{"id":170,"date":"2024-01-29T16:48:13","date_gmt":"2024-01-29T15:48:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=170"},"modified":"2024-02-09T18:06:26","modified_gmt":"2024-02-09T17:06:26","slug":"allein-unter-dem-weihnachtsbaum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=170","title":{"rendered":"Allein unter dem Weihnachtsbaum"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Allein unter dem Weihnachtsbaum\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<p><i>\nDiese Geschichte ist ein kleiner Weihnachtsgru\u00df an meine Leserinnen und Leser. Die Idee war einfach da, und ich hoffe, euch mit der kleinen Geschichte ein wenig Freude zu bereiten.\n<\/i><\/p>\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Cover-Allein-unter-dem-Weihnachtsbaum.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Allein unter dem Weihnachtsbaum\" \/>\n<p>Lustlos starrte Lukas den kleinen Weihnachtsbaum an, den er gestern Morgen zusammen mit seiner Mutter geschm\u00fcckt hatte. Seine Mutter hatte sich so viel M\u00fche gegeben, gute Laune und Vorfreude zu verbreiten, dabei war doch klar gewesen, dass Lukas am Heiligen Abend allein zu Hause sein w\u00fcrde.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seine Mutter war Krankenschwester, und ausgerechnet heute hatte sie Nachtschicht! Klar, Lukas kannte das, und er verstand auch, dass auch an den Feiertagen jemand da sein musste, der sich um die Patienten k\u00fcmmerte, aber trotzdem war es traurig, ausgerechnet an Weihnachten allein zu sein. Gerade, dass er zusammen mit seiner Mutter das mittags vorgekochte Essen gegessen hatte, zu mehr hatte die Zeit nicht gereicht; nachmittags hatte seine Mutter geschlafen, weil sie ja die ganze Nacht auf sein w\u00fcrde, und vor einer Stunde hatte sie sich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht, um rechtzeitig zum Schichtwechsel da zu sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Vater gab es nicht. Genauer gesagt hatte Lukas ihn nie kennengelernt, weil die Beziehung seiner Eltern nicht mal bis zu seiner Geburt gehalten hatte. Weil er es nicht anders kannte, hatte er seinen Vater auch nie vermisst, aber jetzt h\u00e4tte er sich doch jemanden gew\u00fcnscht, mit dem er Weihnachten h\u00e4tte feiern k\u00f6nnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einem leisen Seufzen legte er das Buch zur Seite, das seine Mutter ihm geschenkt hatte, ein Buch \u00fcber die Schifffahrt, das eigentlich spannend geschrieben war, aber nicht spannend genug, um ihn vergessen zu lassen, dass Weihnachten war. Er stand auf, trat ans Fenster, lehnte die Stirn an die Scheibe und starrte nach drau\u00dfen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Egal, wohin er schaute, \u00fcberall feierten die Menschen Weihnachten. Schr\u00e4g gegen\u00fcber konnte er das alte Ehepaar Schwab sehen, sie sa\u00dfen gemeinsam auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer, tranken Wein, redeten und lachten. Rechts daneben waren die Fenster dunkel, die Familie, die dort wohnte, war Weihnachten immer bei Verwandten zu Besuch. Eine T\u00fcr weiter war dagegen die Verwandtschaft eingefallen, bei Nickels war mit Eltern, drei Kindern, beiden Gro\u00dfelternpaaren und einer verwitweten Tante wie immer die H\u00fctte gesteckt voll. Kurz gesagt: Frohe Weihnachten allenthalben, nur nicht bei Lukas.