{"id":1315,"date":"2024-04-12T19:07:15","date_gmt":"2024-04-12T18:07:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1315"},"modified":"2026-02-18T17:24:08","modified_gmt":"2026-02-18T16:24:08","slug":"wettbewerbsbeitraege-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/renebote.de\/?page_id=1315","title":{"rendered":"Wettbewerbsbeitr\u00e4ge"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"justifyText\">\nAb und an reiche ich kurze Beitr\u00e4ge zu Schreibwettbewerben ein, in erster Linie bei der <a href=\"https:\/\/buechereule.de\" target=\"_blank\" title=\"https:\/\/buechereule.de\" rel=\"noopener\">B\u00fcchereule<\/a>. Nach Abschluss des jeweiligen Wettbewerbs ver\u00f6ffentliche ich die Beitr\u00e4ge auch hier. Die neuesten Beitr\u00e4ge stehen immer oben, die Links geben Dir eine \u00dcbersicht und f\u00fchren Dich direkt zu den einzelnen Geschichten.\n<\/p>\n\n<div id=\"content\"><\/div>\n\n<script type=\"text\/javascript\">\n\n\tvar titles = [\n        \"Der schlechteste K\u00f6nig allen\",\n        \"Der Freispruch hilft nicht dem Gewissen\",\n\t\t\"Vom Regen in die Traufe\",\n\t\t\"Der letzte (?) Lichtblick\",\n\t\t\"Der Fluch der Postmoderne\",\n\t\t\"Der halbe Graf\",\n\t\t\"Paartanz\",\n\t\t\"Einer gegen das Kapital\",\n\t\t\"Eine Handvoll Streik\",\n\t\t\"Zwei Tassen Tee\",\n\t\t\"Ein ganz bestimmter Umschlag\",\n\t\t\"Fest im Fest\",\n\t\t\"Die kleinen Themen des Alltags\",\n\t\t\"Lebenslauf\",\n\t\t\"Es wird einmal gewesen sein\",\n\t\t\"T\u00fcr der Sehns\u00fcchte\",\n\t\t\"Im Abgang bitter\",\n\t\t\"Geh dich bewegen!\",\n\t\t\"Berg ist Berg\",\n\t\t\"Uneigenn\u00fctzig\",\n\t\t\"Das Bermudadreieck des Nordens\",\n\t\t\"Billiges Vergn\u00fcgen\",\n\t\t\"Ohne Auftrag\",\n\t\t\"Commissario Giovanni Gelati und der vergeigte Cello-Diebstahl\",\n\t\t\"Der Gl\u00fcckszettel\",\n\t\t\"Semester 184\",\n\t\t\"Totenwache - Wachentod\",\n\t\t\"Was wirklich z\u00e4hlt\",\n\t\t\"Verkleiden geht immer\",\n\t\t\"S.O.S durch die Zeit\",\n\t\t\"Gar nichts verloren\"\n\t]\n\n\tvar ids = [\n        \"der_schlechteste_koenig_von_allen\",\n        \"der_freispruch_hilft_nicht_dem_gewissen\",\n\t\t\"vom_regen_in_die_traufe\",\n\t\t\"der_letzte_lichtblick\",\n\t\t\"der_fluch_der_postmoderne\",\n\t\t\"der_halbegraf\",\n\t\t\"paartanz\",\n\t\t\"einer_gegen_das_kapital\",\n\t\t\"eine_handvoll_streik\",\n\t\t\"zwei_tassen_tee\",\n\t\t\"ein_ganz_bestimmter_umschlag\",\n\t\t\"fest_im_fest\",\n\t\t\"die_kleinen_themen_des_alltags\",\n\t\t\"lebenslauf\",\n\t\t\"es_wird_einmal_gewesen_sein\",\n\t\t\"tuer_der_sehnsuechte\",\n\t\t\"im_abgang_bitter\",\n\t\t\"geh_dich_bewegen\",\n\t\t\"berg_ist_berg\",\n\t\t\"uneigennuetzig\",\n\t\t\"das_bermudadreieck_des_nordens\",\n\t\t\"billiges_vergnuegen\",\n\t\t\"ohne_auftrag\",\n\t\t\"commissario_giovanni_gelati_und_der_vergeigte_cello_diebstahl\",\n\t\t\"der_glueckszettel\",\n\t\t\"semester_184\",\n\t\t\"totenwache_wachentod\",\n\t\t\"was_wirklich_zaehlt\",\n\t\t\"verkleiden_geht_immer\",\n\t\t\"sos_durch_die_zeit\",\n\t\t\"gar_nichts_verloren\"\n\t];\n\n\tvar text = [\n        \"Es war einmal ein K\u00f6nig, von dem die Leute sagten, er m\u00fcsste der schlechteste K\u00f6nig seit Menschengedenken sein. Nat\u00fcrlich nur hinter vorgehaltener Hand, denn niemand wollte in den Kerker geworfen werden. Der K\u00f6nig war immer schlecht gelaunt, kaum vorstellbar, dass er bei Widerworten Gnade walten lassen w\u00fcrde.<br \/>Was der K\u00f6nig anfasste, ging schief. Er traf die falschen Entscheidungen, k\u00fcmmerte sich zu fr\u00fch oder zu sp\u00e4t oder nahm sich der unwichtigen Dinge an und stellte die wichtigen daf\u00fcr zur\u00fcck.<br \/>In einem Sommer ritt der K\u00f6nig mit seinem Gefolge in die Berge, um den Bau einer neuen Br\u00fccke in Angriff nehmen zu lassen. Er wollte die Leute anweisen, wo die Br\u00fccke stehen und wie sie gebaut werden sollte. Schon im Herbst w\u00fcrde sie fertig sein, sodass niemand mehr den weiten Umweg zu machen brauchte, der jetzt n\u00f6tig war, um den Bach zu \u00fcberqueren. Durchreiten konnte man den Bach nur bei g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden, meistens war die Str\u00f6mung zu stark.<br \/>Am Ufer hatte sich eine gro\u00dfe Menschenmenge versammelt. Neben den Handwerkern, die die Br\u00fccke bauen sollten, waren viele Menschen aus den n\u00e4chsten D\u00f6rfern gekommen, um zu h\u00f6ren und zu sehen, wie die neue Br\u00fccke aussehen sollte. Die Ersten raunten sich schon zu, dass der Bau schon jetzt zum Scheitern verurteilt war, und stellten leise Mutma\u00dfungen an, welche Unzul\u00e4nglichkeiten der Plan des K\u00f6nigs haben w\u00fcrde.<br \/>Sie wurden nicht entt\u00e4uscht, tats\u00e4chlich konnte so, wie der K\u00f6nig sich das dachte, keine stabile Br\u00fccke entstehen. In den hinteren Reihen wisperten die Leute einander zu, was passieren w\u00fcrde, wenn die Br\u00fccke tats\u00e4chlich so gebaut wurde, die in den vorderen Reihen, die bef\u00fcrchten mussten, dass der K\u00f6nig es mitbekommen w\u00fcrde, schwiegen.<br \/>Unvermittelt dr\u00e4ngte sich ein kleiner Junge nach vorn. Er schl\u00fcpfte zwischen den Beinen der Erwachsenen durch, niemand hielt ihn zur\u00fcck. Sie dachten, er wollte einfach besser sehen k\u00f6nnen, vielleicht war es das erste Mal im Leben, dass er dem K\u00f6nig begegnete.<br \/>Doch der Junge ging weiter, v\u00f6llig unbefangen n\u00e4herte er sich dem K\u00f6nig. \u201eDer Vater sagt, es ist schlecht, wenn du die Br\u00fccke da baust\u201c, verk\u00fcndete er mit lauter und klarer Stimme.<br \/>Den Umstehenden stockte der Atem, das Gemurmel im Hintergrund verstummte mit einem Schlag. Jeder war \u00fcberzeugt, dass sie nur noch einen Wimpernschlag von einer Katastrophe entfernt waren.<br \/>Auch der K\u00f6nig war f\u00fcr einen Moment wie erstarrt. Dass ihm jemand widersprach, erlebte er zum ersten Mal. Doch zur \u00dcberraschung der Menschen blieb der erwartete Wutausbruch aus. Der K\u00f6nig \u00fcberlegte kurz und rief dann laut: \u201eDer Vater des Jungen m\u00f6ge vortreten!\u201c<br \/>Mit zitternden Knien setzte sich ein junger Mann in Bewegung, ein einfacher Handwerker, der aber die Gegend genau kannte. Er bef\u00fcrchtete das Schlimmste und glaubte, dass er schon froh sein musste, wenn der K\u00f6nig ihm nicht an Ort und Stelle den Kopf abschlagen lie\u00df.<br \/>Doch der K\u00f6nig blieb erstaunlich freundlich. \u201eWarum glaubst du, dass die Br\u00fccke hier nicht stehen sollte?\u201c, fragte er. \u201eAn anderen Stellen w\u00e4re sie viel schwerer zu bauen.\u201c \u201eDas stimmt\u201c, r\u00e4umte der Handwerker ein. \u201eAber denkt an die Schneeschmelze! Wenn es viel geschneit hat, rei\u00dft das Wasser alles mit. Es w\u00fcrde auch die Br\u00fccke mitnehmen.\u201c<br \/>Der K\u00f6nig verstand und nickte. \u201eWo w\u00fcrdest du sie bauen?\u201c, fragte er. Und pl\u00f6tzlich verstanden auch die Leute: Der K\u00f6nig war nicht b\u00f6se und rechthaberisch. Er hatte nur nie gelernt, dass er nicht alles allein entscheiden musste, dass er sich Rat holen durfte. So entstand eine stabile Br\u00fccke, die f\u00fcr viele Jahre den \u00dcbergang sicherte, und aus dem schlechten K\u00f6nig wurde der beste, den das Volk sich w\u00fcnschen konnte.\",\n        \"Annika wusste nicht, was sie geweckt hatte. Es war dunkel, die Wohnung still. Allzu lange geschlafen hatte sie noch nicht, der Wecker zeigte kurz nach Mitternacht.<br \/>\u201eAlles gut!\u201c, versuchte sie sich zu beruhigen. Wahrscheinlich irgendein Ger\u00e4usch von drau\u00dfen: eine Fehlz\u00fcndung, eine zugeknallte Autot\u00fcr, eine Katze, die reinwollte, damit sie wieder rauswollen konnte.<br \/>Trotzdem pochte Annikas Herz wie wild. Atemlos lauschte sie in die Dunkelheit. Doch was auch immer sie geweckt hatte, wiederholte sich nicht. \u201eDu bist \u00fcberreizt!\u201c, rief sie sich nach ein paar Sekunden zur Ordnung. \u201eKein Wunder, nach so einem Tag.\u201c<br \/>Hinter ihr lag eine Gerichtsverhandlung, die Anklage hatte auf fahrl\u00e4ssige T\u00f6tung gelautet. Drei Monate zuvor war ihr eine alte Frau vors Auto gelaufen, es war der schlimmste Tag in ihrem Leben gewesen, und die Verhandlung hatte alles wieder hochgeholt. Sicher nicht nur f\u00fcr sie, auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen.<br \/>Sie war auf dem R\u00fcckweg vom Fitnessstudio gewesen, ausnahmsweise mit dem Auto, weil sie auf dem R\u00fcckweg noch beim Getr\u00e4nkemarkt hatte vorbeifahren wollen. Die alte Frau war unvermittelt zwischen zwei geparkten Autos auf die Fahrbahn getreten. Annika war nicht zu schnell gewesen und auch nicht m\u00fcde oder abgelenkt. Trotzdem hatte sie nicht mehr rechtzeitig bremsen k\u00f6nnen, die Frau war gegen den K\u00fchler geprallt und meterweit geschleudert worden.<br \/>Zeugen und Gutachten hatten Annika entlastet, das hatte nach der Beweisaufnahme auch der Staatsanwalt anerkennen m\u00fcssen. Die Frau hatte nicht ausreichend nach rechts und links geschaut, vermutlich hatte sie den Bus erreichen wollen, der sich auf der anderen Stra\u00dfenseite ein St\u00fcck weiter der Haltestelle gen\u00e4hert hatte. Annika war nichts vorzuwerfen, der Staatsanwalt hatte sich der Forderung der Verteidigung angeschlossen und einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld beantragt.<br \/>Juristisch war der Unfall damit abgeschlossen. Doch Gef\u00fchle waren nicht logisch und scherten sich einen Teufel um Paragrafen, zumindest ihre. Das Erlebte hing ihr immer noch nach, und es w\u00fcrde wohl auch noch einige Zeit ins Land gehen, bis sie sich davon erholt hatte.<br \/>Annika lauschte noch einen Augenblick und wollte sich dann wieder so entspannt, wie sie es hinbekam, in die Kissen sinken lassen. Doch genau in diesem Moment vermeinte sie ein Wispern zu h\u00f6ren und schreckte direkt wieder hoch, der Puls raste.<br \/>Das Fl\u00fcstern wiederholte sich. Erst schien es nur unklares Gemurmel zu sein, dann sch\u00e4lten sich Worte heraus: \u201eSchuldig!\u201c und \u201eDu hast sie totgefahren!\u201c<br \/>Annika begann zu zittern. Was war das? Wurde sie verr\u00fcckt? Einbildung, versuchte sie sich einzureden, die Fl\u00fcsterstimme existierte nur in ihrem Kopf.<br \/>Doch es wollte nicht aufh\u00f6ren, und immer wieder das eine Wort: \u201eSchuldig!\u201c Sie presste die H\u00e4nde an den Kopf, rieb die Schl\u00e4fen mit den Handballen, schaltete das Licht ein, versuchte, sich zu zwingen, an etwas anderes zu denken. Nichts half.<br \/>Raus! Sie musste raus! Der Raum schien sie zu erdr\u00fccken, die Stimme von \u00fcberall zu kommen. Hastig zog sie sich an, griff sich den Wohnungsschl\u00fcssel und st\u00fcrmte nach drau\u00dfen. Die Stimme warf ihr ein letztes \u201eSchuldig!\u201c hinterher, aber sie blieb drinnen.<br \/><br \/>Wie einfach es doch war, einen Menschen fertigzumachen! Gut, dass er damals den Wohnungsschl\u00fcssel hatte mitgehen lassen, als sie ihn rausgeworfen hatte! Blo\u00df weil er einmal, bei der Party, mit dieser \u2026 Wie hie\u00df sie doch gleich? Egal. Der Unfall hatte ihm nat\u00fcrlich perfekt in die H\u00e4nde gespielt, da brauchte man gar nicht mehr viel nachzuhelfen, um sie fertigzumachen. Der Rest war einfach, ein bisschen Ahnung von Technik, und das Zeug gab\u2019s billig im Internet. Sie w\u00fcrde leiden, und er hatte es in der Hand, wie sehr und wie lange. Die Rache war sein.\",\n\t\t\"Klaub h\u00f6rte Schritte, die sich n\u00e4herten. Klaub \u2013 den Spitznamen hatten sie ihm gegeben, als er bei ihnen eingezogen war. Sie fanden das witzig, er konnte nicht dar\u00fcber lachen. Aber damit w\u00fcrde bald f\u00fcr immer Schluss sein!<br \/>F\u00fcr ihn war das ein kleiner Schritt. Er passte den richtigen Moment ab, eine kurze Bewegung nach links, fast lautlos. Er sp\u00fcrte einen Schlag, etwas segelte \u00fcber ihn hinweg. Ein Schreckensschrei, ein Poltern, ein lauter Aufschlag, dann \u2013 Stille. Kopf\u00fcber die Treppe hinunter, unten mit dem Kopf voran auf die harten Dielen, entweder hatte sie sich den Sch\u00e4del eingerannt oder das Genick gebrochen, vielleicht auch beides. Egal, man konnte nur einmal sterben, und ihr eines Mal war jetzt gewesen. Leise entfernte Klaub sich von der Kante oben an der Treppe, und ehe jemand mitbekam, was passiert war, war er weit weg. Alle w\u00fcrden an einen Unfall denken, und niemand w\u00fcrde ihn damit in Verbindung bringen. Teil eins seines Plans war gegl\u00fcckt.<br \/>Aus dem hintersten Raum im oberen Stockwerk lauschte er. Zun\u00e4chst blieb alles still, dann kam der Mann vom Einkaufen zur\u00fcck. Klaub h\u00f6rte, wie er aufschrie, etwas klatschte vernehmlich auf den Boden. Das mussten die Taschen mit den Eink\u00e4ufen sein. Er rief den Namen der Frau, einmal, zweimal, dreimal, aber nat\u00fcrlich h\u00f6rte sie ihn nicht. Sie w\u00fcrde nie wieder etwas h\u00f6ren. Der Rettungsdienst wurde gerufen, der nichts mehr tun konnte, au\u00dfer den Tod der Frau festzustellen, dann die Polizei. Klaub h\u00f6rte, wie der Mann befragt wurde, bestimmt w\u00fcrden sie sp\u00e4ter auch im Supermarkt fragen, ob sich jemand entsinnen konnte, ihn gesehen zu haben. Das geh\u00f6rte zur Routine, aber niemand schien daran zu zweifeln, dass der Tod der Frau ein tragisches Ungl\u00fcck gewesen war.<br \/>F\u00fcr Klaub \u00e4nderte sich zun\u00e4chst nichts. Er zog weiter seine Runden, das musste er tun, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die er nicht brauchen konnte. Schlie\u00dflich war er noch nicht fertig, der Mann musste auch noch weg. Doch das musste so passieren, dass weiterhin kein Verdacht auf ihn fiel.<br \/>Klaub lie\u00df eine Woche ins Land ziehen, zwei. Auch das Chaos, das der Mann verursachte, als er die Sachen der Frau aussortierte und wegr\u00e4umte, schluckte er klaglos. Niemand konnte ihm ansehen, dass er immer auf seine Chance lauerte.<br \/>Am Ende ging es ganz leicht. Der Mann hatte sich aufgerafft, die Fenster zu putzen, und wie er auf dem Stuhl stand, um oben an den Rahmen zu kommen, war f\u00fcr sich genommen schon lebensgef\u00e4hrlich. Wahrscheinlich h\u00e4tte ein Windsto\u00df gen\u00fcgt, aber ein leichter Sto\u00df gegen das Stuhlbein tat es auch. Der Mann wurde aus seinem wackeligen Stand gebracht, kippte dabei selbst den Stuhl um und verlie\u00df das Haus durchs Fenster. Er schrie nicht, der Aufschlag kam schneller, als die Schrecksekunde endete. Geschafft! Klaub hatte sie aus dem Weg ger\u00e4umt, er war frei!<br \/>Nat\u00fcrlich r\u00fcckte abermals die Polizei an. Man war verwundert ob des zweiten Todesfalls in kurzer Zeit, stufte ihn aber wiederum als Unfall ein. Niemand k\u00fcmmerte sich um Klaub, und er brauchte sich auch um nichts mehr zu k\u00fcmmern.<br \/>Zumindest glaubte er das, doch er hatte die Rechnung ohne die Erben gemacht. Die kamen irgendwann und diskutierten, wie es weitergehen sollte mit dem Haus. Ausr\u00e4umen und vermieten? Oder selbst einziehen? Einziehen, entschieden sie, mehr Platz und sch\u00f6ner gelegen als die alte Wohnung.<br \/>Damit war Klaub vom Regen in die Traufe gekommen. Das w\u00fcrde viel schlimmer werden als die beiden Alten, vor allem die sabbernde Monster von Kindern, und sollte er auf immer und ewig die Leute beseitigen? Er sah nur noch einen Weg, sich dem zu entziehen: Mit der h\u00f6chsten Geschwindigkeit, zu der er f\u00e4hig war, strebte Klaub der Treppe zu.\",\n\t\t\"Nova schob sich die selbsthaftende Maske ihres CAM, des Clean Air Modules, \u00fcber Mund und Nase. Ein kurzer Funktionstest &ndash; alles okay, zeigte die CCU an, die Central Control Unit, die auf ihrem Unterarm klebte. Temperaturwarnung, Vitalwerte-Alarm: alles aktiv.<br \/>\u201eIch verstehe dich nicht!\u201c, sagte ihre Mutter kopfsch\u00fcttelnd. \u201eWas willst du drau\u00dfen?\u201c Nova zuckte mit den Schultern. \u201eEinfach so\u201c, antwortete sie. \u201ePass auf!\u201c, mahnte ihre Mutter. \u201eDu wei\u00dft doch \u2026\u201c \u201eJa, ich wei\u00df!\u201c, schnitt Nova ihr ungeduldig das Wort ab. Wie sie diese Diskussionen hasste! Nat\u00fcrlich musste sie das Haus nicht verlassen, und schon gar nicht zu Fu\u00df, das wusste sie. Es gab kaum etwas, was sie nicht von zu Hause aus erledigen konnte, und wenn sie doch irgendwo hinmusste, dann konnte sie im Erdgeschoss eine ITU nehmen, eine Individual Transport Unit.<br \/>Aber manchmal &ndash; wahrer: ziemlich oft &ndash; brauchte sie das Gef\u00fchl, auszubrechen aus diesem von Maschinen und KI gesteuerten Dasein. F\u00fchlen, was um sie herum war, auch wenn es bis an die Grenze des Ertr\u00e4glichen ging.<br \/>Mit dem Aufzug fuhr sie ins Erdgeschoss und n\u00e4herte sich der Eingangsschleuse. \u201eSind Sie sicher, dass Sie das Haus verlassen wollen?\u201c, fragte eine Computerstimme, nachdem sie sich mit Irisscan und CCU-Token als Berechtigte zum Bedienen der T\u00fcr authentifiziert hatte. \u201eJa\u201c, antwortete Nova mit fester Stimme.<br \/>Die Computerstimme gab ihr die wichtigsten Parameter zum Au\u00dfenzustand, dann endlich glitt das gl\u00e4serne T\u00fcrblatt zur Seite. Nova machte einen Schritt in die Schleuse, die T\u00fcr hinter ihr schloss sich, erst danach \u00f6ffnete sich die \u00e4u\u00dfere T\u00fcr. Endlich drau\u00dfen!<br \/>Hitze empfing sie, und h\u00e4tte sie nicht die CAM gehabt, h\u00e4tte sich sofort ein staubiger Geschmack auf ihre Zunge gelegt. 