{"id":1722,"date":"2024-07-06T16:09:37","date_gmt":"2024-07-06T15:09:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1722"},"modified":"2024-07-24T20:16:58","modified_gmt":"2024-07-24T19:16:58","slug":"alarm-im-sommerlager","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1722","title":{"rendered":"Alarm im Sommerlager"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n\t<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover des Buchs Alarm im Sommerlager\" \/>\n<\/dialog>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreviewBook\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Cover-Alarm-im-Sommerlager.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover des Buchs Alarm im Sommerlager\" \/>\n<div class=\"bookPageGeneralInfoContainer\">\n    <div class=\"bookPageEditionsContainer\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ebook.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als E-Book\" \/>\n\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Buch.webp\" style=\"width: 100%;\" title=\"Erh\u00e4ltlich als Taschenbuch\" \/>\n    <\/div>\n    <div class=\"bookPageInfoRowsContainer\">\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Erscheinungstermin.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Erscheinungsdatum\" \/>24. Juli 2024\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Seiten.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Seiten\" \/>140\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/ISBN.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"ISBN\" \/>978-3759703132\n        <\/div>\n\t\t<div class=\"bookPageInfoRow\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Verlag.webp\" class=\"bookPageInfoIcon\" title=\"Ver\u00f6ffentlicht bei\" \/>Book on Demand\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"justifyText marginTop\">\n\t<p>Der Diebstahl der Lagerfahne ist eine b\u00f6se \u00dcberraschung f\u00fcr die Pfadfinder und Pfadfinderinnen in ihrem gro\u00dfen Sommerlager. Trotzdem, wenn es nur das gewesen w\u00e4re, Estelle h\u00e4tte es als dummen Streich abgetan. Doch was die T\u00e4ter ihrer kleinen Schwester angetan haben, ist alles andere als ein Scherz, und damit wird sie sie nicht davonkommen lassen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Leonie und ihrem Kameraden Jeremy macht sie sich auf die Suche. Als die drei merken, dass sich hinter der Sache mehr verbirgt, als sie denken, sind sie bereits in h\u00f6chster Gefahr.<\/p>\n\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>E-Book \u20ac8,90<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/books.apple.com\/de\/book\/alarm-im-sommerlager\/id6569228094\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-iBooks.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum iBooks-Shop (Apple)\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/48700650\/ren_bote_alarm_im_sommerlager.html\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\t<div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/alarm-im-sommerlager-rene-bote-9783759756664\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n\t\t<\/a>\n\t<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow marginTop\">\n\t<b>Taschenbuch \u20ac3,99<\/b>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n    <div style=\"width: 30%\";>\n\t\t<a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/48701853\/rene_bote_alarm_im_sommerlager.html\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-Ebook_de.