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stopp! Ein Fenster gab es doch, hinter dem keine fr\u00f6hliche Weihnachtsstimmung herrschte. Fast h\u00e4tte Lukas es \u00fcbersehen, obwohl es direkt gegen\u00fcber im Erdgeschoss lag, denn auf den ersten Blick sah es dort eigentlich h\u00fcbsch weihnachtlich aus. Auf jeden Fall brannten die Lichter am Baum, der Tisch war mit Tannengr\u00fcn geschm\u00fcckt und gedeckt.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch das M\u00e4dchen, dass dort auf einem Sessel sa\u00df, wirkte nicht so, als h\u00e4tte die Stimmung es erfasst. Wie es so mit zur\u00fcckgelegtem Kopf an die Decke starrte, das sah auch eher gelangweilt und bedr\u00fcckt aus.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz der direkten Nachbarschaft kannte Lukas das M\u00e4dchen nur fl\u00fcchtig. Er wusste, dass es Janine hie\u00df, und dass es ungef\u00e4hr so alt sein musste wie er selbst, weil es in der Grundschule in seiner Parallelklasse gewesen war. Jetzt besuchte sie eine andere Schule als er, er wusste nicht mal, welche. Janine war d\u00fcnn, fast zu d\u00fcnn, und hatte dunkles Haar, das ihr bald bis zum Po reichte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unwillk\u00fcrlich blieb Lukas\u2018 Blick an ihr h\u00e4ngen. Ihr schien es genauso zu gehen wie ihm, Weihnachten allein zu Hause, und w\u00e4hrend er zusah, wie sie an die Decke starrte, was keine sehr unterhaltsame T\u00e4tigkeit war, fiel ihm ein, was seine Mutter einmal erz\u00e4hlt hatte. Auch Janine hatte keinen Vater, der bei der Familie wohnte, und die Mutter hatte wohl ein Alkoholproblem. Nicht so, dass sie st\u00e4ndig nur durch die Gegend torkelte, und meistens hatte sie ihre Sucht wohl im Griff, aber manchmal gab es Tage, an denen sie viel zu viel trank. Hatte sie sich ausgerechnet an Weihnachten total betrunken? Wenn ja, dann hatte Janine es noch zehnmal schlechter getroffen als er selbst \u2013 Weihnachten allein zu Haus, das war schon nicht sch\u00f6n, aber Weihnachten mit einer Mutter zu verbringen, die v\u00f6llig besoffen war, das musste ein Alptraum sein.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Idee nahm Gestalt an, eine Idee, die Lukas am Anfang zu abwegig schien, um sie \u00fcberhaupt zu Ende zu denken. Doch je l\u00e4nger er dar\u00fcber nachdachte, desto mehr l\u00f6sten sich alle Bedenken in Luft auf; schlimmstenfalls w\u00fcrde er sich eine Absage einhandeln. Schlie\u00dflich gab er sich einen Ruck, zog im Flur seine Jacke an und nahm den Hausschl\u00fcssel aus dem Schl\u00fcsselkasten.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weg war nicht weit, nur die Treppe hinunter, \u00fcber die Stra\u00dfe und auf der anderen Seite zwei oder drei Meter den B\u00fcrgersteig entlang bis zur Haust\u00fcr. Es gab acht Klingeln, und Lukas wusste nicht, wie Janine und ihre Mutter mit Nachnamen hie\u00dfen, dr\u00fcckte aber trotzdem entschlossen auf den Knopf unten in der rechten Reihe. Wenn die Klingeln wie in seinem eigenen Haus angeordnet waren wir die Wohnungen, dann musste das der richtige Knopf sein, denn Janine und ihre Mutter wohnten im Erdgeschoss rechts, und das <i>J.