43 Grad, behauptete die CCU, das war vergleichsweise k\u00fchl und doch wie ein Schlag, wenn man aus dem k\u00fcnstlichen, f\u00fcr die menschliche Gesundheit optimierten Klima drinnen kam. Ohne Funktionskleidung, die ihre Haut sch\u00fctzte, und CAM h\u00e4tte Nova ihre Gesundheit, vielleicht sogar ihr Leben, riskiert.<br \/>Entschlossen, dem feindlichen Klima zu trotzen, ging Nova los, einfach die Stra\u00dfe entlang. Sie hatte kein festes Ziel; drau\u00dfen zu sein, zumindest eine Weile in begrenzter Freiheit, war das Ziel.<br \/>Es war fast dunkel, der graubraune Staub, der die Luft erf\u00fcllte, wirkte fast schwarz. Die Sicht war begrenzt, die Lichter der n\u00e4chsten H\u00e4user ged\u00e4mpft. Nova hatte geh\u00f6rt, dass fr\u00fcher manche St\u00e4dte Wasser gegen den Staub eingesetzt hatten, aber da waren die Durchschnittstemperaturen noch 15 Grad niedriger gewesen als heute, und es hatte mehr Wasser gegeben. Heute ging das nicht mehr, und wof\u00fcr auch, wenn doch niemand nach drau\u00dfen ging?<br \/>Nova legte den Kopf in den Nacken, ohne besonderen Grund. Tintige Dunkelheit \u00fcber ihr, aber \u2013 was war das!?<br \/>Ein kleiner Lichtpunkt an einer Stelle, an der eigentlich kein Licht sein konnte, direkt \u00fcber ihr und anscheinend weit weg. Hatte die CCU eine Information dazu? Nein, die KI war ratlos, auch als Nova das Licht mit der Graphic Capture Unit erfasste.<br \/>Verwirrt machte Nova kehrt, um zu Hause ihre Eltern zu fragen. \u201eKeine Ahnung\u201c, sagte ihre Mutter, als sie wenig sp\u00e4ter das Bild sah. \u201eAber die CCU muss das doch wissen!\u201c \u201eEben nicht\u201c, widersprach Nova. \u201eDas ist ja das Komische.\u201c<br \/>\u201eEin Licht am Himmel?\u201c, fragte ihre Gro\u00dfmutter aus dem Nebenraum. \u201eJa\u201c, best\u00e4tigte Nova. Sie lief hin\u00fcber und zeigte ihrer Gro\u00dfmutter das Bild. Ihre Gro\u00dfmutter betrachtete es schweigend, und zu Novas Entgeisterung l\u00f6ste sich eine Tr\u00e4ne aus ihrem Augenwinkel. \u201eWas ist?\u201c, fragte Nova. \u201eWei\u00dft du \u2026\u201c \u201eDu hast so ein Gl\u00fcck\u201c, sagte ihre Gro\u00dfmutter leise. \u201eVielleicht bist du einer der letzten Menschen, die so etwas sehen durften.\u201c \u201eWas ist das denn?\u201c, wollte Nova wissen. Ihre Gro\u00dfmutter l\u00e4chelte, und ihre Gedanken schienen zur\u00fcckzuwandern in eine Zeit lange vor Nova. \u201eEin Stern.\u201c\",\n\t\t\"Besorgt schaute Ansgar auf die Monitore. Die Spannung fiel ab, ungew\u00f6hnlich rapide und ungew\u00f6hnlich langanhaltend. Nat\u00fcrlich gab es st\u00e4ndig Schwankungen, daf\u00fcr \u00fcberwachten Ansgar und seine Kollegen rund um die Uhr alles. Doch dass die Spannung so lange so schnell abfiel, hatte Ansgar noch nie erlebt. Warum wurde das nicht abgefangen? Eigentlich h\u00e4tten l\u00e4ngst automatisch schnell verf\u00fcgbare Erzeuger zugeschaltet werden m\u00fcssen! Doch die Kurve zeigte steil nach unten, war l\u00e4ngst im Warnbereich. Wenn es so weiterging, w\u00fcrde bald die Stabilit\u00e4t des Stromnetzes nicht mehr gew\u00e4hrleistet sein.<br \/>Weil die automatischen Routinen \u00fcberfordert schienen, rief Ansgar die Details ab, um manuell gegenzusteuern. Verflixt, was war das? Der Verbrauch bewegte sich im \u00fcblichen Bereich, aber die Einspeisung sank massiv. Nicht nur ein Erzeuger, nein, alles, was an die zentrale Steuerung angeschlossen war, ging kontinuierlich nach unten. Wie konnte das sein?<br \/>Dazu stand das Stromnetz der Stadt nicht f\u00fcr sich allein, es war vielfach verkn\u00fcpft mit den benachbarten Netzen. H\u00e4tte nicht l\u00e4ngst ein Ausgleich stattfinden m\u00fcssen? Schlie\u00dflich bedrohte der Vorfall den gesamten Verbund, im schlimmsten Fall w\u00fcrde es eine Kettenreaktion geben und beizeiten das halbe Land im Dunklen sitzen.<br \/>Ansgar griff zum Telefon. Was hier passierte, war eine Nummer zu gro\u00df f\u00fcr ihn, die Entscheidungen, die es brauchte, musste sein Vorgesetzter treffen. Ehe er w\u00e4hlen konnte, klingelte der Apparat, und sein Chef lie\u00df ihm keine Zeit, sich dienstlich korrekt zu melden. \u201eWir haben ein Problem!\u201c, unterbrach er. In der Stimme lag ernste Besorgnis. \u201eUnd nicht nur wir. Rundrum auch.\u201c<br \/>Das erkl\u00e4rte, warum nicht gegengesteuert wurde: Wenn die umliegenden Netze dasselbe Problem hatten, konnten sie nat\u00fcrlich nichts abgeben, um die Spannung auszugleichen.<br \/>\u201eWir sind wohl gehackt worden\u201c, sagte der Chef, gerade als Ansgar durch den Kopf ging, dass so etwas mutwillig herbeigef\u00fchrt worden sein musste. \u201e\u00dcberall werden alle Erzeuger abgeregelt.\u201c<br \/>Das h\u00e4tte Ansgar eigentlich auf dem Monitor sehen m\u00fcssen, doch die Verantwortlichen, wenn es wirklich welche gab, hatten es geschafft, so im Hintergrund zu wirken, dass die Vorg\u00e4nge nicht angezeigt wurden.<br \/>\u201eIT-Spezialisten sind schon dran, das wieder unter Kontrolle zu kriegen\u201c, berichtete sein Chef. \u201eAber wir haben nur eine Stunde, h\u00f6chstens.\u201c Das war nach Ansgars Daf\u00fcrhalten schon die denkbar optimistischste Annahme. Wenn man irgendwie ein paar Erzeuger an der Steuerung vorbei ins Netz brachte, um Zeit zu gewinnen \u2026 Aber das konnten nur \u00e4ltere, kleine Anlagen sein, die modernen waren zu fest in die Steuerungsmechanismen eingebunden. Wenn dann mit Einbruch der Dunkelheit auch noch die vielen kleinen Solaranlagen wegfielen, war der Ofen aus.<br \/>Pl\u00f6tzlich hatte Ansgar eine Idee. Alte Anlagen \u2013 klar doch! \u201eSchicken Sie jemanden her, der hier \u00fcbernimmt!\u201c, forderte er seinen Chef auf. \u201eAber \u2026\u201c, wandte der ein, doch Ansgar hatte es nun viel zu eilig. \u201eDauert zu lange, das alles zu erz\u00e4hlen\u201c, unterbrach er. \u201eUnd wenn\u2019s schiefgeht, wissen Sie besser von nichts.\u201c<br \/>Damit legte er auf, griff in eine Schublade, die er selten \u00f6ffnete, und rannte aus dem \u00dcberwachungsraum. Raus auf den Parkplatz, Sekunden sp\u00e4ter jagte er auf quietschenden Reifen durch die Stadt. Eine Viertelstunde, in halsbrecherischem Tempo, aber alles ging gut.<br \/>Schlitternd kam der Wagen auf einem H\u00fcgel \u00fcber der Stadt vor einem alten Maschendrahttor zum Stehen. Ansgar schloss auf und lief bis zu einem kleinen Maschinenhaus. Hier war schon ewig niemand mehr gewesen, und er konnte nur hoffen, dass die veraltete Technik noch funktionierte.<br \/>Er bediente einige Regler und legte dann die Hand auf einen wuchtigen Hebel. Durfte er \u2026? Wenn das schiefging \u2026 Aber es war die einzige Chance. Entschlossen dr\u00fcckte er den Hebel nach unten und lie\u00df das alte Pumpspeicherkraftwerk anlaufen, das vor 20 Jahren au\u00dfer Dienst gestellt worden war und nun hoffentlich den Blackout lange genug verhindern w\u00fcrde.\",\n\t\t\"Schnelles Hufgeklapper lie\u00df Laurenz aufmerken. Obwohl es noch ein gutes St\u00fcck entfernt war, h\u00f6rte er heraus, dass es mehrere Reiter waren, und sie n\u00e4herten sich rasch. Er hatte eine Ahnung, wer es war, eigentlich kam es nicht \u00fcberraschend.<br \/>Laurenz versah die einsame Wache an der einzigen Br\u00fccke \u00fcber den Fluss, der alte und neue Grafschaft trennte. Die Br\u00fccke war abgesperrt, und die Wachen hatten Anweisung, Durchbr\u00fcche auch mit dem Schwert zu verhindern.<br \/>Vor nicht allzu langer Zeit war auf der Br\u00fccke noch reger Verkehr gewesen. Zu Graf Karls Lebzeiten hatte es nur eine Grafschaft gegeben, doch nach seinem Tod war alles anders geworden. Der rechtm\u00e4\u00dfige Erbe w\u00e4re sein \u00e4ltester Sohn Philipp gewesen, der wie der Vater daf\u00fcr stand, dass alle ihr Auskommen haben sollten. Der j\u00fcngere Sohn, Otto, hatte sich jedoch damit nicht abfinden wollen, und er hatte die Unterst\u00fctzung der wohlhabenden H\u00e4ndler und der Kirchenm\u00e4nner gehabt.<br \/>Um eine blutige Fehde zu verhindern, hatte Philipp selbst den Lehnsherrn um die Teilung der Grafschaft gebeten. Otto hatte den aufgesetzten Vertrag z\u00e4hneknirschend unterschrieben, weil er gewusst hatte, dass er gegen den Lehnsherrn nicht gewinnen konnte.<br \/>Seitdem suchte er sein Reich mit allen Mitteln gegen Philipp abzuriegeln und hatte s\u00e4mtliche Br\u00fccken \u00fcber den Fluss abrei\u00dfen lassen. Nur die eine hatte er auf Gehei\u00df des Lehnsherrn stehen lassen m\u00fcssen, und er durfte auch nur einen Soldaten dort wachen lassen. Die gesamte Umgebung abzusperren, sodass niemand \u00fcberhaupt in die N\u00e4he der Br\u00fccke kam, war schlicht unm\u00f6glich, so viele Soldaten hatte Otto gar nicht.<br \/>So fanden zu seinem gr\u00f6\u00dften Verdruss weiterhin Nachrichten und Briefe den Weg \u00fcber den Fluss. Schlimmer noch: Je strikter er gegen die heimlichen Kontakte vorging, desto mehr wuchs bei seinen Untertanen der Wunsch nach einer Wiedervereinigung der Grafschaft mit Philipp als Grafen.<br \/>Inzwischen war er so weit, dass er pers\u00f6nlich Jagd auf die \u201eVerr\u00e4ter\u201c machte. Regelm\u00e4\u00dfig ritt er mit einem kleinen, handverlesenen Gefolge die Umgebung der Br\u00fccke ab und lie\u00df sich von der Wache Bericht erstatten.<br \/>Laurenz sah die Reiter nahen und erwartete sie vor der T\u00fcr des kleinen Wachh\u00e4uschens stehend. Er nahm Haltung an und gr\u00fc\u00dfte seinen Herrn, wie der es erwartete. \u201eUngew\u00f6hnliche Vorkommnisse?\u201c, verlangte der Graf zu wissen. Laurenz sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, Herr Graf!\u201c, antwortete er fest. \u201eNiemand war hier, das Tor ist verschlossen.\u201c<br \/>Der Graf ritt bis dicht ans Tor heran und r\u00fcttelte an den h\u00f6lzernen Balken. \u201eMan m\u00fcsste alles zumauern!\u201c, schimpfte er. \u201eDie Wachen in der Stadt haben schon wieder Briefe beschlagnahmt!\u201c<br \/>Laurenz sagte nichts, er wusste, dass der Graf keine Antwort erwartete. Gleich darauf waren die Reiter auch schon wieder auf und davon, der Graf sichtlich aufgebracht und ratlos, weil die geheime Verbindung zu den Nachbaren unauffindbar blieb.<br \/>Laurenz wartete, bis die M\u00e4nner au\u00dfer Sicht waren, und gab zur Sicherheit noch ein paar Augenblicke zu. \u201eIhr k\u00f6nnt rauskommen!\u201c, sagte er dann leise in Richtung der H\u00fctte.<br \/>Die T\u00fcr \u00f6ffnete sich, eine junge Frau schaute sichernd in die Runde und trat dann ins Freie. Eine zweite folgte ihr, genauso alt und mit einer un\u00fcbersehbaren Familien\u00e4hnlichkeit.<br \/>Der Graf h\u00e4tte es ahnen k\u00f6nnen, h\u00e4tte er wenigstens einen Hauch von N\u00e4he zu seinen Untertanen bewahrt. Weil er das nicht hatte, erkannte er in Laurenz nicht den Bauernjungen wieder, der vor Jahren seiner Tochter Amalia das Leben gerettet hatte: Sie war vom Pferd gefallen, hatte ihre Zunge verschluckt und w\u00e4re erstickt, wenn er nicht da gewesen w\u00e4re. Amalia hatte das nicht vergessen und war Laurenz in tiefer Freundschaft verbunden geblieben \u2013 genauso heimlich, wie sie sich jetzt w\u00e4hrend seiner Wache hinter dem R\u00fccken des Vaters mit ihrer Base Theresa traf, um Neuigkeiten auszutauschen und Briefe zu \u00fcbergeben.\",\n\t\t\"Die gro\u00dfe Weihnachtsauff\u00fchrung war einer der H\u00f6hepunkte jedes Schuljahres am Internat Tannenberg am Rand der Alpen: ein dreist\u00fcndiges, kunterbuntes Programm, zu dem alle Jahrg\u00e4nge etwas beitrugen. Es gab Musik, Tanz, Schauspiel, Kabarett, eine Clowns-Nummer, Artistik \u2026 Alle weit \u00fcber 200 Jungen und M\u00e4dchen, die die Schule besuchten, waren daran beteiligt, vor und hinter den Kulissen. Kaum jemand war darunter, der nicht mindestens einen Auftritt auf der B\u00fchne hatte, selbst die Sch\u00fcchternen trauten sich, weil sie wussten, dass sie nicht allein waren.<br \/>Fast alle Eltern kamen, um sich die Show anzusehen, ihre Kinder zu treffen und in einigen F\u00e4llen auch ein paar Worte mit den Lehrern zu wechseln. Manchen der Kinder und Jugendlichen war das peinlich, doch weil genug andere das gleiche Problem hatten, hob sich das irgendwie auf.<br \/>Den letzten Auftritt vor der Pause bestritten sechs M\u00e4dchen und zwei Jungen aus der 9. Klasse mit einem Stepptanz. Seit einem Vierteljahr hatten sie trainiert, hatten am Anfang sogar mehrere Musikst\u00fccke ausprobiert, bis sie eines gefunden hatten, das ihnen lag.<br \/>W\u00e4hrend sie sich hinter der B\u00fchne fertigmachten, h\u00f6rten sie, wie das St\u00fcck, das ein Streichquartett aus der Unterstufe darbot, endete und mit Beifall bedacht wurde. Jetzt w\u00fcrden die vier M\u00e4dchen sich vor dem Publikum verbeugen, der Direktor w\u00fcrde den n\u00e4chsten Act ank\u00fcndigen, und dann \u2026 \u201eEs geht los!\u201c, fl\u00fcsterte Loni, die die erfahrenste Steppt\u00e4nzerin der Gruppe war.<br \/>Die Jugendlichen klatschen einander ab, lautlos nat\u00fcrlich, damit sie die Moderation nicht st\u00f6rten. Am Rand der B\u00fchne, verborgen von den seitlichen Kulissen, stellten sie sich in einer Reihe auf und warteten auf das Signal. Frau Michel, die Deutsch, Musik und Kunst unterrichtete und hinter der B\u00fchne den Ablauf \u00fcberwachte, schaute, wann der Zeitpunkt gekommen war, und nickte dann Niklas zu, der in der Reihe vorne stand.<br \/>Die Jugendlichen liefen auf die B\u00fchne und stellten sich auf: ganz au\u00dfen die beiden Jungen, Niklas und Benjamin, neben Niklas Selma und Valentina, auf der anderen Seite neben Benjamin Frieda, die J\u00fcngste, die eigentlich noch in der 8. gewesen w\u00e4re, aber vorzeitig eingeschult worden war, und Ariane. Das Zentrum bildete Loni zusammen mit Sina, die erst zu Beginn des Schuljahres ans Internat gekommen und schnell eine von Lonis besten Freundinnen geworden war.<br \/>Die Musik setzte ein, und die Jugendlichen legten los. Loni sp\u00fcrte den Rhythmus, h\u00f6rte das harte Klackern, das ihn begleitete. Neben sich sp\u00fcrte sie Sina, sie standen dicht zusammen, dicht genug, um immer leichten Kontakt zu haben.<br \/>Es lief hervorragend, das lange \u00dcben hatte sich wirklich gelohnt. Nach vier Minuten war Loni durchgeschwitzt, aber gl\u00fccklich. Den Kameraden ging es nicht anders, und nachdem sie mit Applaus verabschiedet worden waren, umarmten sie einander noch auf der B\u00fchne, ehe sie in den Kulissen verschwanden.<br \/>In der Pause schaute Loni kurz bei ihren Eltern vorbei. Die lobten ihren Auftritt und fanden, dass auch die anderen ihre Sache gut gemacht hatten. \u201eNur die neben dir wirkte etwas merkw\u00fcrdig\u201c, schr\u00e4nkte ihre Mutter ein. Sie hatte fr\u00fcher selbst im Verein getanzt, nicht auf h\u00f6chstem Niveau, aber immerhin regional erfolgreich. Den kritischen Blick auf die Performance hatte sie immer noch. \u201eSie war immer viel zu dicht bei dir, du h\u00e4ttest noch mehr Ausdruck zeigen k\u00f6nnen, wenn sie dir nicht den Platz weggenommen h\u00e4tte.\u201c<br \/>Lonis Gesicht vereiste. \u201eDu hast keine Ahnung!\u201c, zischte sie. \u201eWenn du sie kennen w\u00fcrdest, w\u00fcrdest du nicht so rumkritteln.\u201c \u201eWas denn?\u201c, wunderte ihre Mutter sich, \u00fcberrascht von Lonis pl\u00f6tzlichem Ausbruch. \u201eIch sag doch nur \u2026\u201c \u201eGenau\u201c, unterbrach Loni sie, \u201eund du hast keine Ahnung, was sie geleistet hat. Nur damit du\u2019s wei\u00dft \u2013 Sina ist blind.\u201c\",\n\t\t\"\u201eIch f\u00fcrchte, wir haben ein Problem\u201c, verk\u00fcndete Baudezernent Schrader in der Stadtratssitzung. Stadtrat Helmer wusste, warum der Verwaltungsbeamte dabei ihn ansah. \u201eAuf dem Gel\u00e4nde wurde irgendeine bedrohte Vogelart gefunden. Fragen Sie mich nicht nach dem Namen!\u201c \u201eDie haben bestimmt wieder irgendwelche Umweltsch\u00fctzer da hingeschleppt!\u201c, warf Schroff von der Stadtpartei ein. Ihn als \u201ewirtschaftsnah\u201c zu bezeichnen, war fast noch untertrieben. \u201eNein\u201c, widersprach Helmer ruhig. \u201eDie br\u00fcten augenscheinlich schon lange da.\u201c \u201eQuatsch!\u201c, behauptete Schroff. \u201eDa gibt\u2018s nichts au\u00dfer verlotterten B\u00e4umen und wilden M\u00fcllkippen. Wird Zeit, dass die Drecksecke endlich verschwindet.\u201c \u201eKeiner hindert Sie daran, loszuziehen und den M\u00fcll einzusammeln\u201c, versetzte Helmer. \u201eDas w\u00fcrde Mensch und Tier helfen.\u201c B\u00fcrgermeister B\u00e4cker seufzte. \u201eNa toll! Dann brauchen wir einen Gutachter, der bescheinigt, dass wir das als Bauland ausweisen k\u00f6nnen. Was das wieder an Zeit frisst!\u201c \u201eKein Gutachter wird Ihnen die Fl\u00e4che freibescheinigen\u201c, prophezeite Helmer. \u201eAuf jeden Fall keiner, der sein Fach versteht und schreibt, was richtig ist, und nicht, was ihm der Auftraggeber in die Feder diktiert.\u201c \u201eWollen Sie das Projekt mit aller Gewalt zum Scheitern bringen?\u201c, fuhr der B\u00fcrgermeister ihn an. \u201eMann, \u00fcberlegen Sie mal, was das f\u00fcr die Stadt bedeutet! Arbeitspl\u00e4tze, Gewerbesteuer ...\u201c \u201eDas ist mir schon klar.\u201c Innerlich kochte Helmer ob der Wirtschaftsh\u00f6rigkeit des B\u00fcrgermeisters und der Mehrheit der Abgeordneten. \u201eUnd Sie kennen meine Position dazu.\u201c \u201eNicht schon wieder die Leier!\u201c, beschied ihn der B\u00fcrgermeister. \u201eDas haben wir doch schon oft genug durchgekaut.