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von ebook.de\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>    <div style=\"width: 30%\";>\n        <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/alarm-im-sommerlager-rene-bote-9783759703132\">\n\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shop-Icon-BoD.webp\" style=\"width: 100%; cursor: pointer;\" title=\"Link zum Shop von BoD\"\/>\n        <\/a>\n    <\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fullWidthRow noBlockStartMargin\">\n\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"justifyText\">\n<p style=\"margin-top: -5px;\">Der kleine Colin merkte es als Erster. Als er aus dem Zelt kroch, war es erst kurz nach halb sechs und sonst noch keiner der fast siebzig Pfadfinder und Pfadfinderinnen wach. Es war der vierte Tag des gro\u00dfen Sommerlagers im M\u00fcnsterland, und die Kinder und Jugendlichen hatten sich h\u00e4uslich eingerichtet. Dazu geh\u00f6rte nat\u00fcrlich auch ein Mast mit der Lagerfahne, doch jetzt stand der entastete und zwei Meter tief eingegrabene Baumstamm nackt da.<\/p>\n<p>Colin sah es, verga\u00df auf der Stelle, dass er dringend auf die Toilette musste, und rannte \u00fcber die Wiese zu den Zelten der Leiterinnen und Leiter. \u201eGunnar! Andi!\u201c, rief er seine Gruppenleiter, w\u00e4hrend er sich an den Schn\u00fcren zu schaffen machte, die den Zelteingang verschlossen. \u201eDie Fahne ist weg!\u201c<\/p>\n<p>Damit weckte er nicht nur die beiden Leiter, die zusammen mit Maxine f\u00fcr die W\u00f6lflinge zust\u00e4ndig waren, die Acht- bis Zehnj\u00e4hrigen und damit J\u00fcngsten im Lager. Auch die anderen Leiter und Leiterinnen wurde aus dem Schlaf gerissen, und ein Teil der Rover, wie die \u00e4lteste der vier Altersstufen hie\u00df. K\u00f6pfe wurden aus den Zelten gestreckt, und Colin sprudelte atemlos seine Beobachtung hervor.<\/p>\n<p>Kaum eine Minute sp\u00e4ter standen zwei Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene vor dem Fahnenmast, sahen aber auch nicht mehr als der W\u00f6lfling: Die Fahne, die am Vorabend noch dort geflattert hatte, war weg.<\/p>\n<p>Nach dem ersten Schreck begannen zwei von den Rovern, die Umgebung des Fahnenmasts abzusuchen. Vielleicht war die Fahne ja nur vom Wind abgerissen und ein St\u00fcck davongeweht worden? Sehr wahrscheinlich schien das allerdings nicht, die Fahne war gut befestigt und die Nacht nicht windig gewesen. Gunnar pr\u00fcfte es, indem er sich von Andi eine R\u00e4uberleiter machen lie\u00df, um die Kordeln zu untersuchen, die immer noch oben um den Mast geschlungen waren. \u201eSauber durchgeschnitten!\u201c, meldete er. \u201eEindeutig.\u201c<\/p>\n<p>Also war die Fahne mutwillig entfernt worden. Aber von wem? \u201eWer macht das denn?\u201c, fragte Colin entgeistert. Er war noch nicht lange bei den Pfadfindern, und es war sein erstes Lager. \u201eFr\u00fcher gab\u2019s das h\u00e4ufiger\u201c, erkl\u00e4rte Maxine ihm. \u201eDas war mehr oder weniger ein Spiel, dass die Pfadfinder aus dem Ort versucht haben, denen, die bei ihnen in der N\u00e4he ihr Lager hatten, die Fahne zu klauen. Meistens wurde sie dann gegen S\u00fc\u00dfigkeiten zur\u00fcckgegeben, oder die Pfadfinder aus dem Lager mussten sie bei einer Schnitzeljagd wiederfinden. Aber in den letzten Jahren gab\u2019s das eigentlich nicht mehr.