<\/i> in der Beschriftung <i>B. Kehrer &#038; J. Engel<\/i> konnte gut f\u00fcr Janine stehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch wenn die Klingel wirklich bei Janine anschlug, dann stellte die sich taub. Lukas versuchte es noch ein zweites Mal, aber Janine \u00f6ffnete nicht. Nachdenklich nagte Lukas an seiner Unterlippe \u2013 eigentlich h\u00e4tte er sich denken k\u00f6nnen, dass Janine nicht aufmachen w\u00fcrde. Um diese Zeit erwartete sie mit Sicherheit keinen Besuch mehr, und gerade wenn ihre Mutter tats\u00e4chlich betrunken war, w\u00fcrde Janine sich h\u00fcten, irgendjemandem die T\u00fcr zu \u00f6ffnen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber so schnell wollte Lukas nicht aufgeben. Es war doch v\u00f6lliger Quatsch, dass sie beide allein zu Hause hockten, wenn sie doch genauso gut etwas zusammen machen konnten! \u00dcber die Klingel w\u00fcrde er nicht weiterkommen, das war klar, und die Telefonnummer h\u00e4tte er erst aus dem Telefonbuch heraussuchen m\u00fcssen, falls Janine und ihre Mutter nicht ohnehin nur \u00fcber Handys verf\u00fcgten, deren Nummern nicht verzeichnet waren, aber die beiden wohnten ja im Erdgeschoss. Das Fenstersims war zwar f\u00fcr Lukas \u00fcber Kopfh\u00f6he, aber wenn er sich etwas streckte, konnte doch an die Scheibe klopfen. Er hoffte, dass Janine kommen w\u00fcrde, um nachzusehen, und das Fenster w\u00fcrde sie vielleicht eher aufmachen als die T\u00fcr.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Versuch war noch zu zaghaft, das merkte Lukas selbst, deshalb klopfte er gleich noch einmal und dieses Mal etwas fester an. Das musste drinnen eigentlich gut zu h\u00f6ren gewesen sein, aber Lukas konnte den Erfolg nicht kontrollieren, weil er weder h\u00f6ren konnte, was hinter dem Fenster geschah, noch etwas sehen konnte. Selbst wenn er ein paar Schritte zur\u00fcck machte bis an die Bordsteinkante, konnte er durchs Fenster nur die Oberkanten der Schr\u00e4nke und die Decke des Zimmers sehen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil Janine nicht reagierte oder zumindest nicht ans Fenster kam, klopfte Lukas noch einmal. Jetzt endlich schien Janine aufzumerken, die Schatten an der Decke gerieten in Unordnung, und gleich darauf erschien ein Gesicht hinter der Scheibe. Lukas ging wieder ein St\u00fcck weg, so dass er nicht mehr im toten Winkel unterhalb des Fensters war, und winkte vorsichtig.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drinnen riss Janine die Augen auf. Mit ihm hatte sie bestimmt nicht gerechnet, wie h\u00e4tte sie auch sollen, und weil sie nicht wissen konnte, was er wollte, erschrak sie zun\u00e4chst einmal. Das tat Lukas leid, denn nichts lag ihm ferner, als sie zu erschrecken, aber irgendwie hatte er ja ihre Aufmerksamkeit erregen m\u00fcssen. Er machte mit den H\u00e4nden eine Bewegung, als w\u00fcrde er ein Fenster \u00f6ffnen, um Janine zu signalisieren, dass sie genau das tun sollte. Janine verstand, nickte und machte das Fenster auf, um mit ihm sprechen zu k\u00f6nnen. Fragend sah sie ihn an.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHi.\u201c begr\u00fc\u00dfte Lukas sie. \u201eIch hab gesehen, dass du allein zu Hause hockst, und da dachte ich, wir k\u00f6nnten was zusammen machen. Ich bin n\u00e4mlich auch allein zu Hause, meine Mutter muss arbeiten. Willst du mit r\u00fcberkommen?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwas in Janines Augen sagte, dass sie nichts lieber getan h\u00e4tte, als mit ihm zu gehen, aber noch \u00fcberwog die Unsicherheit. So gut kannten sie sich ja wirklich nicht, eigentlich nur vom Sehen, und konnte sie ihre Mutter wirklich allein lassen? \u201eIch wei\u00df nicht.