\u201c \u201eOffensichtlich nicht oft genug, dass alle es verstanden haben\u201c, meinte Helmer. \u201eWir haben genug alte Industriefl\u00e4chen, die sich perfekt daf\u00fcr eignen w\u00fcrden. Erschlossen, Verkehrsanbindung ist da.\u201c \u201eDie aber teuer wieder aufbereitet werden m\u00fcssten\u201c, wandte Schrader ein. Er war nat\u00fcrlich instruiert worden, welche Position die Verwaltung zu vertreten hatte. \u201eUnd die HGDT AG hat sich entschieden, sie will die Fl\u00e4che am Schmiedew\u00e4ldchen.\u201c \u201eSie will die Fl\u00e4che, die den niedrigsten Quadratmeterpreis hat\u201c, stellte Helmer klar. \u201eAber wir k\u00f6nnen der Wirtschaft nicht st\u00e4ndig erlauben, uns vor sich herzutreiben. Wir haben eine Verantwortung f\u00fcr die ganze Stadt, auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen.\u201c<br \/>Der B\u00fcrgermeister schlug mit der Hand auf den Tisch. \u201eDas sind doch unn\u00f6tige Debatten!\u201c, behauptete er. \u201eWir werden den Deal durchziehen, das werden auch ein paar V\u00f6gel nicht verhindern.\u201c \u201eSie irren!\u201c, bremste Helmer ihn. \u201eSie glauben doch nicht, dass ich mich nicht vergewissert habe, wie die Lage ist? Eine streng gesch\u00fctzte Art, das hat mir die Naturschutzvereinigung bereits best\u00e4tigt. Ihre Fabrik kriegen Sie nur ans Schmiedew\u00e4ldchen, wenn Sie f\u00fcr eine artgerechte Umsiedlung sorgen. Das w\u00fcrde viel Geld kosten, das Sie Ihren Freunden von der HGDT AG ja unbedingt sparen wollen, und es ist auch gar nicht machbar. Es gibt rundrum nichts mit vergleichbaren Bedingungen, das hat die Naturschutzvereinigung auch schon festgestellt.\u201c<br \/>Der B\u00fcrgermeister schnaubte. \u201eDas habe Sie sauber eingef\u00e4delt\u201c, knurrte er. Helmer dachte bei sich, dass er das durchaus als Kompliment sehen durfte, auch wenn B\u00e4cker es anders meinte. \u201eWas hab ich verbrochen, dass ich mit einem Abgeordneten gestraft werde, der jeden vern\u00fcnftigen Beschluss torpediert?\u201c Da w\u00e4ren Helmer einige Schandtaten eingefallen, denn der B\u00fcrgermeister hatte sich im Lauf seiner Amtsjahre gut vernetzen lassen von denen, die ein Interesse daran hatten, die Lokalpolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen. \u201eEins sage ich Ihnen:\u201c, drohte B\u00e4cker. Man merkte, dass er kurz davor war, die Beherrschung endg\u00fcltig zu verlieren. \u201eBei den n\u00e4chsten Wahlen bekommen Sie kein Mandat mehr!\u201c \u201eDas entscheiden immer noch die W\u00e4hler!\u201c, erinnerte Helmer ihn. \u201eUnd kein B\u00fcrgermeister, der seine Politik danach macht, dass er weiter ein gern gesehener Gast auf den Partys der Wirtschaftsbosse bleibt. Fakt ist, die Fabrik am Schmiedew\u00e4ldchen wird nicht kommen, und das ist gut so, auch wenn mir einige hier jetzt am liebsten den Hals umdrehen w\u00fcrden.\u201c\",\n\t\t\"Der rote Punkt neben dem Glockensymbol in der Men\u00fcleiste der Website zeigt einen neuen Beitrag in einem beobachteten Thema an. Ich klicke: Jemand hat auf das Thema Schreibwettbewerb geantwortet. Das ist so eine Tradition im Forum, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden werden Geschichten gesammelt, im Forum ver\u00f6ffentlicht und von den Lesern preisverliehen. Gibt nichts zu gewinnen au\u00dfer virtuellen Blumenstr\u00e4u\u00dfen, aber es geht ja um den Spa\u00df. Mitmachen kann jeder, der Lust hat.<br \/>Das Stichwort f\u00fcr die n\u00e4chste Runde ist drau\u00dfen: Streik. Woher die Idee kommt, liegt auf der Hand, in den letzten Wochen wurde ja gef\u00fchlt \u00fcberall gestreikt. Wahrscheinlich stand die Mitschreiberin, die sich das ausgedacht hat, gerade auf dem Bahnsteig, und was auch stand, waren die Z\u00fcge. Oder sie war am Flughafen und wurde mit einer Ansage abgefertigt, dass heute niemand abgefertigt wird.<br \/>Aber so nah der Streik als Thema liegt, so schwierig ist er auch. Was soll man dar\u00fcber schreiben? Eine Geschichte, wie jemand nicht nach Hause kommt, weil die Bahn bestreikt wird, und im Hotel, in dem er gezwungenerma\u00dfen \u00fcbernachtet, die gro\u00dfe Liebe findet? Ein St\u00fcck \u00fcber irgendjemanden, der dringend etwas besorgen m\u00fcsste, aber nicht kann, weil im Handel gestreikt wird, und kreative L\u00f6sungen finden muss? K\u00f6nnte man schon machen, ein paar M\u00f6glichkeiten g\u00e4b\u2019s da bestimmt, aber lesen will das doch niemand, sch\u00e4tze ich.<br \/>Vielleicht ist es ja ein Wink, mal auszusetzen, zu streiken sozusagen. Denn mal ganz ehrlich \u2013 lohnt es sich \u00fcberhaupt noch? Ich meine nicht, weil es nichts zu gewinnen gibt, was sich in Sach- oder Geldwert messen l\u00e4sst. Aber wir sind doch eh nur noch eine Handvoll, manchmal sorgt man sich, ob genug Beitr\u00e4ge zusammenkommen, dass \u00fcberhaupt ein Wettbewerb daraus werden kann. Wie viele die Geschichten lesen, wei\u00df man nat\u00fcrlich nicht so genau, das geht auch, ohne im Forum angemeldet zu sein. R\u00fcckmeldungen gibt es jedenfalls immer nur wenige, ein paar Unbeugsame, die sich das nicht nehmen lassen. Und daf\u00fcr investiert man ja doch einiges an Zeit \u2013 erst mal \u00fcberhaupt eine Idee finden, dann die Geschichte schreiben, schlie\u00dflich redigieren und korrigieren, das l\u00e4ppert sich. Einfach mal streiken, vielleicht auch, um ein Zeichen zu setzen?<br \/>Aber ich kenne mich, das wird nichts. Ich bin einer dieser Menschen, die st\u00e4ndig Geschichten ausbr\u00fcten, und ich liebe es, dabei auch mal v\u00f6llig verr\u00fcckte Sachen zu machen. Die kleine Gruppe, die mitmacht, ist es wert, und sie sind ja auch die Letzten, die etwas daf\u00fcr k\u00f6nnen, dass wir nicht mehr sind. Ohne uns w\u00e4ren es noch weniger, bei Licht betrachtet, dann w\u00e4ren wir als Gruppe n\u00e4mlich gar nicht mehr. Also Frage beantwortet, kein Streik.<br \/>Aber, siehe oben, was mache ich aus diesem Thema? Wisst ihr was? Ich hab doch eigentlich schon ganz viel dazu geschrieben, und eine Geschichte erz\u00e4hlen die zusammengew\u00fcrfelten Gedanken irgendwie auch. Ich mache einfach einen Punkt und streike doch ein bisschen, aber nur diesmal.\",\n\t\t\"Als das Telefon im Stationszimmer klingelte, hatte Hannah gleich kein gutes Gef\u00fchl \u2013 vielleicht, weil die Kollegin, die mit ihr zur Sp\u00e4tschicht eingeteilt war, seit zehn Minuten \u00fcberf\u00e4llig war. \u201eSeniorenresidenz Lindenallee, Pasch\u201c, meldete sie sich. \u201eNelly\u201c, kam es zur\u00fcck, und schon die Stimme best\u00e4tigte Hannahs Bef\u00fcrchtung. \u201eTut mir leid, ich kann nicht kommen. Hab mir irgendwas eingefangen.\u201c \u201eIst gut\u201c, antwortete Hannah. Dabei war gar nichts gut \u2013 es hatte schon einen Grund, dass die Nachtschicht auf der Demenzstation doppelt besetzt war. Und ausgerechnet heute, wo sie seit ein paar Tagen einen Neuzugang zu betreuen hatten, der mit der Eingew\u00f6hnung k\u00e4mpfte! Hannah hatte das schon oft erlebt: Frau Seybert war so lange wie m\u00f6glich zu Hause gepflegt worden, und jetzt, wo sie mehr denn je auf vertraute Menschen und eine vertraute Umgebung angewiesen war, ging es eben nicht mehr. Dass sie k\u00f6rperlich noch sehr fit war f\u00fcr ihre 89 Jahre, war eigentlich erfreulich, macht es Hannah aber nicht gerade leichter. Sie wanderte viel auf der Station umher, und die Pflegerinnen mussten entsprechend aufpassen, dass sie sich nichts tat und vor allem nicht verschwand. Wie sollte Hannah allein das h\u00e4ndeln, wenn sie gleichzeitig auch die anderen Bewohner und Bewohnerinnen versorgen musste?<br \/>Aber an den Fakten lie\u00df sich nichts \u00e4ndern. Nat\u00fcrlich machte Hannah der Heimleitung Meldung, dass sie allein die Versorgung auf ihrer Station nicht sicherstellen konnte, aber sie war nicht \u00fcberrascht, dass man ihr keine Unterst\u00fctzung zusagen konnte.<br \/>Also blieb Hannah nichts anderes \u00fcbrig, als sich irgendwie durchzuk\u00e4mpfen. Zun\u00e4chst ging es noch, denn solange ihre Schutzbefohlenen alle im Gemeinschaftsraum der Station sa\u00dfen, sofern sie nicht bettl\u00e4gerig waren, brauchte sie nicht an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Doch wenn jemand aufs Klo musste, wurde es schon schwierig. Hannah blieb nichts anderes \u00fcbrig, als die Zimmert\u00fcr offenzulassen und mit einem Ohr zu lauschen, ob irgendwo etwas war, w\u00e4hrend sie die n\u00f6tige Hilfestellung gab. Sie konnte nur hoffen, dass nichts passierte, denn sie hatte keine Ahnung, was sie dann machen sollte. In dem Fall w\u00fcrde sie sofort nachsehen m\u00fcssen, aber sie durfte auch die Person auf dem Klo nicht allein lassen \u2013 zwei Unbedingtheiten, die sich gegenseitig ausschlossen.<br \/>Besonders anstrengend wurde es am sp\u00e4ten Nachmittag. Schon das Abendessen auszuteilen und jedem nach seinem Bedarf zu helfen, war eine Herausforderung, und danach h\u00e4tte Hannah eigentlich dringend eine Pause gebraucht. Stattdessen begann sie, die Ersten bettfertig zu machen, sie w\u00fcrde es ohnehin nicht schaffen, alle zur gewohnten Zeit ins Bett zu bringen.<br \/>St\u00e4ndig hatte sie ein Ohr auf den Gang, und wann immer sie konnte, huschte sie r\u00fcber in den Gemeinschaftsraum, um nach dem Rechten zu sehen.<br \/>Beim dritten Mal fand sie dort jemanden, der eigentlich nicht dort h\u00e4tte sein sollen. \u201eAmaya?\u201c, wunderte sie sich. \u201eWas machst du hier?\u201c Amaya war noch nicht lange in Deutschland, sie kam aus Gambia und hatte einen Job in der K\u00fcche des Altenheims gefunden. Zu ihren Aufgaben geh\u00f6rte, Essen auf die Stationen zu bringen und sp\u00e4ter das Geschirr abzur\u00e4umen.<br \/>\u201eIch gesehen, du allein und viel Arbeit\u201c, erkl\u00e4rte sie in ihrem gebrochenen Deutsch. \u201eIch hier aufpassen.\u201c \u201eMusst du nicht zur\u00fcck in die K\u00fcche?\u201c, wunderte Hannah sich. \u201eIch Feierabend\u201c, antwortete Amaya. Sie h\u00e4tte also l\u00e4ngst auf dem Heimweg sein k\u00f6nnen, aber davon wollte sie nichts wissen.<br \/>Hannahs Dankbarkeit war unendlich. \u201eDanke!\u201c, sagte sie, als sie alle ins Bett gebracht hatte. Amaya war tats\u00e4chlich geblieben. \u201eOhne deine Hilfe \u2026\u201c \u201eIst gut!\u201c, wehrte Amaya ab. \u201eAber jetzt du Pause!\u201c Sie schob Hannah eine Tasse Tee hin, selbst hatte sie auch eine vor sich auf dem Tisch stehen. Hannah setzte sich und sp\u00fcrte, wie sie sich entspannte \u2013 gut, wenn man solche Kolleginnen hatte!\",\n\t\t\"Die Sommerferien waren zur H\u00e4lfte vorbei, Zeit also, sich um den Schulbedarf f\u00fcrs n\u00e4chste Schuljahr zu k\u00fcmmern. Linda hatte drei Listen an der Pinnwand h\u00e4ngen, die sie abarbeiten musste, die l\u00e4ngste war die f\u00fcr ihren Sohn Joshua. Er w\u00fcrde nach den Ferien aufs Gymnasium kommen, seine Schwestern Raphaela und Tabea dagegen erst in die zweite und vierte Klasse.<br \/>Den Gro\u00dfteil der Sachen hatte Linda schon gekauft. Es gab ja kaum einen Supermarkt, der nicht um diese Jahreszeit Schulbedarf ins Angebot nahm, da hatte sie den Grundstock schnell zusammen gehabt. Aber ein paar Dinge waren zu speziell, Joshua brauchte zum Beispiel f\u00fcr den Musikunterricht ein Notenheft.<br \/>Linda fand, dass er mit fast elf Jahren alt genug war, die restlichen Sachen selbst zu besorgen, auch wenn er daf\u00fcr mit dem Bus in die Stadt fahren musste. In drei Wochen w\u00fcrde er diese Tour t\u00e4glich machen, das Gymnasium lag am Rand der Innenstadt. Tabea begleitete ihn, sie w\u00fcrde unter anderem ein Heft mit \u00dcbungsaufgaben abholen, das Linda in ihrer Stammbuchhandlung f\u00fcr sie bestellt hatte.<br \/>Linda war gerade dabei, die Sp\u00fclmaschine auszur\u00e4umen, als ihr Handy eine eingehende Nachricht signalisierte. Weil die Kinder unterwegs waren, schaute sie direkt nach, und tats\u00e4chlich war die Nachricht von Joshua. \u201eWir kriegen den gr\u00fcnen Umschlag nicht\u201c, textete er. \u201eAusverkauft.\u201c \u201eMacht nichts\u201c, tippte Linda. Sie wollte schreiben, dass sie den Umschlag \u2013 ein Schutzumschlag f\u00fcrs Deutsch-Klassenarbeitsheft \u2013 dann eben beim n\u00e4chsten Mal mitbringen w\u00fcrde. Doch dann \u00fcberlegte sie es sich anders und rief lieber an. Neben dem Schreibwarenladen gab es auch noch die Schreibwarenabteilung im Kaufhaus, dort konnten Joshua und Tabea es auch noch versuchen.<br \/>Aber auf die Idee waren die Kinder selbst schon gekommen. \u201eAuch nichts\u201c, berichtete Joshua. Im Kaufhaus waren besagte Umschl\u00e4ge genauso ausverkauft wie im Schreibwarenladen. Er hatte auch schon nachgefragt, wann sie wieder reinkommen w\u00fcrden. \u201eDie wissen nicht, wann sie wieder welche haben\u201c, sagte er. \u201eSie haben sie bestellt, aber die Firma schickt keine.\u201c<br \/>\u201eNa ja, halb so schlimm\u201c, entschied Linda. \u201eEin bisschen Zeit ist ja noch, und wenn sie gar nicht mehr zu kriegen sind, dann muss es ein anderer tun. Klappt bei Tabbi und Rapha ja auch.\u201c Auch die M\u00e4dchen mussten Schutzumschl\u00e4ge in bestimmten Farben an den Heften haben, aber die Grundschule hatte im Gegensatz zu Joshuas neuer Schule keine Marke vorgegeben.<br \/>Linda kaufte lieber vor Ort, trotzdem schaute sie nach, ob der Umschlag online zu bekommen war. Schwierig, stellte sie fest. Zwei Anbieter fand sie auf den gro\u00dfen Plattformen, und die nahmen Mondpreise. 4,50\u20ac pro St\u00fcck war das billigste Angebot, zuz\u00fcglich Versand. Das war Wucher, auch wenn der Hersteller eine Manufaktur war.<br \/>\u00dcber das Sekretariat der Schule, das zum Gl\u00fcck auch in den Ferien E-Mails beantwortete, kam Linda an die Kontaktdaten der Klassenlehrerin. Von der kam die Vorgabe mit dem Umschlag, und vielleicht wusste sie gar nicht, wie schwer der derzeit zu bekommen war. Doch die Lehrerin blieb dabei: Es musste genau dieser Umschlag sein.<br \/>Die Vehemenz kam Linda merkw\u00fcrdig vor, auch wenn sie es prinzipiell l\u00f6blich fand, regionale Unternehmen mit nachhaltiger Produktion zu unterst\u00fctzen. Eigentlich wollte sie keinen \u00c4rger mit der Lehrerin, ehe Joshua sie \u00fcberhaupt kennengelernt hatte, aber anders ging es wohl nicht.<br \/>Am Abend rief sie erneut an. \u201eNur damit Sie Bescheid wissen:\u201c, sagte sie, \u201eJoshua wird einen ganz normalen gr\u00fcnen Umschlag an sein Deutschheft machen, und Sie werden ihm deswegen keinen \u00c4rger machen. Sonst k\u00f6nnte ich mir noch mal \u00fcberlegen, ob es mir wirklich reicht, wenn Sie ger\u00e4uschlos die beiden Accounts dichtmachen, \u00fcber die Sie die Sachen f\u00fcrs Doppelte oder Dreifache von dem verkaufen, was ihre Schwester bekommen w\u00fcrde, wenn sie sie an die L\u00e4den liefert.\u201c\",\n\t\t\"Das Sommerfest war immer ein H\u00f6hepunkt f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten von FH Feilke. Die Firma machte in Fertigh\u00e4usern, 70 Angestellte sorgten daf\u00fcr, dass der Laden brummte. Da lie\u00df der Chef sich dann auch nicht lumpen, im Sommer und zu Weihnachten wurde gro\u00df gefeiert.<br \/>F\u00fcr Bennet und Carla war es das erste Sommerfest. Sie hatten im letzten Sommer ihre Ausbildung begonnen, Carla im Vertrieb, Bennet in der Buchhaltung. Arbeitsm\u00e4\u00dfig hatten sie nicht so viel miteinander zu tun, verbrachten aber oft die Mittagspausen zusammen. Vielleicht musste sich das so ergeben, weil sie die einzigen Auszubildenden waren und auch sonst mit ihren siebzehn Jahren mit Abstand die J\u00fcngsten. Au\u00dferdem kannten sie sich von fr\u00fcher, an der Realschule waren sie in Parallelklassen gewesen.<br \/>Bennet f\u00fchlte sich ganz wohl. Der Chef hatte ein Restaurant komplett gemietet f\u00fcr den Abend, es gab einen gro\u00dfen Saal drinnen und drau\u00dfen eine Terrasse, die einen sch\u00f6nen Blick aufs Ruhrtal bot. Man sa\u00df dort recht gem\u00fctlich, die Tische waren so zusammengestellt worden, dass man sich gut in kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Gruppen unterhalten konnte. Dienstbare Geister bewegten sich zwischen den Tischen und brachten Getr\u00e4nke, Essen musste man sich selbst holen. Ein Ein-Mann-Ensemble mit Keyboard sorgte f\u00fcr musikalische Untermalung, aber dezent, sodass man seinen Sitznachbarn noch verstand, ohne dass der den Stimmb\u00e4ndern eine Gewaltleistung abverlangen musste.<br \/>Carla neben ihm war nicht ganz so gl\u00fccklich. Ihr gefiel das Restaurant, auch die ganze Atmosph\u00e4re, und einer der Statiker erz\u00e4hlte gerade lebhaft witzige Anekdoten. Doch beim Essen h\u00e4tte der Chef sich mehr einfallen lassen d\u00fcrfen, fand sie, auch wenn sie nicht undankbar sein wollte. Da hatte er sich an seinem pers\u00f6nlichen Geschmack orientiert, Carla wusste, dass ein ordentliches Spanferkel mit Kraut bei ihm immer ging. Vielleicht hatte ihm da die Unterst\u00fctzung seines Assistenten gefehlt, der in der entscheidenden Phase der Planung in Elternzeit gewesen war.<br \/>Carla a\u00df Fleisch, aber in Ma\u00dfen. Mangels Alternativen hatte sie sich ein kleines St\u00fcck genommen und eine Portion Kraut dazu, aber echter Appetit wollte sich nicht einstellen. Eher lustlos schob sie sich gelegentlich eine Gabel voll in den Mund. \u201eNicht so deins, oder?\u201c, stellte Bennet mitf\u00fchlend fest. Von den gemeinsam verbrachten Mittagspausen kannte er nat\u00fcrlich ihre Vorlieben. \u201eGar nicht\u201c, gab Carla zu. \u201eDu haust aber auch nicht gerade rein.