{"id":1347,"date":"2024-05-11T16:37:17","date_gmt":"2024-05-11T15:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1347"},"modified":"2024-05-11T16:37:17","modified_gmt":"2024-05-11T15:37:17","slug":"diebstahl-im-freibad","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1347","title":{"rendered":"Diebstahl im Freibad"},"content":{"rendered":"\n<dialog id=\"imgFull\" class=\"coverFullsizeDialog\" style=\"display: none;\" onclick=\"hideFullsizeCoverDialog();\" >\n<img decoding=\"async\" id=\"coverFullsize\" src=\"\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Diebstahl im Freibad\" \/>\n<\/dialog>\n<div class=\"justifyText\">\n<img decoding=\"async\" id=\"coverPreview\" class=\"coverPreview\" src=\"https:\/\/renebote.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Cover-Diebstahl-im-Freibad.webp\" onclick=\"showFullsizeCoverDialog();\" alt=\"Cover der Kurzgeschichte Diebstahl im Freibad\" \/>\n<p>Das Freibad war so voll, wie man es an einem hochsommerlichen Samstag erwarten durfte: rappelsturzvoll. Auf der Liegewiese war nirgends mehr ein Fleckchen frei, auf dem man sein Badetuch h\u00e4tte ausbreiten k\u00f6nnen, und die Schwimmbecken waren v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt. Die Bademeister hatten M\u00fche, den Bereich vor den Rutschen freizuhalten, den Sprungturm hatten sie schon gesperrt, damit es keine Unf\u00e4lle gab. Gut gef\u00fcllt war sicherlich auch die Kasse des Kiosks, der Eis, S\u00fc\u00dfigkeiten, kleine Speisen und Getr\u00e4nke verkaufte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fchaufsteher waren klar im Vorteil, vor allem die, die morgens schon an mittags gedacht hatten. Die Cousinen und besten Freundinnen Anette und Felicitas waren mit die Ersten gewesen und konnten sich jetzt dar\u00fcber freuen, beim Picknick nicht der sengenden Sonne ausgesetzt zu sein. Sie hatten sich den Platz f\u00fcr ihre Badet\u00fccher noch aussuchen k\u00f6nnen und eine Stelle gew\u00e4hlt, die von einem Baum und der Hecke beschattet wurde, die die Liegewiese begrenzte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Essen und einer angemessenen Wartezeit \u2013 man sollte ja nicht mit vollem Magen direkt wieder schwimmen gehen \u2013 zog es die M\u00e4dchen wieder zur\u00fcck ins Wasser. Eine Weile alberten sie mit einer Klassenkameradin herum, bis die sich verabschiedete, um sich ein paar Jungen aus der Siebten anzuschlie\u00dfen, die im Nichtschwimmerbecken ein Wasserballspiel begannen. \u201eKommt doch auch mit!\u201c, sagte sie. \u201eWird bestimmt lustig.\u201c Anette und Felicitas, die eine ziemlich konkrete Idee hatten, mit welchem Jungen ihre Kameradin gerne in einer Mannschaft sein wollte, lehnten dankend ab. Das w\u00fcrde ohnehin nichts werden, das Becken war viel zu voll. Wenn die Jungs nicht von allein die Lust verloren, weil ihnen st\u00e4ndig andere Badeg\u00e4ste in Zuspiele und Torw\u00fcrfe gerieten, w\u00fcrde vermutlich beizeiten das Personal die Partie abpfeifen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eher zuf\u00e4llig streifte Anettes Blick die Liegewiese. Pl\u00f6tzlich stutzte sie und kniff die Augen zusammen. \u201eHe, die klaut!\u201c, entfuhr es ihr. \u201eKomm!\u201c Dabei st\u00fctzte sie schon die H\u00e4nde auf den Beckenrand und stemmte sich aus dem Wasser. Ihre nackten F\u00fc\u00dfe klatschten vernehmlich auf die Steinfliesen, und hinter sich h\u00f6rte sie ihre Cousine, die ihr dichtauf folgte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die dicht an dicht liegenden Badet\u00fccher machten ein schnelles Fortkommen auf der Wiese unm\u00f6glich. Anette und Felicitas mussten im Zickzack laufen und st\u00e4ndig aufpassen, dass sie niemanden umrannten. Einmal stolperte Anette, ihre Cousine konnte sie gerade noch auffangen.