\u201c sagte sie z\u00f6gernd. \u201eIch m\u00fcsste Mama fragen, aber die schl\u00e4ft schon. Sie hatte einen anstrengenden Tag, wei\u00dft du?\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lukas nickte, aber so ganz glaubte er ihr nicht. Ja, wenn er Recht hatte mit seiner Vermutung, dann schlief Janines Mutter tats\u00e4chlich, aber nicht, weil sie schwer gearbeitet hatte und einfach ersch\u00f6pft war, sondern weil sie mal wieder einen dieser Tage mit zu viel Alkohol erwischt hatte, von denen seine Mutter erz\u00e4hlt hatte. Vielleicht war es nicht ganz fair, so zu denken, aber wenn sie ihren Rausch ausschlief, dann konnte es sie gar nicht st\u00f6ren, wenn Janine mit zu ihm kam, weil sie es n\u00e4mlich gar nicht erst merken w\u00fcrde.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das wollte er Janine nicht einfach so an den Kopf werfen; er musste es diplomatischer anfangen. \u201eMeinst du nicht, ihr w\u00e4r\u2019s auch lieber, wenn du Weihnachten nicht allein verbringst, wenn sie schon zu m\u00fcde ist?\u201c fragte er.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Janines Gesicht arbeitete es. Die Versuchung war gro\u00df, aber Janine wollte offenbar keinen \u00c4rger, was Lukas nachvollziehen konnte, und war sich nicht sicher, ob sie ihre Mutter wirklich allein lassen konnte. \u201eDu kannst ihr ja einen Zettel hinlegen, damit sie wei\u00df, wo du bist, falls sie doch aufwacht.\u201c schob Lukas nach.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum auch immer, dieser Rat gab den Ausschlag. Janine z\u00f6gerte nur noch kurz, dann holte sie Stift und Papier, schrieb eine kurze Notiz, wo sie war, und legte den Zettel auf den Wohnzimmertisch. Wo sie die Notiz ablegte, konnte Lukas zwar nicht sehen, weil er zu tief stand, aber Janine sagte, was sie vorhatte, ehe sie das Fenster schloss.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Minute sp\u00e4ter ging die Haust\u00fcr auf, und Janine kam hinaus. Sie hatte sich eine Jacke \u00fcbergeworfen, obwohl die kurze Strecke quer \u00fcber die Stra\u00dfe kaum reichte, um zu frieren, und den Hausschl\u00fcssel in der Hand. \u201eSo!\u201c sagte sie l\u00e4chelnd, w\u00e4hrend die T\u00fcr hinter ihr ins Schloss fiel. \u201eVon mir aus k\u00f6nnen wir.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem kurzen Weg auf die andere Stra\u00dfenseite wusste Lukas nicht so recht, was er sagen sollte, und Janine ging es offenbar genauso, deshalb schwiegen beide, w\u00e4hrend sie die Stra\u00dfe \u00fcberquerten und die paar Schritte den B\u00fcrgersteig entlanggingen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Wohnung angekommen, die er mit seiner Mutter bewohnte, f\u00fchrte Lukas Janine ins Wohnzimmer. Eigentlich nahm er seine Freunde zwar mit in sein eigenes Zimmer, wenn sie zu Besuch kamen, aber es war ja Weihnachten, und der Baum stand nun mal im Wohnzimmer.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz Gentleman nahm er Janine die Jacke ab und h\u00e4ngte sie an die Garderobe im Flur, dann fragte er Janine, ob sie ein paar Pl\u00e4tzchen essen und etwas trinken wollte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen einen warmen Kakao hatte Janine nichts einzuwenden, und sie begleitete Lukas in die K\u00fcche, um ihm zur Hand zu gehen. \u201eMuss deine Mutter die ganze Nacht arbeiten?\u201c erkundigte sie sich, w\u00e4hrend sie darauf warteten, dass die Milch auf dem Herd warm wurde. Lukas nickte. \u201eMorgen fr\u00fch um sieben wird sie abgel\u00f6st.