\u201c Das stimmte, auch Bennet war kein Freund von fettigem, fleischlastigem Essen. \u201eL\u00e4sst du mich mal kurz raus?\u201c, bat er.<br \/>Ein paar Minuten sp\u00e4ter war er zur\u00fcck. Wo er gewesen war, sagte er nicht, auf dem Klo, sch\u00e4tzte Carla. Ihr fiel auf, dass er immer wieder auf die Uhr schaute. \u201eWas ist los?\u201c, fragte sie. \u201eMusst du schon weg?\u201c \u201eNein.\u201c Bennet sch\u00fcttelte den Kopf und schaute schon wieder auf die Uhr. \u201eKommst du mit nach drau\u00dfen?\u201c<br \/>Carla nickte, das Essen hielt sie nicht am Tisch, und mal etwas frische Luft zu schnappen, konnte nicht schaden. Allerdings steuerte Bennet nicht die Terrasse an, sondern einen Seiteneingang, der zum Parkplatz f\u00fchrte. Dahinter schloss sich ein Park an, und Bennet f\u00fchrte sie einen der Wege entlang. Hoppla, darauf war sie nicht vorbereitet, aber okay.<br \/>Wenig sp\u00e4ter erreichten sie einen Spielplatz, Bennet setzte sich auf die Tischtennisplatte und klopfte einladend neben sich auf die Betonfl\u00e4che. W\u00e4hrend Carla sich noch fragte, was das sollte, wurde ein Knattern laut, und ein paar Augenblicke sp\u00e4ter hielt ein Moped mit einer ausladenden Box auf dem Gep\u00e4cktr\u00e4ger vor ihnen: ein Pizzabote!<br \/>\u201eDu bist verr\u00fcckt!\u201c, sagte Carla lachend, w\u00e4hrend der Pizzabote das Geld f\u00fcr die Pizzen einsteckte und davonknatterte. \u201eWenn das einer gesehen hat, sind wir Montag Tagesgespr\u00e4ch in der Firma. Aber egal, ich find\u2019s sch\u00f6n.\u201c Sie beugte sich zu Bennet hin\u00fcber und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.\",\n\t\t\"Ich sitze am Schreibtisch, und aus Gr\u00fcnden, die mir nicht so schleierhaft sind, geht mir der alte Schlager nicht aus dem Kopf, den Opa immer geh\u00f6rt hat: \u201eEin wei\u00dfes Blattl Papier liegt schon seit Stunden vor mir\u2026\u201c Ersetze Papier durch einen leeren Texteditor, dann stimmt\u2019s. Dass das nicht vom Himmel f\u00e4llt mit dem eigenen Blog, das wusste ich schon, aber so schwer hab ich\u2019s mir doch nicht vorgestellt. Ein Thema, ein Thema nur, das richtig was hermacht \u2013 das k\u00f6nnte schon mein Sprungbrett sein, wohin auch immer. Hauptsache weg von der Kasse beim Supermarkt um die Ecke! Aber mir f\u00e4llt nichts ein.<br \/>Vielleicht muss ich einfach mal den Kopf frei kriegen. Ich fahre den Laptop runter, greife mir im Rausgehen noch einen M\u00fcsliriegel und laufe los ohne ein echtes Ziel.<br \/>Es ist Mittagszeit, ich hatte gehofft, ich h\u00e4tte meinen ersten Rei\u00dfer fertig, bis ich zur Sp\u00e4tschicht muss. Jetzt hoffe ich, mir f\u00e4llt wenigstens noch ein, wor\u00fcber ich schreiben k\u00f6nnte, schreiben muss ich\u2019s dann morgen fr\u00fch. Na gut, auf ein oder zwei Schichten mehr an der Kasse kommt\u2019s nicht an, sagt zumindest die Vernunft.<br \/>Von mir nicht bewusst gesteuert tragen die F\u00fc\u00dfe mich am Supermarkt vorbei und weiter zu einem kleinen Platz, der von sich behauptet, das Zentrum des Stadtteils zu sein. Na ja, ziemlich hochgestapelt, eine Stra\u00dfenecke, an der das Eckhaus fehlt, zwei B\u00e4ume, zwei B\u00e4nke, in einer Ecke Gummi- statt Steinplatten als letzte Zeugen eines nicht mehr vorhandenen Spielger\u00e4ts. Viel los ist nicht, auf einer der B\u00e4nke sitzt ein \u00e4lterer Mann, neben sich eine Bierflasche. Ich sehe ihn \u00f6fter, wie er hei\u00dft und warum er so oft hier ist, wei\u00df ich nicht. Kein Job, vermute ich, vielleicht Fr\u00fchrentner. Ob er sich auch was Besseres vorstellen k\u00f6nnte, als hier abzuh\u00e4ngen? Oder f\u00fchlt er sich wohl so, auf der Bank sitzen, sein Bier trinken und schauen, wer vorbeikommt? Vielleicht sollte man ihn das mal fragen bei Gelegenheit.<br \/>An der Haltestelle vorne h\u00e4lt ein Bus. Sch\u00fclereinsatzwagen, registriere ich beil\u00e4ufig, er spuckt bestimmt ein gutes Dutzend Kinder und Jugendliche aus. Er f\u00e4hrt an, aber zehn Meter weiter steht er wieder, die Druckluftbremsen fauchen. Die vordere T\u00fcr geht auf, ein M\u00e4dchen \u2013 f\u00fcnfte Klasse, h\u00f6chstens sechste \u2013 k\u00e4mpft sich nach drau\u00dfen, verfolgt von einem unwilligen Blick des Fahrers. Dabei kann die Kleine bestimmt nichts daf\u00fcr, dass sie nicht rechtzeitig rausgekommen ist, der Bus ist gestopft voll. Da k\u00f6nnten sie auch einen zweiten schicken, oder wenigstens einen Gelenkbus! Sollte man auch mal drauf aufmerksam machen bei Gelegenheit.<br \/>Weiter vorne gabelt sich die Stra\u00dfe. Ein Kombi kommt mir aus dem rechten Zweig entgegen und rangiert m\u00fchsam um die Spitzkehre in den linken. Dann Vollbremsung, die alte Frau, die dort mit ihrem Rollator die Stra\u00dfe \u00fcberquert, hat der Fahrer verflixt sp\u00e4t gesehen. Hier geh\u00f6rt echt ein Spiegel hin, da sollte man die Stadt mal drauf sto\u00dfen bei Gelegenheit.<br \/>Mit solchen Gedanken komme ich nach Hause. Au\u00dfer Spesen nichts gewesen! Da h\u00e4tte ich gleich zu Hause bleiben und auf den Bildschirm starren k\u00f6nnen.<br \/>\u201eWas ist?\u201c, fragt mich meine beste Freundin und Mitbewohnerin. Ich seufze und berichte von meinen Schwierigkeiten, ein Thema f\u00fcr mein Blog zu finden. Dass ich einen Spaziergang gemacht hab, weil ich gehofft hab, dabei k\u00e4me mir eine Idee, dass mir aber nichts eingefallen ist.<br \/>\u201eDoch\u201c, sagt sie. \u201eDu hast einen ganzen Sack voll Ideen mitgebracht. Das ist doch das beste Thema \u00fcberhaupt, und du hilfst allen damit: die kleinen Themen des Alltags!\u201c\",\n\t\t\"&quot;Bitte!&quot; Theodora hielt der Bewerberin die T\u00fcr auf und deutete auf den Stuhl rechts am Tisch. Links sa\u00df bereits ihre Chefin, Hanka. Sie hatte vor sich auf dem Tisch ein Tablet liegen, darauf griffbereit die Bewerbungsunterlagen. &quot;Guten Tag, Frau Lohauer&quot;, begr\u00fc\u00dfte sie die junge Frau, die sich um eine Stelle im Vertrieb beworben hatte.<br \/>Weil Hanka das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte, hatte Theodora Zeit, die Bewerberin zu beobachten. Das war kein Zufall, die Arbeitsteilung hatte sich schon bei einigen Bewerbungsgespr\u00e4chen bew\u00e4hrt und bis jetzt selten zu Entscheidungen gef\u00fchrt, die im Nachhinein betrachtet doch nicht so gut gewesen waren.<br \/>&quot;Was meinst du?&quot;, fragte Hanka, nachdem sie die Bewerberin verabschiedet hatte. &quot;Ich finde, sie macht einen guten Eindruck.&quot; Theodora wiegte den Kopf. &quot;Ich bin mir nicht ganz sicher&quot;, behauptete sie. &quot;Lass mich eine Nacht dr\u00fcber schlafen, okay?&quot;<br \/>Hanka wunderte sich, war aber einverstanden. &quot;Ich mach dann auch gleich Feierabend&quot;, k\u00fcndigte Theodora an. &quot;Dann kann ich noch eine sch\u00f6n gro\u00dfe Runde mit dem Hund machen, am Wochenende konnte man ja kaum raus vor lauter Regen.&quot;<br \/>Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, aber statt der Statistiken, die sie zeitnah pr\u00fcfen musste, rief sie sich die Unterlagen der gerade verabschiedeten Bewerberin auf. Emily Lohauer, geboren am 14. August 1999 in\u2026 Wenn Theodora sich nicht v\u00f6llig irrte, dann war Emily nah an der Wahrheit geblieben, aber eben nur nah dran.<br \/>Doch das konnte sie nicht vom B\u00fcro aus pr\u00fcfen. Weder w\u00fcrde sie die Informationen, die sie ben\u00f6tigte, im Internet finden, noch durfte sie riskieren, dass bei einer Routinepr\u00fcfung jemand auf die Recherche stie\u00df. Deshalb machte sie wie angek\u00fcndigt zeitig Feierabend, fuhr nach Hause und holte dort einen bestimmten Ordner aus dem Regal. Einen Ordner, von dem sie gehofft hatte, dass sie ihn nie wieder brauchen w\u00fcrde.<br \/>Sie wusste, wo sie zu suchen hatte, und nach wenigen Augenblicken hielt sie das Foto in den H\u00e4nden. Sie wirkte anders auf dem Bild, mit dem langen Kleid und der Frisur, wie sie damals \u00fcblich gewesen war, aber ohne jeden Zweifel&#58; Sie war es. Theodora biss sich auf die Lippen \u2013 das h\u00e4tte nie passieren d\u00fcrfen! Ein Fehler, der ihr vor Jahren unterlaufen war, vor wie vielen, war Ansichtssache. Sie w\u00fcrde ihn korrigieren m\u00fcssen, auch wenn es wehtat.<br \/>Wehm\u00fctig betrachtete sie das Bild. Emilie, 17 musste sie damals gewesen sein, und neben ihr ihr Vater, Theordoras Onkel. Ein netter Mann, und ein begnadeter Erfinder noch dazu, aber auch ein \u00fcberzeugter Royalist. Es war sicherlich nicht schwer gewesen, ihn von seiner Mission zu \u00fcberzeugen: ein Ger\u00e4t, das es m\u00f6glich machte, zuk\u00fcnftige Feinde der Monarchie zu finden, ehe sie sich ihrer Haltung bewusst wurden. Ob er begriffen hatte, dass er nur ein Werkzeug gewesen war, und dass die \u201efr\u00fchzeitige Erziehung\u201c mit Klinge und Hanfseil vollzogen worden w\u00e4re?<br \/>Theodora hatte gewusst, was passieren w\u00fcrde, w\u00fcrde der K\u00f6nig &ndash; oder jemand, der selbst den Thron besteigen wollte \u2013 dieses Werkzeug in die H\u00e4nde bekommen. Sie hatte keine Wahl gehabt, egal, wie hoch der Preis daf\u00fcr gewesen war. Alles, was ihr jemals etwas bedeutet hatte, hatte sie daf\u00fcr aufgegeben, selbst ihre Zeit. Nichts als verbrannte Erde hatte sie hinterlassen im ausgehenden 19. Jahrhundert, zumindest hatte sie das gedacht. Aber sie hatte etwas &ndash; jemanden &ndash; \u00fcbersehen. W\u00fcrde sie deswegen noch einmal das \u00fcble Handwerk \u00fcben m\u00fcssen? Morden im 21. Jahrhundert war gef\u00e4hrlich, es war fast unm\u00f6glich, all die Spuren zu verwischen, die die Ermittler inzwischen auswerten konnten. Auf der anderen Seite &ndash; musste es \u00fcberhaupt einen Fall geben? Immerhin hatte Emilie eine L\u00fccke von 130 Jahren im Lebenslauf, wer sollte sie vermisst melden?\",\n\t\t\"\u201eIch mache mir Sorgen!\u201c, sagte Margarethe zu ihrem Bruder. \u201eDie Leute fangen an, zu vergessen, die Kinder gehen weit in den Wald und kehren erst zur\u00fcck, wenn es schon lange dunkel ist.\u201c \u201eWas sollen sie tun?\u201c, gab Johannes zu bedenken. \u201eDie Familien sind arm, die Kinder m\u00fcssen helfen, sonst reicht es nicht zum Leben. Das wei\u00dft du doch selbst.\u201c<br \/>Nat\u00fcrlich wusste Margarethe das. Sie hatte es nie leicht gehabt im Leben, ihr Vater war K\u00f6hler gewesen, es hatte immer nur so gerade gereicht. Die Mutter war fr\u00fch gestorben, und die neue Frau des Vaters hatte nichts Eiligeres zu tun gehabt, als die Kinder loszuwerden. Margarethe und Johannes hatten aus bitterer Erfahrung lernen m\u00fcssen, dass sie, wenn \u00fcberhaupt, nur wenigen Menschen vertrauen konnten. Sie hatten sogar Gl\u00fcck, dass sie \u00fcberhaupt noch die Gelegenheit bekommen hatten, aus ihren Erfahrungen zu lernen, denn was ihnen als Kindern widerfahren war, h\u00e4tte nur zu leicht beider Ende sein k\u00f6nnen.<br \/>Damals hatte das ganze Dorf dar\u00fcber gesprochen, doch je mehr Zeit verstrich, desto mehr schien die Sache in Vergessenheit zu geraten. Margarethe wusste nicht, was sie dagegen tun sollte, sie versuchte, zu warnen, doch es schien, als w\u00e4ren die Leute es \u00fcberdr\u00fcssig geworden, davon zu h\u00f6ren. Nat\u00fcrlich hatte Johannes recht, die Kinder mussten helfen, die Felder zu bestellen und im Wald nach essbaren Pflanzen und Brennholz zu suchen. Da waren ihre eigenen Kinder keine Ausnahme, auch Amalie und Heinrich mussten ihr helfen, sonst h\u00e4tte sie sie nicht durchbringen k\u00f6nnen. Die Zwillinge waren das Einzige, was der Mann ihr gelassen hatte, mit dem sie nur noch auf dem Papier des Pfarrbuchs verheiratet war; vielleicht war sie l\u00e4ngst Witwe, sie wusste es nicht und war nicht traurig darum.<br \/>\u201eMach es, wie Vater es getan hat\u201c, schlug Johannes vor. \u201eErz\u00e4hle den Kindern alles, was du wei\u00dft. Alles, was du selbst erlebt hast, und alles, was Vater uns erz\u00e4hlt hat.\u201c \u201eDas tue ich\u201c, versicherte Margarethe. \u201eAber reicht das? Wenn ich die Einzige bin, die es erz\u00e4hlt?\u201c<br \/>\u201eSeid sicher, eure Geschichte wird nicht vergessen werden.\u201c \u00dcberrascht schauten die Geschwister auf. Sie hatten nicht bemerkt, dass ein Mann zu ihnen getreten war, ein Mann, den sie noch nie im Dorf gesehen hatten. War er ein fahrender H\u00e4ndler? Zumindest schien er etwas Geld zu haben, denn der Stoff seiner Kleidung war nicht abgenutzt. Aber Margarethe sah nirgends einen Wagen, weder Pferdegespann, noch Esel- oder Handkarren, und H\u00e4ndler pflegten sich lautstark anzuk\u00fcndigen, wenn sie ins Dorf kamen. Sie hatte aber nichts geh\u00f6rt, obwohl sie mit Johannes drau\u00dfen sa\u00df, kaum ein paar Schritte vom Brunnen in der Mitte des Dorfes entfernt.<br \/>\u201eWoher wisst Ihr\u2026?\u201c, fragte Margarethe verdutzt. \u201eIch kenne eure Geschichte, seit ich ein Kind war\u201c, antwortete der Fremde. \u201eIch habe durch viele, viele Jahre nach euch gesucht.\u201c \u201eDas hei\u00dft, man kennt unsere Geschichte auch woanders?\u201c, folgerte Johannes. \u201eUnd erz\u00e4hlt sie sich noch?\u201c Der Fremde nickte. \u201eMan erz\u00e4hlt sie den Kindern, und zwei Br\u00fcder werden sie aufschreiben, damit sie nicht vergessen wird. Selbst noch in vielen, vielen Jahren werden Eltern ihren Kindern eure Geschichte vorlesen. Man wird nicht mehr wissen, wann und wo genau sie passiert ist, aber man wird immer noch wissen, was passiert ist.\u201c \u201eIhr scheint ein Seher zu sein\u201c, sagte Margarethe vorsichtig. \u201eIhr sprecht, als w\u00fcsstet Ihr, was die ferne Zukunft bringt.\u201c \u201eIch kann nur in die Vergangenheit sehen\u201c, widersprach der Fremde. \u201eEine Vergangenheit aber, die erst noch beginnt. Aber ich verga\u00df ganz, mich vorzustellen: Ich bin Max Grimm, und die beiden Br\u00fcder werden meine Ur-Ur-Ur-Ur-Gro\u00dfonkel gewesen sein.\u201c \",\n\t\t\"Mit weichen Knien n\u00e4herte Eric sich der zweifl\u00fcgligen Glast\u00fcr: die verbotene T\u00fcr, und die T\u00fcr, hinter der all seine Sehns\u00fcchte lagen. Nein, niemand hatte direkt gesagt: \u201eDu darfst nicht!\u201c, aber was sie gesagt hatten, war so gut wie ein Verbot. Worte voller Unverst\u00e4ndnis, Worte, in denen schon Verachtung lag, noch ehe irgendetwas passiert war.<br \/>Noch zehn Schritte. Jeder wurde begleitet von einer anderen Stimme, die ihn zur Umkehr zwingen wollte. \u201eUnd was ist mit Schule?\u201c Das war die besorgte Stimme der Mutter. \u201eDie vernachl\u00e4ssigst du doch so schon! Alles, was du jetzt verpasst, holt dich immer wieder ein, und ohne einen guten Abschluss\u2026\u201c<br \/>Eric wischte den Gedanken weg, das Lied kannte er auswendig, von der ersten bis zur letzten Strophe. Doch die n\u00e4chste Stimme wartete schon auf ihre Chance: \u201eWas hast du davon, Junge? Besch\u00e4ftige dich mit was Ordentlichem! Geh mal wieder zum Fu\u00dfball, da hast du mehr von.\u201c Das war der Vater mit seiner immer etwas brummigen Art. Es war gut gemeint, das wusste Eric, aber trotzdem\u2026 Auch der Vater w\u00fcrde ihn nicht verstehen.<br \/>\u201eM\u00e4dchenzeugs!\u201c Das war die Ansicht des besten Freundes, Angus, auf den er sich sonst immer verlassen konnte. Sonst! Doch diesmal? Keine Spur von Unterst\u00fctzung und R\u00fcckhalt.<br \/>Aber davon wollte Eric sich nicht aufhalten lassen. Dies war seine Sache, es war wichtig, und er w\u00fcrde es schaffen. Mit diesem Mantra bew\u00e4ltigte er die letzten Schritte und legte die Hand an den Griff der Glast\u00fcr. Ein letzter sichernder Blick in die Runde \u2013 nein, es schien niemand in der N\u00e4he zu sein, der ihn kannte. Eric atmete tief ein, zog die T\u00fcr auf und trat ein.<stars>Als Eric geraume Zeit sp\u00e4ter wieder ins Freie trat, war sein Rucksack schwer, daf\u00fcr aber sein Herz leicht: geschafft! Er hatte es durchgezogen, ungeachtet aller Einreden.<br \/>Beseelt vom Erfolg machte er trotz des Gewichts auf seinem R\u00fccken ein paar kleine H\u00fcpfer, ehe er an der n\u00e4chsten Ecke in einen flotten Schritt verfiel. Er war gl\u00fccklich, auch stolz, und er freute sich auf all die M\u00f6glichkeiten, die er sich selbst erschlossen hatte.<br \/>Doch je mehr er sich seinem Zuhause n\u00e4herte, desto gr\u00f6\u00dfer wurden die Zweifel wieder. War es richtig gewesen, hinter dem R\u00fccken aller? Was w\u00fcrden seine Eltern sagen?<br \/>Er beschloss, einen Umweg zu machen, durch die Parallelstra\u00dfe. So konnte er das Haus von der Seite aus erreichen, wo er sowohl vom K\u00fcchen- als auch vom Wohnzimmerfenster aus bis zur Haust\u00fcr im toten Winkel war. Dann konnten Mutter und Vater ihn erst bemerken, wenn er schon drinnen war, und wenn er Gl\u00fcck hatte, konnte er zun\u00e4chst den Rucksack in sein Zimmer stellen, ehe er sich bemerkbar machte.<br \/>Leise schob er den Schl\u00fcssel ins Schloss, und mit dem Daumen am Rahmen dr\u00fcckte er die T\u00fcr behutsam wieder zu. Tats\u00e4chlich, Fortuna war auf seiner Seite, die Eltern unterhielten sich und \u00fcbert\u00f6nten dabei die leisen Ger\u00e4usche, die er nicht vermeiden konnte, ohne erkennen zu lassen, dass er jedes Ger\u00e4usch vermeiden wollte.<br \/>Er stellte den Rucksack ab, meldete sich zur\u00fcck und packte dann aus, was ihm so wichtig war. Womit anfangen? Ah, hier, das w\u00fcrde das Erste sein! Er setzte sich, und im n\u00e4chsten Moment war die Welt schon kaum noch existent f\u00fcr ihn. Nur ein kurzer Blick noch zum Schreibtisch, dort lag die Grundlage von allem, was ihm erlauben w\u00fcrde, seine Tr\u00e4ume zu erleben: eine Plastikkarte, sein Name in Druckbuchstaben, und dar\u00fcber, gr\u00f6\u00dfer und wuchtiger, nicht zu \u00fcbersehen &ndash; \u201eB\u00fcchereiausweis\u201c.