{"id":1842,"date":"2024-12-01T09:27:19","date_gmt":"2024-12-01T08:27:19","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1842"},"modified":"2024-12-01T09:27:19","modified_gmt":"2024-12-01T08:27:19","slug":"das-weihnachtsrennen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1842","title":{"rendered":"Das Weihnachtsrennen"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Das Weihnachtsrennen\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Das-Weihnachtsrennen.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Das Weihnachtsrennen\" \/>\n<p>40 Kilometer durch drei St\u00e4dte, \u00fcber Stadt- und Landstra\u00dfen, zwischendrin auch mit einigen H\u00f6henmetern \u2013 der Tisch war gedeckt f\u00fcr ein durchaus anspruchsvolles Radrennen. Das Rennen am zweiten Weihnachtstag hatte Tradition und sollte noch einmal ein H\u00f6hepunkt des Radsportjahres f\u00fcr alle Altersklassen werden. Je nach Alter variierte die Strecke, die Erwachsenen fuhren die Runde zweimal, die Kleinen durften Abk\u00fcrzungen nehmen und sparten sich die Steigung.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Altersklasse der vierzehn- und f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen M\u00e4dchen war der Favoritenkreis eng eingegrenzt: Charlotte Hagen, Lotta genannt, vom RV 28 und die Halbitalienerin Gina Villa aus der Radsportabteilung des \u00f6rtlichen Triathlonvereins Tri-Club waren in diesem Jahrgang das Beste, was Westdeutschland an Radrennfahrerinnen zu bieten hatte. Alle, die sich in der Szene auskannten, gingen davon aus, dass sie Gold- und Silbermedaille in die Stadt holen w\u00fcrden. Spekuliert wurde nur, welche den ersten Platz machen w\u00fcrde, die Chancen schienen etwas besser f\u00fcr Gina, die bei den letzten beiden Vergleichen die Nase vorn gehabt hatte. Ohne dass das ihre Leistung schm\u00e4lern sollte, musste man allerdings festhalten, dass Lotta sich nach den Sommerferien im Schulsport den Fu\u00df verstaucht und durch die Verletzung Trainingsr\u00fcckstand angesammelt hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWie f\u00fchlst du dich?\u201c, fragte Lottas Vater, der auch ihr Trainer war. \u201eGut\u201c, antwortete Lotta. \u201eIch sch\u00e4tze, ich bin wieder bei 100 Prozent.\u201c \u201eBring es auf die Strecke!\u201c, forderte ihr Vater. \u201eDu bist besser als Gina, zeig ihr, wo sie steht, wenn du fit bist!\u201c Lotta nickte. \u201eIch gebe mein Bestes\u201c, versprach sie.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Vater ging mit ihr noch mal die Strecke durch und fragte sie ab, wie sie die einzelnen Abschnitte angehen sollte. Die Kr\u00e4fte einteilen, sich nicht auf wahnsinnige Duelle einlassen, aber gleichzeitig Ausbruchsversuche verhindern, um keinem R\u00fcckstand hinterherzuhecheln \u2013 Lotta kannte das alles, aber sie wusste auch, dass der Plan ganz schnell Makulatur sein konnte. Sie war ja nicht allein auf der Strecke, und sie konnte nicht sicher sein, was die anderen Fahrerinnen machen w\u00fcrden. Sie w\u00fcrde ihre Situation einsch\u00e4tzen und ihre eigenen Entscheidungen treffen m\u00fcssen, das konnte ihr Vater ihr nicht abnehmen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie kannte den Kurs, war das Weihnachtsrennen im Vorjahr schon gefahren und hatte gewonnen, mit zwei Radl\u00e4ngen Vorsprung auf Gina. Auch da hatten sie ihre Altersklasse schon dominiert, obwohl sie zu den j\u00fcngeren Fahrerinnen geh\u00f6rt hatten. Trotzdem war sie in den letzten Wochen mehrfach die komplette Strecke gefahren, um sicher zu sein, dass sie alles frisch im Ged\u00e4chtnis hatte. Im Duell mit Gina z\u00e4hlten Nuancen, ein kurzes Abweichen von der Ideallinie, weil ihr zu sp\u00e4t klar wurde, ob es an einer Gabelung rechts oder links ging, konnte sie den Sieg kosten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Lautsprecherstimme forderte die Fahrerinnen auf, sich am Start zu versammeln, und die Jungen, die im n\u00e4chsten Rennen starten w\u00fcrden und sich noch warm machten, die Strecke zu r\u00e4umen. Ein St\u00fcck weiter vorne stand der F\u00fchrungswagen, der vor den ersten Fahrerinnen bleiben w\u00fcrde, das Schlussfahrzeug stand in einer Einfahrt und w\u00fcrde sich einreihen, wenn die letzten M\u00e4dchen gestartet waren. Das alles war eine Nummer kleiner als bei einem Profirennen, aber der Ausrichter tat doch das M\u00f6gliche, um allen Fahrerinnen und Fahrern optimale Bedingungen zu bieten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ger\u00fcchteweise waren die Veranstalter fr\u00fcher am Morgen noch unsicher gewesen, ob sie das Rennen \u00fcberhaupt durchf\u00fchren konnten. Es war kalt, die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt, und niemand wollte daf\u00fcr verantwortlich sein, wenn es wegen Gl\u00e4tte einen Massensturz gab. Aber nachdem die Strecke begutachtet und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ein Streufahrzeug durchgeschickt worden war, sprach nach Ansicht der Ausrichter nichts mehr dagegen,  den Startschuss zu geben.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta w\u00e4re traurig gewesen, wenn das Rennen ausgefallen w\u00e4re. Gerade weil sie bei den letzten Rennen gehandicapt gewesen war, hatte sie sich darauf gefreut, noch mal ein Rennen fahren zu k\u00f6nnen, ehe es bis Ende M\u00e4rz in die Pause ging. So lange w\u00fcrde es kein Rennen geben, der Schwerpunkt der Saison lag zwischen Mai und Ende September. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde sie trainieren, aber das war nicht das Gleiche.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eToi, toi, toi!\u201c, sagte ihr Vater. \u201eDu packst das!\u201c Lotta nickte und schlug gegen die Hand, die er ihr hinhielt. Dann schob sie ihr Rad zum Start und sicherte sich einen Platz weit vorne im Feld. Wenn es nach ihrem Vater gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte sie sich schon lange bereitgemacht, um wirklich direkt an der Startlinie zu stehen. Zwar wurde die Zeit mit Hilfe eines Chips im Schild mit der Startnummer gemessen und startete bei jeder Fahrerin erst, wenn sie tats\u00e4chlich \u00fcber die Startlinie rollte, aber je weiter vorne sie startete, desto geringer war die Gefahr, ein paar Sekunden zu verlieren, weil andere ihr im Weg waren. Doch die Veranstalter hielten den Startbereich frei, bis es ernst wurde, so war Lotta und ihrem Vater nichts anderes geblieben, als sich einen Platz zum Warten zu suchen, der eine m\u00f6glichst g\u00fcnstige Ausgangsposition bot.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil Gina es genauso hielt, begegneten sie sich auf dem Weg zur Startzone und standen schlie\u00dflich nebeneinander in der ersten Reihe. \u201eViel Gl\u00fcck!\u201c, sagte Gina. \u201eAuf ein gutes Rennen!\u201c Sie l\u00e4chelte dabei, und Lotta wusste, dass sie es ehrlich meinte. Nat\u00fcrlich wollte Gina gewinnen, aber sie war eine faire Sportlerin. \u201eJa, auf ein gutes Rennen\u201c, antwortete Lotta. \u201eDir auch viel Gl\u00fcck.\u201c Auch sie meinte es so, wie sie es sagte, und wenn Gina sie schlug, w\u00fcrde sie das akzeptieren, auch wenn sie bis zur Ziellinie alles geben w\u00fcrde, um es zu verhindern.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sah, dass ihr Vater das kurze Gespr\u00e4ch bemerkt hatte und es argw\u00f6hnisch beobachtete. Sie wusste, dass es ihm nicht gefiel, sie sollte sich auf sich konzentrieren und sich nicht in die Karten schauen lassen. Als ob sie das nicht trennen konnte! Sie war doch keine Anf\u00e4ngerin mehr! Au\u00dferdem kannte sie Gina inzwischen so lange, sie wusste, dass die nicht versuchen w\u00fcrde, derart hinterlistig ihre Schw\u00e4chen auszuforschen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta kam gut weg und hielt sich vom Start weg in der Spitzengruppe. Insgesamt gingen rund 60 Fahrerinnen auf die Strecke, ein knappes Dutzend setzte sich etwas vom Feld ab. Die meisten aus dieser Gruppe kannte Lotta fl\u00fcchtig, sie waren alle schon lange dabei und fuhren die meisten Rennen in der Region mit. Aber sie waren doch eine Liga unter ihr und Gina, deshalb war die Konkurrenzsituation nicht zu vergleichen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Vorsprung auf das Hauptfeld kontinuierlich wuchs, blieb die Spitzengruppe als solche recht eng zusammen. Lotta teilte sich ihre Kr\u00e4fte ein, und sie sah, dass auch Gina bewusst noch nicht versuchte, sich abzusetzen. Hinter ihr war eine Fahrerin aus Ostwestfalen, sie versuchte, sich abwechselnd bei Lotta und Gina im Windschatten zu halten. Ein M\u00e4dchen, von dem Lotta wusste, dass es aus Leverkusen kam, obwohl es f\u00fcr einen Verein aus Ratingen fuhr, wagte einen halbherzigen Ausbruchsversuch, brach aber nach wenigen hundert Metern ab.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur H\u00e4lfte der Strecke zog Lotta das Tempo etwas an. Es war kein regelrechter Ausbruchsversuch, nur das kleine bisschen mehr, das die anderen \u2013 au\u00dfer Gina nat\u00fcrlich \u2013 nicht auf Dauer w\u00fcrden mitgehen k\u00f6nnen. Die meisten blieben deshalb auch bei ihrem Tempo, nur Stacy G\u00fcnzel, die irgendwo am Niederrhein zu Hause war, versuchte, sich dranzuh\u00e4ngen. Und Gina nat\u00fcrlich, sie nahm Lottas Temposteigerung als Signal, ebenfalls etwas fester in die Pedale zu treten. Lotta nahm aber an, dass sie von vornherein so geplant hatte, sie kannte Gina lange genug, um deren Taktik einzusch\u00e4tzen. Auch deshalb war es zwecklos, vor dem Start einen auf emotionale Eiszeit zu machen, sie fuhren zu lange gegeneinander, um sich noch gegenseitig \u00fcberraschen zu k\u00f6nnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber eine Strecke von vier oder f\u00fcnf Kilometern arbeiteten sie sich zu dritt einen Vorsprung gegen\u00fcber den Verfolgerinnen aus der Spitzengruppe heraus. Es waren wohl schon einige Minuten, die sie der Spitzengruppe voraus waren, sch\u00e4tzte Lotta, und sie nahm an, dass die wiederum mindestens genauso viel Vorsprung auf das Hauptfeld hatte. Nachpr\u00fcfen konnte sie es nicht, sie hatte keine Verbindung zu ihrem Vater, \u00fcber die er ihr ihre Zeit und die der anderen h\u00e4tte mitteilen k\u00f6nnen. Auch die Veranstalter hatten keine Displays aufgestellt, um den Fahrerinnen die Zwischenzeiten anzuzeigen. Nur Schilder mit der verbleibenden Entfernung zum Ziel gab es hin und wieder.