\u201c \u201eUnd jetzt?\u201c, wollte Colin wissen. Maxine zuckte mit den Schultern. \u201eAbwarten\u201c, meinte sie. \u201eWenn\u2019s die Pfadfinder von hier waren, dann werden sie schon eine Nachricht schicken, wie wir unsere Fahne zur\u00fcckbekommen sollen. Vielleicht haben sie auch irgendwo einen Zettel hingelegt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter wussten alle Bescheid, und die Aufregung war gro\u00df, vor allem bei den J\u00fcngeren. Die Leiter und Leiterinnen wollten die Sache nicht zu hoch h\u00e4ngen, und versuchten beruhigend auf die Kinder einzuwirken. Gunnar befragte die Wachen, die wie in jeder Nacht aufgestellt worden waren, doch die hatten nichts bemerkt. Die R\u00e4uber mussten die Sache gr\u00fcndlich geplant und herausgefunden haben, dass die letzte Wachschicht um f\u00fcnf Uhr endete. Danach noch Wachen aufzustellen, hatte niemand f\u00fcr n\u00f6tig erachtet, weil es da ohnehin schon wieder hell war. Die kurze Spanne zwischen dem Abzug der letzten Wachen und dem Wachwerden der ersten Fr\u00fchaufsteher hatten die Diebe perfekt abgepasst. Ganz ungef\u00e4hrlich war das nicht gewesen, eben weil der Schutz der Dunkelheit nicht mehr gegeben gewesen war, und wenn Colin ein paar Minuten fr\u00fcher von seiner Blase geweckt worden w\u00e4re \u2026 Allerdings war es ganz gut, dass er die Fahnendiebe verpasst hatte, denn selbst wenn die abgehauen w\u00e4ren, sobald sie ihn bemerkt h\u00e4tten, h\u00e4tte er den Schreck seines Lebens bekommen.<\/p>\n<p>In der allgemeinen Aufregung ging zun\u00e4chst v\u00f6llig unter, dass nicht nur die Fahne fehlte. Erst als das Leitungsteam versuchte, die Kinder und Jugendlichen an den Fr\u00fchst\u00fcckstisch zu bringen, schnappte Estelle sich ihre Kameradin Mila und zog sie zur Seite. Estelle war zw\u00f6lf und geh\u00f6rte den sogenannten Jungpfadfindern an, Mila war noch bei den W\u00f6lflingen, w\u00fcrde aber beim Stufenwechsel im Herbst ebenfalls aufr\u00fccken. \u201eWei\u00dft du, wo Lotta steckt?\u201c, fragte Estelle. \u201eIch hab sie die ganze Zeit noch nicht gesehen.\u201c Lotta, eigentlich Carlotta, war ihre vier Jahre j\u00fcngere Schwester und schlief mit Mila in einem Zelt.<\/p>\n<p>Mila stutzte, \u00fcberlegte kurz und sch\u00fcttelte dann den Kopf. \u201eKeine Ahnung\u201c, antwortete sie. \u201eVielleicht auf dem Klo?\u201c \u201eKaum\u201c, meinte Estelle zweifelnd. \u201eSo lange? Ich suche schon eine ganze Weile nach ihr.\u201c Darauf wusste Mila nichts zu sagen, und Estelle lie\u00df sie gehen. Besorgt lie\u00df sie abermals den Blick \u00fcber den Lagerplatz schweifen \u2013 nein, keine Spur von ihrer Schwester. Entschlossen ging sie \u00fcber die Wiese zum Zelt der W\u00f6lflings-M\u00e4dchen, b\u00fcckte sich und schob die Zeltbahn am Eingang zur Seite. Wenn sie jemand sah, war das kein Beinbruch, die meisten wussten, dass Lotta ihre Schwester war.<\/p>\n<p>Das Zelt war verwaist. Die Schlafs\u00e4cke waren leer, und dazwischen herrschte zwar Chaos, aber es gab nichts, was gro\u00df genug war, um eine durchschnittlich gro\u00dfe Achtj\u00e4hrige zu verdecken.<\/p>\n<p>Estelle \u00fcberlegte kurz und beschloss dann, doch Milas Idee aufzugreifen und auf der Toilette nachzusehen. Die Toiletten und Duschen waren in einem einfachen Bungalow untergebracht, der neben der Zufahrt stand und auch das einzige Geb\u00e4ude auf der Anlage war.