\",\n\t\t\"Mechanisch legte Melanie die Stempelkarte auf den Tresen. Es war jeden Mittag das gleiche, f\u00fcnf Tage die Woche: Das Tagesgericht, dazu ein kleiner Salat, und seit einem Monat den Stempel daf\u00fcr. 25 Mal das Tagesgericht oder ein anderes Hauptgericht in der Kantine, und es gab ein Dessert gratis. Eine alte Methode, mit der der Wirt ein paar Kunden zus\u00e4tzlich locken wollte.<br \/>\u201eBitte\u201c, sagte der Mann hinter dem Tresen und reichte Melanie die gestempelte Karte zur\u00fcck. \u201eIch glaube, Sie sind die Erste, die die Karte vollkriegt.\u201c Melanie l\u00e4chelte nur leicht; auch wenn sie Stammkundin und deshalb bekannt war, hatte sie doch kein herzliches Verh\u00e4ltnis zum Personal.<stars>Nach Feierabend erledigte Melanie ihre Eink\u00e4ufe. Als sie bezahlen wollte, stellte sie fest, dass ihr Portemonnaie gepl\u00fcndert worden war: Das Bargeld war weg, die vollgestempelte Bonuskarte aus der Kantine und eine weitere Bonuskarte von einer B\u00e4ckerei, die aber erst zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt war.<br \/>Sie hatte einen Verdacht, aber sie w\u00fcrde sich h\u00fcten, ihn zu \u00e4u\u00dfern, denn beweisen konnte sie nichts. Ihre Handtasche hatte offen in ihrem B\u00fcro gestanden, jeder aus der Firma h\u00e4tte kurz reinschl\u00fcpfen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sie nicht am Schreibtisch sa\u00df. Der oder die Betreffende h\u00e4tte sogar bequem vom eigenen Schreibtisch aus nach einem passenden Zeitpunkt suchen k\u00f6nnen, denn jeder hatte Zugriff auf alle Kalender mit Meetings und Kundenterminen. Es war auch nichts gestohlen worden, was man eindeutig ihr als rechtm\u00e4\u00dfiger Besitzerin h\u00e4tte zuordnen k\u00f6nnen.<stars>Am n\u00e4chsten Tag musste Melanie sich zum ersten Mal seit langer Zeit woanders etwas zum Mittagessen besorgen. Die Kantine war abgeriegelt, vor dem Haupteingang des Geb\u00e4udes sah Melanie einen Rettungswagen, einen Notarztwagen und zwei Polizeifahrzeuge stehen. Was passiert war, war nicht zu erkennen, aber in Ans\u00e4tzen sprach es sich im Lauf des Nachmittags zu Melanie rum. Eine junge Frau war in der Kantine zusammengebrochen und ins Koma gefallen, warum, wusste wohl noch niemand.<stars>Erst am n\u00e4chsten Morgen berichteten die Zeitungen \u2013 nicht nur lokal \u2013 \u00fcber einen perfiden Anschlag, dem eine 19-j\u00e4hrige Auszubildende zum Opfer gefallen war. Sie war wiederbelebt und in die Klinik eingeliefert worden, jedoch in der Nacht gestorben, ohne zwischendurch noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.<br \/>Die Polizei stand vor einem R\u00e4tsel, und was die Spezialisten bislang herausgefunden hatten, machte die Sache eher noch verwirrender. Die junge Frau war an einem Cocktail aus zwei Substanzen gestorben, die jede f\u00fcr sich allenfalls unangenehm waren, in Kombination jedoch hochtoxisch. Gefunden worden war das Gift in ihrem Dessert, man r\u00e4tselte noch, ob es ihr gezielt untergeschoben worden oder ob sie ein Zufallsopfer war. Der P\u00e4chter der Kantine hatte ausgesagt, dass sie wohl \u00fcberhaupt nur ein Dessert zum Essen genommen hatte, weil sie eine Stempelkarte voll gehabt hatte.<stars>Die weiteren Ermittlungen trieben manchem Kantinengast den Schwei\u00df auf die Stirn. Nicht nur, dass erst mal alle unter Verdacht standen, weil es kaum ein Problem gewesen w\u00e4re, als Besucher ein paar Sekunden lang unbeobachtet an den Desserts zu hantieren, vor allem zeigte sich, dass es jeden h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen. Die Desserts standen nicht als fertige Portionsbecher in der K\u00fchlung, es gab jeden Tag gro\u00dfe Sch\u00fcsseln mit Pudding, Cremes, Fr\u00fcchten und So\u00dfen, die die G\u00e4ste frei kombinieren konnten. Wie viele unbewusst vergifteten Pudding oder vergiftete So\u00dfe gegessen hatten, w\u00fcrde sich kaum noch nachhalten lassen, mit etwas Pech h\u00e4tte es noch etliche Opfer mehr geben k\u00f6nnen. Obwohl\u2026 Es gab wohl nicht viele, ging es Melanie durch den Kopf, die einen derartig abartigen Geschmack hatten, und wer Schokopudding mit Himbeerso\u00dfe kombinierte, der hatte es eigentlich daf\u00fcr schon verdient.<\\\/p><br \/><p style=\\\"text-align:center;\\\">** Prolog **<\\\/p><br \/><p style=\\\"text-align:justify;\\\">Melanie dr\u00fcckte die T\u00fcr des Nachbarb\u00fcros hinter sich ins Schloss und seufzte abgrundtief. Welcher Idiot hatte nur diese... als Auszubildende einstellen k\u00f6nnen? Alles aufzuz\u00e4hlen, was Melanie an ihr st\u00f6rte, h\u00e4tte bis in den Feierabend gedauert, eigentlich hatte sie nichts an sich, was Melanie nicht st\u00f6rte.<br \/>Leider konnte Melanie sie auch nicht meiden, und sich beim Chef zu beschweren, war zwecklos. Den betraf's nicht direkt, also w\u00fcrde er auch nicht handeln. Kritikgespr\u00e4che w\u00fcrden bei der doch zu nichts f\u00fchren, man h\u00e4tte sie rauswerfen m\u00fcssen, aber Melanie konnte sich schon denken, was ihr Chef dazu sagen w\u00fcrde: &bdquo;Sie wissen doch, wie schwer es heutzutage ist, \u00fcberhaupt jemanden zu finden.&rdquo;<br \/>Aber das Ma\u00df war nicht nur voll, sondern \u00fcbervoll, und wenn der Chef sich nicht freiwillig nach einer neuen Auszubildenden umsehen wollte, dann musste man ihn eben zu seinem Gl\u00fcck zwingen. In der Theorie wusste Melanie, wie man so etwas anstellte, wof\u00fcr las sie mit Vorliebe Geheimdienst-Thriller, und da die Auszubildende jeden an ihren Vorlieben teilhaben lie\u00df, begann in Melanies Kopf ein Plan zu reifen...\",\n\t\t\"Als die T\u00fcr aufging, konnte Ruben sich nicht entsinnen, ein Klopfen geh\u00f6rt zu haben. Das lag aber nicht an ihm, sein Stiefvater verstand einfach nicht, dass auch innerhalb einer Familie jeder seine pers\u00f6nliche Privatsph\u00e4re brauchte. Vielleicht lag es daran, dass er ein echtes Familienleben kaum kannte, er war Reisebusfahrer und die meiste Zeit unterwegs.<br \/>\u201eWas machst\u2019n?\u201c, erkundigte er sich. Ruben zuckte mit den Schultern. \u201eBisschen zocken\u201c, antwortete er wahrheitsgem\u00e4\u00df. \u201eWillst du nicht mal raus?\u201c, fragte sein Stiefvater. \u201eImmer nur vorm Computer, da verk\u00fcmmerst du ja!\u201c \u201eVielleicht heute Nachmittag\u201c, gab Ruben zur\u00fcck. \u201eWenn Joel Zeit hat, machen wir vielleicht was mit den Inlinern.\u201c \u201eIst dir zu kalt, was?\u201c, vermutete sein Stiefvater. Ruben sch\u00fcttelte den Kopf; sein Stiefvater hatte keinen Dunst, was er den Tag \u00fcber so machte!<br \/>\u201eIch war fr\u00fcher den ganzen Tag drau\u00dfen, egal, bei welchem Wetter\u201c, behauptete sein Stiefvater. \u201eIst doch viel besser, als drinnen abzuh\u00e4ngen. Also komm, schwing dich, frische Luft ist was Feines!\u201c<br \/>Lust hatte Ruben kein St\u00fcck, aber sein Stiefvater lie\u00df nicht locker. Wahrscheinlich meinte er es gut, zumal er selbst immer darauf achten musste, sich trotz seiner \u00fcberwiegend sitzenden T\u00e4tigkeit  in Form zu halten. Irgendwann gab Ruben nach, schnappte sich seine Inliner und entschwand nach drau\u00dfen.<br \/>Ohne Ziel fuhr er kreuz und quer durch die Nachbarschaft. Die Rollen ratterten auf den sanierungsbed\u00fcrftigen B\u00fcrgersteigen, und die K\u00e4lte biss in seine Haut. Es hatte acht Grad unter null, er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Stiefvater Spa\u00df daran gehabt h\u00e4tte, bei solchen Temperaturen drau\u00dfen abzuh\u00e4ngen.<br \/>Eine Stunde mochte vergangen sein, als er an einer Ecke scharf bremsen musste. Mit der Hand an der Hauswand verhinderte er, dass der Schwung ihn vorn\u00fcber warf, und verhinderte den Zusammensto\u00df mit dem M\u00e4dchen, das ihm auch nicht gerade langsam entgegenkam.<br \/>Das M\u00e4dchen war in seinem Alter, das war keine Sch\u00e4tzung, man kannte sich. Im Kindergarten war Quirina in der gleichen Gruppe gewesen wie Ruben, jetzt ging sie in seine Parallelklasse. \u201eUps!\u201c, entfuhr es ihr. \u201eSorry, wollte dich nicht umrennen.\u201c \u201eSchon okay\u201c, antwortete Ruben, aber sehr \u00fcberzeugend klang das wohl nicht. \u201eWas ist los?\u201c, fragte Quirina sofort. \u201eHast du dir wehgetan?\u201c Sie schaute ihn von oben bis unten an, wollte sich offenbar \u00fcberzeugen, dass er den Beinahezusammensto\u00df unversehrt \u00fcberstanden hatte.<br \/>Ruben sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNichts passiert\u201c, versicherte er. \u201eEs ist blo\u00df\u2026\u201c In zwei S\u00e4tzen berichtete er Quirina von der Debatte mit seinem Stiefvater. \u201eUnd jetzt langweilst du dich\u201c, folgerte Quirina. \u201eNach Hause gehen willst du aber auch nicht, weil du keinen Bock hast, dass die Diskussion wieder von vorne anf\u00e4ngt.\u201c<br \/>Ruben nickte. \u201eWenn du willst, kannst du ja mit mir eine Runde drehen\u201c, schlug Quirina vor. \u201eUnd anschlie\u00dfend noch auf einen Kakao mit zu mir kommen. Das merkt dein Stiefvater ja nicht.\u201c<br \/>Ruben \u00fcberlegte nicht lange und rollte gem\u00e4chlich neben ihr her, w\u00e4hrend sie ihre Joggingrunde machte. Eine halbe Stunde lief sie jeden Tag, erz\u00e4hlte sie, auch bei schlechtem Wetter biss sie sich durch, damit der innere Schweinehund gar nicht erst auf dumme Ideen kam. Nur bei Gl\u00e4tte oder Sturm setzte sie aus. Damit wollte sie niemandem etwas beweisen, aber ein bisschen Sport musste sein.<br \/>Sie brauchten etwas l\u00e4nger als Quirina sonst, das Reden nahm Quirina die Puste, aber Zeit war kein Problem. W\u00e4hrend Quirina kurz unter die Dusche sprang, machte Ruben sich n\u00fctzlich, setzte n\u00e4mlich schon mal Kakao auf. Dann sa\u00dfen sie in Quirinas Zimmer, w\u00e4rmten sich am Kakao und hatten es einfach gem\u00fctlich. So hatte Rubens Stiefvater sich das bestimmt nicht vorgestellt, aber hey &ndash; er war drau\u00dfen gewesen, eine ganze Weile sogar, und vor dem Computer versumpfen w\u00fcrde er heute garantiert nicht mehr.\",\n\t\t\"Der Nachtexpress rauschte durch die Dunkelheit. Ab und zu huschte ein Lichtschein durchs Abteil, wenn der Zug durch einen Bahnhof fuhr. Seufzend setzte Alex sich auf und warf einen Blick auf die Uhr: schon nach zwei in der Fr\u00fche! Viel geschlafen hatte er noch nicht, es war seine erste Fahrt mit dem Nachtzug, und sein Schlafwagenabteil war zwar bequem, aber doch irgendwie ungewohnt.<br \/>Dabei hatte er sich diesmal bewusst daf\u00fcr entschieden: reisen ohne Stress, abends ins Bett gehen und morgens in den Schweizer Bergen aufwachen. Er musste einfach mal raus, weg von den Mitbewohnern in der WG, die sich an keine Absprachen hielten, und weg von den Eltern, die nicht akzeptieren wollten, dass er nicht ihre Musikalienhandlung \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Zum Gl\u00fcck konnte er seinen Job als Webdesigner von \u00fcberall aus erledigen, nur Internet brauchte er halt daf\u00fcr.<br \/>Vielleicht half ja ein kleiner Absacker, noch ein bisschen Schlaf zu bekommen? Ob das Bordbistro wohl noch ge\u00f6ffnet war? Alex zog sich an, steckte Portemonnaie und Handy ein und machte sich auf den Weg.<br \/>Er hatte Gl\u00fcck, das Bistro war noch ge\u00f6ffnet. Am Tresen holte er sich ein Bier und aus einer spontanen Eingebung heraus eine Brezel. Mit seinem Nach-Mitternachts-Snack setzte er sich an einen freien Tisch und griff nach der Zeitung vom Vortag, die dort lag.<br \/>Eine halbe Stunde lang bl\u00e4tterte er ohne besonderes Interesse in der Zeitung, trank sein Bier und a\u00df die Brezel. Er war der einzige Gast, vielleicht lag es daran, dass das eint\u00f6nige Rattern der R\u00e4der pl\u00f6tzlich einschl\u00e4fernd wirkte. Er legte die Zeitung weg, brachte das Geschirr zur\u00fcck und ging zum Durchgang zu seinem Wagen.<br \/>Doch als er die T\u00fcr \u00f6ffnen wollte, gab sie nicht nach. \u201eFalsche Seite!\u201c, rief ihm der Bahnangestellte zu, der sich mangels Kundschaft hinter dem Tresen langweilte. \u201eSie m\u00fcssen dr\u00fcben raus.\u201c Dabei deutete er zum anderen Ende des Bistrowagens.<br \/>Alex sch\u00fcttelte den Kopf. Das konnte nicht sein, denn als er reingekommen war, hatte er den Tresen aus seiner Sicht rechts vor sich gehabt. W\u00e4re er von der anderen Seite gekommen, dann w\u00e4re der Tresen f\u00fcr ihn aber logischerweise links gewesen.<br \/>\u201eWie ist denn Ihre Wagennummer?\u201c, erkundigte sich der Bahnangestellte nach kurzem \u00dcberlegen. \u201eOje!\u201c, meinte er, als Alex sie nannte. \u201eSie sind im falschen Zugteil. Das hier sind die Wagen nach Innsbruck, die in die Schweiz sind vor einer Viertelstunde abgekoppelt worden.\u201c<br \/>Alex wurde blass. Und was jetzt? Okay, erst mal ganz ruhig! Er zwang sich, tief durchzuatmen, und w\u00e4gte seine Optionen ab. Am n\u00e4chsten Bahnhof in Panik aus dem Zug zu springen, w\u00fcrde ihm nicht helfen, den Zugteil in die Schweiz w\u00fcrde er nicht mehr einholen. Also ganz ruhig die Zugverbindungen checken, und der Mann von der Bahn konnte bestimmt telefonisch daf\u00fcr sorgen, dass sein Gep\u00e4ck f\u00fcr ihn verwahrt wurde. Immerhin hatte er sein Handy dabei, etwas Bargeld, seinen Ausweis und seine Kreditkarte, das reichte, um \u00fcber die Runden zu kommen.<br \/>W\u00e4hrend er die Fahrplan-App aufrief, kam ihm eine Idee: Warum den Zufall nicht so stehen lassen? Dann eben Tirol, war doch auch eine sch\u00f6ne Ecke! Genau, er w\u00fcrde sich eine nette Pension suchen, jetzt in der Nebensaison war bestimmt auch kurzfristig was zu kriegen, und sein Gep\u00e4ck w\u00fcrde er sich schicken lassen.<stars>Alex betrachtete noch einmal pr\u00fcfend die eben fertiggestellte Website und lehnte sich zur\u00fcck. Durchs Fenster schaute er auf die Pension, die er spontan ausgew\u00e4hlt hatte. Auf der Terrasse bediente die Frau, die ihm das erste Essen serviert hatte, und im Garten nebenan schaukelte Marie, die nicht ahnte, dass ihre Geschichte vor vier Jahren mit einem Bier zur falschen Zeit begonnen hatte.\",\n\t\t\"Fredemann hatte es eilig. Der Termin war wichtig, aber er war einfach nicht vom Telefon weggekommen. Nat\u00fcrlich das Projekt in Dortmund mal wieder! Luchs, der die Sache vor Ort verantwortete, konnte einfach keine Entscheidung selbst treffen, st\u00e4ndig rief er an. Wenn man ihn h\u00f6rte, konnte man glauben, dass alle \u00dcbel der Welt sich verschworen h\u00e4tten, sich auf genau dieses Projekt zu st\u00fcrzen. Wenn das so weiterging, dann w\u00fcrde man Luchs austauschen m\u00fcssen, aber wer sollte \u00fcbernehmen? Sie hatten eh zu wenig Leute f\u00fcr solche Aufgaben.<br \/>In der T\u00fcr stie\u00df Fredemann beinahe mit dem Kollegen Schulze zusammen. Sie teilten sich das B\u00fcro und vertraten sich gegenseitig, wenn einer von ihnen krank war oder Urlaub hatte. \u201eHoppla!\u201c, Schulze brachte sich mit einem Satz zur Seite in Sicherheit, \u201eIch dachte, du w\u00e4rst l\u00e4ngst unterwegs!\u201c \u201eDachte ich auch!\u201c, rief Fredemann \u00fcber die Schulter zur\u00fcck. \u201eLuchs mal wieder! Ich erz\u00e4hl\u2019s dir morgen, glaube nicht, dass ich heute noch mal reinkomme.\u201c<stars>Fredemann schaffte es so gerade eben noch p\u00fcnktlich zu seinem Termin. Ein Gl\u00fcck! Das Gesch\u00e4ft hielt ohnehin genug Unw\u00e4gbarkeiten bereit, da musste man sich wenigstens auf seine Partner verlassen k\u00f6nnen. Wer in der Branche einmal den Ruf weghatte, zu schlampen, der konnte einpacken, das sprach sich rum, und keiner bot einem mehr ein Projekt ein.<stars>Nach einer viel zu kurzen Nacht sa\u00df Fredemann am n\u00e4chsten Morgen am Schreibtisch. Die Besprechung hatte bis weit in den Abend hinein gedauert, aber zum Ausgleich am Morgen sp\u00e4ter anzufangen, ging nicht. Fredemann hatte am Vormittag einen Termin, und der wollte sorgf\u00e4ltig vorbereitet sein.<br \/>Der erste Kaffee des Tages dampfte noch, als der Chef in der T\u00fcr stand. \u201eMorgen\u201c, gr\u00fc\u00dfte er. \u201eHaben Sie schon was mit der Geschichte in Wuppertal rausgekriegt?\u201c, erkundigte er sich. Fredemann schaute auf und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eTut mir leid\u201c, entschuldigte er sich. \u201eAber die Sache in Dortmund\u2026 Das macht mehr Arbeit als erwartet.\u201c<br \/>Der Chef nickte verstehend. \u201eJa, ich wei\u00df\u201c, versicherte er. \u201eF\u00fcr Herrn Luchs ist es das erste gro\u00dfe Projekt, ist doch klar, dass er sich da erst reinfinden muss. Unterst\u00fctzen Sie ihn weiterhin, aber schauen Sie auch, dass er mehr selbst regeln kann.\u201c Fredemann nickte. \u201eIch k\u00fcmmere mich drum\u201c, versprach er.<stars>In der T\u00fcr stie\u00df der Chef fast mit Schulze zusammen, der h\u00f6flich Platz machte. \u201eSchon wieder im Stress?\u201c, erkundigte er sich nach der Begr\u00fc\u00dfung bei Fredemann. Fredemann zuckte mit den Schultern. \u201eIm Moment kommt\u2019s echt dick. Ich meine, ist ja prima, wenn\u2019s l\u00e4uft, davon leben wir schlie\u00dflich, aber im Augenblick h\u00e4ufen sich die Termine derma\u00dfen\u2026 Wenn ich mich klonen k\u00f6nnte, m\u00fcssten ich und ich immer noch hetzten.