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie ihren Platz erreichten, war von der Diebin nichts mehr zu sehen. Aber get\u00e4uscht hatte Anette sich nicht, ihr Rucksack, den sie ganz sicher zugemacht hatte, war jetzt offen, und Felicitas\u2018 war umgekippt. \u201eMeine Sonnenbrille ist weg!\u201c, stellte Felicitas ein paar Sekunden sp\u00e4ter fest.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit hielt sich der Verlust insgesamt noch in Grenzen. Ihre Portemonnaies und auch die Handys hatten sie zum Gl\u00fcck eingeschlossen, den Schl\u00fcssel f\u00fcrs Schlie\u00dffach trug Anette ums Fu\u00dfgelenk. Die Sonnenbrille war auch nicht besonders wertvoll, kein Designermodell, das man auf Ebay in einen satten Geldbetrag umm\u00fcnzen konnte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotzdem \u00e4rgerte Felicitas sich. \u201eWeit kann sie noch nicht sein!\u201c, meinte sie. \u201eKomm, wir schauen, ob wir sie finden!\u201c \u201eWenn sie schlau ist, hat sie sich vom Acker gemacht\u201c, gab Anette zu bedenken. \u201eObwohl \u2026 Wahrscheinlich hat sie keine Ahnung, dass wir sie gesehen haben.\u201c Selbst wenn jemand beobachtet hatte, wie sie die Sonnenbrille aus dem Rucksack genommen hatte, war das f\u00fcr sich nicht unbedingt eine Gefahr f\u00fcr die Diebin gewesen. Sie hatte einen Moment abgepasst, in dem auch die Handt\u00fccher in der Nachbarschaft verwaist gewesen waren, und eventuelle Augenzeugen weiter weg hatten wahrscheinlich nicht mitbekommen, wem die Sachen wirklich geh\u00f6rten. Im Notfall h\u00e4tte sie behauptet, eine Freundin zu sein, sie war auch ungef\u00e4hr in Anettes und Felicitas\u2018 Alter, sodass die Behauptung durchaus glaubw\u00fcrdig gewesen w\u00e4re.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also streiften die beiden M\u00e4dchen los, ihrerseits bem\u00fcht, nicht so auszusehen, als w\u00fcrden sie jemanden suchen. In der N\u00e4he des Ausgangs trennten sie sich, Anette postierte sich so, dass ihr nicht entgehen w\u00fcrde, wenn die Diebin das Freibad verlie\u00df, Felicitas ging weiter und n\u00e4herte sich den Tischen vor dem Kiosk. Dabei kam sie auch an dem halb offenen Bau vorbei, der Umkleiden und Schlie\u00dff\u00e4cher sch\u00fctzte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBingo!\u201c, dachte sie, als sie einen Blick in den Gang zwischen den Schr\u00e4nken warf. Dort stand das M\u00e4dchen, das ihre Sonnenbrille gestohlen hatte, und r\u00e4umte etwas in einen der Spinde. Die gestohlene Brille? Andere Beute, die sie in der Zwischenzeit gemacht hatte? Oder und?<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Felicitas machte einen Schritt nach hinten, schaute zur\u00fcck und winkte Anette, zu ihr zu kommen. Weil sie nicht rief und durch den einen Schritt zur\u00fcck f\u00fcr die Diebin wieder im toten Winkel war, blieb das unbemerkt, und ein paar Augenblicke sp\u00e4ter war es f\u00fcr das M\u00e4dchen am Spind zu sp\u00e4t.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Irrtum war ausgeschlossen, beide hatten sich das \u00c4u\u00dfere des M\u00e4dchens genau eingepr\u00e4gt: blondes Haar, ein dunkler Badeanzug mit Verzierungen in einem Rot, das dem der Oberschenkel glich, am Handgelenk ein Armband aus dunklen Holzperlen und ein geflochtenes Freundschaftsarmband.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDein Beuteversteck, was?\u201c, sprach Felicitas das M\u00e4dchen an. \u201eGib mir meine Sonnenbrille zur\u00fcck!