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch dreizehn waren es, als Stacy zur\u00fcckfiel. Sie hatte viel investiert, aber Lotta und Gina hatten keine Schw\u00e4che gezeigt. Jetzt musste Stacy eine Entscheidung treffen, ob sie alles auf eine Karte setzten wollte, und entschied sich f\u00fcr das, was realistisch war. Sie konzentrierte sich darauf, den bis jetzt gegen\u00fcber den n\u00e4chsten Verfolgerinnen herausgefahrenen Vorsprung zu halten, um so am Ende den dritten und letzten Podestplatz zu sichern. Dass sie weiter darauf hoffte, dass Lotta und Gina schw\u00e4chelten, war klar, aber das w\u00fcrde ihr nur etwas n\u00fctzen, wenn sie selbst dann noch etwas zuzusetzen hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta war entschlossen, es nicht dazu kommen zu lassen. Sie f\u00fchlte sich gut, sie hatte gut trainiert in den letzten Wochen und war nach der Verletzung im Sommer wieder bei hundert Prozent angekommen. Nat\u00fcrlich sp\u00fcrte sie die gefahrenen Kilometer, aber das war normal. Es gab keinen Grund, zu bef\u00fcrchten, dass ihr auf den letzten Metern die Kraft ausgehen w\u00fcrde. Sie w\u00fcrde das Tempo halten und im richtigen Moment noch einmal zulegen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zehn Kilometer vor dem Ziel schienen Lotta und Gina ungef\u00e4hrdet den ersten beiden Pl\u00e4tzen auf dem Siegertreppchen entgegenzufahren. Der Vorsprung war betr\u00e4chtlich, soweit sie das einsch\u00e4tzen konnten, selbst Stacy war zu weit hinter ihnen, um sie noch im Endspurt abzufangen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer kurvigen Landstra\u00dfe passierten sie das Ortsschild ihrer Heimatstadt. Zu beiden Seiten erstreckten sich Felder, bis zu den ersten Siedlungen am Stadtrand war es bestimmt noch ein Kilometer. Leichter Nebel waberte \u00fcber den \u00c4ckern, und nichts war zu h\u00f6ren au\u00dfer dem Sirren der Reifen, dem keuchenden Atem und ein St\u00fcck vor ihnen das Summen des elektrisch betriebenen F\u00fchrungsfahrzeugs.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Moment hatte Gina einige Meter Vorsprung, aber das hie\u00df nichts. Lotta kannte das schon, auch bei anderen Rennen, die sie gegeneinander gefahren waren, war es so gewesen. Mal war sie einen Hauch vorne, mal Gina, es wechselte auch w\u00e4hrend eines Rennens, und es war nur die Frage, wer am Ende zur richtigen Zeit in den Schlussspurt ging.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorne am F\u00fchrungsfahrzeug wurde das Fenster auf der Beifahrerseite heruntergelassen. Lotta dachte sich nichts dabei, vielleicht brauchten die beiden M\u00e4nner da drin einfach frische Luft. Doch dann kam eine Hand aus dem Fenster und warf irgendwas nach drau\u00dfen. \u201eFerkel!\u201c, ging es Lotta durch den Kopf. Was genau der Beifahrer auf die Stra\u00dfe entsorgt hatte, hatte sie nicht erkennen k\u00f6nnen, sie tippte auf eine Zigarettenkippe. Bescheuert war es auf jeden Fall.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gina war wohl nicht gef\u00e4hrdet, getroffen zu werden, das F\u00fchrungsfahrzeug war weit genug vor ihr. Trotzdem wich Gina aus, im Grunde war das richtig. Auch ein kleiner Gegenstand konnte die d\u00fcnnen Rennradreifen aus der Spur bringen, und wenn es keine Kippe war, sondern etwas Scharfes, konnte der Reifen auch kaputtgehen. Das w\u00fcrde richtig \u00c4rger geben f\u00fcr den Beifahrer, der damit ja auch auf eine nicht hinnehmbare Weise ins Rennen eingriff. Gina musste von der Ideallinie weggehen, durch das instinktive Ausweichman\u00f6ver geriet sie in der gezogenen Linkskurve, die die Stra\u00dfe an dieser Stelle machte, weit nach rechts. Davon h\u00e4tte Lotta profitieren k\u00f6nnen, sie war weit genug weg, um den weggeworfenen Gegenstand rechtzeitig einzukalkulieren; so h\u00e4tte sie mit allenfalls minimalem Ausweichen an der Kurveninnenseite bleiben und einige Meter gutmachen k\u00f6nnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass sie das so oder so nicht ausgenutzt h\u00e4tte, weil es unfair gewesen w\u00e4re, w\u00fcrde nie jemand erfahren, denn im n\u00e4chsten Augenblick war die \u00dcberlegung Makulatur. Gina rutschte das Rad unter dem K\u00f6rper weg, beide R\u00e4der brachen ohne Vorwarnung nach rechts, zum Fahrbahnrand hin, aus. So schnell konnte Gina gar nicht darauf reagieren, sie st\u00fcrzte, kam zuerst mit dem Knie auf und krachte dann schwer auf die Hand, mit der sie den Sturz reflexhaft abfangen wollte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass sie das Knacken der Knochen h\u00f6rte, bildete Lotta sich vielleicht nur ein, aber dass Gina diesen Sturz mit einem gebrochenen Handgelenk bezahlt hatte, stand f\u00fcr sie au\u00dfer Zweifel. Daf\u00fcr brauchte es nicht erst den Schmerzensschrei von Gina, die liegen blieb, wie sie aufgekommen war, und mit der rechten Hand das Gelenk der linken umklammerte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das begreifen und handeln waren eins. Lotta zog die Bremsgriffe durch und l\u00f6ste mit einer Fu\u00dfdrehung die Rasten, die die Schuhe mit den Pedalen verbanden. Sie schob das Rad zum Stra\u00dfenrand, legte es ins Gras und lief weiter zu Gina. Dabei erkannte sie, was ihrer st\u00e4rksten Konkurrentin zum Verh\u00e4ngnis geworden war: Ein schmaler Streifen am Stra\u00dfenrand war mit Raureif \u00fcberzogen und h\u00f6llisch glatt. Offenbar hatte das Streufahrzeug in der Kurve den Stra\u00dfenrand nicht erwischt, und entweder hatte der Fahrer es nicht bemerkt, oder er hatte gedacht, dass es egal war, weil die Ideallinie ohnehin auf der anderen Stra\u00dfenseite lag.