<\/p>\n<p>Doch falls Lotta sich nicht in die rechte H\u00e4lfte des Bungalows verirrt hatte, die den Jungen vorbehalten war, war sie auch nicht auf der Toilette oder unter der Dusche. Jetzt hatte Estelle endg\u00fcltig keine Idee mehr, wo ihre Schwester stecken konnte.<\/p>\n<p>Als sie das Geb\u00e4ude verlie\u00df, hatte sie die R\u00fcckseite der Zeltreihe im Blick. Die Zelte der W\u00f6lflinge waren die ersten, wohl damit die Kinder, die am fr\u00fchesten ins Bett mussten, m\u00f6glichst weit weg waren von den \u00c4lteren, die deutlich l\u00e4nger auf waren. Estelle fiel auf, dass bei den W\u00f6lflings-M\u00e4dchen die Zeltleinwand nicht ordentlich gespannt war, und daneben entdeckte sie im Gras etwas Orangerotes. Ein Erdnagel, wie sich auf den zweiten Blick herausstellte, einer von denen, die dazu verwendet wurden, die Zeltbahnen am Boden zu befestigen. Anders als bei anderen Zeltarten waren Seitenw\u00e4nde und Boden nicht vern\u00e4ht, die Seitenw\u00e4nde endeten in einem breiten Streifen aus weichem Plastik, der unter die Bodenplane geschlagen wurde. Eben damit der Rand nicht herausrutschte, wurden die Seitenw\u00e4nde in kurzen Abst\u00e4nden am Boden festgemacht.<\/p>\n<p>Estelle beschloss, das zu reparieren, sonst w\u00fcrden Lotta und die anderen W\u00f6lflings-M\u00e4dchen mehr als nur nasse F\u00fc\u00dfe bekommen, wenn es mal ordentlich regnete. Sie erreichte die Stelle, stopfte den Rand der Zeltwand wieder unter die Bodenplane und griff nach dem Erdnagel. Wie konnte der eigentlich freigekommen sein? Hatten die M\u00e4dchen ihn nicht richtig eingeschlagen? Kaum vorstellbar, Maxine hatte den M\u00e4dchen geholfen, schon weil die nicht die Kraft hatten, den Mast allein aufzurichten, und sicherlich am Ende alles kontrolliert. Au\u00dferdem verschwand der Erdnagel fast bis zum Haken am oberen Ende in dem Loch, in dem er gesteckt hatte, er war auf jeden Fall tief genug drin gewesen. Eigentlich konnte er nicht von allein herausgefallen sein, auch nicht herausgezogen vom Wind, der an den Zeltplanen gezerrt hatte. Da h\u00e4tte es schon sehr, sehr st\u00fcrmisch sein m\u00fcssen, das h\u00e4tte Estelle gemerkt, und vor allem h\u00e4tte man dann auch bei den anderen Erdn\u00e4geln etwas sehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Erleuchtung kam Estelle, als ihr Blick auf der Suche nach etwas, womit sie den Erdnagel wieder fest einschlagen konnte, auf den Boden unter den B\u00fcschen fiel, die die Wiese hinter den Zelten begrenzten. Dort war die Erde zerkratzt, bei genauerem Hinsehen sah es aus wie eine Schleifspur, die ins Geb\u00fcsch f\u00fchrte. Hatten die M\u00e4dchen heimlich einen Ausflug in den Wald gemacht? Die Ersten, die durch die nicht vorhandene Hintert\u00fcr ausr\u00fcckten, w\u00e4ren sie damit nicht gewesen. Im letzten Sommerlager zwei Jahre zuvor, da war sie noch W\u00f6lfling gewesen, war Estelle selbst mit zwei Freundinnen heimlich ins Freie geschl\u00fcpft, um sich f\u00fcr einen Streich zu revanchieren, den die Jungen ihnen tags\u00fcber gespielt hatten. Wahrscheinlich gab es das seit Jahr und Tag, dass die Kontrolle der Nachtruhe aus unterschiedlichen Anl\u00e4ssen so umgangen wurde.