\u201c<br \/>Schulze schmunzelte leicht. \u201eIch hab \u00fcbrigens gestern Nachmittag wegen der Sache in Wuppertal recherchiert. Die wichtigsten Infos hab ich zusammen, wenn\u2019s dir nichts ausmacht, dann maile ich sie dem Chef gleich.\u201c<br \/>Fredemann schaute \u00fcberrascht auf. \u201eMach ruhig\u201c, antwortete er. \u201eUnd danke. Ich wei\u00df nicht, ob ich\u2019s die Woche noch geschafft h\u00e4tte. Hast was gut bei mir.\u201c \u201eSchon okay\u201c, meinte Schulze leichthin. \u201eIch sehe ja, dass es sich bei dir gerade t\u00fcrmt.\u201c<br \/>W\u00e4hrend er sich an seinen Platz setzte, grinste er in sich hinein. Gut, dass Fredemann gerade so eingespannt war! Das Projekt in Wuppertal, das noch ganz am Anfang stand, war dem Chef unheimlich wichtig, und was Fredemann noch nicht wusste: Der Chef w\u00fcrde bald einen Posten auf der h\u00f6chsten Ebene nachzubesetzen haben\u2026\",\n\t\t\"<i>12. Juni 1908:  Der d\u00e4nische Schoner Korbinian L\u00e5sesmed, mit einer Fracht von 370 Tonnen Bauholz und Kleineisenteilen und sechs Passagieren auf dem Weg von Esbjerg nach Qaqortoq, verschwindet nach einem Zwischenstopp auf dem F\u00e4r\u00f6ern spurlos.<br \/>17. Januar 1946: Der isl\u00e4ndische Trawler \u00cdsbl\u00f3m (\u201eEisblume\u201c) gibt am Abend eine Position 160 Seemeilen s\u00fcdlich von Reykjavik an. Der Kapit\u00e4n k\u00fcndigt an, noch etwa 30 Meilen nach S\u00fcden zu fahren und dann die Netze auszubringen. Am Morgen des 18. Januar meldet das Schiff sich nicht mehr, eine gro\u00df angelegte Suche bleibt erfolglos.<br \/>31. Juli 1962: Das Arktis-Kreuzfahrtschiff Polar Vanguard sinkt in den Gew\u00e4ssern s\u00fcdlich von Island innerhalb von zwanzig Minuten, ohne dass vorher ein Schaden oder ein Zusammensto\u00df zu erkennen gewesen war. Die Zeit reicht gerade, um die Rettungsboote zu Wasser zu lassen, die ein Frachter nach wenigen Stunden aufnimmt.<\\\/i><br \/><br \/>Eike legte das Handy vor sich auf den Kaj\u00fctentisch. Es war kurz nach acht, seine Freiwache, und er hatte die Zeit genutzt, um ein bisschen durch die digitalen Ausgaben verschiedener Zeitschriften zu bl\u00e4ttern. Er fuhr seit \u00fcber 30 Jahren zur See, wie vor ihm schon Vater, Gro\u00dfvater und Urgro\u00dfvater; wie viel weiter zur\u00fcck die Tradition noch reichte, wusste er nicht, aber er glaubte, dass es etliche Generationen waren.<br \/>Von einem \u201eschwarzen Loch im Nordmeer\u201c, so war der Artikel \u00fcberschrieben, hatte er in all den Jahren nie geh\u00f6rt. Die Korbinian L\u00e5sesmed, die \u00cdsbl\u00f3m und die Polar Vanguard sollten stellvertretend stehen f\u00fcr \u00fcber 100 Schiffe, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in einem vergleichsweise kleinen Seegebiet s\u00fcdlich von Island unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden verloren gegangen waren.<br \/>Eike sch\u00fcttelte den Kopf. Er war selbst schon oft durch dieses Seegebiet gefahren, nie hatte es irgendwelche Vorf\u00e4lle gegeben. Oder schon Vorf\u00e4lle, aber nichts, was nicht mit den \u00fcblichen Gefahren der See und den Herausforderungen der Schifffahrt zu erkl\u00e4ren war. War das so eine Geschichte wie beim ber\u00fcchtigten Bermudadreieck, wo sich die meisten Legenden bei genauerer Betrachtung als Erfindungen oder normale Unf\u00e4lle entpuppten?<br \/>Eine kurze Recherche schien das zu best\u00e4tigen. Eike fand zwar \u00e4ltere Artikel, die ebenfalls von einer auff\u00e4lligen H\u00e4ufung ungekl\u00e4rter Schiffsunf\u00e4lle berichteten und weitere Beispiele brachten, aber wenn er sich die Einzelf\u00e4lle anschaute, dann blieb nicht mehr viel Mysteri\u00f6ses. Der Schoner war fast 40 Jahre alt gewesen, ein geradezu methusalemisches Alter f\u00fcr Schiffe aus dieser Zeit, und bei st\u00fcrmischer See wahrscheinlich schon kurz nach dem Ablegen in T\u00f3rshavn weit vor dem besagten Seegebiet gesunken. \u00c4hnlich verhielt es sich bei der \u00cdsbl\u00f3m, eine junge, unerfahrene Crew auf einem Eimer, den jeder fliegende Schrotth\u00e4ndler versch\u00e4mt unter einer Plane versteckt h\u00e4tte. Der Polar Vanguard war wohl ein falscher Stahl zum Verh\u00e4ngnis geworden, der bei K\u00e4lte so spr\u00f6de wurde, dass er den normalen Belastungen der See nicht mehr gewachsen war.<br \/><br \/>\u201eTja, ich wei\u00df nicht, ob es gut ist, dass dieser Artikel jetzt erscheint.\u201c Eikes Schiff lag im Heimathafen, und er nutzte die Zeit, um seine Mutter zu besuchen. Er wusste selbst nicht, warum er den Bericht \u00fcber das angebliche \u201eSchwarze Loch\u201c vor Island erw\u00e4hnt hatte, und war \u00fcberrascht \u00fcber ihre Reaktion.<br \/>Seine Mutter, schon gut \u00fcber 70, schien es zu merken. \u201eIch kenne die Geschichte\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eEine riesiger Betrug, aber zu einem guten Zweck: In dem Gebiet lebt eine seltene Walart und zieht dort ihre Jungen gro\u00df. Sie sollte vor den Fischern gesch\u00fctzt werden. Aber ich f\u00fcrchte, heute, wo die Seefahrt ihren Aberglauben verloren hat, bewirkt so eine Geschichte eher das Gegenteil, und irgendwer f\u00e4ngt an, die Sache zu untersuchen.\u201c Eike nickte betreten, er teilte die Bef\u00fcrchtung. \u201eAber woher wei\u00dft du\u2026?\u201c<br \/>Seine Mutter l\u00e4chelte fein. \u201eDer Erfinder dieser Geschichte war\u201c, sie machte eine kurze Pause, um die Spannung zu steigern, \u201edein Gro\u00dfvater.\u201c\",\n\t\t\"\u201eGar nicht so schlecht, der Laden!\u201c Aus dem Mund von Nils kam das einem Kompliment gleich. Er stand auf dem gepflasterten Hof vor einer Scheune, die zur Party-Location umgebaut worden war, hielt eine Bierflasche in der Hand und grinste breit. \u201eH\u00e4tte ich nicht gedacht. Und wenn man genug getrunken hat, dann vermisst man noch nicht mal mehr die knallige Leuchtreklame.\u201c \u201eDu bist bl\u00f6d!\u201c, beschied ihn Emily. \u201eIst doch rundum gut hier. Dann war das deine Idee, Linda?\u201c<br \/>Die Angesprochene nickte. \u201eToll!\u201c, lobte Emily. Sie zog Linda mit sich zur Seite, weg von Nils. \u201eBesser als das High Life. Da h\u00e4tte ich wahrscheinlich gar nicht mitgekonnt.\u201c Leichte R\u00f6te \u00fcberzog ihre Wangen. \u201eViel zu teuer.\u201c \u201eDer Tipp war von meiner Mutter\u201c, gab Linda zu. \u201eSo \u00e4hnlich haben sie es damals auch gemacht.\u201c<stars>\u201eIch hab das High Life und den Bunker-Palast angemailt\u201c, er\u00f6ffnete Nils dem Abiparty-Komitee. \u201eWie besprochen. Also, es w\u00fcrde klappen, und ich finde, die Preise sind okay.\u201c Er grinste. \u201eSchlie\u00dflich macht man nur einmal Abi.\u201c \u201eHalblang!\u201c, warf Linda nach einem Blick auf die ausgedruckten E-Mails ein. \u201eIch finde das schon ziemlich heftig.\u201c \u201eBilliger kriegst du\u2019s nirgends\u201c, behauptete Nils. \u201eUnd wir brauchen eine geile Location, sonst k\u00f6nnen wir\u2019s gleich lassen.\u201c \u201eNa toll!\u201c, versetzte Linda. \u201eDeine Eltern bezahlen dir das, und ich krieg das Geld f\u00fcr meinen Anteil auch. Aber es hat nicht jeder ein fettes Sparschwein.\u201c Sie legte einen Flyer auf den Tisch, den sie extra ausgedruckt hatte. \u201eSchaut euch das hier mal an!\u201c, forderte sie die anderen auf. \u201eDa kann man genauso toll feiern, ohne dass jeder gleich dreistellig zahlt.\u201c<stars>\u201eWas ist los?\u201c, wollte Lindas Mutter wissen. Ihre Tochter war gerade rechtzeitig zum Abendessen vom ersten Treffen des Komitees zur\u00fcckgekommen, das die Abiparty vorbereitete, und nagte ziemlich lustlos an einem Butterbrot. \u201eAch, wir haben diskutiert, wo die Party steigen soll\u201c, erkl\u00e4rte Linda. \u201eDie anderen wollen entweder das High Life oder den Bunker-Palast mieten.\u201c \u201eUnd das gef\u00e4llt dir nicht?\u201c, folgerte ihre Mutter. \u201eNa ja, cool w\u00e4r\u2019s bestimmt\u201c, r\u00e4umte Linda ein. \u201eAber das kostet doch bestimmt wahnsinnig Geld. Wenn wir das umlegen, ich glaube, manche k\u00f6nnten das gar nicht bezahlen.\u201c \u201eUnd die anderen st\u00f6rt das nicht?\u201c, wollte ihre Mutter wissen. Linda zuckte mit den Schultern. \u201eWir wissen noch nicht genau, was es kostet, Nils fragt bis n\u00e4chste Woche nach. Aber mit allem Drum und Dran werden\u2019s bestimmt zehn- oder zwanzigtausend Euro, liest man doch immer wieder. Wie war das denn, als du Abi gemacht hast?\u201c \u201eWir haben auch gefeiert\u201c, versicherte ihre Mutter. \u201eAber damals gab\u2019s noch keine L\u00e4den, die sich drauf spezialisiert haben, sich mit Rundum-Sorglos-Paketen eine goldene Nase zu verdienen. Wir haben das alles selbst organisiert, das war zwar eine Menge mehr Arbeit, aber es hat auch Spa\u00df gemacht, und billiger war\u2019s allemal.\u201c<stars>\u201eHabt ihr schon eine Idee, wo die Party steigen soll?\u201c Die Zw\u00f6lftkl\u00e4ssler standen in der F\u00fcnfminutenpause auf dem Flur vor dem Klassenzimmer. Bens Frage war an Nils und Linda gerichtet, denn die geh\u00f6rten zu dem Komitee, das die Abiparty vorbereiten sollte. \u201eIch bin f\u00fcrs High Life\u201c, antwortete Nils. \u201eDas ist cool.\u201c \u201eDer Bunker-Palast soll auch nicht schlecht sein\u201c, warf Felix ein. \u201eDa k\u00f6nnt ihr ja auch mal fragen.\u201c<br \/>Lindas Blick fiel auf Emily. Deren Gesicht hatte merklich Farbe verloren, als die Namen der beiden Diskos gefallen waren. Jetzt wandte sie sich ab und ging weg, Linda konnte gerade noch sehen, dass sie die Lippen zusammengepresst hatte. Was war am High Life so verkehrt, oder am Bunker-Palast? Dann d\u00e4mmerte es ihr, und pl\u00f6tzlich war sie auch nicht mehr sicher, ob das, was Nils und Felix sich vorstellten, wirklich eine gute Wahl war.\",\n\t\t\"\u201eIch biete Ihnen 2000. Spesen gehen extra.\u201c Das Angebot war verlockend f\u00fcr Saskia, die Privatdetektivin: 2000 Euro daf\u00fcr, dem Ehemann der Frau nachzusp\u00fcren und Beweise daf\u00fcr zu sammeln, dass er fremdging. Trotzdem \u00fcberlegte Saskia, ehe sie schlie\u00dflich zusagte, den Auftrag zu \u00fcbernehmen.  Irgendwie hatte sie kein gutes Gef\u00fchl dabei, vor einer Scheidung, die schmutzig zu werden versprach, einer Partei Munition gegen die andere zu verschaffen. Aber war das eigentlich so viel anders als das, was sie normalerweise machte? Wenn ein Arbeitgeber sich von einem Mitarbeiter trennte, nachdem sie Beweise beschafft hatte, dass dieser Mitarbeiter mit falschen Krankschreibungen betrog, dann war das doch auch eine Art Scheidung. Dazu kamen zahlreiche Auftr\u00e4ge, unterhaltspflichtige Elternteile entweder aufzusp\u00fcren oder aber nachzuweisen, dass sie entgegen ihren Behauptungen genug Geld hatten, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.<br \/>Viel Zeit, sich vorzubereiten, hatte sie nicht. Schon zwei Tage sp\u00e4ter sa\u00df sie im Flugzeug nach Barcelona, acht Reihen hinter dem Ehemann, der zusammen mit einer Kollegin auf dem Weg zu einem Gesch\u00e4ftstermin war. Von ihrer Auftraggeberin wusste sie, dass der Mann als Abteilungsleiter f\u00fcr eine Firma arbeitete, die Niederlassungen in etlichen L\u00e4ndern hatte. In der baskischen Metropole traf er sich mit anderen F\u00fchrungskr\u00e4ften zum Austausch. Vernetzung war ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht, und die Ehefrau argw\u00f6hnte, dass ihr Mann sich dabei vor allem mit der Kollegin \u201evernetzen\u201c w\u00fcrde, die ihn begleitete \u2013 vorausgesetzt, ihm lief nicht ein noch interessanterer Flirt \u00fcber den Weg.<br \/>Tats\u00e4chlich h\u00e4tte Saskia viele M\u00f6glichkeiten gehabt, fotografische \u201eBeweise\u201c zu schaffen, dass der Mann seiner Kollegin n\u00e4her stand, als man seiner Ehefrau zu tolerieren zumuten konnte. Hier ein bisschen aus dem Kontext gerissen, dort ein bisschen mit dem Bildausschnitt gespielt, sodass weitere Anwesende, die ein anderes Licht auf die Szene geworfen h\u00e4tten, nicht zu sehen waren \u2013 Saskia h\u00e4tte sich leicht den Bonus verdienen k\u00f6nnen, den die Ehefrau ihr im Erfolgsfall in Aussicht gestellt hatte. Solche Fotos w\u00e4ren kein gerichtsfester Beweis gewesen, aber doch genug, um den Mann in ein schlechtes Licht zu r\u00fccken. Zumindest unbewusst h\u00e4tten sie den Richter, der \u00fcber die Schuld am Scheitern der Ehe befinden musste, beeinflusst.<br \/>Saskia bekam fast ein schlechtes Gewissen, dass sie diesen Mann beschattete. Normalerweise hatte sie es mit Leuten zu tun, die es verdient hatten, dass man ihnen nachsp\u00fcrte: Sie schadeten ihrem Arbeitgeber und nat\u00fcrlich auch den Kollegen, die die Arbeit mit machen mussten, oder sie dr\u00fcckten sich vor ihrer Verantwortung f\u00fcr Ex-Partner und Kinder. Hier hatte sie es jedoch mit jemandem zu tun, der durch und durch integer war, und sie beschlich das Gef\u00fchl, dass sie helfen sollte, ihn \u00fcber den Tisch zu ziehen.<br \/>Als sie am dritten Abend in Barcelona in der Hotelbar den freien Hocker neben ihm okkupierte, war das also auch kein Versuch, selbst etwas zu provozieren, was ihre Auftraggeberin gegen ihren Mann h\u00e4tte verwenden k\u00f6nnen. Genauer gesagt hatte sie die Frau l\u00e4ngst wissen lassen, dass es keinerlei Anzeichen daf\u00fcr gab, dass ihr Mann fremdging, und damit den Auftrag abgeschlossen. Zur Zufriedenheit ihrer Klientin war das sicherlich nicht, aber das lag in der Natur der Sache und hatte sie noch nie so wenig gest\u00f6rt wie bei diesem Fall.<br \/>Sie kam mit ihrem Sitznachbarn ins Gespr\u00e4ch, ohne nennenswert etwas daf\u00fcr tun zu m\u00fcssen. Erst war es der \u00fcbliche Smalltalk, dann machte die Er\u00f6ffnung, dass sie aus der gleichen Heimatstadt kam, den Mann neugierig. \u201eAuch dienstlich hier?\u201c, erkundigte er sich. \u201eNein, nein.\u201c Saskia sch\u00fcttelte den Kopf.  F\u00fcr die Wahrheit fehlten wohl noch ein oder zwei Gl\u00e4ser. \u201eIch mache nur Urlaub.\u201c\",\n\t\t\"Mit dem R\u00fccken zum Trevi-Brunnen warf Commissario Giovanni Gelati die M\u00fcnze. Ob es wohl auch gez\u00e4hlt h\u00e4tte, wenn er sich nur die H\u00e4lfte seines Gehalts h\u00e4tte auszahlen lassen, w\u00e4hrend die andere direkt in den Brunnen geworfen wurde? Das Verbrechen war nicht mehr wie fr\u00fcher, und ohne den Brunnen...<br \/>Aktuell besch\u00e4ftigte ihn ein Raub in einer privaten Sammlung. Fidel Falsetti, ein etwas verschrobener \u00e4lterer Herr, hatte den Diebstahl eines wertvollen Cellos aus seinem kleinen Museum gemeldet. Auf 20.000 Euro bezifferte er den Schaden. Nat\u00fcrlich hatte Commissario Gelati den Tatort untersucht, aber \u2013 nichts! Keine Einbruchsspuren, kein Hinweis auf den T\u00e4ter, aber die Vitrine, in der das Cello gestanden hatte, war leer. Fingerabdr\u00fccke? Hunderte, aber nat\u00fcrlich alle von Signore Falsetti, dem Aufseher und den Besuchern. Eine Alarmanlage gab es auch, aber sie hatte versagt.<br \/>Commissario Gelati hatte die \u00fcblichen Ermittlungen angestellt: Nachbarn befragt, ob sie was gesehen hatten, und Informanten angespitzt. Das Ergebnis: nichts. Jetzt blieb ihm nur noch eine vage Hoffnung, und deshalb tippte er, sobald er im B\u00fcro war, eine bestimmte Nummer in sein Telefon.<br \/>Wenige Augenblicke sp\u00e4ter betrat Fausto Furioso sein B\u00fcro, ein junger Inspektor, der am Computer wahre Wunder vollbringen konnte. Er hatte Commissario Gelati vor nicht allzu langer Zeit bei einem kniffligen Fall um gestohlene Gl\u00e4ser geholfen, und er hatte nicht einmal zwei Minuten gebraucht, um die Spur im Internet zu finden.<br \/>\u201eIch schaue, ob das Cello irgendwo angeboten wird\u201c, versprach er jetzt. \u201eAber das glaube ich nicht. Viel zu gef\u00e4hrlich bei einem Einzelst\u00fcck, das jeder sofort erkennt! Aber ich kenne da jemanden, ein Musikprofessor. Meine Frau hat bei ihm studiert. Wenn einer eine Idee hat, dann er.\u201c<br \/>Und so kam es, dass Commissario Gelati am n\u00e4chsten Tag noch einmal das Privatmuseum aufsuchte, das trotz des Verlusts schon wieder ge\u00f6ffnet war. Er stellte dem Aufseher noch einige Fragen und lie\u00df sich dieses und jenes Ausstellungsst\u00fcck noch mal zeigen: die Fl\u00f6te von Jacopo Puccini, eine Saite aus der Bratsche Dvoraks... Die Antworten interessierten ihn nicht, aber er musste den Aufseher ablenken, damit Professor Theodore Timpani sich ungest\u00f6rt umsehen konnte.<br \/>Der Aufseher wunderte sich, sch\u00f6pfte aber keinen Verdacht. \u201eEins noch\u201c, fragte Commissario Gelati zum Schluss. \u201eWissen Sie, woher Signore Falsetti all die Sachen hat? Ich meine, so alte Einzelst\u00fccke, die laufen einem ja nicht einfach so zu.\u201c Der Aufseher zuckte mit den Schultern. \u201eDas m\u00fcssen Sie ihn selbst fragen\u201c, antwortete er. \u201eIch kann Ihnen nur sagen, dass er immer noch sammelt, ab und zu bringt er ein neues Ausstellungsst\u00fcck.\u201c<br \/>Mehr war aus dem Aufseher nicht herauszuholen. Vom Museum aus fuhren Commissario Gelati und der Musikprofessor zu Signore Falsetti. \u201eSignore Falsetti, ich muss sie festnehmen\u201c, er\u00f6ffnete der Commissario dem alten Mann. Falsetti lie\u00df den Kopf sinken. \u201eWie haben Sie es herausgefunden?\u201c, wollte er wissen. \u201eEs war doch perfekt geplant!