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Moment war zweitranging, warum nicht gestreut worden war. Lotta arbeitete sich zu Gina vor und ging dabei im Gras neben der Stra\u00dfe, um nicht selbst auszurutschen. Die Radschuhe waren nicht f\u00fcrs Laufen gemacht, die Sohle aus Hartplastik und Metall bot keinen verl\u00e4sslichen Halt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorsichtig hob Lotta Ginas Rad an, zog es zwischen Ginas Beinen weg und legte es zur Seite. Zum Gl\u00fcck war das Rad wie die meisten Rennr\u00e4der auf ein geringes Gewicht optimiert, sonst h\u00e4tte Lotta es kaum geschafft, ohne Gina noch zus\u00e4tzlich wehzutun. M\u00fchsam setzte Gina sich auf, gest\u00fctzt von Lotta, die aufpasste, dass ihre Konkurrentin sich nicht versehentlich auf die verletzte Hand st\u00fctzte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sa\u00df Gina einigerma\u00dfen bequem, und Lotta \u00fcberlegte, was sie nun tun sollte. Nat\u00fcrlich hatte sie kein Handy bei sich, konnte also auch nicht um Hilfe telefonieren. Hatten die Leute aus dem F\u00fchrungsfahrzeug wenigstens gemerkt, was sie angerichtet hatten, und angehalten? Sonst hatte sie nur noch die Wahl, Gina zur\u00fcckzulassen, um zum n\u00e4chsten Haus zu fahren, oder eine der anderen Fahrerinnen anzuhalten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie schaute die Strecke entlang und sah, dass das F\u00fchrungsfahrzeug angehalten hatte. Die beiden M\u00e4nner hatten also zumindest gesehen, dass sie die Fahrerinnen abgeh\u00e4ngt hatten, und warteten, dass sie wieder aufschlossen. Wahrscheinlich hatten sie auch den Sturz gesehen, ein Auge mussten sie ja zwangsl\u00e4ufig auf den R\u00fcckspiegel haben, aber vielleicht sch\u00e4tzten sie die Lage nicht so dramatisch ein und dachten, Gina k\u00f6nnte nach einer kurzen Pause weiterfahren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einer Hand winkte sie in Richtung des Fahrzeugs, dass jemand kommen sollte, w\u00e4hrend sie gleichzeitig schaute, welche Mittel sie hatte, um Gina zu helfen. Aus einem Erste-Hilfe-Kurs in der 4. Klasse wusste sie, dass das verletzte Gelenk stabilisiert werden musste, aber womit? Sie hatte nichts dabei, was sich daf\u00fcr geeignet h\u00e4tte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie noch \u00fcberlegte, n\u00e4herte sich aus der Richtung, aus der sie und Gina gekommen waren, eine einsame Radfahrerin. Stacy! Sie hatte in der Zwischenzeit vielleicht eine Minute R\u00fcckstand angesammelt auf das bisherige Spitzenduo, mehr Zeit konnte nicht vergangen sein seit Ginas Sturz, auch wenn es sich anders anf\u00fchlte. Von den \u00fcbrigen Verfolgerinnen war noch nichts zu sehen, offensichtlich hatte Stacy den Vorsprung auf die Pl\u00e4tze vier und weiter halten k\u00f6nnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stacy sah die beiden Konkurrentinnen am Stra\u00dfenrand sitzen und verlangsamte ihre Fahrt. \u201eVorsicht!\u201c, rief Lotta ihr zu. \u201eAm Rand ist\u2019s glatt!\u201c \u201eHat\u2019s dich deswegen runtergehauen?\u201c, fragte Stacy, als sie Lotta und Gina erreicht hatte. Gina nickte mit zusammengebissenen Z\u00e4hnen. \u201eSie hat sich die Hand gebrochen\u201c, erkl\u00e4rte Lotta. \u201eKannst du denen da im Auto sagen, sie sollen kommen? Scheint so, als h\u00e4tten sie nicht gemerkt, dass Gina verletzt ist.\u201c \u201eDas m\u00fcssten sie doch gesehen haben!\u201c, wunderte Stacy sich. \u201eOkay, ich schicke sie her.\u201c \u201eDanke\u201c, sagte Lotta. \u201eDu brauchst dann auch nicht zur\u00fcckzukommen, es reicht, wenn das Rennen f\u00fcr uns gelaufen ist.\u201c \u201eSicher?\u201c, fragte Stacy, sichtlich hin- und hergerissen. Es war ihre Chance, ein Rennen ganz vorne zu beenden, aber sie wollte fair gewinnen. \u201eDu kannst nichts daf\u00fcr\u201c, betonte Lotta, der es an Stacys Stelle sicherlich \u00e4hnlich gegangen w\u00e4re. \u201eDu musst nicht verzichten, und wir kommen zurecht.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stacy nickte und machte sich auf den Weg. Als sie sich dem F\u00fchrungsfahrzeug n\u00e4herte, fuhr es wieder an, Fahrer und Beifahrer hatten offenbar tats\u00e4chlich nichts begriffen. Aber Stacy rief und winkte, dass sie anhalten sollten, und schlie\u00dflich trat der Fahrer auf die Bremse. Zum Gl\u00fcck war Stacy schr\u00e4g hinter dem Auto, sonst w\u00e4re sie wom\u00f6glich noch ins Heck geknallt. Schlitternd hielt sie an der Beifahrerseite, und Lotta sah, wie sie mit dem Mann dort sprach. Es zog sich, Lotta wusste nicht, ob die beiden M\u00e4nner nicht begriffen, oder ob sie nicht wussten, wie sie ihrer Verantwortung gerecht werden sollten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann endlich stieg der Beifahrer aus, wobei er fast noch Stacy die T\u00fcr vor die Brust knallte. Er war echt ein Anf\u00e4nger, und kurz fragte Lotta sich, ob es nicht doch besser w\u00e4re, Gina ohne seine Hilfe zu versorgen. Sie sah, dass Stacy noch einmal in ihre Richtung schaute, wie, um sich zu vergewissern, dass es wirklich in Ordnung war, wenn sie weiterfuhr und das Rennen gewann. Sie nickte und l\u00e4chelte leicht, ja, es war okay.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch etwas z\u00f6gernd nahm Stacy wieder Tempo auf. Auch der F\u00fchrungswagen fuhr wieder an, nachdem der Beifahrer noch einen Rucksack mit Erste-Hilfe-Material von der R\u00fcckbank geklaubt hatte. Er setzte sich vor Stacy und entfernte sich z\u00fcgig.