\u201c Die Diebin zuckte zusammen. \u201eIch wei\u00df nicht, was du meinst\u201c, behauptete sie trotzdem, aber Felicitas sah ihr an, dass sie sich h\u00f6llisch unwohl f\u00fchlte. Dazu hatte sie allen Grund, vor allem, falls sie noch mehr gestohlen hatte als die billige Sonnenbrille. Felicitas ging sogar davon aus, dass die Sonnenbrille nur ein Trostpreis war, dass die Diebin es eigentlich auf Geld oder ein Handy abgesehen gehabt hatte. Man w\u00fcrde sehen, ob sie anderswo mehr Gl\u00fcck gehabt hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anette sah, dass eine Bademeisterin wenige Meter entfernt am Beckenrand entlanglief, hielt sie an und schilderte ihr die Situation. Die Diebin versuchte den Moment zu nutzen, um Felicitas wegzurempeln und abzuhauen, aber Felicitas war auf der Hut. Sie schubste die Diebin zur\u00fcck, und ehe die sich \u00fcberlegen konnte, ob sie einen zweiten Anlauf wagen sollte, war Anette mit der Bademeisterin da.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGut, dass Sie kommen!\u201c, versuchte die Diebin die Rollen umzudrehen. \u201eDie beiden wollen mich ausrauben!\u201c Das war schon deshalb unglaubw\u00fcrdig, weil die Bademeisterin ja eben nicht zuf\u00e4llig gekommen war, oder weil sie etwas geh\u00f6rt hatte, sondern weil Anette sie geholt hatte.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war offenbar auch der Bademeisterin bewusst. Vermutlich musste sie \u00f6fters Streit schlichten und war daran gew\u00f6hnt, dass die Beteiligten unterschiedliche und einander ausschlie\u00dfende Ansichten hatten. Sie bat das M\u00e4dchen, sich zu beruhigen, und fragte es nach seinem Namen; die Diebin hie\u00df Nelly.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend trugen Anette und Felicitas noch einmal ihre Beobachtungen vor. \u201eStimmt doch alles nicht!\u201c, rief Nelly. \u201eIch war den ganzen Morgen im Wasser, ich bin eben erst raus, um was zu essen.\u201c \u201eDas hei\u00dft noch lange nicht, dass du nicht an unsere Sachen gegangen sein kannst\u201c, versetzte Felicitas. \u201eAu\u00dferdem warst du nicht die ganze Zeit im Wasser, das steht fest, und wenn du da schon l\u00fcgst \u2026\u201c<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bademeisterin machte eine beschwichtigende Geste. \u201eDer Badeanzug trocknet bei dem Wetter schnell\u201c, gab sie zu bedenken. \u201eDas meine ich nicht\u201c, beharrte Felicitas.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Wei\u00dft Du, warum Felicitas so sicher ist, dass Nelly l\u00fcgt?<\/i><\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"alternateEndHeader\" onclick=\"toggleElement('solution');\">Aufl\u00f6sung<\/p>\n<p id=\"solution\" class=\"justifyText\" style=\"display:none;\">\u201eSchaut euch doch mal ihre Beine an!\u201c, forderte Felicitas Anette und die Bademeisterin auf. \u201eDie Oberschenkel \u2013 knallrot! Das ist ein richtig dicker Sonnenbrand, und den muss sie sich heute geholt haben, sonst w\u00fcrde die Haut sich schon pellen.\u201c Die Bademeisterin nickte. \u201eDas hat sie gut beobachtet\u201c, sagte sie zu Nelly. \u201eIch glaube, es ist besser, wenn du die Wahrheit sagst. Es kommt sowieso raus \u2013 wenn du nichts sagst, muss ich die Polizei rufen, die durchsucht den Schrank, und dann \u2026\u201c Dann w\u00fcrde sie die Beute finden, das best\u00e4tigte Nellys gesenkter Kopf, ohne dass sie noch etwas sagen musste.<\/p>\n<\/div>\n\n<style>\n\n.alternateEndHeader {\nwidth: 100%;\npadding: 5px;\nmargin-bottom: 5px;\nborder: 1px solid darkgrey;\nborder-radius: 5px;\ncursor: pointer;\n}\n\n<\/style>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Freibad war so voll, wie man es an einem hochsommerlichen Samstag erwarten durfte: rappelsturzvoll. 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