{"id":1733,"date":"2024-07-14T00:00:00","date_gmt":"2024-07-13T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1733"},"modified":"2024-07-11T18:02:51","modified_gmt":"2024-07-11T17:02:51","slug":"bitte-beschreibe-uns","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1733","title":{"rendered":"Bitte (be)schreibe uns!"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Bitte (be)schreibe uns!\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Cover-Bitte-beschreibe-uns.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Bitte (be)schreibe uns!\" \/>\n<p>Tr\u00e4ge lagen Anette und Felicitas auf der d\u00fcnnen Decke, die sie bei Anette im Garten ausgebreitet hatten. Anette las gelangweilt in einem Buch, ihre Cousine und beste Freundin d\u00f6ste vor sich hin. Vor ein paar Tagen hatten die Sommerferien begonnen, aber irgendwie kamen sie nicht so richtig in Schwung.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHast du auch das Gef\u00fchl, dass in letzter Zeit gar nichts mehr passiert?\u201c, fragte Felicitas, ohne die Augen zu \u00f6ffnen. \u201eEs ist \u00fcberhaupt nichts mehr los.\u201c Anette zuckte mit den Schultern. \u201eIst schon ziemlich ruhig\u201c, musste sie zugeben. \u201eNa ja, irgendwann wird\u2019s schon wieder rundgehen.\u201c \u201eIch wei\u00df nicht!\u201c, murmelte Felicitas. \u201eWas, wenn der, der uns immer geschrieben hat, uns vergessen hat? Wenn er gar nicht mehr an uns denkt? Vielleicht hocken wir dann die ganze Zeit hier, tr\u00f6deln vor uns hin, bis wir irgendwann ins Altersheim f\u00fcr abgelegte Helden kommen.\u201c \u201eDu spinnst!\u201c, behauptete Anette und lachte. Aber es klang unecht, und sie wusste, dass ihre Cousine sie durchschaute. Auch sie machte sich Gedanken, schon seit einer ganzen Weile.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEigentlich liegt\u2019s doch an uns, oder?\u201c, meinte sie nach einer kurzen Pause. \u201eWir m\u00fcssen doch nicht rumsitzen und warten, dass irgendwas passiert. Wir k\u00f6nnten selbst was unternehmen, irgendwas. Was h\u00e4ltst du von einer Radtour?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Felicitas war nicht \u00fcberzeugt, aber alles war besser, als rumzusitzen und abzuwarten. Weil eine nachmitt\u00e4gliche Radtour aber kein Abenteuer versprach, hatte sie die Idee ihrer Cousine ausgebaut, und so standen die beiden M\u00e4dchen lautlos auf und zogen sich an, als sie sicher waren, dass Felicitas\u2018 Eltern schliefen. Dass Anette bei Felicitas schlief, war sowieso verabredet gewesen, am Wochenende und in den Ferien war es eher die Regel als die Ausnahme, dass die eine bei der anderen \u00fcbernachtete.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leise schlichen sie aus dem Haus und holten ihre Fahrr\u00e4der, die sie neben der Garage an den Zaun gekettet hatten. Felicitas\u2018 Rad stand sonst meistens drinnen, aber f\u00fcr ein weiteres Rad war dort kein Platz, deshalb musste Anette ihres, wenn sie zu Besuch war, drau\u00dfen lassen. Dass Felicitas ihres diesmal einfach dazugestellt hatte, war gar nicht aufgefallen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nacht war mild, die M\u00e4dchen fr\u00f6stelten nicht, obwohl sie nur T-Shirts und Shorts trugen. Sie radelten durch die Stadt, die nie so ganz schlief, auch nicht in dieser Nacht. Einmal wurden sie im Vorbeifahren Zeuginnen eines sp\u00e4tabendlichen Ehestreits, h\u00f6rten zwei oder drei S\u00e4tze durchs ge\u00f6ffnete Fenster. Ein St\u00fcck weiter zuckten sie zusammen und blieben hastig im Schatten einer Plakatwand stehen, weil hundert Meter vor ihnen Blaulicht zuckte, das sich n\u00e4herte. Wenn das die Polizei war \u2013 kein Streifenwagen w\u00fcrde zwei elfj\u00e4hrige M\u00e4dchen um diese Zeit einfach weiterfahren lassen. Aber zum Gl\u00fcck, zumindest f\u00fcr Anette und Felicitas, war es ein Rettungswagen, der hoffentlich nicht zu sp\u00e4t zu wem auch immer kommen w\u00fcrde. Unbehelligt radelten die Cousinen weiter.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter erreichten sie die Rheinwiesen und radelten ein St\u00fcck den Fluss entlang. Das war urspr\u00fcnglich Anettes Idee gewesen, auf der einen Rheinseite flussaufw\u00e4rts, dann auf einer Br\u00fccke hin\u00fcber und auf der anderen Seite wieder zur\u00fcck. So weit, wie Anette gedacht hatte, fuhren sie nun nicht, nur zwei oder drei Kilometer, ehe sie sich eine gesch\u00fctzte Stelle am Deich suchten. Das war Felicitas\u2018 Beitrag: mit Schlafsack und Isomatte am Rhein \u00fcbernachten, mit Blick auf den Fluss. Ein Hauch von Abenteuer, ohne dass es wirklich gef\u00e4hrlich werden w\u00fcrde. Sie kannten die Stelle, waren in sicherem Abstand zum Wasser und hatten es nicht weit bis zur n\u00e4chsten M\u00f6glichkeit, sich notd\u00fcrftig unterzustellen, wenn das Wetter wider Erwarten umschlagen sollte. Im schlimmsten Fall w\u00fcrden sie ein paar M\u00fcckenstiche davontragen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die M\u00e4dchen w\u00e4hnten sich allein auf weiter Flur, doch ein leises Brummen belehrte sie eines Besseren. Es kam von der Deichkrone, auf der auch der Fu\u00df- und Radweg verlief. Angestrengt sp\u00e4hten die M\u00e4dchen in die Dunkelheit, aus der sich von der Stadt her kommend langsam ein Schatten sch\u00e4lte. Es war ein Motorrad, und der Fahrer legte offenbar gro\u00dfen Wert darauf, nicht bemerkt zu werden. Er fuhr ohne Licht, und der Motor lief niedertourig. Aber Anette und Felicitas waren ja nur zehn Meter weg, und v\u00f6llig lautlos lie\u00df sich ein Motorrad nun mal nicht fahren.