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das bedeutete, dass Gina einige Zeit w\u00fcrde warten m\u00fcssen, bis sie abgeholt wurde, denn das n\u00e4chste Begleitfahrzeug war hinter der allerletzten Fahrerin, und erfahrungsgem\u00e4\u00df gab es immer die eine oder andere, die dem Feld weit hinterherhing. Oder wollte der Beifahrer einen Rettungswagen rufen? Ins Krankenhaus musste Gina auf jeden Fall, damit die Hand ger\u00f6ntgt und fachgerecht behandelt wurde.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Hilfe war der Mann Lotta nicht. Vielleicht kam es ihr auch nur so vor, weil sie immer noch stinkig war wegen seines Umweltfrevels, der das Ungl\u00fcck \u00fcberhaupt erst ausgel\u00f6st hatte. Immerhin hatte er genug Mullbinden im Rucksack, um die verletzte Hand zu schienen. Allerdings fehlte es an einem langen, festen Gegenstand, den man als Schiene benutzen konnte, da war nichts Passendes im Rucksack, und auf dem Acker brauchte man wohl auch nicht nach einem Stock zu suchen. Doch Lotta hatte eine Idee, sie nahm ihre Wasserflasche aus der Halterung am Rahmen ihres Fahrrads. Die hatte nicht die optimale Form, aber Lotta schaffte es, sie so an Ginas Arm zu fixieren, dass das Gelenk nicht mehr bewegt werden konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mann aus dem Begleitfahrzeug kam immerhin auf die Idee, eine dieser Foliendecken herauszukramen, die dazu dienten, Verletzte vor Unterk\u00fchlungen zu bewahren. Die konnten Lotta und Gina brauchen, sie waren mit Radlerhose und Trikot nur leicht bekleidet, und nach 30 Kilometern Radrennen waren sie nat\u00fcrlich auch durchgeschwitzt. Noch wirkte die Anstrengung nach und hielt die M\u00e4dchen warm, aber das w\u00fcrde sich schnell \u00e4ndern.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta breitete die Decke auf dem Boden aus, sodass sie und Gina einen Rand als Unterlage unter dem Po nutzen konnten. Sie r\u00fcckte dicht an Gina heran, dicht wie an eine gute Freundin, so hatten beide Platz unter der Folie und konnten sich sogar gegenseitig etwas w\u00e4rmen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie sich so gut wie m\u00f6glich einkuschelten, rauschte die Spitzengruppe an ihnen vorbei. Lotta schaute kaum auf, bekam aber mit, wie zwei M\u00e4dchen einen Sprint anzogen, sowie sie die Situation erfassten. Der Gedankengang war klar: F\u00fcr Lotta und Gina war das Rennen gelaufen, das hie\u00df, dass nun Stacy die F\u00fchrende war, und sie abzufangen, lag eher im Bereich des M\u00f6glichen. Sollten sie, f\u00fcr Lotta ging es in diesem Moment nur um Gina.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Beifahrer des Begleitfahrzeugs gab es nicht mehr viel zu tun. Immerhin rief er die Rennleitung an, um sie \u00fcber den Unfall zu verst\u00e4ndigen. Die Rennleitung w\u00fcrde wiederum Ginas Trainer informieren, und Lotta rief dem Mann zu, dass sie am Start und Ziel nicht vergessen sollten, auch ihrem Vater Bescheid zu sagen, dass sie bei Gina blieb. Danach hie\u00df es warten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Veranstalter dachten mit. Statt Lotta und Gina auf das Begleitfahrzeug hinter den letzten Fahrerinnen warten zu lassen, schickten sie einen Wagen auf dem k\u00fcrzesten Weg zum Unfallort. Es dauerte etwas \u00fcber zehn Minuten, bis ein Kompaktwagen \u00fcber einen Feldweg gerumpelt kam, der eigentlich nur f\u00fcr landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegeben war, und auf die Landstra\u00dfe einbog. Gleich darauf hielt er bei den beiden M\u00e4dchen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Steuer sa\u00df eine Frau um die drei\u00dfig, wahrscheinlich eine Helferin, die man woanders abgezogen hatte. Das Auto war vermutlich ihr privates und auf jeden Fall zu klein, um die R\u00e4der mitzunehmen. Das machte aber nichts, wichtig war, dass Gina schnell zu einem Arzt kam. Selbst Lotta h\u00e4tte nicht unbedingt mitfahren m\u00fcssen, sie h\u00e4tte auch weiterradeln k\u00f6nnen, entweder auf der Rennstrecke oder auf dem direkten Weg. Aber sie fand es besser, Gina nicht allein zu lassen, und die Frau, die sie abholte, Mareike hie\u00df sie, war einverstanden. Die Fahrr\u00e4der w\u00fcrde das letzte Begleitfahrzeug einsammeln, der Beifahrer des F\u00fchrungsfahrzeugs \u201edurfte\u201c sie so lange bewachen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mareike bem\u00fchte sich um eine ersch\u00fctterungsfreie Fahrt, damit Gina keine zus\u00e4tzlichen Schmerzen leiden musste. Ganz vermeiden lie\u00df es sich leider nicht, einige Stra\u00dfenst\u00fccke waren so krumm und buckelig, dass Mareike unm\u00f6glich allen Unebenheiten ausweichen konnte. Aber Gina biss die Z\u00e4hne zusammen, mehr als ein schmerzliches Zischen kam ihr nicht \u00fcber die Lippen, und das auch nur, als Mareike aufgrund der Lichtverh\u00e4ltnisse eine Kante im Asphalt \u00fcbersah. Lotta fand, dass Gina sich tapfer hielt, die Schmerzen im Handgelenk mussten doch betr\u00e4chtlich sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Start und Ziel des Rennens wurde Gina bereits erwartet. Man hatte einen Parkplatz freigehalten f\u00fcr Mareike, sodass Gina nicht elend weit laufen musste, und als Mareike den Wagen in die Parkl\u00fccke rangierte, eilten Ginas Eltern und auch ihr Trainer heran. Ginas Mutter schien sich auf Gina st\u00fcrzen und sie in die Arme schlie\u00dfen zu wollen, erinnerte sich aber gerade noch rechtzeitig daran, dass das Ginas Handgelenk nicht guttun w\u00fcrde. Also legte sie Gina nur ganz vorsichtig einen Arm um die Schultern. \u201eWas ist passiert?