<\/p>\n<p>Estelle stemmte sich hoch, warf noch einen Blick zur\u00fcck zu den Tischen und B\u00e4nken vor dem K\u00fcchenzelt und folgte dann der Spur. Die F\u00e4hrte f\u00fchrte zwischen den B\u00fcschen hindurch und weiter in das Waldst\u00fcck, das sich auf dieser Seite an den Zeltplatz anschloss. Unter den B\u00e4umen war sie nicht mehr so deutlich auszumachen, bedingt durch den trockenen Boden, aber Estelle fand genug Anhaltspunkte, um die Richtung nicht zu verlieren. Wer auch immer die Spur hinterlassen hatte, er oder sie war stur geradeaus gegangen.<\/p>\n<p>Nach zwanzig Metern blieb Estelle stehen, als w\u00e4re sie pl\u00f6tzlich genauso fest verwurzelt wie die B\u00e4ume um sie herum. Da war Lotta \u2013 gefesselt an einen Baum und mit einem Tuch geknebelt, damit sie nicht schreien konnte. Und sie war nicht allein, ein paar Meter weiter befand sich einer der W\u00f6lflings-Jungen, Jari, in derselben misslichen Lage. Von ihm f\u00fchrte ebenfalls eine Spur zur\u00fcck zu den Zelten.<\/p>\n<p>Estelle l\u00f6ste sich aus ihrer Erstarrung und st\u00fcrzte zu ihrer Schwester. \u201eLotta!\u201c, rief sie. \u201eBist du okay?\u201c Dabei konnte Lotta gar nicht antworten, das Tuch, das ihr stramm \u00fcber den Mund gebunden worden war, unterdr\u00fcckte jeden Laut. Sonst w\u00e4re sie auch schon l\u00e4ngst gefunden worden, so weit weg von den Zelten war sie nicht.<\/p>\n<p>Hastig l\u00f6ste Estelle das Tuch, dessen Enden am Hinterkopf verknotet waren. Es dauerte ein paar Augenblicke, einerseits, weil der Knoten sehr fest war, andererseits, weil Lotta unwillk\u00fcrlich schauen wollte, was ihre Schwester machte, und dabei nat\u00fcrlich den Kopf bewegte. Endlich gab der Knoten nach, und Lotta atmete hastig ein. Es schien nicht so, als h\u00e4tte sie Luftnot gehabt, aber allein die Angst, die Nase k\u00f6nnte sich zusetzen, musste eine Qual gewesen sein, die Estelle sich gar nicht ausmalen wollte.<\/p>\n<p>Instinktiv riss Estelle an den Fesseln, um ihre Schwester vollends zu befreien. Doch die Stricke \u2013 Sprungseile, wie sie nebenbei feststellte \u2013 sa\u00dfen bombenfest, und die Knoten hatten sich so zugezogen, dass Estelle keine Chance hatte, sie mit den Fingern zu \u00f6ffnen. Wahrscheinlich hatte Lotta an den Fesseln gezerrt, in der Hoffnung, sie zu lockern, und damit das Gegenteil erreicht. \u201eDas wird nichts\u201c, sagte Estelle. \u201eIch brauche ein Messer.\u201c<\/p>\n<p>Dabei fiel ihr Blick auf Jari, der immer noch geknebelt war. Verflixt, sie musste Ordnung in den Kopf kriegen, das Wichtigste zuerst und dann den Rest! Sie lief hin\u00fcber und befreite auch Jari von seinem Knebel. Das Tuch war ein Pfadfinder-Halstuch, allerdings nicht sein eigenes; es war rot, das war die Farbe der Rover, die W\u00f6lflinge trugen Orange. Lottas Knebel war ebenfalls ein Halstuch, in ihrem Fall in Grau, das sonst die Leiter und Leiterinnen trugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Estelle versuchte, die beiden W\u00f6lflinge wenigstens ansatzweise zu beruhigen, und \u00fcberlegte gleichzeitig, was sie machen sollte. Mit blo\u00dfen H\u00e4nden konnte sie die Fesseln nicht l\u00f6sen, auch die von Jari sa\u00dfen zu fest. In der Tasche hatte sie nur ihr Handy, aber nichts, womit sie den Fesseln zu Leibe h\u00e4tte r\u00fccken k\u00f6nnen. Auf dem Boden lag auch nichts, was n\u00fctzlich gewesen w\u00e4re, Hinterlassenschaften r\u00fccksichtsloser Wanderer gab es an dieser Stelle nicht.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckzugehen zu den Zelten und ein Messer zu holen, widerstrebte Estelle jedoch. Es h\u00e4tte bedeutet, Lotta und Jari alleinzulassen, und das wollte sie nicht nach allem, was die beiden durchgemacht hatte, auch wenn es nicht lange gedauert h\u00e4tte und sie nicht weit weg gewesen w\u00e4re. Sie h\u00e4tte rufen k\u00f6nnen, doch dann w\u00e4ren alle angerannt gekommen. 