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWas will der hier?\u201c, hauchte Anette ihrer Cousine ins Ohr, als das Motorrad anhielt. \u201eWei\u00df nicht\u201c, antwortete die genauso leise. \u201eEigentlich d\u00fcrfte er hier nicht fahren.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDa kommt noch einer!\u201c, wisperte Anette einige Augenblicke sp\u00e4ter und deutete in die andere Richtung. Ihr Herz pochte, dass sie bef\u00fcrchtete, man m\u00fcsste es oben auf der Deichkrone h\u00f6ren k\u00f6nnen. Auch die zweite Person \u2013 Anette wusste selbst nicht, warum sie automatisch an M\u00e4nner dachte, erkennen konnte sie das kaum \u2013 fuhr ohne Licht, und zu h\u00f6ren war nur ein leises Knirschen der Reifen: ein Fahrrad. W\u00fcrde es anhalten?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ja, das tat es. Anette sah, wie die beiden Schemen nebeneinander standen, auf den ersten Blick wirkten sie wie zwei Bekannte, die sich zuf\u00e4llig getroffen hatten und ein Schw\u00e4tzchen hielten. Aber das konnte es nicht sein, daf\u00fcr hatten beide zu sehr darauf geachtet, m\u00f6glichst nicht gesehen zu werden.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Treffen dauerte nur wenige Augenblicke, dann ging jeder wieder seiner Wege. So, wie sie sich bewegten, vermutete Anette, dass es tats\u00e4chlich M\u00e4nner waren, aber sicher sein konnte sie nicht.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Felicitas hatte mehr erbeutet, n\u00e4mlich statt zu beobachten mit der Handykamera draufgehalten. Besonders toll waren die beiden Bilder nicht, aber Felicitas hatte mit Nachtbildmodus und Belichtungszeit herausgeholt, was ging. Man sah, dass es tats\u00e4chlich zwei M\u00e4nner waren, auch wenn die Gesichter nicht zu erkennen waren. \u201eDrogendealer!\u201c, stellte Felicitas fest und deutete auf einen bestimmten Punkt des Fotos. \u201eHier, das P\u00e4ckchen!\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eDas hat der Radfahrer von dem mit dem Motorrad gekriegt. Entweder ist der Motorradtyp sein Dealer, oder er dealt selbst und hat gerade Ware gekriegt.\u201c \u201eWare\u201c, legte Anette sich fest, nachdem sie das Foto genauer in Augenschein genommen hatte. \u201eSo gro\u00df, wie das Paket ist. Wir m\u00fcssen die Polizei rufen, auch wenn die wahrscheinlich l\u00e4ngst weg sind.\u201c \u201eNutzt ihnen nichts\u201c, meinte Felicitas grinsend. \u201eDer hat zwar das Licht ausgemacht, aber das Kennzeichen hat er nicht abgeschraubt. War wahrscheinlich zu aufw\u00e4ndig, auf der Stra\u00dfe braucht er\u2019s ja, wenn er nicht will, dass ihn die Polizei anh\u00e4lt.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rechtzeitig, ehe Felicitas\u2018 Eltern aufstanden, waren die M\u00e4dchen zur\u00fcck. Sie hatten sich die Abenteuer-Nacht nicht vermiesen lassen wollen und sich, nachdem sie anonym die Polizei angerufen hatten, einen anderen Platz ein St\u00fcck entfernt auf der anderen Rheinseite gesucht. Sie merkten, dass ihnen die eine oder andere Stunde Schlaf fehlte, doch das war es wert gewesen. Eineinhalb Stunden konnten sie sich noch einmal aufs Ohr legen bis zu der Zeit, zu der sie in den Ferien normalerweise aufstanden, das reichte so gerade, um nicht auff\u00e4llig m\u00fcde zu sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie hatten sich gerade etwas zum Fr\u00fchst\u00fcck fertig gemacht und wollten sich damit in den Garten setzen, als beider Handys pingten. Die eingehende Nachricht kam vom selben Absender, einer Nummer, die ihnen unbekannt war, und war gleichlautend. \u201eIch habe euch nicht vergessen, das n\u00e4chste Abenteuer kommt bestimmt. Euer Ren\u00e9.\u201c \u201eSiehst du!\u201c, sagte Anette l\u00e4chelnd. \u201eEr hat an uns gedacht.\u201c Felicitas nickte und legte ihr einen Arm um die H\u00fcften. Das Altersheim f\u00fcr abgelegte Helden war weit, weit weg.<\/p>\n<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tr\u00e4ge lagen Anette und Felicitas auf der d\u00fcnnen Decke, die sie bei Anette im Garten ausgebreitet hatten. Anette las gelangweilt in einem Buch, ihre Cousine und beste Freundin d\u00f6ste vor sich hin. 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