\u201c, fragte sie besorgt. \u201eWeggerutscht\u201c, antwortete Gina knapp. \u201eDa ist was aus dem Auto vor uns geflogen, ich wollte ausweichen.\u201c \u201eAus dem Begleitauto?\u201c, hakte ihr Trainer nach. \u201eUnm\u00f6glich!\u201c \u201eIch hab\u2019s gesehen\u201c, sprang Lotta Gina bei. \u201eDer Beifahrer hat was aus dem Fenster geworfen. Gina ist nach ganz rechts r\u00fcber, und da am Rand war die Stra\u00dfe glatt.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ginas Trainer warf ihr einen Blick zu, der einen leichten Unwillen nicht verbergen konnte. Dass sich ausgerechnet die sch\u00e4rfste Konkurrentin nach dem Sturz um Gina gek\u00fcmmert hatte, passte ihm nicht, aber er konnte schwerlich etwas dagegen sagen. \u201eWenn das stimmt\u201c \u2013 was sollte der Zweifel, Lotta wusste, was sie gesehen hatte? \u2013 \u201edann muss ich mit der Rennleitung reden, damit sie den Mann abziehen\u201c, sagte er. \u201eDas ist unverantwortlich. Und sie m\u00fcssen Gina als Siegerin werten, sie war klar vorne.\u201c \u201eCharlotte war nur ganz knapp hinter mir\u201c, korrigierte Gina ihn sofort. \u201eDu kannst nicht wissen, ob ich gewonnen h\u00e4tte oder sie.\u201c \u201eIst doch jetzt egal!\u201c, ging Ginas Vater dazwischen. Der Trainer hatte ihn offenbar f\u00fcr einen Moment \u00fcberrumpelt, jetzt r\u00fcckte er die Priorit\u00e4ten zurecht. \u201eWir bringen Gina ins Krankenhaus, alles andere kann man sp\u00e4ter kl\u00e4ren.\u201c \u201eWohin bringen Sie sie?\u201c, fragte Lotta spontan. Ginas Vater \u00fcberlegte kurz. \u201eElisabeth-Klinikum\u201c, sagte er dann. \u201eIst von hier aus am n\u00e4chsten.\u201c Warum Lotta das wissen wollte, fragte er nicht, und genau wusste sie es selbst nicht. \u201eMach\u2019s gut!\u201c, sagte sie noch zu Gina. \u201eIch hoffe, du bist schnell wieder gesund.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Rennen lief noch. Den Sieg hatte Stacy eingefahren, und auch die Platzierungen dahinter standen fest, aber einige Nachz\u00fcglerinnen waren noch auf der Strecke.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta schl\u00e4ngelte sich zum Start- und Zielbereich durch, suchte und fand Stacy, die ausgepumpt auf dem Bordstein hockte, und gratulierte ihr zum Sieg. \u201eDanke\u201c, sagte Stacy und l\u00e4chelte schwach. \u201eWei\u00df selbst noch nicht, ob ich mich freue, irgendwie schon, aber ich h\u00e4tte nicht gewonnen, wenn Gina nicht diesen Unfall gehabt h\u00e4tte. Wie geht\u2019s ihr?\u201c \u201eSie ist auf dem Weg ins Krankenhaus\u201c, antwortete Lotta. \u201eAber ich glaube, es ist nicht allzu schlimm.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie verabschiedete sich von Stacy und suchte ihren Vater. Sie hatte so eine Ahnung, dass sie ihn in der N\u00e4he der Rennleitung finden w\u00fcrde, weil dort eventuelle Nachrichten einlaufen w\u00fcrden. Au\u00dferdem hatte er so keinen langen Weg, wenn er die Wertung des Rennens beanstanden wollte. Lotta vermutete, dass er da ganz \u00e4hnliche Gedanken hatte wie Ginas Trainer, aber das w\u00fcrde sie ihm austreiben. Klar, sie und Gina waren weit vor den anderen gewesen, es sprach viel daf\u00fcr, dass sie den Sieg unter sich ausgemacht h\u00e4tten, aber eine Garantie gab es nicht daf\u00fcr. Sie h\u00e4tte auch selbst noch einen Unfall haben oder schlicht und ergreifend abbauen k\u00f6nnen, sodass sie doch noch abgefangen wurde. Sie hatte das Rennen abgebrochen, um Gina zu helfen, also fiel sie aus der Wertung, Punkt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich fand sie ihren Vater wenige Schritte von dem zu einer Seite offenen Zelt entfernt, in dem die Rennleitung untergebracht war. Er entdeckte sie ihm gleichen Moment und schaute ihr ver\u00e4rgert entgegen. \u201eSch\u00f6ner Mist!\u201c, empfing er sie. \u201eWarum bist du nicht weitergefahren?\u201c \u201eWeil Gina Hilfe gebraucht hat\u201c, antwortete Lotta. \u201eIch kann sie doch nicht einfach liegen lassen!\u201c \u201eH\u00e4tte sie das f\u00fcr dich auch gemacht?\u201c, sagte ihr Vater. \u201eBestimmt nicht! Auf der Strecke ist jeder f\u00fcr sich selbst verantwortlich. Du h\u00e4ttest weiterfahren m\u00fcssen! Einen Rennsieg wirft man nicht einfach weg! Au\u00dferdem war doch das Begleitfahrzeug da!\u201c \u201eDer Bl\u00f6dmann im Auto war doch schuld, dass Gina gest\u00fcrzt ist\u201c, gab Lotta zur\u00fcck. \u201eTrotzdem\u201c, beharrte ihr Vater. \u201eDu k\u00fcmmerst dich um dich, um nichts anderes! Wenn du keinen Ehrgeiz hast, kannst du auch gleich aufh\u00f6ren.\u201c \u201eNat\u00fcrlich hab ich Ehrgeiz!\u201c, verwahrte Lotta sich. Der Vorwurf traf sie, aber gleichzeitig hatte sie dieses \u00fcbertriebene Konkurrenzdenken so satt. \u201eAber ich will nicht um jeden Preis gewinnen. Nicht, indem ich einfach vorbeifahre, wenn jemand Hilfe braucht.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit wandte sie sich ab, ihr Vater sollte nicht sehen, dass die Wut ihr Tr\u00e4nen in die Augen steigen lie\u00df. \u201eIch fahre allein nach Hause!