blieb also nur der Scherzbold aus der Schule, der sich wahrscheinlich \u00fcberhaupt keine Vorstellung davon machte, was die Rakete unter weniger g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden h\u00e4tte anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<style>\n\t.alternateEndHeader {\n\t\twidth: 100%;\n\t\tpadding: 5px;\n\t\tmargin-bottom: 5px;\n\t\tborder: 1px solid darkgrey;\n\t\tborder-radius: 5px;\n\t\tcursor: pointer;\n\t}\n<\/style>\n\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Tag des Jahres n\u00e4herte sich dem Ende. Noch eine knappe halbe Stunde, dann w\u00fcrde das Feuerwerk losgehen. Besser gesagt: richtig losgehen, denn vereinzelte B\u00f6ller wurden den ganzen Abend schon gez\u00fcndet, und Funkes an der Ecke hatten schon um acht ein kleines Feuerwerk veranstaltet, damit ihre beiden Kinder es sehen konnten. 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