\u201c<br \/>\u201eJa, ich w\u00fcrde auch gern wissen, warum Sie so schnell drauf gekommen sind, dass er die Versicherung betr\u00fcgen will\u201c, sagte Commissario Gelati zu Professor Timpani, nachdem er Falsetti der Besatzung eines eigens angeforderten Streifenwagens \u00fcbergeben hatte. Der Professor l\u00e4chelte fein. \u201eDie Instrumente, die wir an der Universit\u00e4t jeden Tag in den Seminaren benutzen, sind \u00e4lter als jedes einzelne St\u00fcck in dem Museum\u201c, erkl\u00e4rte er. \u201eUnd wir leiden zwar unter Sparma\u00dfnahmen, aber einmal im Jahrhundert bekommen wir doch neue Sachen. Was Falsetti ausstellt, ist Ramsch, zusammengekauft auf Flohm\u00e4rkten, vermute ich. Immerhin hat er Fantasie, er musste sich ja zu jedem Teil eine Geschichte ausdenken.\u201c \u201eAber Sie waren noch kl\u00fcger\u201c, schloss Commissario Gelati. \u201eGut, dass Sie dabei waren, ich w\u00e4re darauf nie gekommen.\u201c\",\n\t\t\"Die Drittligasaison hatte gerade erst begonnen, gleich w\u00fcrde der 3. Spieltag angepfiffen werden. Max war nerv\u00f6s wie nie zuvor, das Spiel w\u00fcrde der H\u00f6hepunkt seiner bisherigen Karriere sein. Gerade erst von der U19 zu den Profis aufger\u00fcckt, war er vor einer Woche zum ersten Mal eingewechselt worden, und heute durfte er von Beginn an spielen.<br \/>Er stand mit den anderen im Kabinengang und h\u00f6rte von drau\u00dfen den L\u00e4rm der 6000 Zuschauer. Wahnsinn! In der A-Jugend hatte er vor 50 Zuschauern gespielt, und jetzt diese Kulisse!<br \/>Eines der Einlaufkinder, ein M\u00e4dchen von vielleicht acht Jahren, griff nach seiner Hand. \u201eHier, das habe ich f\u00fcr dich gemalt!\u201c, sagte es und hielt ihm ein Blatt Papier hin. \u201eMeine Mama sagt, Hufeisen bringen Gl\u00fcck.\u201c<br \/>Max wusste nicht, was er machen sollte. Weil er das M\u00e4dchen nicht entt\u00e4uschen wollte, nahm er den Zettel und betrachtete das Hufeisen. Es war ungelenk gemalt, aber bestimmt mit viel Hingabe. \u201eDanke\u201c, sagte er l\u00e4chelnd. Weil er nicht wusste, wohin sonst damit, faltete er den Zettel und steckte ihn in den Stutzen. Das M\u00e4dchen l\u00e4chelte, es freute sich, dass er den Gl\u00fccksbringer mitnahm. \u201eViel Gl\u00fcck!\u201c, w\u00fcnschte es ihm.<stars>Das Spiel wollte nicht richtig in die G\u00e4nge kommen. Nach zwei Unentschieden gegen Teams, die um den Aufstieg mitspielen wollten, wollte Max\u2018 Mannschaft heute den ersten Saisonsieg. Die Torchancen waren auch da, aber ein Bein war doch immer dazwischen, oder der Ball ging knapp vorbei. Au\u00dferdem war der Torwart heute der beste Mann der Gegner.<br \/>Max hatte das Gef\u00fchl, dass er ein ordentliches Spiel machte. Er holte sich viele B\u00e4lle, legte f\u00fcr die Mitspieler ab und schoss auch selbst aufs Tor, aber ein Treffer wollte ihm nicht gl\u00fccken.<br \/>So stand es kurz vor Schluss immer noch 0:0, und nach dem bisherigen Spielverlauf war das f\u00fcr Max und seine Mannschaft eindeutig zu wenig. Einer der Mittelfeldspieler versuchte es mit Gewalt, weil er keine L\u00fccke fand, um den Ball durchzustecken, aber es sprang nur eine Ecke heraus.<br \/>Max lauerte am langen Pfosten. Der Ball kam von der rechten Seite rein, reichlich hoch allerdings. Donny, der lange Innenverteidiger, kam nicht richtig dran, er ber\u00fchrte den Ball mit dem Kopf, konnte ihn aber nicht zum Tor hin umlenken. Nur deshalb kam der Ball zu Max durch, Max reagierte eine Winzigkeit schneller als sein Bewacher, schraubte sich hoch und erwischte den Ball mit dem Kopf. Ein guter Kopfball, das sp\u00fcrte er sofort, er hatten den Ball wuchtig getroffen, und es war ihm gegl\u00fcckt, ihn zu dr\u00fccken.<br \/>Der Torwart kam noch dran und lenkte den Ball an den Pfosten. Doch von dort sprang er Max direkt wieder vor die F\u00fc\u00dfe. Max brauchte nur noch den Fu\u00df hinzuhalten \u2013 Tor!<br \/>Das Gef\u00fchl drohte Max zu \u00fcberw\u00e4ltigen. Klar, er hatte viele Tore geschossen in den Jugendmannschaften, aber das war sein erstes Tor als Profi, vor 6000 Zuschauern im Stadion und noch mehr, die das Spiel im Fernsehen oder im Livestream verfolgten.<br \/>Im ersten Moment riss er einfach nur beide Arme hoch, einen ausgefeilten Jubel wie viele andere Profis hatte er sich nicht zurechtgelegt. Keine gekreuzten Arme wie Robert Lewandowski, kein R\u00fchren mit dem Kochl\u00f6ffel wie Serge Gnabry, keine Batman-Maske im Stutzen wie Aubameyang...<br \/>Als er daran dachte, fiel ihm das Hufeisen wieder ein. Er holte den Zettel aus dem Stutzen und hielt ihn in die n\u00e4chste Kamera. Ob ihm das Hufeisen Gl\u00fcck gebracht hatte, mochte dahingestellt bleiben, eigentlich war er nicht abergl\u00e4ubisch. Aber die Kleine, die es gemalt hatte, glaubte fest daran, und wenn sie gl\u00fccklich war, weil er mit ihrem Gl\u00fccksbringer im Stutzen ein Tor geschossen hatte, dann hatte es tats\u00e4chlich Gl\u00fcck gebracht.\",\n\t\t\"Nur ein kleines Schild wies den Erstsemestern den Weg: \u201eEinf\u00fchrungsveranstaltung Keltologie Raum 2.04\u201c. Der Saal im zweiten Stock geh\u00f6rte zu den kleineren Seminarr\u00e4umen der altehrw\u00fcrdigen Hochschule, und ein gr\u00f6\u00dferer war auch nicht n\u00f6tig. Wenn die Zahl der Studenten, die sich zu Beginn des neuen Semesters f\u00fcr diesen doch eher exotischen Studiengang anmeldeten, zweistellig war, dann war das schon viel.<br \/>Frederick z\u00e4hlte neun H\u00e4upter, davon waren sieben Frauen. Bis zum Beginn der Einf\u00fchrungsveranstaltung, die der Dekan der kleinen Fakult\u00e4t halten sollte, war noch etwas Zeit, aber Frederick glaubte nicht, dass noch jemand kommen w\u00fcrde.<br \/>\u201eIch hab geh\u00f6rt, hier soll es spuken!\u201c, sagte er zu seiner Sitznachbarin, einer jungen Frau mit pechschwarzem Haar und ein paar Sommersprossen im Gesicht. Seine Kommilitonin schmunzelte. \u201eDer ber\u00fchmte ewige Student?\u201c, meinte sie. \u201eDen hat doch jede Uni.\u201c Frederick sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, der Geist einer Studentin, die vor fast 100 Jahren hier gestorben ist.\u201c \u201eHier?\u201c, echote die Kommilitonin, und Frederick nickte. \u201eDer Legende nach ist es bei einer Burschenschaftsfeier passiert. In den Burschenschaften waren zwar nur M\u00e4nner, aber f\u00fcr ihre Partys haben sie wohl doch gerne ein paar Frauen eingeladen. Was genau war, wei\u00df keiner, weil alle, die es wussten, eisern geschwiegen haben, aber sie ist sp\u00e4t in der Nacht aus dem Fenster gest\u00fcrzt und war sofort tot.\u201c \u201eWei\u00dft du, wie sie hie\u00df?\u201c Frederick nickte. Er mochte solche geheimnisvollen Geschichten und freute sich, dass seine Kommilitonin darauf einging. \u201eCaitriona\u201c, antwortete er. \u201eSie war Irin, aber in Deutschland aufgewachsen. Die Polizei hat damals am Ende die Akten geschlossen. Unfall, hat es gehei\u00dfen, sie w\u00e4re betrunken gewesen und h\u00e4tte sich nicht mehr halten k\u00f6nnen. Die Legende behauptet, dass das nicht stimmt, angeblich h\u00e4tte jemand nachgeholfen, dass sie f\u00e4llt, jemand, der aus einer Familie stammte, die genug Einfluss hatte, um daf\u00fcr zu sorgen, dass die Polizei nicht tiefer gr\u00e4bt. Seitdem geht sie um auf der Suche nach ihren M\u00f6rdern. Wenn\u2019s so ist, dann k\u00f6nnte sie aufh\u00f6ren damit, die m\u00fcssten mittlerweile ja weit \u00fcber 100 sein, da lebt bestimmt keiner mehr. Sie k\u00f6nnte sich h\u00f6chstens an die Nachfahren halten, wenn es welche gibt.\u201c \u201eVielleicht will sie genau das\u201c, meinte seine Nachbarin. \u201eDann m\u00fcsste ich mir Sorgen machen\u201c, antwortete Frederick lachend. \u201eEiner von den Studenten, die nachweislich auf dieser Feier waren, hie\u00df genauso wie ich. Reiner Zufall hoffentlich!\u201c \u201eJa, hoffentlich!\u201c, pflichtete seine Kommilitonin ihm bei. Sie l\u00e4chelte, aber es wirkte hintergr\u00fcndig, und irgendwie hatte Frederick ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl dabei.<br \/>Sie stand auf, lie\u00df aber ihre Tasche auf dem Tisch liegen. \u201eBin gleich wieder da\u201c, k\u00fcndigte sie an.<br \/>Im Vorbeigehen stie\u00df sie an ihre Tasche, und ohne dass sie es merkte, \u00f6ffnete sich ein Seitenfach, und ein Studentenausweis rutschte heraus. Frederick fiel ein, dass er seine Kommilitonin eigentlich l\u00e4ngst mal nach ihrem Namen h\u00e4tte fragen k\u00f6nnen. Er nutzte die Gelegenheit und neigte den Kopf, um ihn vom Ausweis abzulesen: \u201eCaitriona Hannigan.\u201c\",\n\t\t\"Pharao Therthes hatte die Priester rufen lassen. Padris, der Hohepriester, und zwei andere riefen nun gemeinsam alle bekannten Gottheiten um ihren Beistand an.<br \/>Doch die M\u00fche w\u00fcrde vergebens sein. Tuthoxep, seit fr\u00fchester Jugend Freund und engster Vertrauter des Pharaos und sein wichtigster Diener, hatte viele Menschen gesehen, die das Fieber befallen hatte, und keinem davon hatten sich die Gottheiten gn\u00e4dig erwiesen. Vielleicht w\u00fcrde der Pharao noch einmal die Sonne aufgehen sehen, mehr durfte er sich nicht mehr erhoffen.<br \/>Tuthoxep wusste, was von ihm erwartet wurde: an der Seite seines Freundes zu bleiben und anschlie\u00dfend die Totenwache zu halten. Das bedeutete nichts anderes, als dass er mitgehen w\u00fcrde in die andere Welt, denn nat\u00fcrlich w\u00fcrde man dem Pharao seine wichtigsten Vertrauten mitgeben.<br \/>Seine Gedanken kreisten wie wild, w\u00e4hrend er sich mit schnellen Schritten dem Palast n\u00e4herte. Unter einem Vorwand war er weggegangen, als er begriffen hatte, was den Pharao niedergeworfen hatte, um seine Frau mit den beiden S\u00f6hnen wegzuschicken. Sie sollten in den S\u00fcden reisen, wo niemand sie kannte, und er hoffte, sie dort wiederzutreffen.<br \/>Er bezweifelte nicht, dass Hohepriester Padris die Tradition auch mit Gewalt durchsetzen w\u00fcrde, wenn es sein musste. Trotzdem wollte er Therthes nicht den letzten Gefallen verweigern, den er ihm tun konnte, und ihn so lange wie m\u00f6glich begleiten am Ende seiner Zeit in dieser Welt. Es kam darauf an, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, wenn der Hohepriester nach dem Tod des Pharaos das festgelegte Zeremoniell begann, w\u00fcrde er keine Gelegenheit mehr bekommen, zu fliehen.<br \/>Manchmal schalt er sich in Gedanken einen Feigling, dass er sich noch nicht bereit f\u00fchlte, in die andere Welt zu gehen. Doch w\u00fcrde Therthes \u00fcberhaupt einen Diener brauchen in der anderen Welt? Tuthoxep hatte einmal im Auftrag des Pharaos einen Grabraub untersucht, bei dem die R\u00e4uber nicht einmal davor zur\u00fcckgeschreckt waren, den inneren Sarkophag zu \u00f6ffnen, und seitdem zweifelte er. Wenn der Verstorbene seinen K\u00f6rper in der anderen Welt ben\u00f6tigte, wie konnte der K\u00f6rper dann unversehrt im Sarkophag liegen? Wie konnte dann alles, was dem Toten mitgegeben worden und f\u00fcr die R\u00e4uber nicht von Wert gewesen war, in der Kammer geblieben sein? Vielleicht, sagte Tuthoxep sich, w\u00fcrde Therthes sich sogar freuen, wenn sie sich sp\u00e4ter in der anderen Welt wiedersahen und er berichten konnte, was nach seinem \u00dcbergang in dieser Welt geschehen war?<br \/>Im Palast angekommen, stie\u00df er in der Halle vor dem Schlafgemach des Pharaos mit einem Beamten zusammen. \u201eTuthoxep!\u201c, seufzte der Mann. \u201eIch wurde gerade geschickt, dich zu suchen. Hohepriester Padris l\u00e4sst dir ausrichten, dass...\u201c Er verstummte, offensichtlich wollte er Tuthoxep, um dessen enges Verh\u00e4ltnis zum Pharao er wusste, die Todesnachricht m\u00f6glichst schonend \u00fcberbringen und suchte vergeblich nach den richtigen Worten. Doch Tuthoxep verstand auch so. \u201eDanke\u201c, sagte er schlicht.<br \/>Er tat so, als wollte er weitergehen zum Schlafgemach, wo die Priester auf ihn warteten, aber in Wirklichkeit wollte er nur genug Abstand zu dem Beamten gewinnen. Auf halber Strecke wandte er sich nach rechts und erreichte mit wenigen schnellen Schritten ein Fenster. Er wusste, dass es reichlich zwei Mannesl\u00e4ngen waren bis zum gepflasterten Hof; wenn es ungl\u00fccklich lief, w\u00fcrde er in wenigen Augenblicken in der anderen Welt mit dem Pharao vereint sein. Oder er verletzte sich so schwer, dass die Wachen ihn nur noch aufzulesen brauchten. Doch es war der einzige Weg, der vielleicht zur\u00fcck in diese Welt f\u00fchrte. Begleitet vom erschrockenen Aufschrei des Beamten sprang er.\",\n\t\t\"Das Handy piepte, als Lissy gerade unter der Dusche stand. Egal, kein Grund zur Eile. Das war bestimmt Sandra, die wissen wollte, wie es gelaufen, war, das konnte auch noch ein paar Minuten warten.<br \/>\u201eUnd, hat sich\u2019s gelohnt?\u201c \u201eHat\u201c, schrieb Lissy zur\u00fcck. \u201e100 \u20ac.\u201c \u201eNicht schlecht!\u201c, kam postwendend die Antwort. Lissy hatte Bekannten ihrer Eltern geholfen, die mit ihrem neuen Haus auch einen offenbar seit Jahren nicht mehr gepflegten Garten gekauft hatten, und die Leute hatten die Arbeit wirklich gro\u00dfz\u00fcgig bezahlt.<br \/>Eine halbe Minute sp\u00e4ter klingelte das Handy. \u201eUnd?\u201c, wollte Sandra wissen; offenbar dauerte ihr die Schreiberei zu lange. \u201eWas machst du mit dem Geld? N\u00e4chste Woche auf die Party?\u201c \u201eNee.\u201c Lissy sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch hab\u2019s Mama gegeben.\u201c \u201eWas?\u201c Unwillk\u00fcrlich hielt Lissy das Handy vom Ohr weg. \u201eWieso das? Da hast du doch f\u00fcr geschuftet! Und die Party \u2013 Luke ist bestimmt auch da!\u201c Sandra wusste, dass er f\u00fcr Lissy ein guter Grund gewesen w\u00e4re, auf die Give-Rhythm-a-Try-Party zu gehen, die am kommenden Wochenende in der Stadt stattfinden w\u00fcrde. Luke war im Jahrgang \u00fcber ihr, w\u00fcrde also in wenigen Wochen Abi machen, und ja, er gefiel ihr. Aber die Party w\u00fcrde 22 Euro Eintritt kosten, und was trinken w\u00fcrde sie ja auch wollen, da w\u00fcrde die H\u00e4lfte des Geldes, das sie heute verdient hatte, gleich wieder weg sein.<br \/>\u201eDu wei\u00dft doch, bei uns kommt gerade alles zusammen\u201c, versuchte sie Sandra zu erkl\u00e4ren. \u201eDas Auto muss repariert werden, sonst kommt Papa nicht zur Arbeit, die Waschmaschine ist auch hin, und Mama war letztens krank, da fehlt das Geld von zwei Wochen.\u201c Ihre Mutter arbeitete aushilfsweise als Schreibkraft, ein Minijob ohne Lohnfortzahlung bei Krankheit. \u201eVon den 100 Euro k\u00f6nnen sie den gr\u00f6\u00dften Teil von Nickys Klassenfahrt bezahlen.\u201c Nicky war ihre kleine Schwester, sie ging in die f\u00fcnfte Klasse und freute sich wahnsinnig auf die Klassenfahrt in die Eifel, die demn\u00e4chst anstand. Sie w\u00fcrde am Boden zerst\u00f6rt sein, wenn sie nicht mitkonnte, und das zu verhindern war Lissy wichtiger als eine Party. Mit Luke konnte sie auch bei einer anderen Gelegenheit ins Gespr\u00e4ch kommen.<stars>Nat\u00fcrlich erz\u00e4hlte Sandra ausf\u00fchrlich von der Party. Es tat schon weh, das zu h\u00f6ren und sich dabei auszumalen, wie der Abend h\u00e4tte verlaufen k\u00f6nnen, wenn sie hingegangen w\u00e4re. Aber mal ganz ehrlich, es h\u00e4tte so laufen k\u00f6nnen, aber auch ganz anders, und wenn es einen Beweis gab, dass sie richtig gehandelt hatte, dann Nickys Freude, als die ganze Familie sie am Morgen der Klassenfahrt zum Bus brachte. Dass Lissy ihr die Klassenfahrt fast allein finanziert hatte, wusste sie nicht, und Lissy w\u00fcrde es ihr auch nicht verraten.<br \/>\u201eHoppla!\u201c, sagte pl\u00f6tzlich jemand neben ihr. \u201eIch wusste gar nicht, dass du auch eine Schwester in der F\u00fcnften hast!\u201c Luke! Was machte der denn hier? Obwohl, er hatte es ja gerade gesagt. \u201eDoch, da vorne\u201c, antwortete sie, obwohl er das vermutlich gesehen hatte. \u201eUnd die, mit der sie da rumbl\u00f6delt, ist meine\u201c, antwortete Luke. \u201eDann bist du also die tolle gro\u00dfe Schwester, von der ich die beiden immer reden h\u00f6re.\u201c Bei seinem L\u00e4cheln wurde Lissy ganz warm, und sie konnte nicht verhindern, dass sie feuerrot wurde.\",\n\t\t\"Eigentlich hab ich Tante Thekla kaum gekannt. Genau genommen hat sie wohl niemand aus der Familie richtig gekannt. Sie war eine Schwester meines Gro\u00dfvaters, der schon lange nicht mehr lebt. Sie hatte keine Kinder, und meine Mutter ist die einzige Nichte. Deshalb ist ihr auch die Aufgabe zugefallen, jetzt, wo Tante Thekla gestorben ist, die Wohnung aufzul\u00f6sen. Ein Mammutprojekt, wenn man nicht alles unbesehen in den Container schmei\u00dfen will, und dabei hat Tante Thekla gar nicht mal \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Zeug gehortet.<br \/>Mama ist dankbar f\u00fcr jede Hilfe, und genau deshalb hab ich mir heute meine beste Freundin gegriffen, um Sachen zu sortieren. Aktuell ist der \u00fcppig gef\u00fcllte Kleiderschrank dran; da wird eine ordentliche Fuhre zur Kleiderkammer gehen.<br \/>Es f\u00fchlt sich komisch an, wenn man daran denkt, dass die Sachen vor gar nicht allzu langer Zeit von einem Menschen getragen wurden, der jetzt nicht mehr da ist. Ein bisschen komme ich mir vor wie ein Eindringling. Trotzdem kann ich mir nicht verkneifen, mir ein weinrotes Kleid anzuhalten und mir dazu ein buntes Tuch um den Hals zu legen. \u201eWie seh ich aus?\u201c<br \/>Nicky stutzt kurz, dann pfeift sie anerkennend und lacht. \u201eWenn du noch einen Strohhut aufsetzt, dann wie eine Dame beim Sonntagsspaziergang in den Zwanzigern\u201c, behauptet sie.