\u201c, sagte sie noch, dann lie\u00df sie ihren Vater stehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Vormittag war Lotta wieder zu Hause. Sie hatte noch die Siegerehrung abgewartet, dann hatte sie sich aufs Rad geschwungen. Obwohl ihr das zu drei Vierteln gefahrene Rennen in den Beinen steckte, hatte es sie nicht auf k\u00fcrzestem Weg nach Hause gezogen. Lieber war sie noch ein bisschen durch die Gegend geradelt, in lockerem Tempo, und als sie am Bahnhof vorbeigekommen war, hatte sie sich spontan einen Kakao geholt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich versuchte ihr Vater, noch einmal mit ihr \u00fcber das Rennen zu sprechen, aber sie w\u00fcrgte ihn kurzerhand ab. Sie wusste, dass sie bis zu Ginas Sturz ein gutes Rennen gefahren war, mit guten Aussichten, sich am Ende gegen Gina durchzusetzen und den Pokal zu holen. Aber es war richtig gewesen, nicht weiterzufahren, davon war sie \u00fcberzeugt; bei allem Ehrgeiz, das Beste aus sich rauszuholen und die bestm\u00f6glichen Platzierungen einzufahren, gab es Dinge, die wichtiger waren. Anders als ihr Vater glaubte sie auch nicht, dass Gina umgekehrt anders gehandelt h\u00e4tte. Sie kannte ihre Konkurrentin nun schon so lange, und auch wenn die Erwachsenen die Konkurrenz in den Vordergrund stellten, gab es die kleinen Momente, die Lotta sagten, dass Gina in Ordnung war. Auch Gina wollte gewinnen, und sie war bereit, sich daf\u00fcr zu plagen, aber nicht um jeden Preis.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen fuhr Lotta wieder los, diesmal allerdings mit ihrem City Bike, das sie privat benutzte. Das Rennrad hatte weder Beleuchtung noch Reflektoren oder eine Klingel, eigentlich h\u00e4tte sie damit gar nicht nach Hause fahren d\u00fcrfen.  Z\u00fcgig radelte sie durch die Stra\u00dfen, auf denen am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht viel los war, und bog schlie\u00dflich in die Zufahrt zum Elisabeth-Klinikum ein. Hier musste sie aufpassen, offenbar besuchten viele Freunde oder Verwandte, die das Pech hatten, die Feiertage im Krankenhaus verbringen zu m\u00fcssen. Der Parkplatz war rappelsturzvoll, und auf den Fahrbahnen zwischen den Stellpl\u00e4tzen kreisten Autos, die nach einer freien Parkl\u00fccke suchten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil es keinen Fahrradst\u00e4nder gab, kettete Lotta ihr Fahrrad neben dem Eingang an eine Laterne. Sie betrat die Eingangshalle und ging geradeaus zum Infotresen, hinter dem ein \u00e4lterer Mann Dienst tat. \u201eGuten Tag\u201c, gr\u00fc\u00dfte sie, \u201eich m\u00f6chte zu Gina Villa. Auf welcher Station finde ich sie?\u201c Es war ein Schuss ins Blaue, denn es konnte auch sein, dass Gina direkt nach Hause entlassen worden war, nachdem ihre Hand verarztet worden war. Wenn das der Fall war, w\u00fcrde sie ihren Plan, sie zu besuchen, fallen lassen m\u00fcssen, denn sie hatte weder Adresse noch Telefonnummer von Gina. Sie h\u00e4tte h\u00f6chstens versuchen k\u00f6nnen, \u00fcber den Tri-Club an die Telefonnummer des Trainers zu kommen, aber den sch\u00e4tzte sie so ein, dass er lieber seine eigene Existenz verleugnen w\u00fcrde, als ihr zu einem Kontakt mit Gina zu verhelfen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch sie hatte Gl\u00fcck, soweit man in diesem Fall davon sprechen konnte: Gina war noch da, auf Station IV. Auf dem Wegweiser sah Lotta, dass das die Kinderstation war, dabei war Gina mit 15 eigentlich kein Kind mehr. Aber eine spezielle Station f\u00fcr Jugendliche gab es wohl nicht, also musste sie entweder zu den Kindern oder auf eine \u201enormale\u201c Station.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie nahm die Treppe hoch in den ersten Stock, folgte dort wiederum dem Wegweiser und stand schlie\u00dflich vor der T\u00fcr zur Station. Die T\u00fcr war offen, und es stand auch nirgends ein Hinweis, dass Besucher sich zun\u00e4chst beim Pflegepersonal meldet sollten. Trotzdem sp\u00fcrte Lotta ihr Herz klopfen bis hoch in den Hals, als sie die Station betrat, so, als w\u00e4re sie dabei, etwas strickt Verbotenes zu tun. In gewisser Weise war es das auch, ihrem Vater w\u00e4re es bestimmt nicht recht gewesen, dass sie Gina im Krankenhaus besuchte, und Ginas Trainer auch nicht. Aber davon wollte sie sich nicht abschrecken lassen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie schaute, ob sie Gina irgendwo sah, das Zimmer verlassen durfte sie ja wohl hoffentlich, fand sie aber nicht. Notgedrungen wandte sie sich also an eine Krankenschwester, die im Stationszimmer \u00fcber irgendwelchen Unterlagen sa\u00df, und fragte nach. \u201eBist du eine Freundin von Gina?\u201c, vergewisserte die Krankenschwester sich, und Lotta nickte. \u201eCharlotte Hagen. Wir fahren zusammen Radrennen.\u201c Das war nicht mal gelogen, dass sie f\u00fcr verschiedene Vereine fuhren, brauchte die Krankenschwester nicht zu wissen. Wahrscheinlich verlie\u00df sie sich ohnehin auf ihr Bauchgef\u00fchl. \u201eGanz hinten links, 1.022!\u201c, sagte sie.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lotta bedankte sich und ging weiter. Das Zimmer war nicht schwer zu finden, die T\u00fcr angelehnt. Lotta h\u00f6rte ein leises Piepsen, aber das schien eher von einem Handy zu kommen als von medizinischen Ger\u00e4ten. Sie klopfte an und wartete, bis von drinnen eine Stimme \u201eJa!