1001 Fragen, die von allen Seiten auf sie einprasselten, waren aber das Letzte, was Lotta und Jari jetzt brauchen konnten.<\/p>\n<p>Damit blieb nur eins: Sie nahm ihr Handy und schickte eine Kurznachricht an ihre beste Freundin Leonie und an Jaris Bruder Jeremy. Sie formulierte den Text sorgf\u00e4ltig und erw\u00e4hnte die beiden gefesselten W\u00f6lflinge nicht einmal. Das musste sein, denn der Schrecken, den Leonie und Jeremy bekommen h\u00e4tten, w\u00e4re nicht unbemerkt geblieben. Sie lie\u00df es so aussehen, als h\u00e4tte sie etwas gefunden, das sie erst mal nicht allen zeigen wollte, und das war ja nicht mal komplett gelogen. Auf die Dauer w\u00fcrde sich nicht verheimlichen lassen, dass Lotta und Jari in den Wald verschleppt worden waren, und das wollte sie auch gar nicht. Aber es sollte in geordneten Bahnen verlaufen, ohne Chaos; Angst und Aufregung hatten die beiden mehr als genug gehabt. Bei Jeremy versuchte sie den Eindruck zu erwecken, dass sein Wissen gefragt war, ohne ins Detail zu gehen. Das konnte ihn nicht stutzig machen, weil er sich intensiver mit Tricks und \u00dcberlebenstechniken befasste als die meisten anderen. Gleichzeitig erkl\u00e4rte es, warum Estelle ausgerechnet ihn holte, so viel hatten sie sonst nicht miteinander zu tun, auch wenn sie in der Schule in dieselbe Klasse gingen und gut miteinander auskamen.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck schafften es beide, sich vom Rest der Gruppe abzusetzen, ohne aufzufallen. Estelles Nachricht war wohl gerade noch rechtzeitig gekommen, noch hatten nicht alle am Tisch gesessen; wenn sie dann wieder aufgestanden w\u00e4ren, h\u00e4tte das sicherlich Fragen aufgeworfen.<\/p>\n<p>Was sie leider nicht schafften, war, ordentliches Werkzeug zu besorgen. Von ihren Eltern, die als Kinder und Jugendliche auch bei den Pfadfindern gewesen waren, wusste Estelle, dass fr\u00fcher immer einige Fahrten- oder wenigstens Taschenmesser gehabt hatten. Doch diese Zeiten waren vorbei, das Mitbringen jeglicher Messer au\u00dfer dem im Campingbesteck war streng verboten. Die K\u00fcchenmesser waren unter Verschluss, wenn sie nicht gebraucht wurden, ebenso das Werkzeug, zu dem auch Beile und S\u00e4gen geh\u00f6rten. Leiter und Leiterinnen hatten nat\u00fcrlich Zugriff, aber von denen wollte Estelle niemanden rufen; damit wollte sie warten, bis sie sicher sein konnte, dass sie damit nicht das ganze Lager wieder aufscheuchte.<\/p>\n<p>Die Fesseln zu l\u00f6sen, wurde auf diese Weise ein Kraftakt. Jeremy s\u00e4belte mit dem Besteckmesser an den Sprungseilen herum, die seinen Bruder an den Baum fesselten, Leonie hatte ihre Nagelschere aus dem Zelt geholt und schnippelte damit an Lottas Fesseln herum. Die Schere war zwar scharf, aber kurz, Leonie musste Faser f\u00fcr Faser durchschneiden und immer wieder neu nach dem n\u00e4chsten Ansatzpunkt suchen. Dazu kam, dass sie und Jeremy nat\u00fcrlich die Gefesselten nicht verletzen wollten. Estelle pendelte zwischen den beiden B\u00e4umen, die unfreiwillig zu Komplizen der Entf\u00fchrer geworden waren, und versuchte, Lotta und Jari aufzumuntern.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24. 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