\u201c erkl\u00e4rte er. \u201eIst irgendwie bl\u00f6d, dass sie Weihnachten arbeiten muss, aber da kann man nun mal nichts dran machen. Sch\u00f6n, dass wir wenigstens noch ein bisschen zusammen feiern k\u00f6nnen.\u201c \u201eStimmt.\u201c pflichtete Janine ihm bei. \u201eIch find\u2019s auch schade, dass Mama schon schl\u00e4ft, aber das ist eben auch so.\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder vermied sie es, zu best\u00e4tigen, was Lukas bis jetzt nur vermuten konnte, aber Lukas hatte gar keine Lust, das weiter zu ergr\u00fcnden. Er konnte verstehen, dass Janine nicht dar\u00fcber reden wollte, und sich weiter Gedanken dar\u00fcber zu machen, h\u00e4tte nur die heimelige Weihnachtsstimmung gest\u00f6rt, die sich in ihm breitzumachen begann.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie trugen die vollen Tassen hin\u00fcber ins Wohnzimmer und setzten sich. Lukas \u00f6ffnete die Blechschachtel mit selbstgebackenen Weihnachtspl\u00e4tzchen und stellte sie so hin, dass Janine sich bedienen konnte. Erst griff Janine nur z\u00f6gerlich zu, aber Lukas versicherte ihr, dass sie ruhig zulangen konnte, und ging selbst mit gutem Beispiel voran.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als die Kakaotassen leer waren und der Inhalt der Pl\u00e4tzchendose deutlich weniger geworden war, schlug Lukas vor, etwas zu spielen. Er hatte einige Brett- und W\u00fcrfelspiele, und nachdem er Janine die Auswahl gezeigt hatte, entschieden sie sich f\u00fcr <i>Deutschlandreise<\/i>. Unter Lukas\u2018 Lieblingsspielen war das die Nummer zwei, aber seinen absoluten Liebling, <i>MindTrap<\/i>, hatte er gar nicht erst vorgeschlagen, weil es unfair gewesen w\u00e4re; er besa\u00df das Quizspiel seit zwei Jahren, und Janine h\u00e4tte keine Chance gegen ihn gehabt, weil er im Gegensatz zu ihr die Fragen in- und auswendig kannte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war einfach gem\u00fctlich, im Wohnzimmer zu sitzen, das nur von den elektrischen Kerzen am Weihnachtsbaum erhellt wurde, Pl\u00e4tzchen zu essen und die Spielfiguren auf dem Brett durch Deutschland reisen zu lassen. Mehr als einmal ertappte Lukas sich bei dem Gedanken, dass man so etwas \u00f6fter machen konnte, auch gerne ohne besonderen Anlass, und es sah ganz so aus, als ob Janine es genauso sah.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch auch der sch\u00f6nste Abend musste einmal ein Ende habe. Es war schon elf durch, als Lukas und Janine die Figuren wegr\u00e4umten und das Spielbrett zusammenklappten; so lange hatte Lukas noch nie einen Freund zu Besuch gehabt oder war selbst bei einem seiner Freunde geblieben, wenn die \u00dcbernachtung nicht von vornherein eingeplant gewesen war.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon drau\u00dfen im Treppenhaus, drehte Janine sich noch einmal zu Lukas um. \u201eDanke.\u201c sagte sie leise. \u201eDas waren die sch\u00f6nsten Weihnachten, die ich je hatte.\u201c Rasch dr\u00fcckte sie Lukas einen Kuss auf die Wange, dann lief sie die Treppe hinunter, und die Haust\u00fcr fiel hinter ihr ins Schloss. Ja, dachte Lukas, sch\u00f6ner h\u00e4tte sich der Wunsch \u201eFrohe Weihnachten!\u201c nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte ist ein kleiner Weihnachtsgru\u00df an meine Leserinnen und Leser. 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