\u201c, rief. Sie war sich nicht sicher, ob es Gina war, aber Gina h\u00e4tte wohl protestiert, wenn sie etwas dagegen gehabt h\u00e4tte, dass jemand reinkam.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie atmete tief durch, \u00f6ffnete die T\u00fcr und trat ins Zimmer. Drei Betten, zwei davon belegt, Ginas Mitpatientin war j\u00fcnger, h\u00f6chstens zw\u00f6lf, und trug ein gro\u00dfes Pflaster auf dem Bauch, wie das hochgerutschte Schlafanzugoberteil offenbarte. Sie schaute Lotta entgegen, stellte dann fest, dass sie die Besucherin nicht kannte, und zockte weiter auf dem Handy.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gina dagegen riss die Augen auf. \u201eCharlotte?\u201c, entfuhr es ihr verdutzt. \u201eN\u00f6\u201c, sagte Lotta trocken. \u201eLotta reicht. Alles andere kostet zu viel Atem.\u201c Woher sie die Schlagfertigkeit nahm, wusste sie selbst nicht, aber es war gut, denn es verhinderte, dass Spannung oder Unsicherheit \u00fcberhaupt erst aufkommen konnte. Die beiden M\u00e4dchen lachten, und Lotta erkundigte sich, wie es Gina ging. \u201eSchon okay\u201c, meinte die. \u201eDie Speiche ist durch, ist aber ein glatter Bruch, die \u00c4rzte meinen, dass das schnell heilt. Zwei Wochen Gips und danach noch schonen, wird also wieder.\u201c \u201eTut\u2019s noch weh?\u201c, fragte Lotta, aber Gina sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWahrscheinlich schon\u201c, antwortete sie, \u201eaber ich merke nichts davon, sie haben mir Tabletten dagegen gegeben.\u201c \u201eUnd wann darfst du nach Hause?\u201c \u201eWahrscheinlich morgen schon\u201c, sagte Gina. \u201eSie gucken sich den Arm noch mal an, und dann schmei\u00dfen sie mich raus.\u201c \u201eImmerhin\u201c, meinte Lotta. \u201eTodlangweilig hier, oder?\u201c \u201eGeht so\u201c, antwortete Gina. \u201eIch hab was zu lesen und kann Musik oder H\u00f6rb\u00fccher h\u00f6ren. Aber ich bin trotzdem froh, wenn ich wieder zu Hause bin.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das konnte Lotta nachvollziehen. Sie hatte noch nie im Krankenhaus gelegen, hatte aber so eine Ahnung, dass sie jede Minute verflucht h\u00e4tte. \u201eMusst du hier im Zimmer bleiben?\u201c, erkundigte sie sich. Gina sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, ich darf raus\u201c, antwortete sie. \u201eWollen wir rausgehen? Alleine hatte ich keinen Bock, aber \u2026\u201c \u201eKlar\u201c, sagte Lotta sofort.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie half Gina, die Schuhe anzuziehen, weil die nat\u00fcrlich mit dem eingegipsten Unterarm gehandicapt war. Auch die Jacke hielt sie ihr hin, sodass Gina mit den Armen leicht hineinschl\u00fcpfen konnte. \u201eSchon bl\u00f6d, dass ich daf\u00fcr Hilfe brauche\u201c, meinte Gina. \u201eDas ist eigentlich das Schlimmste daran, das st\u00f6rt mich mehr, als dass ich jetzt ein paar Wochen lang kein Fahrrad fahren kann. Das will was hei\u00dfen.\u201c \u201eHauptsache, du wirst wieder gesund\u201c, sagte Lotta. \u201eAber ich kann\u2019s verstehen, mir w\u00fcrde das auch stinken. Bist du eigentlich sehr traurig, weil du jetzt das Rennen nicht gewonnen hast?\u201c \u201eH\u00e4tte ich vielleicht sowieso nicht\u201c, r\u00e4umte Gina genauso ehrlich ein wie am Vormittag ihrem Trainer gegen\u00fcber. \u201eDu bist wieder komplett fit, das hab ich schon gemerkt.\u201c Sie zuckte mit den Schultern. \u201ePassiert ist passiert\u201c, stellte sie sehr richtig fest. \u201eAber wei\u00dft du, was ich toll finde?\u201c Lotta sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDass du bei mir geblieben bist. Du h\u00e4ttest auch weiterfahren und locker den Sieg einfahren k\u00f6nnen.\u201c \u201eDir zu helfen war wichtiger\u201c, betonte Lotta. \u201eUnd ich hab\u2019s gern getan. Wenn dein Arm nicht gewesen w\u00e4re, dann w\u00e4re es fast gem\u00fctlich gewesen, so an Weihnachten da drau\u00dfen, mit dem Nebel \u00fcber den Feldern. Vielleicht noch Kakao dabei und ein paar Weihnachtspl\u00e4tzchen \u2026\u201c \u201eH\u00f6rt sich nach einem Plan an\u201c, befand Gina. \u201eN\u00e4chstes Jahr? Ich meine, am zweiten Weihnachtstag fahren wir bestimmt wieder beim Rennen mit, aber am ersten Weihnachtstag? Bevor ich nachmittags mit meinen Eltern zu Oma und Opa fahre?\u201c \u201eMeinst du das ernst?\u201c, vergewisserte Lotta sich, und Gina nickte. \u201eDu denkst es doch auch, oder? Dieses ganze Abstand halten und nicht miteinander reden und so, das kommt doch nur von Viktor\u201c, das war ihr Trainer, \u201eund von deinem Vater. So ein Bl\u00f6dsinn! Wir k\u00f6nnen doch beim Radrennen gegeneinander fahren und trotzdem Freundinnen sein, oder?\u201c Lotta nickte nur, Gina hatte alles ausgesprochen, was es zu sagen gab. Sie kannten sich ihr halbes Leben lang, vielleicht waren sie schon immer irgendwie Freundinnen gewesen und hatten nur den Ansto\u00df gebraucht, um es zu merken.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Kilometer durch drei St\u00e4dte, \u00fcber Stadt- und Landstra\u00dfen, zwischendrin auch mit einigen H\u00f6henmetern \u2013 der Tisch war gedeckt f\u00fcr ein durchaus anspruchsvolles Radrennen. Das Rennen am zweiten Weihnachtstag hatte Tradition und sollte noch einmal ein H\u00f6hepunkt des Radsportjahres f\u00fcr alle Altersklassen werden. 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