<br \/>Einen Strohhut hab ich sogar gesehen, irgendwo oben im Schrank. W\u00e4hrend ich ihn herauskrame und meine Kost\u00fcmierung vervollst\u00e4ndige, greift Nicky sich eine gebl\u00fcmte Bluse. \u201eUnd?\u201c \u201eTotal 68!\u201c<br \/>Pl\u00f6tzlich sind wir wieder sieben und feiern ein wildes Kost\u00fcmfest. Damals haben wir das so oft gemacht, mindestens einmal die Woche. Wir wechseln von einer Verkleidung in die andere, posieren und machen ohne Ende Fotos. Ob Tante Thekla was dagegen h\u00e4tte, dass wir das mit ihren Sachen machen? Ich glaube nicht, eigentlich m\u00fcsste ihr doch gefallen, dass wir nicht einfach alles achtlos in die mitgebrachten S\u00e4cke stopfen, und ein paar h\u00fcbsche Teile finden auf diese Weise sogar ohne Umweg \u00fcber die Kleiderkammer einen neuen Liebhaber.<br \/>\u201eDas darfst du echt keinem erz\u00e4hlen!\u201c, behauptet Nicky irgendwann. \u201eDie halten uns ja f\u00fcr komplett bescheuert!\u201c Dann winkt sie ab und lacht. \u201eEgal, verkleiden geht immer, oder?\u201c\",\n\t\t\"\u201eMayday, Mayday!\u201c Johannes schrie die Worte ins Funkger\u00e4t. Fast verga\u00df er in seiner Panik, Namen und Position des Schiffes zu funken. \u201eO mein Gott, beeilt euch!\u201c<br \/>Warum antwortete denn niemand? Es war die erste Fahrt des jungen Funkers, und wenn nicht schnell Hilfe kam, w\u00fcrde es auch seine letzte sein. Der kleine Frachter Lisabelle trieb hilflos in der Nordsee, die Maschine war ausgefallen, das Ruder reagierte nicht mehr. Und der Sturm wurde immer schlimmer! Das Deck war schon geneigt unter Johannes\u2018 F\u00fc\u00dfen, und wenn der Wind das Schiff quer zu den Wellen drehte, dann war es nur eine Frage von Minuten, h\u00f6chstens, bis es kenterte.<stars>\u201eMayday, Mayday!\u201c Jakob zuckte zusammen, als die verzweifelten Rufe aus dem Lautsprecher seines Funkger\u00e4ts kamen. Das Ger\u00e4t war uralt, sein Gro\u00dfvater hatte als junger Mann damit gefunkt, und vor ein paar Tagen hatte Jakob seinen Vater endlich \u00fcberredet, dass er es vom Dachboden holen und ausprobieren durfte, ob es noch funktionierte. Bisher hatte er nicht mehr als ein paar unverst\u00e4ndliche Wortfetzen geh\u00f6rt, aber der Notruf war klar und so laut, dass es fast wehtat in den Ohren.<br \/>Hastig griff Jakob nach Zettel und Stift, um den Namen des Schiffs und seine Position zu notieren. Und jetzt? Den Notruf w\u00e4hlen? 112? Nein, besser die Seenotrettung! Er googelte die Nummer, tippte sie hastig ins Handy. Der Ruf ging durch, und eine sonore M\u00e4nnerstimme fragte, was los war. Jakob sprudelte alles hervor, schnell und ungeordnet. \u201eLisabelle sagst du?\u201c, vergewisserte sich der Mann von der Rettung und gab auch die Koordinaten wieder, die Jakob genannt hatte. \u201eJa, ja!\u201c, rief Jakob. \u201eBeeilen Sie sich doch! Vielleicht ist das Schiff schon gekentert!\u201c<br \/>Er h\u00f6rte, wie am anderen Ende der Leitung eine Tastatur klapperte. \u201eWusste doch, dass ich den Namen schon mal geh\u00f6rt hab!\u201c, meldete der Mann sich dann wieder. \u201eDie Lisabelle ist im Sturm gesunken \u2013 1968! Ein \u00e4lterer Kollege hat mir vor Jahren davon erz\u00e4hlt. Sei froh, dass ich den Rettungskreuzer nicht rausgeschickt hab, sonst w\u00fcrd\u2019s richtig teuer f\u00fcr dich! Hast du eine Ahnung, was so ein Einsatz kostet?\u201c<stars>Jakob wusste es nicht, und es interessierte ihn auch nicht. Warum glaubte der Mann ihm nicht? Er hatte den Funkruf doch genau geh\u00f6rt!<br \/>Aber das Internet gab dem Mann von der Rettung Recht: Die Lisabelle war schon vor 50 Jahren gesunken, sogar auf den Tag genau. Nirgends war ein Notruf eingegangen, die Welt hatte erst von dem Untergang erfahren, als die Besatzung es geschafft hatte, mit dem Rettungsboot an Land zu kommen.<br \/>Jakob \u00fcberlegte. Hatte sein Funkger\u00e4t den Notruf damals empfangen und irgendwie gespeichert? Er besah sich das Ger\u00e4t genau, aber er fand weder ein Tonband, noch einen Wiedergabeknopf.<stars>Er gr\u00fcbelte noch, als er schon im Bett lag. Schon halb im Einschlafen kam ihm eine verr\u00fcckte Idee: Gab es eine Parallelwelt, die diese durchdrang? Eine Parallelwelt, in der es erst 1968 war und die Besatzung der Lisabelle gerade um ihr Leben k\u00e4mpfte?\",\n\t\t\"Sie sah verloren aus, allein auf dem Flur vor dem Lehrerzimmer. Das Blut hatte sie abgewaschen, aber der Arm tat ihr immer noch weh, das sah er genau. Es tat ihm leid, sie konnte nichts daf\u00fcr, dass es ein bl\u00f6der Tag gewesen war, er hatte die Nerven verloren.<br \/>Sie sah, wie er sich z\u00f6gernd n\u00e4herte. Seine Selbstsicherheit war ihm verloren gegangen. Dabei hatte sie sich alles selbst zuzuschreiben: Was hatte sie an seinen Sachen verloren? Sie hatte nur wissen wollen, ob er... Egal, sie h\u00e4tte es nicht tun d\u00fcrfen, und dass sie sich verletzt hatte, als er sie geschubst hatte... Er hatte sie \u00fcberrascht mit seiner Heftigkeit, nur deshalb hatte sie das Gleichgewicht verloren.<br \/>Er war froh, dass sie ihn ansprach und ihm sagte, er sollte sich zu ihr setzen. Sie w\u00fcrde sich nicht \u00fcber ihn beschweren, versprach sie, sie w\u00fcrde auch zugeben, dass sie ungefragt an seine Sachen gegangen war. Alles andere war einfach Pech gewesen, und noch war nicht alles verloren. Sie glaubte nicht, dass er fliegen w\u00fcrde, sie w\u00fcrde beitragen, was sie konnte, um es zu verhindern.<br \/>\u201e\u00dcbrigens, das hast du vorhin verloren\u201c, sagte er. \u00dcberrascht nahm sie das Halskettchen, das er ihr hinhielt. Sie hatte es selbst abgerissen, als sie vergeblich versucht hatte, sich festzuhalten. Er hatte es sogar geschafft, das gerissene Glied zu reparieren. \u201eUnd noch was:\u201c, sagte er. \u201eIch bin ich echt froh, dass ich dich nicht als Freundin verloren hab.\u201c<br \/>\u201eIch h\u00e4tte es dir lieber anders gesagt als ausgerechnet so\u201c, sagte sie. \u201eAber jetzt wei\u00dft du es.\u201c Noch hatte sie die Hoffnung nicht verloren. \u201eNaja, sag\u2019s wenigstens nicht weiter.\u201c<br \/>Dass er sie nicht l\u00e4cherlich machen w\u00fcrde, verstand sich von selbst. Selbst wenn sie ihn nicht eigens darum gebeten h\u00e4tte, h\u00e4tte er kein Wort dar\u00fcber verloren. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er sich befreit, und er begriff: Auch wenn es anders ausgesehen hatte, er hatte gar nichts verloren. Im Gegenteil, er hatte etwas gewonnen.\"\n\t];\n\n\tvar headers = [\n        \"<i>Zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Winter 2025\/26 habe ich erstmals zwei Geschichten eingereicht. Offiziell gab es nie eine Regel, die das untersagte, aber erst im letzten Jahr kam die Frage ernsthaft auf, und es hat dem Wettbewerb nicht geschadet, dass wir uns mit dem ohnehin nicht so gro\u00dfen Teilnehmerkreis darauf geeinigt haben, zwei oder drei Geschichten ausdr\u00fccklich zuzulassen. &bdquo;Der schlechteste K\u00f6nig von allen&rdquo; war meine erste Idee zum vorgegebenen Stichwort &bdquo;Fl\u00fcstern&rdquo; und hat am Ende den virtuellen Pokal gewonnen.<\/i>\",\n        \"<i>Dies war mein zweiter Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Winter 2025\/26, eine Idee, die mir kam, nachdem ich einen Beitrag schon eingereicht hatte. Als 4. kam die Geschichte am Ende im Mittelfeld aus.<\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Herbst 2025. Das Stichwort war &bdquo;Staubsauger&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Sommer 2025. Das Stichwort war &bdquo;Stern(e)&rdquo;. Es gab eine kleine Regel\u00e4nderung, eigentlich nur eine Klarstellung, dass jeder Autor durchaus mehrere Beitr\u00e4ge einreichen darf. Das Gegenteil war nie behauptet worden, aber offenbar implizit angenommen. Dadurch war diesmal die Anzahl der eingereichten Geschichten deutlich gr\u00f6\u00dfer als zuletzt.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Fr\u00fchjahr 2025. Das Stichwort war &bdquo;Netz&rdquo;. Auch wenn es f\u00fcr mich diesmal nicht f\u00fcr einen der vorderen Pl\u00e4tze gereicht hat, freue ich mich \u00fcber die Anzahl der Beitr\u00e4ge, die etwas \u00fcber dem zuletzt doch mageren Durchschnitt lag, und die Vielfalt dabei.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Winter 2024\/25. Das Stichwort, das ich als Sieger der vorherigen Runde selbst vorgeben durfte, war &bdquo;Br\u00fccke&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Herbst 2024 und erreichte bei leider nur vier Einsendungen den ersten Platz. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Stepptanz&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Sommer 2024. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Wut&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Fr\u00fchjahr 2024. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Streik&rdquo;. Woher die Idee f\u00fcr dieses Stichwort kam, ist kein gro\u00dfes R\u00e4tsel, zu der Zeit wurde in einer ganzen Reihe von Branchen gestreikt.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Winter 2023\/24. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Chaos&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Herbst 2023. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;gr\u00fcn&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Sommer 2023. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Geliefert&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Mein Beitrag zum Fr\u00fchjahrsschreibwettbewerb 2023. Das vorgegebene Thema war &quot;Eine freie Hammergeschichte mit viel Gef\u00fchl&quot;<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Dieser Beitrag entstand f\u00fcr den Wettbewerb im Forum B\u00fcchereule im Winter 2022\/23<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Oktober 2022. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;M\u00e4rchen&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Juli 2022. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Angst&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Mein Beitrag zum Fr\u00fchjahrs-Wettbewerb 2022 der B\u00fcchereule. Das vorgegebene Thema war &bdquo;Punkte&rdquo;. Weil in den Kommentaren die eine oder andere Bitte um Aufkl\u00e4rung kam, habe ich sp\u00e4ter eine Mittagspause daf\u00fcr genutzt, einen kleinen Prolog zu schreiben.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte war mein Beitrag zum Schreibwettbewerb bei der B\u00fcchereule. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;kalt&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb des Forums B\u00fcchereule im Herbst 2021 und belegte dort den 2. Platz.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Dieser Beitrag entstand f\u00fcr den Schreibwettbewerb des Forums B\u00fcchereule im Sommer 2021. Das vorgegebene Thema war &bdquo;Arbeit&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte war mein Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Fr\u00fchjahr 2021. Sie hat unter 9 Einsendungen den zweiten Platz belegt.<\\\/i><hr style=\\\"text-align:center;width: 25%;\\\">\",\n\t\t\"<i>Dies war der Beitrag zum B\u00fcchereulen-Schreibwettbewerb Winter 2020\/21. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Erz\u00e4hlweise schwerer zu verstehen ist, als ich gedacht h\u00e4tte; deshalb gebe ich hier vorab den Hinweis, dass die einzelnen Abschnitte in zeitlich absteigender Reihenfolge erz\u00e4hlt sind.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Herbst 2020. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Urlaub&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese kurze Fortsetzung zu <a href=\\\"https:\/\/rene-bote.jimdofree.com\/kurzgeschichten\/commissario-giovanni-gelati-jagt-die-glasr%C3%A4uber\\\">Commissario Giovanni Gelati<\\\/a> jagt die Glasr\u00e4uber war mein Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Sommer 2020. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;Musik&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte war mein Beitrag zum Fr\u00fchjahrsschreibwettbwerb 2020 bei der B\u00fcchereule. Das vorgegebene Thema war &bdquo;Gl\u00fccksbringer\/Talisman&rdquo;. &bdquo;Der Gl\u00fcckszettel&rdquo; hat unter leider nur vier Einsendungen den zweiten Platz belegt; es war ein knappes Rennen, das erst wenige Minuten vor Wertungsschluss entschieden wurde.<br \/>Um die Obergrenze von 600 W\u00f6rtern einzuhalten, die die B\u00fcchereule f\u00fcr die eingereichten Beitr\u00e4ge vorschreibt, musste ich die Geschichte kr\u00e4ftig k\u00fcrzen, und dabei ist leider auch manches nette Detail, das ich gerne behalten h\u00e4tte, der Schere zum Opfer gefallen. Die <a href=\\\"https:\/\/rene-bote.jimdofree.com\/kurzgeschichten\/der-gl%C3%BCckszettel\\\">urspr\u00fcngliche Version<\\\/a> kann bei den Kurzgeschichten nachgelesen werden.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Mein Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Winter 2019\/2020. Stichwort war diesmal &bdquo;Legenden&rdquo;, &bdquo;Semester 184&rdquo; hat unter 5 Einsendungen den zweiten Platz belegt.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte war mein Beitrag zum B\u00fcchereulen-Schreibwettbewerb im Herbst 2019. Das Stichwort hatte ich ja nach dem Gewinn des Sommerwettbewerbs vorgeben d\u00fcrfen, es lautete Wache. Ausgesucht habe ich es \u00fcbrigens nach dem Zufallsprinzip, indem ich nacheinander eins meiner B\u00fccher, darin eine Seite und dann ein Wort ausgew\u00fcrfelt habe.<br \/>Die Platzierung im Wettbewerb ist nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, weil an der Spitze drei Beitr\u00e4ge dicht beisammen waren und eine Wertung nicht durchgekommen ist. Letztlich wurde dem Vorschlag eines Mitglieds der Orga-Gruppe nicht widersprochen, die nachtr\u00e4glich eingereichte Bewertung in die Tabelle aufzunehmen, sodass &bdquo;Totenwache &ndash; Wachentod&rdquo; vom dritten auf den ersten Platz gesprungen ist, die Auswahl eines neuen Stichworts f\u00fcr den n\u00e4chsten Wettbewerb aber jener Autorin zu \u00fcberlassen, die ohne die letzte Wertung gewonnen h\u00e4tte.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Auch diese Geschichte entstand im Zuge des Schreibwettbewerbs der B\u00fcchereule. Vorgegeben f\u00fcr den Wettbewerb, der im Juli und August 2019 stattfand, war das Stichwort &bdquo;Liebe&rdquo;. Aufgrund diverser Umstellungen in der Organisation des Forums, die mich auch ins Orga-Team gesp\u00fclt haben, gab es diesmal nur vier Beitr\u00e4ge. &bdquo;Was wirklich z\u00e4hlt&rdquo; hat unter diesen Einsendungen recht deutlich den ersten Platz belegt. Deshalb darf ich auch das Stichwort f\u00fcr die n\u00e4chste Wettbewerbsrunde vorgeben, deren Gewinner im November gek\u00fcrt wird: &bdquo;Wache&rdquo;.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte war als Beitrag f\u00fcr den Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Dezember 2018 gedacht. Aus nicht gekl\u00e4rten Gr\u00fcnden ist die E-Mail, mit der ich den Beitrag eingereicht habe, in den Weiten des Internets verschollen, was ich erst gesehen habe, als die Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht wurden. Daher ist die Ver\u00f6ffentlichung hier die Erstver\u00f6ffentlichung. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;zeitlos&rdquo;<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand f\u00fcr den Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im September 2018. Als Stichwort war &bdquo;Parallelwelten&rdquo; vorgegeben.<\\\/i>\",\n\t\t\"<i>Diese Geschichte entstand als Beitrag zum Schreibwettbewerb der B\u00fcchereule im Sommer 2018. Das vorgegebene Stichwort war &bdquo;verloren&rdquo;. Es war meine erste Teilnahme an einen Schreibwettbewerb \u00fcberhaupt, und die Geschichte war zugegebenerma\u00dfen ziemlich \u00fcbers Knie gebrochen, weil ich erst kurz vor Abgabeschluss auf den Wettbewerb aufmerksam wurde. Ich habe die Idee auf dem Fu\u00dfweg zum Bahnhof entwickelt und sie auf dem Bahnsteig aufgeschrieben, w\u00e4hrend ich auf den Zug gewartet habe.<\\\/i>\"\n\t];\n\n\tvar previous = window.onlaod;\n\twindow.onload = function () {\n\t\t\tif(previous) {\n\t\t\t\tprevious();\n\t\t\t}\n\t\t\tvar html = \"\";\n\t\t\tvar indexhtml = \"\";\n\t\t\tfor(let i = 0; i < titles.length; i++)\n\t\t\t{\n\t\t\t\t\tvar storyhtml = '<div style=\"width:100%;border:1px solid black; border-radius:6px;margin-top:5px;padding:5px;\" id=\"' + ids[i] + '\">';\n\t\t\t\t\tstoryhtml += '<h3 style=\"text-align:center;\">' + titles[i] + '<\\\/h3><hr style=\"text-align:center;margin-left:3px;margin-right:3px;color:lightgray;\" \/>';\n\t\t\t\t\tif(headers[i] != \"\") {\n\t\t\t\t\t\t\tstoryhtml += '<p style=\"text-align:justify;\">' + headers[i] + '<\\\/p><br \/>';\n\t\t\t\t\t}\n\t\t\t\t\tstoryhtml += '<p style=\"text-align:justify;\">' + text[i].replace(\/<stars>\/g, '<\\\/p><br \/><p style=\"text-align:center;\">***<\\\/p><br \/><p style=\"text-align:justify;\">') + '<\\\/p>';\n\t\t\t\t\tstoryhtml += '<\\\/div>';\n\t\t\t\t\tindexhtml += '<a href=\"#' + ids[i] + '\">' + titles[i] + '<\\\/a><br \/>';\n\t\t\t\t\thtml += storyhtml;\n\t\t\t}\n\t\tdocument.getElementById(\"content\").innerHTML = indexhtml + '<div style=\\\"height:20px;\\\"><\\\/div>' + html;\n\t};\n\n<\/script>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab und an reiche ich kurze Beitr\u00e4ge zu Schreibwettbewerben ein, in erster Linie bei der B\u00fcchereule. 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